Personalabbau: Bedeutung, Gründe, Tipps

Schon das Wort kann Mitarbeiter und ganze Belegschaften in Panik versetzen: Personalabbau. Davor graut es jedem Angestellten. Der sicher geglaubte Job steht plötzlich auf der Kippe, die Ungewissheit sorgt für schlaflose Nächte und das Gefühl der Hilflosigkeit bringt Frust. Bin ich vom Personalabbau betroffen? Wie schlimm kommt es wirklich? Und was kann ich tun? Zahlreiche Fragen, mit denen Mitarbeiter sich bei einem drohenden Personalabbau beschäftigen müssen. Wir zeigen, warum Sie sich vor dem Thema Personalabbau nicht verstecken sollten und was Sie tun können, wenn Ihr Unternehmen den Abbau von Stellen ankündigt…

Personalabbau: Bedeutung, Gründe, Tipps

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Definition: Wann wird von Personalabbau gesprochen?

Leider ist das Thema Personalabbau Dauergast in den Medien. Große Konzerne oder auch mittelständische Unternehmen verkünden immer wieder, dass hunderte oder sogar tausende Arbeitsplätze abgebaut werden. Gemeint ist mit Personalabbau also nicht die übliche Mitarbeiterfluktuation, wie sie ständig innerhalb jedes Unternehmens stattfindet.

Der Begriff findet erst Anwendung, wenn ein Unternehmen eine große Anzahl von Arbeitnehmern gleichzeitig oder in einer sehr kurzen Zeitspanne vor die Tür setzt. Eine konkrete Zahl, ab wann Unternehmen von Personalabbau sprechen, gibt es jedoch nicht. Als Richtlinie kann § 17 des Kündigungsschutzgesetzes herangezogen werden. Dieses legt fest, wann ein Unternehmen die Agentur für Arbeit über eine anstehende Kündigungswelle informieren muss. Konkret heißt es hier:

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, der Agentur für Arbeit Anzeige zu erstatten, bevor er

1. in Betrieben mit in der Regel mehr als 20 und weniger als 60 Arbeitnehmern mehr als 5 Arbeitnehmer,

2. in Betrieben mit in der Regel mindestens 60 und weniger als 500 Arbeitnehmern 10 vom Hundert der im Betrieb regelmäßig beschäftigten Arbeitnehmer oder aber mehr als 25 Arbeitnehmer,

3. in Betrieben mit in der Regel mindestens 500 Arbeitnehmern mindestens 30 Arbeitnehmer

innerhalb von 30 Kalendertagen entlässt.

Wichtig ist die Relation zur Größe des Arbeitgebers. Kündigt ein Konzern mit 10.000 Mitarbeitern 100 Mitarbeitern, fällt dies kaum auf. Bei einer Gesamtbelegschaft von 350 Stellen wäre es hingegen ein großangelegter Stellenabbau. Neben der Anzahl der betroffenen Mitarbeiter spielen deshalb die Umstände des Personalabbaus eine Rolle. Werden beispielsweise ganze Unternehmensbereiche, Teams und Abteilungen gesprochen, wird auch bei einer geringeren Gesamtanzahl von Personalabbau gesprochen.

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Gründe: Warum kommt es zu Personalabbau?

Verkündet ein Arbeitgeber, dass ein Personalabbau ansteht, ist das Kind meist schon in den Brunnen gefallen. Abwenden lässt sich der Verlust vieler Stellen zu diesem Zeitpunkt meist nicht mehr. Aus Sicht von Mitarbeitern stellt sich dennoch die Frage: Hätte der Personalabbau nicht verhindert werden können?

Grundsätzlich lässt sich sagen: Ein Personalabbau ist das letzte Mittel, zu dem gegriffen wird. Wahr ist aber auch: Obwohl die Mitarbeiter der ausschlaggebende Erfolgsfaktor für Arbeitgeber sind, steht am Ende der erfolgreiche Fortbestand des Betriebs vor dem Weiterführen von Arbeitsverträgen. So gibt es verschiedene Gründe, die zu einem Personalabbau führen können.

  • Finanzielle Schwierigkeiten

    Die häufigste Ursache für Personalabbau sind Umsatzeinbrüche, Auftragsflauten und allgemeine finanzielle Schwierigkeiten aufgrund schlechter Finanzplanung oder unerwarteter Kosten. Erwirtschaftet ein Unternehmen oder ein Bereich nicht mehr genügend Umsatz, um gewinnbringend zu funktionieren, müssen Personalkosten eingespart werden, um den ausbleibenden Gewinn auszugleichen.

