Job in Gefahr? 15 Warnzeichen + 4 Rettungs-Tipps

Eine Kündigung trifft jeden Arbeitnehmer hart. Besonders hart, wenn der Jobverlust scheinbar unvorhergesehen kommt. Würde man frühzeitig wissen, dass der Job in Gefahr ist, könnte man vielleicht noch etwas retten… Aber kann man wirklich gefeuert werden, ohne vorher was zu merken? Theoretisch ja. In der Praxis aber gibt oft zahlreiche Warnzeichen. Woran Sie erkennen können, ob Ihr Job in Gefahr ist und was Sie dagegen tun können…

Job in Gefahr? 15 Warnzeichen + 4 Rettungs-Tipps

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Job in Gefahr: Jetzt bloß keine Panik

Wenn Sie spüren, dass Ihr Job in Gefahr sein könnte oder eine Kündigung droht: Bitte keine Panik! Noch ist nichts verloren – und noch handelt es sich nur um Warnzeichen. Es geht darum, ein Gespür für Veränderungen zu entwickeln, um rechtzeitig reagieren zu können. Selbst im schlimmsten Fall ist ein Jobverlust kein Weltuntergang. Nicht selten ist es eine (unfreiwillige) Chance zu einer beruflichen Neuorientierung. Ein Tritt in den Hintern, ohne den man sich vorher nicht aus der Komfortzone bewegt hätte.

Hinzu kommt: Professionell und taktisch klug reagieren, können Sie nur mit einem klaren Kopf. Mit einer Panikattacke gelingt das nicht. Die führt eher zu Aktionismus und Kurzschlusshandlungen. Und wie gesagt: Noch handelt es sich um Warnzeichen – kein berufliches Nahtoderlebnis und keine Tatsache!

Drohende Kündigung nie persönlich nehmen!

Wenn Arbeitnehmer um Ihren Job fürchten, nehmen das viele persönlich und suchen die Gründe bei sich. Ganz verkehrt ist das nicht. Selbstreflexion ist ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg. Wenn der Job in Gefahr ist, gibt es aber noch zahlreiche andere Ursachen und äußere Gründe. Manche davon liegt nicht mal in Ihrem Einflussbereich.

Deshalb: In einer akuten Jobkrise sollte Sie zunächst ganz sachlich und nüchtern die Warnzeichen analysieren: Welchen Anteil haben Sie daran? Was liegt am Arbeitgeber oder ist Folge einer allgemeinen Wirtschaftskrise (wie etwa in Corona-Zeiten)? Anschließend konzentrieren Sie sich auf jene Faktoren, die Sie selbst beeinflussen können. Dazu unten mehr.

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15 Warnzeichen, dass Ihr Job in Gefahr ist

Wenn Sie eines der folgenden Warnzeichen wahrnehmen, sollten Sie zumindest hellhörig werden. Selbst wenn Ihr Arbeitsplatz nicht bedroht ist, dürfte es sich um Vorzeichen einer nachhaltigen Veränderung im Unternehmen oder in Ihrer Abteilung handeln. Es schadet also nicht, wenn Sie sich rechtzeitig auf mögliche Umstrukturierungen einstellen und vorbereiten.

4 Anzeichen vom Chef

  • Der Chef sagt es
    Eindeutiger geht es nicht. Wenn der Chef Ihnen mitteilt, dass Ihr Job gefährdet ist, brennt die Luft. Hier sollten Sie keine Zeit verstreichen lassen und durch mehr Engagement und Leistungsbereitschaft gegensteuern. Oder Sie beginnen mit den Bewerbungen für eine neue Stelle.
  • Der Chef interessiert sich für Details
    Gemeint ist nicht das übliche Maß, sondern wenn er anfängt in Ihrer Arbeit zu graben. Insbesondere wenn er Rechtfertigungen und Projektberichte einfordert, könnte er Beweise gegen Sie sammeln.
  • Der Chef fragt nicht mehr
    Und zwar nach Ihrer Meinung. Sie nach Ihrer Einschätzung zu fragen, ist ein sicheres Zeichen für Wertschätzung und Vertrauen. Werden Sie nicht mehr gefragt, sind womöglich schon die Weichen für das Abstellgleis gestellt.
  • Der Chef bittet Sie zum Gespräch
    Regelmäßige Mitarbeitergespräche sind wichtig, um Feedback zu erhalten und Entwicklungen zu besprechen. Werden Sie in jüngster Zeit aber häufiger zum Personalgespräch gebeten und erhalten dabei überwiegend Kritik, ist das ein Warnzeichen.

