Der Best Case: Sie begegnen Herausforderungen proaktiv, indem Sie gezielt antizipieren, planen, vorarbeiten. Der Worst Case: Sie tun irgendetwas, weil Sie glauben, irgendetwas tun zu müssen. Arbeiten um des Arbeitens willen. Mit blindem Aktionismus aber ist niemandem geholfen. Aber so weit müssen Sie es erst gar nicht kommen lassen...

aktionismus blind verfallen synonym

Aktionismus: Was ist das?

Aktionismus Definition Was ist das Synonym GegenteilDer Duden definiert Aktionismus als übertriebenen Betätigungsdrang.

Synonym für Aktionismus stehen auch diese Begrifflichkeiten:

  • Hektisches Agieren
  • Hektische Betriebsamkeit
  • Hektisches Gebaren
  • Übermäßiger Betätigungsdrang
  • Übereifer
  • Übertriebener Tätigkeitsdrang
  • Tun um des Tuns willen

Mit Aktionismus wird also insbesondere Hektik assoziiert. Hektik ohne Sinn, Verstand oder Ziel.

Das Gegenteil von Aktionismus aber ist Untätigkeit. Auch das erscheint uns nicht als sinnvolle Option. Untätigkeit ist schließlich gleichbedeutend mit Stagnation und Stillstand, nicht wahr?

Nein, nicht unbedingt. Die Annahme, man macht besser irgendetwas als gar nichts, ist grundfalsch.

Zum Einen ist Müßiggang ein Lebenselixier für den Geist (dazu später mehr). Zum Anderen können unüberlegte Handlungen - Aktionismus also - unerfreuliche Nebenwirkungen haben. Aktionismus...

  • kostet (Lebens- und Arbeits)Zeit
  • kostet Geld
  • lenkt uns von wichtigeren und wesentlichen Dingen ab
  • macht uns unproduktiv


Aktionismus: Wie macht er sich bemerkbar?

Aktionismus ist unser täglicher Begleiter, im Berufsalltag stets gegenwärtig. Beispiel: Am ersten Arbeitstag oder in der Probezeit will man - verständlicherweise - positiv auf sich aufmerksam machen. Das schafft man nicht durch Stillhalten. Irgendwie muss ich ja für mich trommeln und einen Werbeeffekt erzielen, egal wie...

Aktionismus aber kann das glatte Gegenteil bewirken. Wer etwa schon in der ersten Woche tiefgreifende Konzepte zur Umstrukturierung der Firma vorlegt, schießt übers Ziel hinaus - und sich womöglich aus der Firma.

Prinzipiell ist unser Drang, aktiv zu werden, in allen Lebensbereichen feststellbar. Diagnose oftmals: Blinder Aktionismus. Einige Beispiele:

  • Politik

    Aktionismus ist im Grunde ein politischer Begriff, taucht auch am häufigsten in der politischen Berichterstattung auf. Der politische Betrieb ist ja auch prädestiniert für Aktionismus. Schließlich MUSS die Politik auf bestimmte Ereignisse reagieren.

    Terroranschlag, Atom-GAU oder Enthüllungen wie Dieselgate - irgendetwas muss passieren. Oft mündet das in keine sinnvolle Gesetzgebung, sondern in puren Aktionismus.


  • Geldanlage

    Die Inflation steigt, die Sparzinsen dagegen bleiben niedrig. Wo aber das sauer verdiente Geld anlegen, damit es einem nicht langsam durch die Finger rinnt? Also wird investiert - in Investmentfonds, Aktien, Gemälde, Oldtimer, Immobilien, Gold.

    Nicht, dass derlei Anlagen nicht sinnvoll sein können. Der Impuls aber ist oft ein durch und durch aktionistischer. Ich muss doch mein Geld investieren - irgendwo, irgendwie!


  • Freizeit

    Vor einigen Jahren präsentierte das österreichische Institut für Freizeit- und Tourismusforschung (ITF) eine Studie, nach der ein Durchschnitts-Österreicher nicht weniger als 19 Freizeitaktivitäten nachgeht. Das Verdikt: Mehr Freizeit führt zu mehr Aktionismus.

