Denunziation: Wie reagieren im Job?

Petzen, verraten, denunzieren – andere anzuschwärzen wird selten gerne gesehen. Ob etwas aber gleich eine Denunziation ist, hängt von der jeweiligen Bewertung ab. In jedem Fall haftet der Denunziation etwas Negatives an: Gerade in Unrechtregimes ist es ein beliebtes Mittel zur Macht für Emporkömmlinge. Dabei geht es nicht etwa um freie Meinungsäußerung, sondern um teilweise strafbare Handlungen. Je nachdem, von welcher Warte aus die Denunziation betrachtet wird und worum es im Kern geht, kann es auch für den Denunzianten eine heikle Angelegenheit werden, das mussten nicht zuletzt diverse Whistleblower erfahren. Wir erklären, was man unter Denunziation versteht und wie sie sich von einer Anzeige unterscheidet. Außerdem geben wir Ihnen Tipps, wie Sie sich schützen können…

Denunziation: Wie reagieren im Job?

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Was versteht man unter Denunziation?

Denunziation beschreibt einen Vorgang, bei dem eine Person (Denunziant) eine andere Person (Regelbrecher) einer übergeordneten Institution oder Behörde meldet. Diese – so die Erwartungshaltung – wird den Regelbrecher sanktionieren. Der Begriff Denunziation stammt aus dem Lateinischen, denuntio, und bedeutet da so viel wie „Anzeige erstatten“. Auch das Verb „denunzieren“ (Lateinisch denuntiare) bedeutet lediglich „ankündigen“ oder „kundtun“. Was ursprünglich noch neutral gemeint war, hat mittlerweile eine eindeutig negative Konnotation. Das wird bereits aus den Synonymen zu Denunziation ersichtlich. Neben einigen neutralen Begriffen wie Anzeige, Bekanntgabe oder Meldung überwiegen diese:

➠ Angriff
➠ Diskreditierung
➠ Hetze
➠ Herabwürdigung
➠ Nachrede
Unterstellung
➠ Verfolgung

Alle diese Begriffe haben etwas damit zu tun, einem anderen Menschen Schaden zuzufügen. Und in dieser Bedeutung wird Denunziation meist gebraucht.

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Warum denunzieren Menschen?

Denunziantentum ist nicht besonders beliebt: „Der größte Lump im ganzen Land das ist und bleibt der Denunziant“, heißt es in einem dem Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben zugeschriebenen Zitat. Stellt sich die Frage, warum Menschen denunzieren? Es lassen sich im Wesentlichen zwei Motive beobachten:

Vorteilsverschaffung

Ein Denunziant meldet eine andere Person allein aus niedrigen Beweggründen bei einer Behörde. Er nimmt billigend in Kauf, dass durch die Denunziation eine Person in Schwierigkeiten gerät, selbst wenn diese kein Unrecht begangen hat. Als niedrige Beweggründe gilt, wenn es nur zum eigenen Vorteil, also aus rein egoistischen Gründen geschieht. Beispielsweise verspricht sich jemand eine Belohnung oder die missliebige Konkurrenz wird so ausgeschaltet.

Diffamierung

Denunziation kann in der Bedeutung von Beleidigung verwendet werden, wenn jemand eine andere Person schlecht macht. Diesem Vorgehen sehr ähnlich, wird Denunziation außerdem zunehmend von rechten Seiten in Auseinandersetzung mit unliebsamen Debatten benutzt. Der Gegner soll damit mundtot gemacht werden, indem ihm seinerseits Nazimethoden unterstellt werden.

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Was ist die Anzeige im Unterschied dazu?

Bei einer Denunziation sind drei Interessensparteien und Perspektiven zu unterscheiden:

➠ Der Denunziant
➠ Der Regelbrecher
➠ Die Öffentlichkeit

Meist sind Denunziationen anonym, da die Denunzianten Nachteile befürchten, falls ihre Meldung ans Licht käme. Ob etwas tatsächlich als Denunziation eingestuft wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem gesellschaftlichen Klima und dem politischen Regierungssystem. Man spricht davon, etwas zur Anzeige zu bringen, wenn es sich nach demokratischen Maßstäben um eine Straftat handelt, die gemeldet wird.


