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Bachelorarbeit Umfrage: Gestaltung, Aufbau, Auswertung

Ein Gastbeitrag von Robert Grünwald

Zahlreiche Studenten oder wissenschaftliche Mitarbeiter wollen heute eine empirische Umfrage in ihrer Abschluss- oder Forschungsarbeit durchführen. Insbesondere bei theoretischen oder komplexen Themengebieten bietet sich an, mithilfe einer Bachelorarbeit Umfrage praxisnahe Erkenntnisse einfließen zu lassen. Das stellt aber so manchen vor ein Problem. Der folgende Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie empirische Umfragen gestalten, aufbauen, durchführen und auswerten können…

Bachelorarbeit Umfrage: Gestaltung, Aufbau, Auswertung

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Wissenschaftliche Umfrage: Gestaltung, Aufbau, Auswertung

So eine wissenschaftliche Umfrage ist auf den erstes Blick wahrlich kein leichtes Unterfangen – aber eine lösbare Aufgabe. Die folgenden Tipps helfen Ihnen, typische Fehlerquellen bei der Datenerhebung zu umgehen und die Umfrage für Ihre Bachelorarbeit optimal auszuwerten:

1. Forschungsfrage absichern

Schon die Formulierung der Forschungsfrage entscheidet über Erfolg und Misserfolg einer solchen Feldstudie. Mit einer zu allgemein gehaltenen Fragestellung programmieren Sie Ihr Scheitern, da die Studie so niemals der notwendigen Komplexität der statistischen Erfassung und Auswertung gerecht werden kann. Folgende 5 Tipps dazu:

  • Beschränken Sie sich auf einen in der Literatur noch nicht behandelten Teilaspekt und fokussieren Sie sich genau auf die erwarteten Ergebnisse.
  • Vermeiden Sie widersprüchliche oder tendenziöse Fragen und nebulöse Konzepte.
  • Schaffen Sie zudem durch eine umfassende Recherche der einschlägigen Veröffentlichungen rund um Ihre Fragestellung ein solides Fundament für die Umfrage.
  • Setzen Sie dabei auf referenzierte Quellen aus Primär- und Sekundärliteratur und tagesaktuelle Online-Datenbanken.
  • Fremdzitate und sogenannte graue Literatur sind tabu.

2. Forschungsdesign entwickeln

Im Rahmen der Festlegung des Forschungsdesigns bestimmen Sie die Vorgehensweise für die Erhebung. Sie legen unter anderem fest, mit welcher Methodik, an welchen Objekten und mit wie vielen Durchläufen die Bachelorarbeit Umfrage erfolgen soll, um Ihre Forschungsfrage beantworten zu können.

Überlegen Sie, welche Erhebungsart Sie praktizieren wollen. Ob Sie Ihre Ziele besser mit einer mündlichen oder mit einer schriftlichen Befragung erreichen, hängt von mehreren Faktoren ab. Darunter anderem die Inhalte, die erstrebte Geltungsbreite der Ergebnisse, die Bedeutung von sozialen Zugehörigkeiten oder individuellen Merkmalen der befragten Personen und natürlich Ihren finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten.

Insbesondere unter dem letzten Gesichtspunkt ist die Fragebogenmethode zu bevorzugen. Das gilt vor allem, wenn Interviews zu keinen nennenswerten Abweichungen hinsichtlich der Resultate führen. Bei Interviews wiederum ist zu klären, ob Sie Interviews mit Teilnehmern oder Experten führen. Experteninterviews eignen sich immer dann, wenn Sie zu einer noch relativ unbekannten Fragestellung Erkenntnisse gewinnen möchten.

In 5 Schritten das Forschungsdesign entwickeln

Konkret sollten Sie folgendermaßen vorgehen, um das Forschungsdesign zu entwickeln:

  1. Hypothese entwickeln
    Annahme über die Ergebnisse, die Sie erhalten: Diese Hypothese können Sie zum Beispiel aus dem Studium von Fachliteratur gewinnen.
  2. Beobachtungsplan erstellen
    Hilfreich sind dafür sogenannte W-Fragen: Wer soll was, wann und wie beobachten?
  3. Beobachtungseinheiten, Variablen + Indikatoren festlegen
    Beobachtungseinheiten: Personengruppen oder Gegenstände
    Variable: zum Beispiel Kundenzufriedenheit
    Indikator: zum Beispiel Kundenzufriedenheit über die Anzahl der Wiederkäufe
  4. Pre-Test durchführen
    Funktioniert der Fragebogen?
    Wird er verstanden?
    Gibt es Interpretationsprobleme?
  5. Nachbesserungen (optional)

Nachdem Sie das Forschungsdesign festgelegt haben, führen Sie schließlich die Beobachtung durch. Das heißt, nach der eigentlichen Befragung werten Sie die Ergebnisse aus und präsentieren sie.

