Abmahnungsgründe: Welche gibt es?

Die wenigsten Arbeitnehmer riskieren wohl mutwillig eine Abmahnung – zu peinlich ist das Ganze schließlich. Aber es schadet nichts, die möglichen Abmahnungsgründe zu kennen, ganz einfach, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Denn manchmal kennen auch die Chefs sich nicht so gut aus und bevor es gleich ganz dicke kommt, sollten Sie Ihre Rechte und Pflichten kennen. Welche Abmahnungsgründe es geben kann…

Abmahnungsgründe: Welche gibt es?

Abmahnungsgründe: Was ist überhaupt eine Abmahnung?

Abmahnungsgründe Azubi Mieter Vermieter Fehlverhalten Wann darf eine Abmahnung erteilt werdenWann darf eine Abmahnung erteilt werden? Abmahnungen tauchen in vielen Bereichen des Lebens auf, längst nicht nur im Arbeitsrecht.

Beispielsweise sprechen häufiger auch Vermieter Abmahnungen gegen Mieter aus: Typische Abmahnungsgründe dort sind Ruhestörung oder Nichteinhalten der Hausordnung. Eine Abmahnung ist also ein Mittel, um auf einen Pflichtverstoß aufmerksam zu machen, so auch im Arbeitsverhältnis.

Denn als Arbeitnehmer haben Sie sich mit Unterzeichnen des Arbeitsvertrages dazu bereit erklärt, bestimmte Rechte und Pflichten als Gegenleistung zur regelmäßigen Bezahlung einzuhalten. Geschieht dies nicht, bedeutet das nicht automatisch, das Abmahnungsgründe vorliegen.

Eine Abmahnung ist bereits ein recht scharfes juristisches Instrument. Üblicherweise sollte erst einmal das Gespräch gesucht und nötigenfalls eine Ermahnung ausgesprochen werden, quasi die etwas harmlosere Vorstufe der Abmahnung.

Wenn sie allerdings ausgesprochen wird, sollten bereits erhebliche Abmahnungsgründe vorliegen, so dass die nächste Eskalationsstufe nach einer zweiten oder dritten Abmahnung tatsächlich die Kündigung sein kann.

Abmahnungsgründe: Das sind abmahnfähige Vergehen im Job

Vorab eine Auflistung gängiger Abmahnungsgründe:

  • Alkoholkonsum während der Arbeitszeit
  • Arbeitsverweigerung
  • Ausdehnen der Pausen
  • Beleidigungen gegenüber Kunden, Kollegen, dem Arbeitgeber oder des Vorgesetzten
  • Diebstahl (gilt auch für sogenannten „Mundraub“)
  • Nebentätigkeiten für die Konkurrenz
  • Nichtbeachtung von Anweisungen
  • Rauchen am Arbeitsplatz bei betrieblichem Verbot
  • Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
  • Schlechtleistung
  • Surfen im Internet bei betrieblichem Verbot
  • Störung des Betriebsfriedens
  • Gewalt am Arbeitsplatz
  • Unentschuldigtes Fehlen
  • Unpünktlichkeit
  • Verweigerung von Überstunden

Dazu muss man sagen: Längst nicht jeder der aufgelisteten Verstöße ist automatisch einen Abmahnungsgrund – es kommt teilweise auf die Häufigkeit des Vergehens oder den Kontext an.

Beispiel Alkoholkonsum: Der ist nicht allgemein am Arbeitsplatz verboten, sondern obliegt dem Weisungsrecht des Arbeitgebers.

Sofern ein Betriebsrat existiert, kann der gemäß seiner Befugnisse über die Modalitäten eines betrieblichen Alkoholverbots mitbestimmen, da er das Recht bei sozialen Belangen hat. So ist erklärbar, dass entgegen sonstiger Tage im Falle eines Kollegenabschieds beim Ausstand meist etwas Alkohol getrunken wird.

In anderen Fällen hingegen – etwa bei Piloten oder Polizisten – besteht von vornherein ein Alkoholverbot. Ist der Arbeitnehmer allerdings alkoholkrank, darf nicht einfach abgemahnt werden. Für den Arbeitgeber gibt es hier zweierlei Herausforderungen:

Das bedeutet, dass vor einer Kündigung – durchaus mithilfe diverser Anlaufstellen wie Ärzten oder Suchtberatungsstellen – das Gespräch gesucht werden muss. Auch hat ein Arbeitgeber dafür Sorge zu tragen, dass ein offensichtlich alkoholisierter Mitarbeiter nach Hause geht – ohne selbst Auto zu fahren.

Auch Beleidigungen sind nicht immer eindeutig, sondern werden im Einzelfall entschieden. Klar ist, dass rassistische oder diskriminierende Äußerungen verboten sind. Ein in manchen Unternehmen üblicher, rauerer Umgangston stellt nicht automatisch einen Abmahnungsgrund dar.

