Probezeitkündigung: Was Arbeitnehmer jetzt tun müssen

Blöd, wenn sich der neue Traumjob nach kurzer Zeit als Fehlgriff entpuppt. Dann hilft meist nur die Probezeitkündigung. Erst recht, wenn Gespräche mit Vorgesetzten und Kollegen zu keinem konstruktiven Ergebnis führen. Dann lieber noch in der Probezeit kündigen. Es gibt aber auch die andere, in der Regel problematischere Variante: Der Arbeitgeber spricht eine Probezeitkündigung aus. Was Sie dann tun können (und sollten)…

Probezeitkündigung: Was Arbeitnehmer jetzt tun müssen

Probezeitkündigung: Das versteht man darunter

Eine Probezeitkündigung ist jederzeit möglich. Im Gegensatz zu einem Arbeitsverhältnis nach der Probezeit, sogar ohne Angabe von Gründen. Grundsätzlich können Arbeitnehmer in der Probezeit also nicht von dem Kündigungsschutzgesetz profitieren.

Trotzdem muss sich der Arbeitgeber an gewisse Vorgaben halten. Er kann nicht willkürlicher oder wegen einer persönlichen Abneigung dem Arbeitnehmer gegenüber kündigen. Dem steht das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) entgegen.

In der Realität wird das allerdings schwierig nachzuweisen sein. Da der Arbeitgeber keine Gründe für eine Probezeitkündigung nennen muss, kann er beispielsweise aufgrund einer bestimmten Religionszugehörigkeit kündigen – solange er das nicht als Grund angibt.

Auch der Sonderkündigungsschutz wird durch die besonderen Rechte einer Kündigung in der Probezeit nicht ausgehebelt:

genießen bereits in der Probezeit einen Schutz vor Kündigung. Auch schwerbehinderte Arbeitnehmer fallen unter den Sonderkündigungsschutz. Gemäß Paragraph § 90, Abs. 1 Nr. 1 des IX. Sozialgesetzbuches, greift dieser jedoch erst nach der Probezeit.

Eine Probezeitkündigung ist also auch für Mitarbeiter mit einem Schwerbehindertenausweis möglich, solange sich der Arbeitgeber dabei an die üblichen Vorgaben hält.

Trotzdem sollten Schwerbehinderte auch eine Kündigung in der Probezeit dem Integrationsamt anzeigen – und zwar innerhalb einer Frist von vier Tagen.

Anders ist es bei Schwerbehinderten, die sich in einer Ausbildung befinden. Für diese Personen gilt auch während der Probezeit Kündigungsschutz.

Der Unterschied zwischen Wartezeit und Probezeit

Der Unterschied zwischen Wartezeit und ProbezeitWenn Arbeitnehmer einen Arbeitsvertrag unterschreiben und darin eine Probezeit von nur drei Monaten finden, sollten Sie sich nicht zu früh freuen.

Damit der gesetzliche Kündigungsschutz greift, ist regelmäßig nämlich die Wartezeit und nicht die individuell vereinbarte Probezeit ausschlaggebend. Und diese Wartezeit ist sechs Monate lang – was der Länge der meisten Probezeiten entspricht.

Das bedeutet, dass Arbeitnehmer schon die Probezeit hinter sich haben, aber immer noch ohne Angabe von Gründen gekündigt werden können – und zwar bis zum Ende der Wartezeit.

Probezeitkündigung in einem befristeten und unbefristeten Arbeitsverhältnis

Obwohl eine Probezeitkündigung ohne weiteres möglich ist, fragen sich Arbeitnehmer, ob es einen Unterschied macht, ob ein unbefristeter oder befristeter Arbeitsvertrag gekündigt wird. Wir klären auf:

  1. Probezeitkündigung bei einem befristeten Arbeitsvertrag

    Hin und wieder einigen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber darauf, einen befristeten Arbeitsvertrag zu schließen, der der Länge der Probezeit entspricht.

    Stellen beide oder eine Partei nach Ablauf der Befristung fest, dass sie nicht zusammen passen, endet das Arbeitsverhältnis ganz automatisch. In diesem Fall muss also keine Probezeitkündigung ausgesprochen werden.

    Sollten beide dagegen zu dem Entschluss kommen, das Arbeitsverhältnis fortsetzen zu wollen, muss ein neuer Arbeitsvertrag geschlossen werden.

  2. Probezeitkündigung bei einem unbefristeten Arbeitsvertrag

    Handelt es sich um einen unbefristeten oder einen befristeten Arbeitsvertrag, der eine längere Laufzeit als die Kündigungsfrist hat, muss dieser gekündigt werden, wenn das Arbeitsverhältnis nicht fortbestehen soll.

    Ein unbefristeter und ein befristeter Arbeitsvertrag enden nach einer Probezeitkündigung allerdings erst nach einer gewissen Zeit. In der Regel sind es zwei Wochen nachdem die Kündigung ausgesprochen wurde. Die entsprechende Regelung darüber findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) Paragraph § 622 Abs. 3.

    Es können aber auch andere Regelungen in einem Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag festgelegt sein, die die Frist verlängern bis die Probezeitkündigung gültig wird.

    Übrigens läuft die Frist ab dem Zeitpunkt der Bekanntgabe der Kündigung und nicht wie bei einer Kündigung nach der Probezeit erst am dem 15. oder dem Ende des Monats.

