Denunziation: Wie reagieren im Job?

Denunziantentum ist nicht besonders beliebt: Der größte Lump im ganzen Land das ist und bleibt der Denunziant, dichtete einst der berühmte Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben. Und in der Tat, der Denunziation haftet Negatives an: Gerade in Unrechtregimes ist es ein beliebtes Mittel zur Macht für Emporkömmlinge. Dabei geht es nicht etwa um freie Meinungsäußerung, sondern um teilweise strafbare Handlungen. Je nachdem, von welcher Warte aus die Denunziation betrachtet wird und worum es im Kern geht, kann es auch für den Denunzianten eine heikle Angelegenheit werden. Was Sie dazu wissen müssen und wie Sie sich schützen können…

Denunziation: Wie reagieren im Job?

Denunziation Definition: Von der Anzeige zur Verleumdung

Denunziation synonym strafbar Denunziant DefinitionDer Begriff Denunziation stammt aus dem Lateinischen, denuntio, und bedeutet da so viel wie „Anzeige erstatten“. Was ursprünglich aber noch neutral gemeint war, hat mittlerweile einen eindeutig negativen Beigeschmack.

Deutlich wird dies bereits, wenn man die Synonyme zu Denunziation betrachtet. Da gibt es neben der neutralen Bedeutung wie Anzeige, Bekanntgabe oder Meldung auch diese:

  • Angriff
  • Beleidigung
  • Bezichtigung
  • Diffamierung
  • Diskreditierung
  • Gehetze
  • Gejage
  • Herabwürdigung
  • Hetzjagd
  • Nachrede
  • Unterstellung
  • Verfolgung

Das sind längst nicht alle Synonyme. Deutlich wird allerdings, dass alle etwas damit zu tun haben, einem anderen Menschen Schaden zuzufügen. Und in dieser Bedeutung wird Denunziation meist gebraucht. Es lassen sich zwei Bedeutungen finden:

  • Vorteilsverschaffung

    Eine Person ist ein Denunziant und begeht eine Denunziation, wenn sie einen anderen allein aus niedrigen Beweggründen zum eigenen Vorteil bei einer Behörde meldet. Sie nimmt damit billigend in Kauf, dass die denunzierte Person in Schwierigkeiten gerät, selbst wenn diese kein Unrecht begangen hat.

  • Diffamierung

    Denunziation kann in der Bedeutung von Beleidigung verwendet werden, wenn jemand eine andere Person schlecht macht. Diesem Vorgehen sehr ähnlich, wird Denunziation außerdem zunehmend von rechten Seiten in Auseinandersetzung mit unliebsamen Debatten benutzt. Der Gegner soll damit mundtot gemacht werden, indem ihm seinerseits Nazimethoden unterstellt werden.

Meist sind Denunziationen anonym, da die Denunzianten Nachteile befürchten, falls ihre Meldung ans Licht käme.

Unterschied zwischen Anzeige und Denunziation

Die deutsche Geschichte hat noch in jüngerer Zeit mit Denunziationen in politischer Hinsicht zu tun gehabt. Der Fall der Mauer ist gerade mal 25 Jahre her und dennoch finden sich genügend „Ostalgiker“, die in bester Verklärung die vielen Vorzüge der DDR aufzählen. Frei nach dem Motto: Es war nicht alles schlecht…

Dennoch muss festgehalten werden, dass ein Staat, der seine Bürger durch andere Bürger bespitzeln lässt, nach demokratischem Verständnis ein Unrechtsregime ist. Dadurch, dass er Denunziation gefördert hat, hat er direkt in soziale Beziehungsgefüge eingegriffen.

Freunde haben Freunde denunziert, selbst Familienangehörige haben Verwandte bespitzelt und abgehört. Gemeldet wurden beispielsweise Kontakte in den Westen, unerlaubte Waren, die vom „Klassenfeind“ per Post in die DDR geliefert wurden. Oder konkrete Fluchtpläne, die als „Republikflucht“ entsprechend geahndet wurden.

Der Staat hat somit aktiv Zwietracht und Misstrauen gesät, Familien zerstört. Politische Denunziationen in solchen Staaten haben daher weitaus unangenehmere Konsequenzen als wenn Herr Maier seinem Vorgesetzten meldet, dass sein Kollege heimlich Büromaterialien mitgehen lässt.

