Definition: Was ist ein Mobbingtagebuch?
Ein Mobbingtagebuch ist eine chronologische Dokumentation möglicher Mobbingvorfälle. Darin halten Betroffene genau fest, wann und wo etwas passiert ist, wer beteiligt war, was gesagt oder getan wurde und ob es dafür Zeugen oder Beweise gibt. Das Tagebuch erfüllt hauptsächlich drei Funktionen:
- Dokumentation
Wiederholte Schikanen oder Ausgrenzung werden nachvollziehbar dokumentiert. - Gesprächsgrundlage
Es dient als glaubwürdige Grundlage für Gespräche mit Vorgesetzten oder Betriebsrat. - Mustererkennung
Durch die täglichen Notizen werden Muster und die Systematik der Schikane erkennbar.
Hinweis: Ein Mobbingtagebuch ist kein automatischer Beweis dafür, dass tatsächlich Mobbing vorliegt! Es dient in erster Linie der Dokumentation. Sollte es zu einer juristischen Auseinandersetzung kommen, benötigen Sie meist weitere Beweise.
Anleitung: Was gehört in ein Mobbingtagebuch?
Je genauer Sie einen Vorfall dokumentieren, desto besser lässt er sich später nachvollziehen. Schreiben Sie deshalb nicht nur „Der Kollege hat mich wieder gemobbt“, sondern halten Sie konkrete Handlungen, Aussagen und Umstände fest:
Angabe |
Was Sie notieren sollten |
| Datum | An welchem Tag hat sich der Vorfall ereignet? |
| Uhrzeit | Wann begann und endete die Situation ungefähr? |
| Ort | Wo ist es passiert – Büro, Meeting, Kantine, Videokonferenz oder Chat? |
| Beteiligte | Wer hat was gesagt oder getan? |
| Vorfall | Beschreiben Sie den Ablauf möglichst konkret und sachlich. Wörtliche Aussagen sollten Sie, soweit erinnerlich, als Wortlaut kennzeichnen. |
| Zeugen | Wer war anwesend und könnte den Vorfall bestätigen? |
| Beweise | Notieren Sie vorhandene E-Mails, Nachrichten, Dokumente oder andere zulässig gesicherte Unterlagen. |
| Reaktion | Wie haben Sie reagiert und was geschah unmittelbar danach? |
| Folgen | Welche konkreten Auswirkungen hatte der Vorfall beispielsweise auf Ihre Arbeit oder Zusammenarbeit? |
Praxis-Tipp: Schreiben Sie jeden Vorfall möglichst noch am selben Tag auf. Je länger Sie warten, desto schwieriger wird es, Gesprächsverläufe, Uhrzeiten und Details zuverlässig zu rekonstruieren.
Mobbingtagebuch Beispiel
Ein guter Eintrag beschreibt nicht nur den Vorfall, sondern dokumentiert möglichst konkret, wer wann was getan oder gesagt hat. So könnte ein Eintrag im Mobbingtagebuch aussehen:
Angabe |
Beispiel |
| Datum | 15. August 2027 |
| Uhrzeit | 9:15 bis 9:30 Uhr |
| Ort | Wöchentliches Teammeeting, Besprechungsraum 2 |
| Beteiligte | Vorgesetzter Herr Muster, ich |
| Vorfall | Herr Muster unterbrach meine Präsentation und sagte vor dem Team: „Das ist wieder typisch. Sie bekommen nicht einmal eine einfache Auswertung hin.“ Anschließend beendete er meine Präsentation, ohne mir Gelegenheit zur Erklärung zu geben. |
| Zeugen | Frau Beispiel, Herr Vorlage und vier weitere Teammitglieder |
| Beweise | Präsentation und Kalendereinladung zum Teammeeting vorhanden |
| Reaktion | Ich widersprach nicht und setzte mich wieder auf meinen Platz. Nach dem Meeting sprach mich Frau Beispiel auf den Vorfall an. |
| Folgen | Meine Auswertung wurde im Meeting nicht mehr besprochen. Die Aufgabe wurde anschließend einem Kollegen übertragen. |
Wichtig: Trennen Sie beobachtbare Tatsachen von Ihrer persönlichen Bewertung. Dadurch werden die Aufzeichnungen sachlicher, objektiver und überzeugender.
Mobbingtagebuch Vorlage – Kostenloser Download
Ein Mobbingtagebuch sollte möglichst einfach und übersichtlich sein. Sie können sich dazu gerne unsere erprobte und kostenlose Mobbingtagebuch-Vorlage in Word oder als PDF herunterladen und nutzen:
Tipp: Füllen Sie die Vorlage möglichst unmittelbar nach einem Vorfall aus. Nummerieren Sie zusätzlich Ihre Belege und tragen Sie die entsprechende Nummer beim jeweiligen Eintrag ein – zum Beispiel „Beweis 03: E-Mail vom 12.08.2027“. So lassen sich Tagebuch und Unterlagen später leichter zusammenführen.
