Job in Gefahr? 11 Warnzeichen

Jeden Arbeitnehmer trifft es hart, wenn er seinen Job verliert und gefeuert wird. Ein doppelter Schlag ist es allerdings, wenn der Jobverlust scheinbar unvorhergesehen kommt und der Betroffene aus allen Wolken fällt. Würde man nur frühzeitig wissen, dass der eigene Job in Gefahr ist, könnte man eventuell noch etwas gegen die drohende Kündigung unternehmen – oder schon nach Alternativen Ausschau halten. Aber kann man wirklich gefeuert werden, ohne vorher etwas mitzubekommen? Theoretisch schon. In der Praxis gibt es aber meist zahlreiche Warnzeichen. Wir zeigen Ihnen, an welchen Signalen Sie erkennen können, dass Sie vielleicht bald gefeuert werden…

Job in Gefahr? 11 Warnzeichen

Job in Gefahr: Panik ist die falsche Reaktion

Bevor wir zu den Warnzeichen kommen, ein wichtiger Hinweis vorneweg: Keine Panik! Sollten Ihnen im Beruf einige der Warnzeichen begegnen, ist dies noch kein Grund, um panisch zu Ihrem Chef zu rennen und um Klarheit über Ihre berufliche Zukunft zu bitten.

In erster Linie geht es darum, wachsam zu sein, ein Gespür für Veränderungen zu entwickeln und im schlimmsten Fall durch die zusätzliche Zeit vorbereitet zu sein.

Soweit muss es natürlich nicht kommen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich nur um Warnzeichen, noch kein berufliches Nahtoderlebnis und keine Tatsache.

Job in Gefahr: Nehmen Sie es nicht persönlich

Job in Gefahr Anzeichen Indizien ReaktionSollten Ihnen die Warnzeichen schmerzhaft bekannt vorkommen, haben wir eine Bitte an Sie: Nehmen Sie diese nicht persönlich. Viele Arbeitnehmer, die ihren Arbeitsplatz in Gefahr wähnen, beginnen an sich zu zweifeln und suchen nach Gründen, die mit ihrer Person zu tun haben. Vergessen Sie diesen Ansatz bitte ganz schnell!

Natürlich lässt sich nicht ausschließen, dass Ihr Vorgesetzter mit Ihnen ein persönliches Problem hat. Doch erstens können Sie dagegen ohnehin nichts tun und zweitens müssen dazu – in den meisten Unternehmen – noch fachliche Gründe kommen, um Ihren Job wirklich zu gefährden. Analyse und Gegenmaßnahmen sind daher erst mal angezeigt. Diese sollten sich beziehen auf…

  • fachliche und objektiv nachvollziehbare Gründe.
  • Ihre konkrete Leistung und Aufgaben.
  • Faktoren, die Sie beeinflussen können.

Möglicherweise liegen nicht alle Gründe und Faktoren in Ihrem Einflussbereich. Diese Faktoren – beispielsweise ein neuer Kollege, Umstrukturierungen im Unternehmen oder ein Wechsel des Vorgesetzten – sollten Sie dann zwar zur Kenntnis nehmen, sich jedoch auf die veränderbaren Aspekte konzentrieren.

Job in Gefahr: Auf diese Warnzeichen sollten Sie achten

Zu 100 Prozent lässt sich natürlich nicht vorhersagen, ob Ihr Job tatsächlich in Gefahr ist. Doch Sie sollten zumindest hellhörig werden, wenn Sie eins oder sogar mehrere der folgenden Warnzeichen in Ihrem Berufsalltag feststellen.

Selbst wenn Ihr Arbeitsplatz nicht bedroht ist, dürfte es sich um Vorzeichen einer nachhaltigen Veränderung im Unternehmen oder in Ihrer Abteilung handeln. Es schadet dabei ganz sicher nicht, wenn Sie sich rechtzeitig auf diese Veränderung einstellen und vorbereiten.

Auf diese Signale sollten Sie achten.