Anders liegt der Sachverhalt bei einer berechtigten Anzeige. Auch in Unrechtsstaaten sind Kapitalverbrechen verboten und werden – sofern sie keinen politischen Hintergrund haben – entsprechend verfolgt. Problematisch ist einzig, dass die Anzeigepflicht in solchen Staaten häufig weiter gefasst wird als in demokratischen Ländern.

Denunziation: Strafbar oder nicht?

Denunziation im Nationalsozialismus synonym strafbar Denunziant DefinitionOb Denunziation strafbar ist, lässt sich nicht absolut eindeutig sagen, denn es kommt auf den Sachverhalt an. Definitiv strafbar macht sich ein Denunziant, wenn er aus purer Gehässigkeit falsche Verdächtigungen ausspricht.

Wer eine andere Person bei einer Behörde wider besseres Wissen anzeigt und Unwahrheiten über diese Person behauptet, damit ein Straf- oder Disziplinarverfahren gegen sie eingeleitet wird, macht sich nach § 164 Strafgesetzbuch (StGB) strafbar.

Ebenfalls ist eine Denunziation strafbar, wenn eine politische Verdächtigung nach § 241 a StGB vorliegt.

Das ist der Fall, wenn jemand eine andere Person allein durch seine Verdächtigungen der Gefahr von politischer Verfolgung aussetzt, so dass dem anderen Schaden an Leib, Leben und Freiheit oder aber drastische berufliche oder wirtschaftliche Nachteile entstehen.

Hier reicht bereits, wenn zum Beispiel durch mündliche Informationen einem Dritten gegenüber die denunzierte Person rechtsstaatwidriger Gefährdung ausgesetzt wird. In schweren Fällen können hier bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verhängt werden.

Was so einleuchtend erscheint und letztlich auf die Erfahrungen von Denunziation im Nationalsozialismus zurückgeht, wird im Einzelfall dann doch auf die Probe gestellt. Es erscheint logisch, beispielsweise einen Whistleblower zu schützen, wenn er eine Meldung für etwas macht, was strafbar ist und jeden Moment begangen werden kann.

Aber wie sieht es aus, wenn jemand eine Meldung zu etwas macht, das zwar gegen jegliches moralische Empfinden verstößt, jedoch nach geltenden Gesetzen nicht strafbar ist? In diesen Fällen wird der Meldende wohl als Denunziant und seine Meldung als Denunziation empfunden werden.

Prominentestes Beispiel für eine Denunziation, bei der die Bewertung unklar ist, dürfte Edward Snowden sein, der vor wenigen Jahren die NSA-Affäre auslöste, weil er die Praktiken seines damaligen Arbeitgebers (der amerikanische Geheimdienst CIA) nicht gutheißen konnte.

Denunziation am Arbeitsplatz

Menschen sind nicht frei von Fehlern. Und manchmal gibt es unangenehme Menschen, denen wir lieber aus dem Weg gehen. Mit zunehmenden Alter merken wir auch, dass wir nicht mit jedem „best friends“ sein müssen. So weit, so gut. Einen ganz anderen Anstrich bekommen Konflikte im Arbeitsumfeld allerdings, wenn es um Denunziation geht.

Ab einem bestimmten Punkt lässt sich über das Verhalten des Kollegen nicht mehr hinwegsehen, und das ist spätestens der Fall, wenn Ihr Ruf darunter leidet.

Denunziation bei der Arbeit kann sich auf verschiedene Arten äußern:

  • In die Isolation treiben

    Vordergründig scheint alles in Ordnung zu sein. Aber hinter dem Rücken werden Klatsch und Tratsch, böswillige Gerüchte über den neuen Kollegen verbreitet. Sinn und Zweck ist es, ihn somit auszugrenzen. Eine Person, die derart falsch auftritt, betreibt unter Umständen Gaslighting, das heißt, falls der denunzierten Person Zweifel an der Aufrichtigkeit des Denunzianten kämen, würde der Denunziant mit aller Macht leugnen und dagegen halten.