  • Fusion von Abteilungen oder Unternehmen

    Übernimmt ein Unternehmen ein anderes oder werden innerhalb eines Betriebs Abteilungen zusammengelegt, entsteht meist ein Überschuss an Personal. Die Folge: Personalabbau.

  • Wechsel der Strategie

    Große Konkurrenz, schnelllebige Branche, wechselnde Erwartungen – Unternehmen müssen flexibel sein, sich ständig neu orientieren und auf Veränderungen reagieren. Manchmal mit einem Richtungswechsel in der Strategie. Dieser kann zu Personalabbau führen, wenn etwa Produktlinien eingestellt werden oder eine Abteilung, in die große Hoffnungen gesteckt wurde, nur Kosten verursacht, statt zum Gewinn beizutragen.

  • Schließung von Standorten

    Dies lässt sich immer wieder in den Nachrichten verfolgen, wenn Produktionsstätten oder Fabriken geschlossen werden. Plötzlich fällt der Arbeitsplatz von vielen Mitarbeitern weg oder wird ins Ausland verlegt.

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Wichtige Faktoren beim Personalabbau

Ein Personalabbau im Unternehmen ist nie leicht. Es bedeutet einen großen Einschnitt, umfangreiche Umstrukturierung und natürlich verunsicherte und zum teil wütende Mitarbeiter. Um den Personalabbau dennoch möglichst reibungslos umsetzen zu können, sind einige Faktoren von besonderer Bedeutung:

  • Vorherige Information des Betriebsrats

    Gibt es im Unternehmen einen Betriebsrat, muss dieser vor einem größeren Personalabbau informiert werden. § 17 des Kündigungsschutzgesetzes sieht vor, dass der Betriebsrat über die Gründe, die Anzahl sowie die Berufsgruppen der zu entlassenden Mitarbeiter in Kenntnis gesetzt wird. Gemeinsam sollen Arbeitgeber und Betriebsrat beratschlagen, ob Entlassungen vermieden werden können.

  • Frühzeitige und ehrliche Kommunikation

    Die Belegschaft wird nie erfreut sein, wenn ein großer Teil der Stellen abgebaut wird. Eine ehrliche und vor allem frühzeitige Kommunikation der anstehenden Veränderungen kann jedoch nach dem ersten Schock helfen. So wissen die Mitarbeiter, was auf sie zukommt und können sich schon früh darauf einstellen.

  • Konkrete Planung

    Personalabbau sollte keine kurzfristige Maßnahme sein. Es erfordert gründliche Planung, um die Interessen aller Beteiligten bestmöglich zu vertreten. In der Planungsphase sollten die nötigen Schritte und der Zeitrahmen festgehalten werden.

  • Gekündigte Mitarbeiter unterstützen

    Wenn es möglich ist, sollten Mitarbeiter, die vom Personalabbau betroffen sind, beim Wechsel in ein neues Arbeitsverhältnis unterstützt werden. Dies zeigt, dass der Betrieb sich weiterhin um seine Angestellten kümmern möchte und verbessert den Ruf, der unter großem Stellenabbau leidet.

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Vor dem Personalabbau: Was kann ich tun?

Sie erfahren, dass bei Ihrem Arbeitgeber ein Personalabbau ansteht und viele Stellen betroffen sein werden. Was nun? Zunächst einmal ist es normal, dass Sie geschockt und verunsichert sind. Verfallen Sie aber bitte nicht in eine Schockstarre. Die Situation ist schwierig, doch wenn Sie sich richtig verhalten, können Sie wenigstens das Beste daraus machen. Die folgenden Tipps können dabei helfen:

  • Suchen Sie das Gespräch

    Je mehr Sie über den Personalabbau in Erfahrung bringen, desto genauer können Sie sich darauf einstellen. Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Chef und stellen Sie die Fragen, die besonders wichtig sind. Wer oder welche Abteilungen sind vom Personalabbau betroffen? Wann wird dieser umgesetzt? Welche Unterstützung oder möglicherweise Abfindungen können betroffene Mitarbeiter erhalten?

  • Kämpfen Sie um Ihren Job

    Besteht die Chance, dass der Personalabbau an Ihnen vorbei geht, können Sie versuchen, Ihre Position zu sichern. Zeigen Sie Ihrem Chef durch Leistungen und gute Ergebnisse, dass es ein Fehler wäre, genau Sie aus Kostengründen zu streichen.