Probezeitkündigung: Muster für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Kündigung in der Probezeit Muster Arbeitnehmer Arbeitgeber fristlosSollten Sie – als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer – zu dem Entschluss kommen, dass Sie nicht zusammen passen, ist es meist besser, noch in der Probezeit ohne größere Probleme zu kündigen. Wie ein derartiges Kündigungsschreiben aussehen kann, haben wir hier als Muster für Sie vorbereitet.

Sollten Sie einige Passagen aus unserer Vorlage kopieren, achten Sie bitte darauf, dass Sie betreffenden Fristen anpassen.

Kündigung in der Probezeit durch den Arbeitnehmer

Kündigung in der Probezeit durch den Arbeitgeber

Was tun nach einer Probezeitkündigung?

Wenn Sie als Arbeitnehmer noch in der Probezeit gekündigt haben, haben Sie unter Umständen keine Lust, noch weiter am Arbeitsplatz zu erscheinen. Da die Kündigungsfrist in der Regel aber zwei Wochen beträgt, sind Sie dazu verpflichtet.

Was also tun? Sie könnten beispielsweise Urlaub nehmen. Denn auch in der Probezeit erwerben Sie einen Anspruch auf Erholungsurlaub, obwohl dieser in der Regel erst nach der Probezeit gewährt wird. Da es dazu aber nicht mehr kommen wird, können Sie Urlaub beantragen.

Für jeden vollen Monat, den Sie im Unternehmen tätig waren, haben Sie Anspruch auf ein Zwölftel Ihres Jahresurlaubs. Sollte Ihr Arbeitgeber Ihnen den Urlaub nicht genehmigen, haben Sie zumindest ein Recht darauf, dass er Ihnen ausbezahlt wird.

Sollten Sie also weiterhin im Unternehmen erscheinen müssen, verhalten Sie sich fair und respektvoll den anderen Mitarbeitern und dem Arbeitgeber gegenüber. Das gilt natürlich nur für den Fall, dass nichts Schwerwiegendes vorgefallen ist.

Wenn Sie wegen Mobbing oder einer anderen Verfehlung der Mitarbeiter oder des Arbeitgebers gekündigt haben, kann es natürlich schwerfallen, sich respektvoll und fair zu verhalten. In diesem Fall sollten Sie den Kontakt so weit wie möglich versuchen einzuschränken.

Eine Alternative ist übrigens der Aufhebungsvertrag. Damit können Sie die Kündigungsfrist umgehen und das Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung kündigen. Allerdings muss der Arbeitgeber dem Aufhebungsvertrag zustimmen. Bei einem zerrütteten Arbeitsverhältnis gibt es in dieser Hinsicht jedoch meist wenig Widerstände.

Für den Fall, dass die Probezeitkündigung nicht von Ihrer Seite kommt, Sie sich aber trotzdem im Guten von Ihrem Arbeitgeber trennen, sollten Sie das Gespräch mit ihm suchen.

So können Sie wertvolles Feedback erhalten, das Ihnen bei Ihrem weiteren beruflichen Weg helfen kann. Machen Sie dabei jedoch nicht den Fehler, sich in Rechtfertigungen zu ergehen. Warum Sie sich so oder so verhalten haben, ist jetzt nicht mehr wichtig.

Wichtig ist dagegen, dass Sie dieses Gespräch dazu nutzen, Fragen zu stellen und vielleicht sogar Ratschläge zu bekommen. Schließlich sind Sie nicht der erste Mitarbeiter, den Ihr Arbeitgeber eingestellt hat. Er kann daher aus einem Fundus an Tipps und Verhaltensregeln schöpfen, die er Ihnen mit etwas Glück auch verraten wird. Genau das kann Ihnen im nächsten Job helfen – und die Probezeitkündigung hatte dann auch gute Seiten.

Arbeitnehmer, die eine Kündigung in der Probezeit erhalten, sollten sich bei der Agentur für Arbeit melden. Unter Umständen haben Sie Anspruch auf Sozialleistungen und können so die Zeit, bis Sie einen neuen Job gefunden haben, besser überbrücken.

Fristlose Kündigung in der Probezeit durch Arbeitnehmer

Die bisherigen Ausführungen haben sich auf eine fristgerechte, in der Regel 14-tägige Probezeitkündigung bezogen. Daneben können Arbeitnehmer aber auch die Notwendigkeit verspüren, fristlos noch in der Probezeit zu kündigen.

Das ist möglich, allerdings müssen dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehört, dass Sie die Kündigung auf jeden Fall schriftlich einreichen müssen und dem Arbeitgeber die Gründe für Ihre fristlose Kündigung möglichst genau schildern. Außerdem muss in der Regel ein wichtiger Grund gemäß Paragraph § 626 BGB vorliegen.

Zu diesen Gründen, die eine fristlose Kündigung in der Probezeit rechtfertigen können, gehören unter anderem:

Arbeitnehmer, die ein derartiges Verhalten Ihres Arbeitgebers erdulden mussten, sollten darüber nachdenken, noch weitere Schritte einzuleiten.

Gerade bei Straftaten sollte die Polizei informiert werden. Verstößt der Arbeitgeber andauernd gegen die Vorschriften der Arbeitssicherheit, sollte der Betriebsrat und die Berufsgenossenschaft darüber in Kenntnis gesetzt werden.

Je nach vorliegendem Fall sollte auch der Vertrauensmitarbeiter oder die Ombudsperson im Unternehmen über das Vorgehen informiert werden.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
23. Februar 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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