5 Anzeichen bei den Aufgaben

Auch an Ihren Aufgaben können Sie erkennen, ob der Job in Gefahr ist und der Chef darüber nachdenkt, Ihre Position neu zu besetzen.

  • Ihre Aufgaben werden delegiert
    Das Warnzeichen ist fies, weil es sich zunächst gut anfühlt. Werden nach und nach Teile Ihrer Aufgaben an Kollegen delegiert, sinkt der Stress und Sie gewinnen mehr Spielraum. Es kann aber auch ein Anzeichen sein, dass das Team darauf vorbereitet wird, Ihren Job ganz zu übernehmen. Eindeutig wird es beim sogenannten Straining – dem Mobbing durch Langeweile. Der Mitarbeiter soll sich überflüssig und nutzlos fühlen. Der perfide Plan: Der Arbeitnehmer greift zur Eigenkündigung. Das spart Kosten und eine Abfindung.
  • Die Aufgaben werden trivial
    Sie haben zwar weiterhin Arbeit – auch im gesunden Maß. Aber die Arbeitsinhalte und Aufgaben werden immer anspruchsloser. Im Grunde könnte den Job auch ein Praktikant oder Azubi im ersten Lehrjahr problemlos erledigen. Dann ist im Unternehmen entweder gerade nichts los. Oder Sie werden abserviert. Hier sollten Sie das Gespräch mit dem Chef suchen und deutlich machen, dass Sie mehr leisten können und wollen. Die Reaktion des Chefs liefert weitere Hinweise.
  • Die Aufgaben nehmen überhand
    Auch das Gegenteil kann ein Warnzeichen sein: Ihr Chef will Sie an die Grenzen Ihrer Belastbarkeit bringen? Gefährlich! Die drohende Überlastung hat zwei Effekte: Sie machen mehr Fehler – dafür kann man Sie abmahnen. Oder Sie werden krank und kündigen selbst. Sollte das Vorgehen gezielt und dauerhaft bestehen, kann es sich um Bossing handeln. Also einen mobbenden Chef.
  • Informationen erreichen Sie nicht mehr
    Es scheint so, als würden wichtige Informationen regelmäßig an Ihnen vorbeifließen? Das kann ein simples Kommunikationsproblem sein. Möglicherweise ist es aber auch ein Anzeichen für eine gezielte Isolation. Kurz: Abstellgleis. Für wichtige Aufgaben und relevante Projekte plant man Sie gar nicht mehr ein. Deutlicher wird es, wenn auch die Kollegen auf Distanz gehen.
  • Sie arbeiten Ihren Nachfolger ein
    Hier wird es subtil: Es wird eine Person eingestellt, die ziemlich genau Ihrem Stellenprofil entspricht. Und diesen Kollegen sollen Sie auch noch einarbeiten. Womöglich Ihren Nachfolger. Fies. Aber: Das Anzeichen ist nicht so eindeutig, wie es scheint. Es kommt auf die Rahmenbedingungen an: Ist Ihr Arbeitspensum in jüngster Zeit deutlich gestiegen? Geht es dem Betrieb wirtschaftlich gut? Dann arbeiten Sie womöglich nicht Ihren Nachfolger ein, sondern einen entlastenden MITarbeiter im Wortsinn.

3 Anzeichen aus dem Umfeld

Vielleicht ist es nur ein Bauchgefühl, dass der Job nicht mehr sicher ist. Dann halten Sie Augen und Ohren offen und beobachten Sie Ihr Umfeld. Auch andere Kollegen haben sensible Antennen und spüren eine Bedrohung.