  • Planen Sie das weitere Vorgehen

    Sollten Sie keine Informationen erhalten oder wenn es so aussieht, als würde Ihr Job im Personalabbau wegfallen, ist es an der Zeit, die weitere Entwicklung zu planen. Wird Ihre Stelle gestrichen, bringt es wenig, sich daran zu klammern – die Entscheidung ist in einem solchen Fall bereits getroffen. Also Blick nach vorne richten und Optionen prüfen.

Tipps für den Wechsel nach dem Personalabbau

Der Personalabbau kommt und mit großer Wahrscheinlichkeit ist Ihre Stelle betroffen. Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Besser ist es, gleich nach vorne zu schauen und den Weg in den nächsten Job zu suchen.

Reagieren Sie so früh wie möglich

Es gibt gleich zwei gute Gründe, warum Sie nicht lange warten sollten, bevor Sie aktiv werden: Zunächst gibt es Ihnen mehr Zeit, um einen neuen Job zu finden. Idealerweise entsteht so trotz Personalabbau bei Ihrem alten Arbeitgeber keine Lücke im Lebenslauf. Das macht sich nicht nur gut in den Unterlagen, sondern hilft vor allem Ihrer finanziellen Situation. Zusätzlich macht es Sinn, sich sofort nach einem neuen Job umzusehen, weil Ihre Kollegen dies ebenfalls tun werden. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist ohnehin groß, noch schwieriger wird es, wenn alle Mitarbeiter, die vom Personalabbau betroffen sind, gleichzeitig nach einer ähnlichen Stelle suchen.

Suchen Sie nach Stellenangeboten

Nach dem Personalabbau ist vor dem neuen Job. Der erste Schritt auf diesem Weg: Suchen Sie nach passenden Stellenangeboten, auf die Sie sich bewerben können. Unsere Jobbörse liefert Ihnen dazu zahlreiche Stellenangebote.

Zur Jobbörse

Nutzen Sie eine Hin-zu-Motivation

Trotz Personalabbau sollten der Ton in Ihrer Bewerbung nicht sein: „Mein alter Arbeitsplatz fällt weg und ich brauche schnell etwas anderes.“ Das kommt bei Personalern nicht gut an. Besser: Zeigen Sie eine Hin-zu-Motivation. Machen Sie deutlich, warum Sie genau zu diesem Unternehmen wechseln wollen. Für den neuen Arbeitgeber ist eine solche Motivation überzeugender und zeigt zudem, dass Sie nicht nur irgendeinen Job suchen (und im Zweifelsfall bald wieder weg sind), sondern sich ganz gezielt für diese Position entschieden haben – weil Sie zum Unternehmen passen und die richtige Besetzung für die Stelle sind. Mehr zur Hin-zu-Motivation erfahren Sie in unserem Video dazu:

Aktualisieren Sie Ihre Bewerbungsunterlagen

Nicht vergessen: Ihre Bewerbung wird nur erfolgreich, wenn diese optimiert und auf dem aktuellen Stand ist. Bevor Sie Ihre Unterlagen einreichen, sollten Sie diese deshalb für den jeweiligen Arbeitgeber individuell gestalten und aktualisieren. Seit Ihrer letzten Bewerbungsphase hat sich einiges verändert, Stationen sind hinzugekommen, andere inzwischen veraltet. Fähigkeiten wurden ausgebaut, Schwerpunkte haben sich verändert. Sind die Angaben nicht aktuell, landet Ihre Bewerbung schnell auf dem Ablagestapel.

Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken

Ein Fehler, den Arbeitnehmer, die beim Personalabbau Ihre Stelle verloren haben, leider häufig machen: Sie verfallen in Erklärungen oder Entschuldigungen. In Ihrem Anschreiben sollte es nicht darum gehen, warum Sie Ihren alten Arbeitsplatz verloren haben oder welche Gründe hinter dem Personalabbau stehen. Das ist für den neuen Arbeitgeber uninteressant. Entscheidend ist Ihre Motivation und natürlich Qualifikation. Verzichten Sie auf Rechtfertigungen und stellen Sie stattdessen Ihre Stärken in den Vordergrund.

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[Bildnachweis: FGC by Shutterstock.com]
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9. März 2021 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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