    Vor allem die großen Wahlmöglichkeiten spielen hier die Hauptrolle. Wir können skaten, schnorcheln, paragliden, Dutzende Erlebnisse bei Jochen Schweizer kaufen oder Netflix rauf und runter gucken. Die Konkurrenz um unsere freie Zeit ist riesengroß. Wer da einfach zuhause in der Hängematte baumelt, droht vom Fear-of-missing-out-Syndrom aufgefressen zu werden.


  • Smartphone

    Die Alleskönner-Handys reduzieren in Wahrheit unsere kognitive Leistungskraft. Zu diesem Ergebnis kam die University of Texas 2017 im Rahmen einer Studie mit 800 Probanden. Für diesen Effekt reiche es sogar schon aus, wenn das Smartphone regungslos auf dem Tisch liegt.

    Sobald es sich auch nur in unserer Seh- und Reichweite befindet, schwindet unsere Konzentrationsfähigkeit. Smartphones lösen in uns einen Tätigkeitsdrang - sprich: Aktionismus - aus. Whatsappen, E-Mails lesen, Facebook-Status checken, Fotos posten...


  • Social Media

    Für werbetreibende Unternehmen bietet das Netz schier endlose Möglichkeiten. Auf Facebook oder Twitter können Sponsored Posts gebucht werden, oder Native Ads in etablierten Medien. Der neueste Trend sind Influencer, die auf Instagram Sneaker auftragen oder ihren Lippenstift in die Kamera halten.

    Ob diese Art der Werbung effizient ist, dürften manche Auftraggeber weder messen noch wissen. Der Herdentrieb verleitet uns dazu, vermeintliche Trends mitzugehen. Auch das - jedenfalls oft - eine Form von blindem Aktionismus.


  • Unternehmenspolitik

    Auch die Skandale in der Automobilindustrie bieten Anschauungsmaterial. Inwiefern Software-Updates oder Kaufboni sinnvoll sind, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Klar scheint aber, dass öffentlichkeitswirksame Maßnahmen nach einem Skandal stets (auch) Aktionismus entspringen.

    Abwarten, überlegen, abwägen - das ist angesichts des medialen Dauerfeuers keine Option. Das gilt generell für Unternehmen, die dem Shareholder Value hinterherrennen und Quartal um Quartal liefern müssen. Ein CEO, der die Füße einfach mal stillhält - undenkbar.


Warum verfallen wir in Aktionismus?

Uuund Action! Dass die menschliche Natur von Ruhe- und Rastlosigkeit geprägt ist, dürften die meisten nachempfinden können. Nichtstun ist noch immer die schwerste Beschäftigung von allen.

Aber es können speziell am Arbeitslatz noch andere Faktoren eine Rolle spielen, warum wir uns in sinnlose Betätigungen stürzen...

  • Panik: Panik vor dem Rauswurf, vor dem Abstieg, vor dem Chef oder den Aktionären. Aktionismus ist nicht selten eine Panikreaktion. Oft wird sie von unvorhergesehenen Ereignissen ausgelöst. Zum Beispiel einem unerwartet negativen Feedback im Jahresgespräch. Ich muss jetzt irgendwas tun, um die Scharte wieder auszuwetzen, um Punkte zu sammeln...
  • Langeweile: Das Gefühl von Nutzlosigkeit, wenn man im Büro nichts zu tun hat - nur schwer verdaulich. Also sucht man sich neue Betätigungsfelder, sortiert die Post-its, räumt die Teeküche auf, ordnet seinen Nippes auf dem Schreibtisch neu. Die Karriere voran bringt das indes nicht...
  • Beruhigung: Aktionismus ist die ultimative Beruhigungspille. Wer auf vertrautem Terrain bleibt und hier und da ein Pflaster aufklebt, bekommt keine Gewissensbisse wegen Untätigkeit. Und muss sich nicht eingestehen, womöglich ein noch viel größeres Problem zu haben.