  • Unbemerkt Fallen stellen

    Ein anderes Kaliber im Bereich der Denunziation sind gestellte Fallen. Etwa wenn Ihr Kollege Ihnen versichert, die wichtigen Informationen weiterzugeben, es aber unterlässt. Oder Sie werden vom Informationsfluss direkt abgeschnitten und können deshalb bestimmte Umstände in Ihrer Arbeit nicht berücksichtigen. Man lässt Sie also ins offene Messer laufen.


  • Beim Chef anschwärzen

    Klar, wenn jemand Büromaterialien mitgehen lässt, verstößt er eindeutig gegen das Gesetz, auch wenn manch einer diesen Vorgang als Kavaliersdelikt sehen und die Meldung als Denunziation einordnen will. So ein Fall wäre aber sachlich betrachtet eine berechtigte Anzeige – auch wenn der Denunziant kein Sympathieträger ist.

    Anders verhält es sich, wenn man Ihnen beispielsweise Ideenklau vorwirft. Sie gelten dann als Kollegenschwein und müssen erst einmal das Gegenteil beweisen. Je nachdem, welchen Stand der Denunziant hat, kann das schwer sein.

Unternehmenskultur spiegelt die Gesellschaft

Das Ziel von Denunziation ist bereits mit der Definition klar benannt: Es geht darum, dem anderen zu schaden. Ein Grund dafür kann Rachlust sein. Geht es um Denunziation am Arbeitsplatz, geht es darum, dass der Denunzierte seinen Job aufgibt oder der Denunziant sich zumindest in eine vorteilhaftere Stellung bringt.

Ist die Arbeitsmarktlage besonders angespannt oder fürchtet der Täter zu starke Konkurrenz, begünstigt das die Wahrscheinlichkeit von Denunziation. Besonders anfällig sind Unternehmen, die keine entsprechende Unternehmenskultur vorleben:

Ein Unternehmen ist ein Mikrokosmos und bildet mit seinen Hierarchien die Gesellschaft im Kleinen ab. In einem Umfeld, in dem Mitarbeiter ständig fürchten müssen, für jeden kleinen Fehler sanktioniert zu werden und in dem das Fehlermanagement katastrophal ist, kann Denunziation geradezu blühen. Jeder ist sich selbst der nächste.

Tipps gegen Denunziation: So schützen Sie sich

  • Vorsicht

    Seien Sie wachsam, wenn Sie neu in einem Unternehmen sind. Es gibt gruppendynamische Prozesse, die Denunziation begünstigen. Je größer und anonymer ein Unternehmen ist, je höher die Fluktuationsrate ist, desto weniger fühlt sich der Einzelne bestimmten moralischen Standards verpflichtet.

  • Zurückhaltung

    Seien Sie selbst ein Vorbild. Beteiligen Sie sich nicht an Gerüchten und kümmern Sie sich stattdessen um Ihre eigenen Ziele: Sie haben schließlich besseres zu tun, als Ihre Zeit mit wilden Spekulationen zu verbringen. Wer hingegen ständig mit anderen die Köpfe zusammensteckt und dabei Verdächtigungen äußert, unterstützt ein Klima, in dem Denunziation gedeiht.

  • Transparenz

    Sie müssen nicht jedem alles über sich erzählen. Aber gehen Sie transparent mit eigenen Fehlern um. Statt sie zu vertuschen oder andere zum Schweigen zu verpflichten, bringt sie in eine schwächere Position, aus der heraus andere Ihnen wiederum schaden können.

  • Dokumentation

    Halten Sie Ordnung, das gilt besonders für Ausnahmefälle. Dokumentieren Sie Anweisungen, indem Sie Mails entsprechend ablegen, verschließen Sie Ihre Unterlagen. Das erleichtert Ihnen im Fall des Falles Nachweise zu erbringen, wenn ein Kollege versucht Sie anzuschwärzen.

  • Hilfe

    Ist es dennoch zur Denunziation gekommen oder haben Sie Anlass zur Sorge, kann es hilfreich sein, den Betriebsrat hinzuzuziehen. Anderweitige Hilfe ist durch Gewerkschaften, Beratungsstellen für Mobbing oder Rechtsanwälte für Arbeitsrecht möglich.

[Bildnachweis: Master1305 by Shutterstock.com]
14. Februar 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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