3. Umfrageelemente beachten

Jede Umfrage hat klassische Elemente, die Sie berücksichtigen sollten. Dabei müssen Sie sich immer fragen, was Sie erreichen wollen und wieviel Zeit Sie dem Partner zur Beantwortung geben. Bedenken Sie dabei: je schneller die Bachelorarbeit Umfrage zu beantworten ist und je weniger Fragen auftauchen, desto mehr Antworten werden Sie erhalten. Aus folgenden Elementen besteht nun eine gängige Umfrage:

  • Einleitung

    Die Einleitung gibt Aufschluss darüber, warum Sie eine Bachelorarbeit-Umfrage machen und was das Ziel ist. Auch der Verfasser der Umfrage sollte sich kurz vorstellen und Informationen über den Kreis der Befragten geben (Warum wurde gerade ich ausgewählt?). Wichtig ist, gleich zu Beginn anzugeben, wieviel Zeit die Umfrage beansprucht. Ebenso gehört ein Hinweis in die Einleitung, dass die Daten vertraulich behandelt werden.

  • Hauptteil

    Hier erscheinen die eigentlichen Fragen. Diese sollten Sie in sinnvolle Themenblöcke aufteilen. Bringen Sie mit verschiedenen Fragearten die Meinung des Teilnehmers in Erfahrung. Üblicherweise unterscheidet man hier Multiple-Choice-Fragen, Bewertungsfragen (hier empfiehlt sich eine Skala von 1 bis 5 oder 1 bis 10) und offene Fragen. Dabei empfiehlt es sich, Fragen mit Hinweistexten zu nutzen, die zum Beispiel lauten: „Bitte beantworten Sie alle Fragen“ oder „Mehrfachantworten sind möglich“.

  • Schluss

    Üblicherweise endet ein Fragebogen mit demografischen Fragen zu Alter, Herkunft und Geschlecht des Teilnehmers sowie der Frage, ob Interesse an dem Ergebnis der Umfrage besteht. Ganz zum Schluss steht natürlich der Dank für die Teilnahme – eventuell verstärkt mit einer kleinen Aufmerksamkeit. Auch ein Feld für Kommentierungen und ein Freiraum für Bemerkungen ist an dieser Stelle sinnvoll. Viele Befragte empfinden das als Wertschätzung.

4. Fragebögen gestalten

Das gängigste Instrument für quantitative Datenerhebungen ist der Fragebogen. Bei Interviews oder Expertenbefragungen ist eher ein Interviewleitfaden üblich. Bei der Konzeption von Fragebögen sind einige Grundregeln zu beachten:

  • Konkret
    Fragen so konkret wie möglich formulieren, um nachvollziehbare und belastbare Angaben zu erhalten.
  • Kurz
    Fragebogen kurz fassen, alle Aspekte der Fragestellung abdecken, aber inhaltliche Überschneidungen vermeiden. 20 bis 40 Fragen sind ideal.
  • Verständlich
    Gut verständliche Ausfüllanleitung für die Teilnehmer beifügen.
  • Messbar
    Im Hinblick auf die spätere Auswertung verwendete Begriffe und Kategorien operationalisieren (messbar machen), etwa durch Skalenwerte (1 = trifft gar nicht zu bis 5 = trifft uneingeschränkt zu).

5. Befragung durchführen

Je nachdem für welche Methodik Sie sich bei der Durchführung entschieden haben, erfolgt auch die Befragung unterschiedlich. Wählen Sie eine mündliche Befragung, ist es von Vorteil einen Anlass zu haben, auf den Sie aufsetzen können. Bei Autohäusern ist das zum Beispiel oft der letzte Werkstattbesuch – um ein einfaches Beispiel zu geben. Bei Experteninterviews müssen Sie gezielt die Experten auswählen, was eine umfassende Kenntnis zum Thema voraussetzt. Die Frage, die Sie bei der Auswahl der Experten treiben sollte ist: Was kann der Experte zu der Fragestellung sagen und was macht ihn zum Experten?

