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Aktionismus: Definition, Beispiel, positiv oder falsch?

Aktionismus ist das Gegenteil von planvollem Vorgehen: Statt eine Sache erst zu durchdenken und dann strukturiert vorzugehen, tun manche einfach irgendetwas. Arbeiten um des Arbeitens willen. Mit blindem Aktionismus aber ist niemandem geholfen. Er bindet nur Energie, wo sie an anderer Stelle sinnvoll eingesetzt werden könnte. Wir geben Ihnen Beispiele für den übermäßigen Tatendrang und erklären, wann er positiv und wann falsch ist…



Aktionismus: Definition, Beispiel, positiv oder falsch?

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Definition: Was ist Aktionismus? Einfach erklärt

Aktionismus ist der übertriebene Betätigungsdrang – ein spontanes Handeln ohne Plan. Dieser „blinde Aktionismus“ gilt als falsch und ist überwiegend negativ konnotiert: Wer aktionistisch handelt, geht unüberlegt und ziellos vor. Der- oder diejenige erweckt den Anschein von Geschäftigkeit, bewirkt am Ende jedoch nichts.

Ganz anders übrigens der Wiener Aktionismus: Hierbei handelt es sich um eine radikale Kunstbewegung im Wien der sechziger Jahre. Sie trat mit dem Anspruch an, bestehende gesellschaftliche Zustände durch künstlerisch-provokante Aktionen zu verändern. In der Kunst ist dieser Begriff daher positiv besetzt.

Aktionismus Synonym

Synonym für Aktionismus stehen Begrifflichkeiten wie: (Hektisches) Agieren, Betriebsamkeit, Gebaren, übermäßiger Betätigungsdrang, Übereifer, übertriebener Tätigkeitsdrang oder Unrast. Dabei handelt es sich um eine „Pseudoaktivität“, so der Philosoph Theodor W. Adorno.

Mit Aktionismus assoziieren viele insbesondere Hektik. Hektik ohne Sinn, Verstand oder Ziel. Allen gemeinsam ist das Tun um des Tuns willen.

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Was ist blinder Aktionismus?

Um die negative Bedeutung zu betonen, ist beispielsweise bei Kritik die Wortkombination „blinder Aktionismus“ verbreitet. Dieser Vorwurf taucht besonders in politisch-gesellschaftlichen Zusammenhängen auf: Etwa wenn Politiker sich mit Randthemen aufhalten anstatt drängende Probleme anzugehen.

Daher ist blinder Aktionismus auch häufig falscher Aktionismus: Er ist nichts als Augenwischerei. In einigen Fällen dient er dazu, Unfähigkeit und Überforderung zu kaschieren.

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Aktionismus Gegenteil

Das Gegenteil von Aktionismus ist Untätigkeit. Auch das erscheint den meisten nicht als sinnvolle Option. Untätigkeit ist schließlich gleichbedeutend mit Stagnation und Stillstand. Grundfalsch ist allerdings Annahme, man mache besser irgendetwas als gar nichts. Zum einen ist Müßiggang ein Lebenselixier für den Geist (dazu später mehr). Zum Anderen können unüberlegte Handlungen – Aktionismus also – unerfreuliche Nebenwirkungen haben:

  • Aktionismus bindet (Lebens- und Arbeits-) Zeit.
  • Der Tätigkeitsdrang kostet Geld.
  • Er lenkt uns von wichtigeren und wesentlichen Dingen ab.
  • Ständige Betriebsamkeit macht uns ineffizient.
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Aktionismus Beispiel: Wie zeigt sich der Tätigkeitsdrang?

Prinzipiell ist unser Drang nach Aktivität in allen Lebensbereichen feststellbar. Es kommt allerdings auf das richtige Maß und die Situation an. Daher lautet die Diagnose oftmals: blinder Aktionismus. Einige Beispiele:

Berufsalltag

Selbst im Arbeitsalltag ist die Betriebsamkeit stets gegenwärtig. Etwa am ersten Arbeitstag oder in der Probezeit. Der neue Mitarbeiter will positiv auf sich aufmerksam machen. Das geht nicht durch Stillhalten. Irgendwie muss er im Sinne des Selbstmarketings einen Werbeeffekt erzielen, egal wie. Aktionismus aber kann das glatte Gegenteil bewirken. Wer etwa schon in der ersten Woche tiefgreifende Konzepte zur Umstrukturierung der Firma vorlegt, schießt übers Ziel hinaus – und sich womöglich aus der Firma.