  • Im Unternehmen grassieren Gerüchte
    Üblicherweise versuchen Manager, Entlassungen und Personalabbau so lange wie möglich zu verschleiern. Presseberichte werden dementiert. Mitarbeiterfragen als Spekulation oder Hysterie niedergebügelt. Die Erfahrung aber lehrt: Der Flurfunk ist ein veritables Indiz. Mehren sich solche Gerüchte, sind Kündigungen nicht fern. Und je vehementer das Dementi, desto schlimmer kommt es.
  • Sie sollen wichtige Daten teilen
    Sie werden gebeten, Ihre Kontakte, Kunden, Projektdaten mit Kollegen zu teilen? Alarmstufe Rot! Hier geht es um Ihr Herrschaftswissen. In Gedanken sind Sie womöglich schon gefeuert. Nur bemüht sich der Chef vorher um Schadenbegrenzung. Natürlich müssen Sie mitspielen – der Chef hat ein Direktionsrecht. Aber passiv bleiben, sollten Sie auch nicht: Spätestens jetzt sollten Sie mit der Jobsuche beginnen. Oder einen Headhunter kontaktieren.
  • Ihre Ideen stoßen auf Ablehnung
    Egal, was Sie vorschlagen: Der Boss lehnt es ab. Ganz mieses Zeichen. Das muss zwar nichts mit einer drohenden Kündigung zu tun haben. Es offenbart aber auch keine gute Reputation. Vielleicht sind Sie in Ungnade gefallen, vielleicht sind die Vorschläge auch wirklich nur schlecht. So oder so: Es wird Zeit für besseres Selbstmarketing.

3 Anzeichen im Unternehmen

Nicht zuletzt existieren auch innerhalb des Unternehmens einige Warnzeichen, dass eine (größere) Krise vor der Tür steht. Auch diese werden entweder über den Flurfunk oder über die Medien kolportiert.

  • Die Umsätze gehen zurück
    Jeder Markt befindet sich im ständigen Wandel. Unternehmen müssen sich entsprechend anpassen. Sollten Sie aber mitbekommen, dass der Umsatz stark einbricht, kann dies ein Indiz dafür sein, dass Ihr Arbeitgeber auf eine Marktveränderung nicht oder zu spät reagiert hat.
  • Das Eigenkapital sinkt
    Unternehmen werden zwar auch durch Fremdkapital finanziert. Doch ohne das nötige Eigenkapital drehen Banken schnell den Geldhahn zu. Wenn Verluste das Eigenkapital stark reduzieren, droht Gefahr für das Unternehmen und die Arbeitsplätze.
  • Zahlungen verspäten sich
    Nicht immer liegt der Fehler im Unternehmen selbst. Auch Kunden können für Probleme sorgen. Zum Beispiel dann, wenn Rechnungen verspätet bezahlt werden. Das Unternehmen muss in Vorkasse gehen, um eigene Rechnungen und Gehälter zahlen zu können. Das gefährdet auf Dauer die Liquidität.
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Job in Gefahr? Selber schuld!

An dieser Stelle wird es unbequem. Ehrlicherweise liegt es manchmal auch an einem selbst, dass der Job in Gefahr ist. Das hört niemand gerne. Schuldzuweisungen sind aber keine Lösung. Nur wer ehrlich eigene Fehler und ungünstige Verhaltensweisen erkennt, kann diese ändern. Das alles kann Job und Karriere gefährden:

