Cybermobbing: Folgen und Gegenmaßnahmen

Das Phänomen Cybermobbing hat durch einige Selbstmorde junger Opfer in der ganzen Welt traurige Bekanntheit erlangt. Es beschränkt sich aber nicht nur auf Teenager und junge Erwachsene – alle Altersgruppen leiden in vielen Lebenssituationen darunter. Schon das persönliche Mobbing im Berufsumfeld belastet die Opfer enorm – das Cybermobbing wirkt aber oft noch weitreichender und anhaltender, weil es durch das Internet die Opfer 24 Stunden am Tag verfolgt, teils sogar über die eigentliche Mobbing-Zeit hinaus. Um den Terror aufzuhalten, können und müssen sich die Opfer wehren – schnell. Seit 2016 sind ihre Rechte – vorerst nur in Österreich – per Gesetz gestärkt worden…

Cybermobbing: Folgen und Gegenmaßnahmen

Cybermobbing darf nicht unterschätzt werden

Gemobbt wird überall: Es fängt schon im Kindergarten an, geht weiter in der Schule, im Studium oder in der Ausbildung und hört auch im Beruf nicht auf. Es ist ein Gruppenphänomen. Gleichgesinnte Kollegen oder Mitschüler schließen sich zusammen und verbreiten Gerüchte über das Opfer, sie terrorisieren es und fügen so extremen Schaden zu.

Mobbing-Definition-Infografik

Das Cybermobbing geht noch eine Stufe weiter: Es findet im Netz statt, auf Social Media Plattformen, in öffentlichen, halb-öffentlichen und privaten Chats und per Mail oder SMS. Dazu werden jegliche persönlichen Daten des Opfers missbraucht, es wird gehänselt, schikaniert, beschimpft und erpresst.

Dabei kann der Cyberbully (der Angreifer) im Verborgenen und anonym agieren – unter dem Schutz eines Scheinaccounts verbreitet er Lügen und Verleumdungen über das Opfer.

Laut einer Studie (PDF) des Bündnisses gegen Cybermobbing sind zwar junge Menschen bis 20 Jahre am häufigsten davon betroffen (17 Prozent). Danach sinkt die Zahl bei den 21- bis 25-Jährigen auf bis zu 12 Prozent Betroffene. Aber auch unter den 26- bis 30-Jährigen finden sich immer noch rund neun Prozent Betroffene. Jeder einzelne ist eine(r) zu viel.

Kurz gesagt: Jeder zehnte Erwachsene zwischen 20 und 30 Jahren war oder ist schon einmal Opfer von Cybermobbing gewesen oder kam damit zumindest in Kontakt. Die Dunkelziffer der unbekannten Fälle und still Leidenden dürfte weitaus höher sein.

Tatsächlich finden viele Opfer des Cybermobbings nicht den Mut und die Kraft, sich Hilfe zu holen, sich zu wehren oder Strafanzeige zu erstatten. Sie leiden stumm und leise – mit teils erheblichen Folgen für Gesundheit, Seele und Geist.

Cybermobbing: Die Folgen sind gravierend

Im Gegensatz zum persönlichen Mobbing, das in einem begrenzten Umfeld (Schule, Job, Familie) stattfindet, kann das Cybermobbing lokale, regionale oder sogar globale Ausmaße annehmen und das Opfer an jedem Ort und zu jeder Zeit verfolgen.

Die Opfer fühlen sich verraten, verletzt und hilflos, weil viele Menschen gegen sie vorgehen, die sie teils nicht einmal kennen. Nicht wenige Täter sind tumbe Mitläufer und Charakter-Krüppel, die eine perfide Lust an der virtuellen Menschen-Hatz entwickeln, ohne auch nur die Hintergründe zu kennen oder sich Gedanken über die Folgen oder den Ruf des Opfers zu machen. Das Internet vergisst leider nie.

Die Frage: Würde ich das genauso sehen, wenn mir das mal passiert? stellt sich natürlich keine(r). Zu bequem und zu kuschelig ist es, von der heimischen Couch aus mal eben ein paar Hetzereien ins Netz zu tippen und so die eigene Minderwertigkeit für ein paar Minuten auszublenden.