Politik

Aktionismus ist im Grunde ein politischer Begriff, taucht auch am häufigsten in der politischen Berichterstattung auf. Kein Wunder, der politische Betrieb ist ja prädestiniert für Aktionismus. Schließlich MUSS die Politik auf bestimmte Ereignisse reagieren. Terroranschlag, Atom-GAU oder Enthüllungen wie Dieselgate oder Panama Papers – irgendetwas muss passieren. Oft mündet das in keine sinnvolle Gesetzgebung, sondern in puren Aktionismus.

Geldanlage

Die Inflation steigt, die Sparzinsen dagegen bleiben niedrig. Wo aber das sauer verdiente Geld anlegen, damit es einem nicht langsam durch die Finger rinnt? Also wird investiert – in Investmentfonds, Aktien, Gemälde, Oldtimer, Immobilien, Gold. Nicht, dass derlei Anlagen nicht sinnvoll sein können. Der Impuls aber ist oft ein durch und durch aktionistischer. Ich muss doch mein Geld investieren – irgendwo, irgendwie!

Freizeit

Vor einigen Jahren präsentierte das österreichische Institut für Freizeit- und Tourismusforschung (ITF) eine Studie, nach der ein Durchschnitts-Österreicher nicht weniger als 19 Freizeitaktivitäten nachgeht. Das Verdikt: Mehr Freizeit führt zu mehr Aktionismus. Vor allem die großen Wahlmöglichkeiten spielen hier die Hauptrolle. Wir können skaten, schnorcheln, paragliden, Dutzende Erlebnisse bei Jochen Schweizer kaufen oder Netflix rauf und runter gucken. Die Konkurrenz um unsere freie Zeit ist riesengroß. Wer da einfach zuhause in der Hängematte baumelt, droht vom Fear-of-missing-out-Syndrom aufgefressen zu werden.

Smartphone

Die Alleskönner-Handys reduzieren in Wahrheit unsere kognitive Leistungskraft. Zu diesem Ergebnis kam die University of Texas im Rahmen einer Studie mit 800 Probanden. Für diesen Effekt reiche es sogar schon aus, wenn das Smartphone regungslos auf dem Tisch liegt. Sobald es sich auch nur in unserer Seh- und Reichweite befindet, schwindet unsere Konzentrationsfähigkeit. Smartphones lösen in uns einen Tätigkeitsdrang – sprich: Aktionismus – aus. Whatsappen, E-Mails lesen, Facebook-Status checken, Fotos posten…

Social Media

Für werbetreibende Unternehmen bietet das Netz schier endlose Möglichkeiten. Auf Facebook oder Twitter (PDF) können Sponsored Posts gebucht werden, oder Native Ads in etablierten Medien. Hinzu kommen Influencer, die auf Instagram Sneaker auftragen oder ihren Lippenstift in die Kamera halten. Ob diese Art der Werbung effizient ist, dürften manche Auftraggeber weder messen noch wissen. Der Herdentrieb verleitet einige dazu, vermeintliche Trends mitzugehen. Auch das – jedenfalls oft – eine Form von blindem Aktionismus.

Unternehmenspolitik

Auch die Skandale in der Automobilindustrie bieten Anschauungsmaterial. Inwiefern Software-Updates oder Kaufboni sinnvoll sind, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Klar scheint aber, dass öffentlichkeitswirksame Maßnahmen nach einem Skandal stets (auch) Aktionismus entspringen. Abwarten, überlegen, abwägen – das ist angesichts des medialen Dauerfeuers keine Option. Das gilt generell für Unternehmen, die dem Shareholder Value hinterherrennen und Quartal um Quartal liefern müssen. Ein CEO, der die Füße einfach mal stillhält – undenkbar.

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Warum verfallen wir in Aktionismus?

Dass die menschliche Natur von Ruhe- und Rastlosigkeit geprägt ist, dürften die meisten nachempfinden können. Nichtstun ist noch immer die schwerste Beschäftigung von allen. Aber es können speziell am Arbeitslatz noch andere Faktoren eine Rolle spielen, warum wir uns in sinnlose Betätigungen stürzen.

Panik

Panik vor dem Rauswurf, vor dem Abstieg, vor dem Chef oder den Aktionären. Aktionismus ist nicht selten eine Panikreaktion. Oft wird sie von unvorhergesehenen Ereignissen ausgelöst. Zum Beispiel einem unerwartet negativen Feedback im Jahresgespräch. Ich muss jetzt irgendwas tun, um die Scharte wieder auszuwetzen, um Punkte zu sammeln.