Beispiel für eine Denunziation

Ein Mitarbeiter beschuldigt einen Kollegen, Insiderwissen an die Konkurrenz weitergegeben zu haben. Es handelt sich um Denunziation, wenn diese Anschuldigungen falsch sind und der Grund darin liegt, dass der Denunziant so beispielsweise den unbequemen Konkurrenten aus dem Weg räumen möchte.



Beispiel für eine Anzeige

Ein Mitarbeiter beschuldigt einen Kollegen der sexuellen Belästigung. Er selbst wurde durch den Kollegen körperlich bedrängt und bringt diesen Vorfall zur Anzeige. Sexuelle Belästigung verstößt gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und ist klar als Straftat zu bewerten.


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Ist Denunziation strafbar?

Ob Denunziation strafbar ist, lässt sich nicht immer eindeutig sagen, denn es kommt auf den Sachverhalt an: Wird gegen bestehende Gesetze verstoßen oder lediglich persönliches (Unrechts-)Empfinden? Folgende Beispiele illustrieren das Dilemma:

Strafbar: Wissentliche Falschbehauptungen

Definitiv strafbar macht sich ein Denunziant, wenn er aus purer Gehässigkeit falsche Verdächtigungen ausspricht. Wer eine andere Person bei einer Behörde wider besseres Wissen anzeigt und Unwahrheiten über diese Person behauptet, damit ein Straf- oder Disziplinarverfahren gegen sie eingeleitet wird, macht sich nach § 164 Strafgesetzbuch (StGB) strafbar.

Strafbar: Gefährdung eines anderen

Ebenfalls ist eine Denunziation strafbar, wenn eine politische Verdächtigung nach § 241 a StGB vorliegt. Das ist der Fall, wenn jemand eine andere Person allein durch seine Verdächtigungen der Gefahr von politischer Verfolgung aussetzt, so dass dem anderen Schaden an Leib, Leben und Freiheit oder aber drastische berufliche oder wirtschaftliche Nachteile entstehen. Hier reicht bereits, wenn zum Beispiel durch mündliche Informationen einem Dritten gegenüber die denunzierte Person rechtsstaatwidriger Gefährdung ausgesetzt wird. In schweren Fällen können hier bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verhängt werden.

Strittig: Verstoß gegen Normen

Was so einleuchtend erscheint und letztlich auf die Erfahrungen von Denunziation im Nationalsozialismus zurückgeht, wird im Einzelfall dann doch auf die Probe gestellt. Es erscheint logisch, beispielsweise einen Whistleblower zu schützen, wenn er etwas meldet, was strafbar ist und jeden Moment begangen werden kann. Aber wie sieht es aus, wenn jemand eine Meldung zu etwas macht, das zwar gegen jegliches moralische Empfinden verstößt, jedoch nach geltenden Gesetzen nicht strafbar ist? In diesen Fällen wird der Meldende wohl als Denunziant und seine Meldung als Denunziation empfunden werden. Prominentestes Beispiel für eine unklare Bewertung dürfte Edward Snowden sein. Der löste vor wenigen Jahren die NSA-Affäre aus, weil er die Praktiken seines damaligen Arbeitgebers (der amerikanische Geheimdienst CIA) nicht gutheißen konnte.

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Denunziation am Arbeitsplatz

Ist die Arbeitsmarktlage besonders angespannt oder fürchtet der Täter zu starke Konkurrenz, begünstigt das die Wahrscheinlichkeit von Denunziation. Besonders anfällig sind Unternehmen, die keine entsprechende Unternehmenskultur vorleben. Ein Unternehmen ist ein Mikrokosmos und bildet mit seinen Hierarchien die Gesellschaft im Kleinen ab. Verstöße werden vor allem da wahrgenommen, wo Menschen eng und vertraut miteinander zusammenarbeiten, sich häufig begegnen. In einem Umfeld, in dem Mitarbeiter ständig fürchten müssen, für jeden kleinen Fehler sanktioniert zu werden und in dem das Fehlermanagement katastrophal ist, kann Denunziation geradezu blühen.

Gleichzeitig gilt es zu schauen, ob gegen eigene, individuelle Überzeugungen oder geltende Regelungen beziehungsweise Gesetze verstoßen wird. Es muss klar sein: Wer Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften und geltendes Arbeitsrecht meldet, ist kein Denunziant. Als Mitarbeiter sind Sie dem Unternehmen gegenüber zur Loyalität verpflichtet. Das heißt aber auch, dass Ihnen am Fortbestand gelegen ist. Betreibt ein Kollege beispielsweise Buddy Punching, handelt es sich klar um Arbeitszeitbetrug.