  • Fehlende Anpassung
    Jedes Unternehmen hat eine eigene Unternehmenskultur. Alle duzen sich, es gibt einen Dresscode oder generelle Umgangsformen. Gerade für Neulinge kann es schwer sein, die unsichtbaren Spielregeln zu erkennen. Da hilft nur: zuhören, zuschauen und lernen. Wer aber dauerhaft (und bewusst) gegen solche ungeschriebenen Teamregeln verstößt, provoziert die Immunabwehr der Organisation.
  • Mäßiger Einsatz
    Kein Job macht immer nur Spaß. Aber: Sie werden für Ihre Arbeit bezahlt. Das ist der Deal, den haben Sie mal unterschrieben. Wer irgendwann nachlässt, nur noch Dienst nach Vorschrift schiebt und Punkt 17 Uhr den Stift fallen lässt, darf sich nicht wundern, wenn er oder sie nicht mehr zu den Leistungsträgern und Peak Performern zählt. Mehr noch: Solche Mitarbeiter machen sich selbst entbehrlich und setzen sich an die Spitze einer potenziellen Streichliste.
  • Leere Versprechungen
    Was immer Sie zusagen, sollten Sie auch einhalten. Nichts ramponiert Ihren Ruf so sehr wie leere Versprechungen. Sie erzeugen so erst hohe Erwartungen und anschließende Enttäuschung. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Das vernichtet nicht nur Ihre Glaubwürdigkeit. Derart unzuverlässige Mitarbeiter manövrieren sich auf direktem Weg in die Karrieresackgasse.
  • Negative Sichtweise
    So mancher gefällt sich in der Rolle des mahnenden Kritikers. In Maßen ist das gesund. Dauerhaft aber pures Jobgift. Notorische Besserwisser und Pessimisten kann keiner leiden. Durch ihre konstant negative Sichtweise vermiesen sie allen die Laune. Irgendwann kippt die Stimmung – und Sie gelten nur noch als Jammerlappen und Schwarzseher, mit dem niemand mehr arbeiten will.
  • Unkollegiales Verhalten
    In den wenigsten Berufen reüssiert man als Einzelkämpfer. Umso mehr wird von allen Teamgeist und kollegiale Unterstützung erwartet. Oft schon in den Stellenanzeigen. Wer Kollegen im Stich lässt und nur auftaucht, wenn es Lorbeer abzustauben gibt, isoliert sich selbst. Nicht selten reagieren die Kollegen darauf mit Ausgrenzung oder gar Intrigen.
  • Anmaßende Arroganz
    Arroganz kann sich auf viele Arten zeigen. Ein unhöflicher Ton, regelmäßige Unpünktlichkeit bei Meetings oder maßlose Prahlerei. Wer so auftritt, darf sich nun wirklich nicht wundern, wenn er oder sie den Job in Gefahr bringt. Mit einem solchen Menschen ist ein Miteinander nur schwer zu ertragen. Erfahrene Führungskräfte feuern diesem Typus sofort, weil er Gift für jedes Betriebsklima ist. Egal, wie herausragend die Leistungen sind.
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Tipps: Was tun, wenn Ihr Job in Gefahr ist

Das waren viele Warnzeichen. Nun geht es darum, wie Sie professionell darauf reagieren, wenn der Job in Gefahr ist. Je nach Situation gibt es hierbei verschiedene Optionen, wie Sie jetzt vorgehen sollten:

  • Suchen Sie das Gespräch
    Aussitzen ist keine Strategie. Suchen Sie vielmehr das 4-Augen-Gespräch mit dem Chef. Schildern Sie Ihre Eindrücke und zeigen Sie, dass man Sie noch nicht abschreiben kann. Ihre Körpersprache sollte offen, der Ton stets sachlich und freundlich bleiben. Hören Sie aufmerksam zu, was im Subtext mitschwingt und signalisieren Sie Lernwillen und Veränderungsbereitschaft.
  • Erarbeiten Sie Lösungen
    Steckt das Unternehmen in Schwierigkeiten oder liegt es an Ihren Leistungen? In beiden Fällen sollten Sie zusammen mit dem Chef nach Lösungen suchen. Idealerweise haben Sie schon ein paar Vorschläge ausgearbeitet. Natürlich haben Mitarbeiter bei einer ernsthaften Wirtschaftskrise nur eingeschränkte Möglichkeiten. Das Mitdenken ist aber ein wichtiges Signal: „Ich bin noch immer Teil des Teams und übernehme Verantwortung!“ Allemal besser, als den Kopf in den Sand zu stecken.
  • Ändern Sie Ihr Verhalten
    Haben Sie den Job durch eigenes Verschulden in Gefahr gebracht? Dann ist es höchste Zeit, um etwas daran zu ändern. Ausgangspunkt ist der Dialog mit dem Chef: Was will der von Ihnen? Wie können Sie ihn davon überzeugen, Ihnen eine zweite Chance zu geben? Vereinbaren Sie konkrete und messbare Ziele, die später ihren guten Willen belegen.
  • Beginnen Sie mit der Jobsuche
    Manchmal lässt sich nichts mehr retten. Die Kündigung ist beschlossene Sache. In dem Fall sollten Sie Ihre Bewerbungsunterlagen aktualisieren und Kontakte reaktivieren. Wenn Sie merken, dass Sie gegangen werden sollen, sollten Sie sich in Jobbörsen umsehen. Noch bewerben Sie sich aus einer Position der Stärke: aus ungekündigter Stellung. Sie sind eine Fachkraft, die sich beruflich verändern will und einen geplanten wie bewussten Karriereschritt geht. Diese Attitüde steigert immer Bewerbungschancen.

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[Bildnachweis: bomg by Shutterstock.com]
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18. Januar 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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