Für ist Opfer ist das freilich kein Trost. Das Cybermobbing belastet manche derart, dass sie nicht einmal mehr in der Lage sind, sich aus dem Haus zu trauen. Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen und Albträume sind die häufigsten Folgen. Scham und Selbstzweifel zwingen viele in Isolation. Und nicht selten wird davon auch die berufliche Zukunft und Existenzgrundlage bedroht: Nicht alle (zukünftigen) Arbeitgeber reagieren tolerant, wenn sich plötzlich ausschweifenden Fotos und Verleumdungen ihrer Mitarbeiter im Netz finden.

Immerhin: Es gibt einige Mittel und Wege, die Angriffe zu stoppen…

Cybermobbing stoppen: Gegenmaßnahmen ergreifen

Sind Sie selbst oder jemand aus Ihrem Umfeld Opfer von Cybermobbing geworden, sollten Sie eines erkennen: Sie können und müssen sich wehren.

Es kann zwar sein, dass die Angriffe im Netz irgendwann von alleine abklingen, weil der Cyberbully das Interesse verliert. Nachhaltige Spuren können die Attacken dennoch hinterlassen – gerade im Internet.

Folgende Schutz- und Gegenmaßnahmen sollten Sie daher ergreifen:

  • Seitenbetreiber kontaktieren

    Wurden Fotos oder Videos, auf denen Sie zu sehen sind, ohne Ihre Erlaubnis gepostet, haben Sie das Recht, sie löschen zu lassen. Kontaktieren Sie dazu den oder die Seitenbetreiber. Die genauen Bestimmungen der jeweiligen Plattform stehen in den entsprechenden Richtlinien, die öffentlich zugänglich sind. Die Kontaktdaten finden Sie im Impressum.

  • Reden hilft

    Suchen Sie Unterstützung bei Verwandten und Freunden, überwinden Sie Ihre Scham und Selbstzweifel – schon alleine das von der Seele reden kann Ihr Selbstbewusstsein wieder stärken. Es gibt auch zahlreiche Hilfsorganisationen, bei denen Sie sich anonym Hilfe holen können, zum Beispiel das schon erwähnte Bündnis gegen Cybermobbing oder die Nummer gegen Kummer.

  • Gegenangriffe meiden

    Natürlich spricht sich diese Empfehlung als Unbeteiligter leicht aus. Den Opfern verlangt sie indes große Kraft und Selbstbeherrschung ab. Wahr und wirkungsvoll bleibt sie trotzdem: Don’t feed the trolls! Bleiben Sie – im Netz! – gegenüber den Attacken stoisch ignorant. Lassen Sie sich nicht zu einem Gegenangriff oder Diskussions-Scharmützel provozieren. Damit heizen Sie die Stimmung nur noch mehr an. Man kann mit Idioten nicht diskutieren – mit einem hysterischen Mob allerdings auch nicht. Falls Sie psychisch und physisch nicht in der Lage sind, die Angriffe auszublenden, sollten Sie die Angreifer in den sozialen Medien und auf dem Telefon sperren, die Nachrichten und Anrufe werden so nicht mehr zu Ihnen durchgestellt. Das Wechseln der Telefonnummer und des E-Mail-Accounts sind auch gute Maßnahmen.

  • Beweismaterial sammeln

    Fühlen Sie sich stark genug und haben Unterstützung durch Freunde und Familie, sollten Sie alle E-Mails, SMS oder Posts sammeln, die gegen Sie gerichtet sind und Sie verletzen – per Screenshots, Ausdrucken und mit Datum versehen. Dieses Beweismaterial werden Sie später brauchen, falls Sie eine Strafanzeige stellen möchten. Jegliche Hinweise auf den Verantwortlichen der Attacken und die Teilnehmer der Gruppe sollten Sie ebenfalls sichern und gegebenenfalls verständlich kommentieren – so erleichtern Sie der Polizei die Suche nach dem oder den Straftäter(n).

  • Polizei einschalten

    Das Einschalten der Polizei ist die wichtigste Gegenmaßnahme, die Sie unternehmen können. Seit Januar 2016 gehört das Cybermobbing in Österreich zu den Offizialdelikten und kann gegebenenfalls zu hohen Geldstrafen oder sogar zur Freiheitsstrafe für die Täter führen. Die gesammelten Beweise und Hinweise erleichtern den Beamten die Strafverfolgung erheblich und führen so zum schnelleren Ende des Terrors. Aber auch in Deutschland können Sie den Täter anzeigen. Das Cybermobbing zählt hier zwar zu keinem selbstständigen Strafbestand, es werden aber andere Straftaten bewiesen, die ernsthafte Folgen nach sich ziehen.