Für Arbeitnehmer heißt das, sich seine Kollegen genau anzuschauen und das eigene Verhalten zu überprüfen. Man muss nicht nicht mit jedem „best friends“ sein. Arten Konflikte im Arbeitsumfeld allerdings in Denunziation aus, leidet beispielsweise Ihr Ruf unter dem Verhalten eines Kollegen, muss gehandelt werden. Denunziation bei der Arbeit kann sich auf verschiedene Arten äußern:

In die Isolation treiben

Hinter dem Rücken werden Klatsch und Tratsch, böswillige Gerüchte über den Kollegen verbreitet. Sinn und Zweck ist es, ihn somit auszugrenzen. Eine Person, die derart falsch auftritt, betreibt unter Umständen Gaslighting, das heißt, falls der denunzierten Person Zweifel an der Aufrichtigkeit des Denunzianten kämen, würde der Denunziant mit aller Macht leugnen und dagegen halten.

Unbemerkt Fallen stellen

Ein anderes Kaliber im Bereich der Denunziation sind gestellte Fallen. Etwa wenn Ihr Kollege Ihnen versichert, die wichtigen Informationen weiterzugeben, es aber unterlässt. Oder Sie werden vom Informationsfluss direkt abgeschnitten und können deshalb bestimmte Umstände in Ihrer Arbeit nicht berücksichtigen. Man lässt Sie also ins offene Messer laufen.

Beim Chef anschwärzen

Klar, wenn jemand Büromaterialien mitgehen lässt, verstößt er eindeutig gegen das Gesetz, auch wenn manch einer diesen Vorgang als Kavaliersdelikt sehen und die Meldung als Denunziation einordnen will. So ein Fall wäre aber sachlich betrachtet eine berechtigte Anzeige. Anders verhält es sich, wenn man Ihnen beispielsweise Ideenklau vorwirft. Sie gelten dann als Kollegenschwein und müssen erst einmal das Gegenteil beweisen. Je nachdem, welchen Stand der Denunziant hat, kann das schwer sein.

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Wie können Sie sich gegen Denunziation schützen?

  • Vorsicht
    Seien Sie wachsam, wenn Sie neu in einem Unternehmen sind. Es gibt gruppendynamische Prozesse, die Denunziation begünstigen. Je größer und anonymer ein Unternehmen ist, je höher die Fluktuationsrate ist, desto weniger fühlt sich der Einzelne bestimmten moralischen Standards verpflichtet.
  • Zurückhaltung
    Seien Sie selbst ein Vorbild. Beteiligen Sie sich nicht an Gerüchten und kümmern Sie sich stattdessen um Ihre eigenen Ziele: Sie haben schließlich besseres zu tun, als Ihre Zeit mit wilden Spekulationen zu verbringen. Wer hingegen ständig mit anderen die Köpfe zusammensteckt und dabei Verdächtigungen äußert, unterstützt ein Klima, in dem Denunziation gedeiht.
  • Transparenz
    Sie müssen nicht jedem alles über sich erzählen. Aber gehen Sie transparent mit eigenen Fehlern um. Sie zu vertuschen oder andere zum Schweigen zu verpflichten, bringt sie in eine schwächere Position, aus der heraus andere Ihnen wiederum schaden können.
  • Dokumentation
    Halten Sie Ordnung, das gilt besonders für Ausnahmefälle. Dokumentieren Sie Anweisungen, indem Sie Mails entsprechend ablegen, verschließen Sie Ihre Unterlagen. Das erleichtert Ihnen im Fall des Falles Nachweise zu erbringen, wenn ein Kollege versucht Sie anzuschwärzen.
  • Hilfe
    Ist es dennoch zur Denunziation gekommen oder haben Sie Anlass zur Sorge, kann es hilfreich sein, den Betriebsrat hinzuzuziehen. Anderweitige Hilfe ist durch Gewerkschaften, Beratungsstellen für Mobbing oder Rechtsanwälte für Arbeitsrecht möglich.

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[Bildnachweis: Master1305 by Shutterstock.com]
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4. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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