Ghostwriting im Studium: Was ist erlaubt?

Während des Studiums kommt fast jedem Studenten irgendwann einmal der Gedanke, wie schön es doch wäre, wenn man die ausstehende Hausarbeit einfach an jemanden delegieren könnte. Kurz nach diesem Gedanken kommt aber oft bereits das schlechte Gewissen und ermahnt, dass es im Studium um die eigenen Leistungen geht und Ghostwriting ohnehin illegal ist. Aber stimmt das wirklich? Wie viel Hilfe dürfen Studenten sich bei der Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten holen, ohne gegen Gesetze oder universitäre Richtlinien zu verstoßen? Wir erklären, warum viele Studenten eine solche Hilfe in Anspruch nehmen, was erlaubt ist und wo Ghostwriting im Studium seine Grenzen findet…

Ghostwriting im Studium: Was ist erlaubt?

Ghostwriting im Studium: Warum wird es überhaupt gemacht?

Jahrelang werden fleißig Vorlesungen besucht, Tutorien mitgemacht, Inhalte gepaukt und Themen verinnerlicht, um sich Stück für Stück dem Abschluss zu nähern. Trotzdem stellt das Erstellen einer wissenschaftlichen Arbeit viele Studenten vor eine große Hürde, denn nicht in jedem Studiengang werden regelmäßig Hausarbeiten geschrieben, in denen die angehenden Akademiker die Vorgehensweise erlernen und den Schreibprozess üben könnten.

Zwar bieten Universitäten häufig Kurse an, in denen Studenten das wissenschaftliche Arbeiten näher gebracht wird, doch längst nicht jeder Student nimmt dieses Angebot in Anspruch. So kann es sein, dass am Ende des Studiums eine Abschlussarbeit zu schreiben ist, ohne eine wirkliche Vorbereitung absolviert zu haben. Da kann schon einmal der Gedanke kommen, sich die fehlende Expertise woanders einzuholen.

Zusätzlich lastet viel Druck auf den Schultern der Absolventen. Im Anschluss an das Studium soll möglichst schnell eine passende Stelle gefunden werden und der gesamte Aufwand des Studiums soll sich schließlich auch bezahlt machen. Viele versprechen sich von einem Ghostwriter besonders gute Noten für ihre Abschlussarbeiten und können gleichzeitig ein wenig Leistungsdruck von sich selbst auf jemand anders übertragen.

Doch selbst wenn die Gründe vieler Studenten durchaus nachvollziehbar sind, bleibt die Frage: Ghostwriting im Studium erlaubt?

Ghostwriting und Plagiat: Bitte nicht verwechseln!

Sie werden häufig gemeinsam genannt, doch sollten Ghostwriting und Plagiate nicht verwechselt oder sogar gleichgesetzt werden. Beim Ghostwriting handelt es sich grundsätzlich um die Erstellung eines Textes im Auftrag einer anderen Person. Es handelt sich dabei in der Regel um erfahrene Autoren, die ihr Wissen und ihr Können einsetzen. So werden beispielsweise Reden oder auch ganze Bücher vollkommen legal von Ghostwritern verfasst.

Ein Plagiat auf der anderen Seite ist die unrechtmäßige Aneignung von fremden Erkenntnissen oder dem Gedankengut einer anderen Person. So liegt zum Beispiel ein Plagiat vor, wenn Passagen aus einem anderen Text übernommen werden, ohne eine entsprechende Quelle zu nennen. In die Öffentlichkeit kamen Diskussionen um Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten vor allem durch den Fall des ehemaligen Bundesministers Karl-Theodor zu Guttenberg.

Ghostwriting im Studium: Wo sind die Grenzen?

Ghostwriting ist also grundsätzlich absolut legal. Jeder kann einen Ghostwriter beauftragen, einen Text für ihn zu schreiben. Dabei kann es sich um ein Buch, beispielsweise in Form einer Biographie, eine Rede, wie sie häufig bei Politikern zum Einsatz kommt, oder eben auch eine wissenschaftliche Arbeit für einen Studenten handeln. Steht es deshalb allen Studierenden frei, die eigene Semester- oder sogar Abschlussarbeit von einem Ghostwriter schreiben zu lassen?

Für die Beantwortung dieser Frage ist eine wichtige Unterscheidung zu treffen. Gegen das Verfassen eines solchen Textes ist erst einmal nichts einzuwenden, es handelt sich dabei wie bereits erwähnt um eine vollkommen legale Dienstleistung. Wichtige Grenzen, die jeder Student kennen muss, gibt es jedoch bei der Verwendung einer solchen Arbeit. Universitäten legen sehr genau fest, dass wissenschaftliche Arbeiten vom Studenten selbst geschrieben werden müssen und lassen sich dies auch durch eine eidesstattliche Erklärung versichern. Wer dagegen verstößt, riskiert die sofortige Exmatrikulation und damit auch seinen Abschluss. Wir zeigen, was erlaubt ist.

  1. Ghostwriting als Inspiration

    Wenn die Schreibblockade während der Bachelorarbeit kommt, kann die Arbeit eines Ghostwriters als Inspiration dienen. Studenten erkennen, wie sich ein professioneller Autor dem Thema gewidmet hat und können vielleicht die ein oder andere Anregung finden, wie sie die eigene Arbeit weiterbringen können. Wichtig ist jedoch, dass nicht einfach abgeschrieben wird. Dies verstößt gegen die Prüfungsordnung, da es Sache des Studenten ist, ein Thema zu recherchieren, sich dazu Gedanken zu machen und diese zu Papier zu bringen.

  2. Ghostwriting als Unterstützung

    Ein Ghostwriter kann nicht nur selbst zu Stift und Papier greifen, sondern auch bei Fragen oder Zweifeln behilflich sein. Viele Ghostwriter haben selbst einen Abschluss an der Universität gemacht, kennen das wissenschaftliche Arbeiten und haben viel Erfahrung beim Schreiben. Von diesem Wissen können Studenten profitieren.

  3. Ghostwriting als Korrektur

    Hat der Student den Prozess der Recherche und des Schreibens abgeschlossen, kann er seinen fertigen Text zur Korrektur an einen Ghostwriter weiterreichen. So kann ein professionelles Feedback eingeholt werden und vielleicht noch die ein oder andere Änderung vorgenommen werden. Da jedoch die eigentliche Arbeit vom Studenten selbst gemacht wurde, verstößt eine solche Korrektur nicht gegen die Prüfungsordnung. Gleiches gilt auch für die Suche nach Fehlern von Freunden oder Kommilitonen.

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11. November 2015 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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