Anders sieht es bei diesen Vergehen aus: Sexuelle Belästigung, Gewalt oder Mobbing gehört zu den schwerwiegendsten Abmahnungsgründen. Ein Arbeitgeber, der hier nicht eingreift und abmahnt, verletzt seine Fürsorgepflicht.

Abmahnungsgrund: Krankmeldung unterlassen

Abmahnungsgründe: Krankmeldung unterlassenEs hält sich hartnäckig das Gerücht, Arbeitnehmer könnten im Krankheitsfalle nicht gekündigt werden. Aber das geht – vor allem, wenn sie sich zuvor einiges haben zu Schulden kommen lassen. Abmahnungswürdig ist beispielsweise unerlaubtes Fehlen am Arbeitsplatz.

Das schließt überzogene Pausen mit ein ebenso wie eine unterlassene Krankmeldung. Welche Modalitäten für Sie als Arbeitnehmer gelten, regelt Ihr Arbeitsvertrag. Manche Unternehmen erwarten ab dem ersten Tag der Krankmeldung eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, andere erst ab dem dritten.

Grundsätzlich haben Sie Ihrem Vorgesetzten Ihre Krankheit und die voraussichtliche Dauer Ihres Ausfalls unverzüglich mitzuteilen.

Ob gute und schlechte Abmahnungsgründe: Konsequenzen der Abmahnung

Wer eine Abmahnung erhält, dem wird ein eindeutiges Warnzeichen übermittelt: Bis hierhin und nicht weiter. Das zur Schau getragene Verhalten missfällt dem Arbeitgeber, daher ergeht die Forderung an den Mitarbeiter, sein Verhalten deutlich zu ändern.

Arbeitnehmer sollten das nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn die Konsequenzen sind drastisch: Nicht nur, dass Sie Ihren Arbeitsplatz verlieren – es kommt eine Arbeitsamt Sperre auf Sie zu.

Das bedeutet, dass Sie für die nächsten drei Monate kein Arbeitslosengeld erhalten. Die Arbeitsagenturen argumentieren damit, dass es sich bei einer verhaltensbedingten Kündigung um steuerbares und ihm vorwerfbares Verhalten handelt.

Diese Sperrfrist können Sie lediglich umgehen, wenn Sie gegen die verhaltensbedingte Kündigung gerichtlich vorgehen, etwa weil sie ungerechtfertigt ist.

Fristen bei einer Abmahnung

Wer sich aufgrund eines Fehlverhaltens eine Abmahnung eingeholt hat, hat eine Galgenfrist erhalten. Getreu dem Motto: Wenn, dann… darf der Arbeitnehmer allerdings nicht bis in die ewigen Jagdgründe diesbezüglich ermahnt werden.

Konkret heißt das: Wer abgemahnt wurde und innerhalb der folgenden zwei, drei Jahre sich wegen dieser Sache nichts mehr zu Schulden kommen lässt, kann nicht auf Grundlage dieses Vorkommnisses gekündigt werden. Exakte Fristen gibt es von Rechts wegen jedoch nicht.

Allerdings: Auch wenn eine Kündigung wegen dieses Vorfalls nicht mehr möglich ist, so darf die Abmahnung weiterhin in der Personalakte verbleiben. Lediglich wenn der Arbeitnehmer die Abmahnung als unberechtigt erachtet und ihr widerspricht, muss die Gegendarstellung aufgenommen werden. Dieser Widerspruch kann übrigens auch noch Jahre später erfolgen.

Welche Frist zulässig ist, ist die einer verhaltensbedingten Kündigung innerhalb von 14 Tagen. Voraussetzung dafür ist allerdings ein berechtigter Grund aus der vorausgegangenen Abmahnung. Bei leichteren Verstößen muss der Arbeitgeber den Mitarbeiter mehrmals verwarnen, um ihn kündigen zu können.

Anders bei wirklich schweren Vorfällen, bei denen eine weitere Zusammenarbeit mit diesem Mitarbeiter weder dem Arbeitgeber noch den Kollegen zuzumuten ist, etwa bei Gewalt oder sexueller Belästigung.

Was tun, wenn sich der Arbeitgeber falsch verhält

Abmahnungsgründe Azubi Mieter Vermieter Fehlverhalten Wann darf eine Abmahnung erteilt werdenWer Abmahnungsgründe hört oder liest, denkt vermutlich an erster Stelle an eine Abmahnung des Mitarbeiters durch seinen Arbeitgeber. Es geht aber auch anders herum. Denn natürlich hat auch der Arbeitgeber gemäß des Arbeitsvertrages Rechte und Pflichten seinen Angestellten gegenüber.

Einige Arbeitnehmer erwägen eine Abmahnung gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber, wenn dieser das Gehalt nicht zahlt. Im Wiederholungsfall ist eine Kündigung des Arbeitnehmers absolut möglich. Allerdings kommt eine fristlose Kündigung nur dann infrage, wenn es sich die Nichtzahlung über einen langen Zeitraum erstreckt.

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[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
26. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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