    Laut der Polizei-Beratungsstelle vereinigen sich im Cybermobbing folgende Straftaten nach Jugendschutzgesetz:

    • Beleidigung [§ 185]
    • Üble Nachrede [§ 186]
    • Verleumdung [§ 187]
    • Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes [§ 201]
    • Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen [§ 201a [1]]
    • Nötigung [§ 240 [1]]
    • Bedrohung [§ 241]
    • Gewaltdarstellung [§ 131 [1]]

    Welcher Strafbestand bei einer Anzeige vorliegt, hängt von den Umständen ab. So wurde zum Beispiel im Juni 2016 in Düsseldorf eine 14-jährige Schülerin wegen Beleidigung verurteilt, weil Sie ein Foto von ihrem Lehrer zusammen mit einem beledigenden Post auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht hatte. Einen Monat davor wurde in Ingolstadt ein 19-Jähriger wegen Nötigung an einer 14-Jährigen zu einem Freizeitarrest verurteilt. Er hatte sie mit Nacktfotos erpresst, indem er drohte, diese im Netz zu veröffentlichen.

Cybermobbing ist in Österreich ein Strafbestand

Paragraf Bis Anfang des Jahres 2016 war das Cybermobbing in Österreich nur teilweise strafrechtlich erfasst – die Anwälte der Opfer mussten deshalb auf Straftatbestände wie die sogenannte beharrliche Verfolgung, Beleidigung oder üble Nachrede zurückgreifen.

Ab Januar ist Cybermobbing aber ein Offizialdelikt. Das bedeutet, dass das Recht zur Verfolgung des Täters ausschließlich beim Staat liegt – auch wenn das Opfer das nicht möchte. Hier der genaue Wortlaut des neuen Paragrafen 107c im Strafgesetzbuch:

Wer im Wege einer Telekommunikation oder unter Verwendung eines Computersystems in einer Weise, die geeignet ist, eine Person in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen, eine längere Zeit hindurch fortgesetzt eine Person für eine größere Zahl von Menschen wahrnehmbar an der Ehre verletzt oder Tatsachen oder Bildaufnahmen des höchstpersönlichen Lebensbereiches einer Person ohne deren Zustimmung für eine größere Zahl von Menschen wahrnehmbar macht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.

Hat die Tat den Selbstmord oder einen Selbstmordversuch der im Sinn des Abs. 1 verletzten Person zur Folge, so ist der Täter mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.

Cybermobbing vorbeugen

Ohne persönliche Informationen und ohne kompromittierende Fotos oder Videos bieten Sie nur wenig Angriffsfläche für das Cybermobbing. Viele Jugendliche und auch Erwachsene denken nicht an die Folgen, wenn sie private und lustige Bilder ins Netz stellen, die aber irgendwann zum Boomerang werden können.

Um Cybermobbing vorzubeugen, sollten Sie daher stets gründliche Daten-Hygiene betreiben:

  • Sparsam mit privaten Daten umgehen

    Geben Sie nur das Nötigste im privaten Profil der sozialen Medien preis – niemals die vollständige Telefonnummer oder Adresse.

  • Keine oder wenige Bilder ins Netz stellen

    Seien Sie sparsam mit Bildern und Videos, vor allem wenn es sich um private Aufnahmen in einer privaten Umgebung handelt.

  • Sicherheitseinstellungen verstärken

    Die meisten sozialen Netzwerke bieten die Möglichkeit an, die Sichtbarkeit des eigenen Profils für Fremde einzuschränken – nutzen Sie diese. Nehmen Sie keine Freundschaftsanfrage von Personen an, die Sie nicht kennen und denen Sie nicht vertrauen.

[Bildnachweis: Photographee.eu by Shutterstock.com]
18. August 2016 Autor: Vera Moor

Vera Moor-Stepanov ist studierte Archäologin und wohnt in Bochum. In der Zeit von Juni bis August 2016 absolvierte sie ein Praktikum bei Karrierebibel.de.

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