Langeweile

Das Gefühl von Nutzlosigkeit, wenn man im Büro nichts zu tun hat – nur schwer verdaulich. Also sucht man sich neue Betätigungsfelder, sortiert die Post-its, räumt die Teeküche auf, ordnet seinen Nippes auf dem Schreibtisch neu. Die Karriere voran bringt das indes nicht.

Beruhigung

Aktionismus ist die ultimative Beruhigungspille. Wer auf vertrautem Terrain bleibt und hier und da ein Pflaster aufklebt, bekommt keine Gewissensbisse wegen Untätigkeit. Und muss sich nicht eingestehen, womöglich ein noch viel größeres Problem zu haben.

Aktionismus Test: Handle ich aktionistisch?

Keine Aufgabe? Bevor Sie sich in sinnlose Geschäftigkeit stürzen, sollten Sie sich selbst einige Fragen stellen. Direkt im Browser abhaken:

  • Bringt das, was ich tue oder gedenke zu tun, mich oder mein Unternehmen wirklich voran?
  • Welchen Nutzen hat das, was ich tue oder tun will?
  • Was würde passieren, wenn ich dieser Tätigkeit jetzt nicht nachgehe – würde es irgendeinen Unterschied machen?
  • Wird das, was ich gerade tue, auch in Zukunft noch relevant für mich oder unser Unternehmen sein?
  • Was ist mein oder unser aktuell größtes Problem?
  • Wie viel Zeit habe ich diesem Projekt schon gewidmet – und wie viel sollte ich ihm widmen?
  • Gibt es etwas, das in meiner oder unserer jetzigen Situation dringlicher ist?
  • Löse ich durch das, was ich tue, ein Problem oder schaffe ich womöglich neue?


Nicht in Aktionismus verfallen: Strategien gegen Übereifer

Hier sind vier sinnvolle Strategien gegen Aktionismus:

1. Pause

Es ist wie bei einem Facebook-Post: Sie schnauben vor Wut über das, was Sie da gerade gelesen haben, würden dem User am liebsten eine Beleidigung nach der anderen um die Ohren hauen. Nicht gut! Besser: Tief ein- und ausatmen, eine Pause einlegen und erst danach entscheiden, ob und welche Antwort Sie absetzen.

Erstmal eine Nacht drüber schlafen – die bekannte Redewendung zielt in die gleiche Richtung, ist ein Plädoyer gegen Aktionismus. Nach einer Verschnaufpause erkennt man eher, ob man auf dem richtigen Weg ist oder übers Ziel hinausschießt.

2. Vogelperspektive

Der Teufel liegt im Detail. Manchmal ist das ganz wörtlich zu nehmen. Wenn Sie sich auf der Arbeit in die Detailarbeit versteifen, verlieren Sie das große Ganze aus den Augen. Papierstapel von A nach B und wieder zurück legen, den Tesa-Film aufrollen, Heftzwecken aus purer Langeweile zählen – das bringt niemandem etwas.

Stattdessen zwischendurch immer wieder die Vogelperspektive einnehmen: Welche Rolle spielt das? Wie ist unsere Strategie? Wie wichtig ist diese Tätigkeit für den Gesamterfolg? Diese Methode ist auch unter dem Begriff Helikopter-Technik bekannt.

3. Muße

Aktionismus entspringt dem Wunsch, produktiv zu sein, etwas zu schaffen. Doch die Formel aktiv = produktiv ist so nicht gültig. Im Gegenteil, Müßiggang kann regelrechte Kreativfeuerwerke auslösen. Geniale Ideen, Geistesblitze oder frische Gedanken kommen uns oft erst bei fortwährender Langeweile.

Diese Weisheit kann im Alltag helfen, Aktionismus zu vermeiden. Blindwütige Betriebsamkeit bei Gelegenheit lieber ersetzen durch: Faulenzen, spazieren gehen, meditieren, in die Luft gucken, lesen.

4. Kontrolle

Eine To-do-Liste könnte man auch als Kontrollmaßnahme begreifen – oder einsetzen. Und zwar so: sie notieren sich zu Tages- oder Wochenbeginn sämtliche Aufgaben, die Sie abarbeiten wollen und müssen. Sind Sie damit fertig, haben Sie Ihr Pensum erfüllt. Feierabend.

Das ist bei Selbstständigen und Freiberuflern praktikabler als bei anderen. Auch eine Option: Eine Not-to-do-Liste, auf der Sie alle Aufgaben festhalten, die Sie auf keinen Fall angehen. Das kann Aktionismus ein Stück weit verhindern.


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[Bildnachweis: Karrierebibel.de, Shutterstock.com]

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