  1. Der Chef sagt es.

    Das ist ein ziemlich eindeutiges Zeichen. Wenn Ihr Chef Ihnen mitteilt, dass Ihr Job gefährdet ist, brennt die Luft. Dann sollten Sie keine Zeit verstreichen lassen und durch Mehrleistung gegensteuern – oder schon mal mit den Bewerbungen für eine neue Stelle beginnen.

  2. Der Chef interessiert sich für Details.

    Gemeint ist nicht das übliche Maß, sondern wenn er wirklich anfängt in Ihrer Arbeit zu graben. Insbesondere wenn er per Mail Rechtfertigungen und Projektberichte einfordert, könnte er schon Beweise gegen Sie sammeln.

  3. Der Chef fragt nicht mehr.

    Und zwar nach Ihrer Meinung. Sie nach Ihrer Einschätzung zu fragen, ist ein sicheres Zeichen von Wertschätzung und Vertrauen. Werden Sie nicht mehr danach gefragt, driften Sie womöglich schon in die Isolation.

  4. Der Chef bittet Sie zum Gespräch.

    Regelmäßige Gespräche mit dem Chef sind wichtig, um Feedback zu erhalten und die Entwicklungen zu besprechen. Werden Sie jedoch in letzter Zeit enorm häufig zum Gespräch gebeten und dabei geht es oft um negative Rückmeldungen, sollten Sie das Warnzeichen erkennen.

Auch an Ihren Aufgaben können Sie erkennen, ob Ihr Chef möglicherweise darüber nachdenkt, Ihre Position bald neu zu besetzen oder gänzlich zu streichen.

  1. Aufgaben werden delegiert.

    Nach und nach wird ein Teil Ihrer Aufgaben auf andere Kollegen verteilt und neu delegiert. Zu Beginn mag diese Entwicklung sogar angenehm und positiv sein, verschafft sie Ihnen doch zunächst mehr Spielraum und Ruhe. Doch nach einiger Zeit sollten Sie sich die Frage stellen, warum Ihre Aufgaben auf einmal anderweitig abgedeckt und vergeben werden. Im Idealfall ist es die Vorbereitung für eine neue Aufgabe oder sogar eine Beförderung. Im schlechtesten Fall bereitet Ihr Chef schon mal Ihren Abgang aus der Abteilung oder gar dem Unternehmen vor.

  2. Aufgaben werden trivial.

    Sie erhalten laufend neue Aufgaben, doch diese sind so dröge und anspruchslos, dass Sie auch ein Azubi im ersten Lehrjahr problemlos erledigen könnte? Dann ist gerade im Unternehmen entweder nichts los, oder Sie werden nach und nach abserviert. In jedem Fall sollten Sie hier das Gespräch mit Ihrem Chef suchen. Beschweren Sie sich dabei bitte nicht, machen Sie stattdessen deutlich, dass Sie mehr leisten können und wollen und mit den aktuellen Aufgaben etwas unterfordert sind. Die Reaktion Ihres Chefs dürfte Ihnen einige Hinweise auf seine Motive bieten.

  3. Informationen erreichen Sie nicht mehr.

    Es scheint auf einmal so, als würden Informationen irgendwie an Ihnen vorbeifließen? Das kann natürlich ein simples Problem in der Kommunikation sein, möglicherweise ist es aber auch ein Warnzeichen, dass für Aufgaben und Projekte relevante Informationen an die Kollegen gehen, da langfristig nicht mehr mit Ihnen geplant wird.

  4. Weniger Kundenkontakt.

    Bisher haben Sie in verschiedenen Projekten direkt mit Kunden zusammengearbeitet, doch dieser Kontakt wird Ihnen nach und nach entzogen. Natürlich muss es sich hier nicht unbedingt um die Vorbereitung einer Kündigung handeln – es kann auch sein, dass Kundenkontakt künftig einfach anders gehandhabt wird – doch stutzig sollten Sie bei einer solchen Entwicklung schon werden. Ob Sie deshalb sofort das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen, hängt nicht zuletzt von Ihrem Verhältnis zu ihm ab. Wenn Sie davon ausgehen, dass die Veränderung auf seine Initiative zurückgeht, sollten Sie zunächst Ursachenforschung betreiben und erst dann mögliche Konsequenzen prüfen.