Aktionismus: Was kann ich dagegen tun?

Keine Aufgabe? Bevor Sie sich in sinnlose Geschäftigkeit stürzen, sollten Sie sich selbst diese Fragen stellen:

  • Bringt das, was ich tue oder gedenke zu tun, mich oder mein Unternehmen wirklich voran?
  • Welchen Nutzen hat das, was ich tue oder tun will?
  • Was würde passieren, wenn ich dieser Tätigkeit jetzt nicht nachgehe - würde es irgendeinen Unterschied machen?
  • Wird das, was ich gerade tue, auch in Zukunft noch relevant für mich oder unser Unternehmen sein?
  • Was ist mein oder unser aktuell größtes Problem?
  • Wie viel Zeit habe ich diesem Projekt schon gewidmet - und wie viel sollte ich ihm widmen?
  • Gibt es etwas, das in meiner oder unserer jetzigen Situation dringlicher ist?
  • Löse ich durch das, was ich tue, ein Problem oder schaffe ich womöglich neue?

Hier sind vier weitere Strategien gegen Aktionismus:

  1. Pause

    Es ist wie bei einem Facebook-Post: Sie schnauben vor Wut über das, was Sie da gerade gelesen haben, würden dem User am liebsten eine Beleidigung nach der anderen um die Ohren hauen. Nicht gut! Besser: Tief ein- und ausatmen, eine Pause einlegen und erst danach entscheiden, ob und welche Antwort Sie absetzen.

    Erstmal eine Nacht drüber schlafen - die bekannte Redewendung zielt in die gleiche Richtung, ist ein Plädoyer gegen Aktionismus. Nach einer Verschnaufpause erkennt man eher, ob man auf dem richtigen Weg ist oder übers Ziel hinausschießt...


  2. Vogelperspektive

    Der Teufel liegt im Detail. Manchmal ist das ganz wörtlich zu nehmen. Wenn Sie sich auf der Arbeit in die Detailarbeit versteifen, verlieren Sie das große Ganze aus den Augen.

    Papierstapel von A nach B und wieder zurück legen, den Tesa-Film aufrollen, Heftzwecken aus purer Langeweile zählen - das bringt niemandem etwas. Zwischendurch immer wieder die Vogelperspektive einnehmen: Welche Rolle spielt das? Wie ist unsere Strategie? Wie wichtig ist diese Tätigkeit für den Gesamterfolg?


  3. Muße

    Aktionismus entspringt dem Wunsch, produktiv zu sein, etwas zu schaffen. Doch die Formel Aktiv = Produktiv ist so nicht gültig. Im Gegenteil, Müßiggang kann regelrechte Kreativfeuerwerke auslösen. Geniale Ideen oder frische Gedanken kommen uns oft erst bei fortwährender Langeweile.

    Diese Weisheit kann im Alltag helfen, Aktionismus zu vermeiden. Blindwütige Betriebsamkeit bei Gelegenheit lieber ersetzen durch: Faulenzen, spazieren gehen, meditieren, in die Luft gucken, lesen.


  4. Zwang

    Eine To-do-Liste könnte man auch als Zwangsmaßnahme begreifen - oder einsetzen. Und zwar so: sie notieren sich zu Tages- oder Wochenbeginn sämtliche Aufgaben, die Sie abarbeiten wollen und müssen. Sind Sie damit fertig, haben Sie Ihr Pensum erfüllt. Feierabend.

    Das ist bei Selbstständigen und Freiberuflern praktikabler als bei anderen. Auch eine Option: Eine Not-to-do-Liste, auf der Sie alle Aufgaben festhalten, die Sie auf keinen Fall angehen. Das kann Aktionismus ein Stück weit verhindern.

Zum Abschluss legen wir Ihnen noch unser Video zum Thema Aktionismus ans Herz, das noch einmal erklärt, wie purer Aktionismus Ihnen schadet und was Sie dagegen tun können:

[Bildnachweis: Bacho by Shutterstock.com]

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