Wie führe ich ein Mobbingtagebuch richtig?
Ein Mobbingtagebuch ist besonders hilfreich, wenn die Einträge vollständig, chronologisch und möglichst sachlich sind. Beachten Sie dabei folgende Regeln:
-
Schreiben Sie zeitnah
Dokumentieren Sie einen Vorfall möglichst am selben Tag. So können Sie sich noch zuverlässig an Wortlaut, Reihenfolge und beteiligte Personen erinnern.
-
Bleiben Sie bei den Fakten
Vermeiden Sie pauschale Bewertungen wie „Mein Chef hasst mich“. Beschreiben Sie stattdessen konkret, was gesagt oder getan wurde.
-
Notieren Sie möglichst genau
Halten Sie Datum, Uhrzeit, Ort, Beteiligte, Ablauf und Folgen jedes Vorfalls fest. Je konkreter Ihre Angaben sind, desto leichter lassen sich die Ereignisse später nachvollziehen.
-
Notieren Sie mögliche Zeugen
Schreiben Sie auf, wer bei einem Vorfall anwesend war oder ihn unmittelbar mitbekommen hat. Vermerken Sie auch, wenn ein Kollege Sie anschließend darauf angesprochen hat.
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Sichern Sie vorhandene Belege
Bewahren Sie relevante E-Mails, Nachrichten und Dokumente auf. Vermerken Sie im Tagebuch, welcher Beleg zu welchem Vorfall gehört.
-
Dokumentieren Sie auch Ihre Reaktion
Notieren Sie, wie Sie auf den Vorfall reagiert haben und ob Sie beispielsweise das Gespräch gesucht, widersprochen oder eine Führungskraft informiert haben.
-
Führen Sie das Tagebuch konsequent
Dokumentieren Sie nicht nur besonders schwere Vorfälle. Gerade die chronologische Abfolge kann sichtbar machen, ob tatsächlich ein wiederkehrendes Muster entsteht.
Hinweis: Verändern oder ergänzen Sie ältere Einträge nachträglich nicht unbemerkt. Falls Ihnen später noch etwas einfällt, kennzeichnen Sie die Ergänzung mit dem entsprechenden Datum. Das erhöht die Glaubwürdigkeit und Beweiskraft Ihrer Dokumentation.
Was sollte ich nicht ins Mobbingtagebuch schreiben?
Ein Mobbingtagebuch sollte ausschließlich Fakten und nachprüfbare Tatsachen dokumentieren. Vermutungen, Übertreibungen und pauschale Anschuldigungen gehören nicht hinein. Vermeiden Sie deshalb insbesondere:
- Pauschale Vorwürfe
- Spekulationen
- Beleidigungen oder abwertende Kommentare
- Übertreibungen („immer“, „jeden Tag“ oder „alle gegen mich“)
- Unklare Erinnerungen als Fakten
- Nachträgliche Veränderungen (ohne Kennzeichnung)
Vorsicht bei heimlichen Aufnahmen: Zeichnen Sie Gespräche nicht einfach heimlich mit dem Smartphone auf. Das unbefugte Aufnehmen eines nichtöffentlich gesprochenen Wortes kann nach § 201 StGB strafbar sein.
Mobbingtagebuch digital oder auf Papier?
Beides ist möglich. Wichtiger als das Medium ist, dass Sie Ihr Mobbingtagebuch regelmäßig, chronologisch und möglichst zeitnah führen.
Variante |
Vorteile |
| Papier | Einfach zu führen, unabhängig von Geräten und Änderungen lassen sich bei handschriftlichen Aufzeichnungen häufig leichter erkennen. |
| Digital | Einträge lassen sich schneller erstellen, durchsuchen, ergänzen und mit Belegen wie E-Mails oder Screenshots verknüpfen. |
Unsere Empfehlung: Wählen Sie die Variante, die Sie konsequent führen können. Bei digitalen Aufzeichnungen sollten Sie regelmäßig eine Sicherungskopie erstellen und nachträgliche Ergänzungen kenntlich machen. Bewahren Sie das Mobbingtagebuch zudem geschützt und möglichst außerhalb des Zugriffs anderer Personen im Büro auf.
Wie gut ist ein Mobbingtagebuch als Beweis vor Gericht?
Ein Mobbingtagebuch kann bei einem Rechtsstreit enorm hilfreich sein, ist aber allein noch kein sicherer Beweis für Mobbing. Schließlich handelt es sich zunächst um Ihre eigene Dokumentation der Ereignisse. Vor Gericht kommt es deshalb zusätzlich auf Zeugen, belastbare E-Mails, Dokumente und weitere Beweismittel an. Gerade bei Mobbing ist eine detaillierte Dokumentation jedoch wichtig: Pauschale Vorwürfe reichen regelmäßig nicht aus. Die einzelnen Handlungen müssen möglichst konkret nach Zeitpunkt, Situation, Beteiligten und Ablauf dargestellt werden.