Sollte Sie bei Ihnen das unschöne Gefühl breit machen, dass Ihr Job möglicherweise nicht mehr sicher ist, sollten Sie auf jeden Fall die Augen und Ohren offen halten. Durch aufmerksames Verhalten lassen sich auch folgende Warnzeichen erkennen.

  1. Ihnen kommen Gerüchte zu Ohren.

    Üblicherweise versuchen Manager, Entlassungspläne so lange wie möglich zu verschleiern. Presseberichte werden dementiert, Mitarbeiterfragen als Spekulation oder Hysterie niedergebügelt. Die Erfahrung aber lehrt: Wo immer solche Entlassungsgerüchte auftauchen, sind tatsächliche Kündigungen nicht fern. Und je vehementer das Dementi, desto schlimmer kommt es. In einer solchen Phase sollten Sie deshalb so viel Flurfunk wie möglich empfangen (ohne sich daran zu beteiligen, es sei denn, Sie wissen etwas ganz sicher). Insbesondere Informationen, wie es um Ihre Abteilung steht, sind dann essenziell.

  2. Sie sollen wichtige Daten mit den Kollegen teilen.

    Sie werden gebeten, Ihre Kontakte, Kunden, Projektdaten mit Kollegen zu teilen. Alarmstufe Rot! In Gedanken sind Sie womöglich schon gefeuert, allerdings bemüht sich der Chef vorher noch um Schadenbegrenzung. Eine linke Nummer. Auf die Sie allerdings nur professionell reagieren sollten: Zum Teil mitspielen, sich nichts anmerken lassen und schon mal zu Headhuntern Kontakt aufnehmen.

  3. Ihre Ideen stoßen nur noch auf Ablehnung.

    Egal, was Sie auch vorschlagen, Ihr Boss lehnt es ab. Ganz mieses Zeichen. Das muss zunächst zwar nichts mit einer unmittelbar bevorstehenden Kündigung zu tun haben – für Ihr Image ist es aber auch nicht gut. Denn entweder sind Ihre Vorschläge so schlecht oder er schätzt Sie nicht. Beides hilft nicht bei der Karriere. Und den Job rettet es schon mal gar nicht.

Erkennen, ob Ihr Unternehmen in eine Krise steuert

Job in Gefahr Unternehmenskrise Anzeichen erkennenAuch für ein Unternehmen lässt sich frühzeitig erkennen, ob eine Krise vor der Tür steht. Der Maßstab ist hierbei natürlich ein anderer, als bei einer bevorstehenden Kündigung und auch die benötigten Informationen für eine Prognose sind kaum zu vergleichen. Doch mit Einblick in die Unternehmenszahlen lassen sich wichtige Schlüsse ziehen:

  • Der Markt verändert sich. Der Markt befindet sich im ständigen Wandel. Unternehmen müssen sich dementsprechend anpassen. Sollten Sie feststellen, dass der Umsatz im Unternehmen stark fällt, kann dies ein Indiz dafür sein, dass Ihr Unternehmen auf eine Marktveränderung nicht oder zu spät reagiert hat.
  • Das Eigenkapital nimmt ab. Natürlich werden Unternehmen auch durch Fremdkapital finanziert, doch ohne das nötige Eigenkapital drehen viele Banken schnell den Geldhahn zu. Wenn die Verluste das Eigenkapital stark reduzieren, droht Gefahr für das Unternehmen.
  • Eingehende Zahlungen verspäten sich. Nicht immer liegt der Fehler im Unternehmen selbst. Auch Kunden können für Probleme sorgen, beispielsweise dann, wenn Rechnungen verspätet bezahlt werden. Das Unternehmen muss in Vorkasse gehen, um eigene Rechnungen und Lohn für die Arbeitnehmer zu zahlen, was die Liquidität gefährdet.
[Bildnachweis: KieferPix by Shutterstock.com]
26. Mai 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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