Ein sorgfältig geführtes Mobbingtagebuch kann Ihnen daher helfen, Vorfälle auch Monate später präzise zu schildern, ein wiederkehrendes Muster aufzuzeigen und mögliche Zeugen oder Belege den einzelnen Ereignissen zuzuordnen. Faustregel: Je zeitnaher, konkreter und lückenloser Sie dokumentieren und je mehr Einträge durch unabhängige Beweismittel gestützt werden, desto hilfreicher ist das Mobbingtagebuch für die weitere rechtliche Prüfung.
Welche weiteren Beweise sollte ich sammeln?
Ein Mobbingtagebuch wird besonders hilfreich, wenn Sie die dokumentierten Vorfälle mit weiteren Beweismitteln verbinden. Das Bundesarbeitsgericht betont, dass Betroffene die behaupteten Mobbinghandlungen grundsätzlich darlegen und beweisen müssen; Zeugen können dabei eine wichtige Rolle spielen. Sammeln und sichern Sie deshalb – soweit rechtlich zulässig – insbesondere:
- E-Mails: Bewahren Sie Nachrichten mit Beleidigungen, Drohungen, ungerechtfertigten Vorwürfen oder auffälligen Arbeitsanweisungen auf.
- Chatnachrichten: Sichern Sie relevante Nachrichten aus beruflichen Messengern oder Gruppenchats.
- Zeugen: Notieren Sie Namen von Kollegen, die einzelne Vorfälle beobachtet oder Gespräche mitgehört haben.
- Dokumente: Bewahren Sie beispielsweise auffällige Dienstpläne, Aufgabenverteilungen, Abmahnungen, Gesprächsprotokolle oder schriftliche Anweisungen auf.
- Kalendereinträge: Einladungen und Terminänderungen können beispielsweise dokumentieren, wann Sie von Meetings ausgeschlossen wurden.
- Beschwerden: Dokumentieren Sie, wann Sie Führungskraft, Personalabteilung oder Betriebsrat informiert haben und wie darauf reagiert wurde.
- Weitere Unterlagen: Dokumentieren Sie konkrete Folgen der Vorfälle, soweit diese für eine spätere rechtliche Prüfung relevant sein könnten.
Ordnen Sie die Belege möglichst direkt den jeweiligen Einträgen im Mobbingtagebuch zu. Statt einer unübersichtlichen Sammlung entsteht so eine nachvollziehbare Chronologie aus Vorfall, Zeugen und vorhandenen Belegen. Gerade konkrete Angaben zu Datum, Ort, Beteiligten und Ablauf sind bei Mobbingvorwürfen wichtig.
FAQ – Häufige Fragen zum Mobbingtagebuch
Wie oft sollte ich ins Mobbingtagebuch schreiben?
Dokumentieren Sie jeden relevanten Vorfall möglichst zeitnah. Sie müssen also nicht täglich etwas eintragen, wenn nichts passiert ist. Entscheidend ist, dass die einzelnen Ereignisse chronologisch und konkret festgehalten werden.
Wie lange sollte ich ein Mobbingtagebuch führen?
Eine feste Mindestdauer gibt es nicht. Führen Sie das Tagebuch so lange weiter, wie relevante Vorfälle auftreten. Gerade die Entwicklung über einen längeren Zeitraum kann helfen, ein wiederkehrendes Muster sichtbar zu machen.
Muss ich meinen Arbeitgeber über das Mobbingtagebuch informieren?
Nein. Das Mobbingtagebuch dient zunächst Ihrer eigenen Dokumentation. Wenn Sie sich offiziell beschweren oder rechtlich beraten lassen, können die Aufzeichnungen aber helfen, einzelne Vorfälle konkret und chronologisch darzustellen.
Kann ich ein Mobbingtagebuch nachträglich erstellen?
Ja, allerdings sind zeitnahe Einträge meist genauer. Rekonstruieren Sie ältere Vorfälle deshalb nur so konkret, wie Sie sich tatsächlich erinnern können, und nutzen Sie vorhandene E-Mails, Kalender oder andere Unterlagen zur zeitlichen Einordnung. Geben Sie Unsicherheiten offen an, statt Details zu ergänzen, an die Sie sich nicht sicher erinnern.
Reicht ein Mobbingtagebuch vor Gericht als Beweis?
Leider nicht automatisch. Das Tagebuch ist zunächst Ihre eigene Dokumentation und ersetzt nicht andere Beweismittel. Es kann aber dabei helfen, einzelne Vorfälle detailliert darzustellen und passende Zeugen oder Belege zuzuordnen. Das ist wichtig, weil Betroffene die behaupteten Mobbinghandlungen grundsätzlich darlegen und beweisen müssen.
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