Bei einer schriftlichen Befragung können Sie die Zielgruppe detaillierter auswählen, zum Beispiel nach soziodemografischen Merkmalen. Auch die Inhalte des Fragebogens sind dann häufig spezifischer, als bei einer mündlichen Befragung.

Interesse wecken: Tipps für viele Rückläufer

Damit die Anzahl der Rückläufer bei einer schriftlichen Befragung möglichst hoch ist, bedarf es einer geschickten Lockstrategie. Was weiterhilft: Optisch ansprechend gestaltete Werbung. Die darf gerne mit einem speziellen Logo versehen auf der eigenen Website sein. Weiter kommen Sie auch mit Aushängen, in sozialen Netzwerken sowie durch mündliche Ansprache geeigneter Zielpersonen bei allen kommunikativen Anlässen. Auch die Einbindung Ihres Betreuers oder des Unternehmens ist eine wichtige Chance, Interessenten für die Bachelorarbeit Umfrage zu gewinnen.

Wichtig ist dabei, mit engagiertem Auftreten Interesse zu wecken und eine klare Teilnahmefrist vorzugeben. Auch kleine Geschenke oder ein Gutschein kann Teilnehmer bewegen, an der Umfrage teilzunehmen. Alternativ können Sie den Teilnehmern offerieren, dass diese die Ergebnisse der Studie zugestellt bekommen beziehungsweise bei weiterführenden Studien bevorzugt berücksichtigt werden.

6. Umfrage auswerten

Daten präsentieren, Entscheidungen statistisch legitimieren – das kommt jetzt. Wenn Sie nach abgeschlossener Bachelorarbeit Umfrage die Auswertung und Analyse der gesammelten Informationen angehen, lassen Sie bitte stets statistische Sorgfalt walten. Schließlich können Sie erst durch eine methodisch saubere Auswertung der Umfrage eine entscheidungstaugliche statistische Qualität erhalten. Abhängig von der Fragestellung kommen vor allem folgende Auswertungsvarianten in Betracht:

  • Variablen-(Merkmals-)Beziehungen

    Hier geht es darum, herauszufinden, wie inhaltlich korrespondierende Merkmale miteinander in Verbindung stehen. Dadurch können Sie die Zulässigkeit von Kombinationen überprüfen. Achten Sie vor allem darauf, dass das zu prüfende Zielmerkmal als Attribut des Basismerkmals definiert ist und das Zielmerkmal in einer hierarchischen Beziehung zum Basismerkmal steht.

  • Faktorenanalyse

    Hier untersuchen Sie voneinander unabhängige Merkmalsgruppen nach dem Kriterium ihrer jeweiligen korrelativen Beziehungen. Das Ziel ist, den Wirkungszusammenhang zwischen zwei oder mehreren Variablen (Merkmalen) zu erforschen. Man unterscheidet hier „abhängige“ und „unabhängige“ Variablen.

    Der (Rechen-)Aufwand für die Durchführung solcher Faktorenanalysen ist hoch. Das Statistikprogramm „R“ eignet sich zum Beispiel gut, um diese durchzuführen. Für die Faktorenanalyse müssen Sie zunächst eine Korrelationsmatrix erstellen, welche die Beziehungen zwischen den Variablen (ausgedrückt im Korrelationskoeffizienten) darstellt.

  • Typisierungsverfahren

    Bei diesen Verfahren erfolgt eine Klassifizierung von Personen, Situationen, Umständen anhand bestimmter Eigenschaften, meist mithilfe der Clusteranalyse. Grundidee der Clusteranalyse ist, eine heterogene Anzahl von Personen oder Objekten in homogene Gruppen (sogenannte „Cluster“) aufzuteilen und dann die Ähnlichkeit der Fälle in Bezug auf die definierten Variablen zu bestimmen. Es gilt, das richtige Ähnlichkeitsmaß zu bestimmen. Anschließend setzen Sie den Fusionierungsalgorithmus um und bestimmen die Clusteranzahl.

    Eine geringe Clusterzahl spricht dabei für eine gute Handhabung, eine hohe Clusterzahl für eine hohe Güte der Lösung. Abschließend erfolgt eine Interpretation der Cluster sowie eine Überprüfung der Güte. Gerade die Überprüfung der Güte ist wichtig, da sie für die Qualität der Ergebnisse steht. Mit SPSS können Sie zum Beispiel Clusteranalysen durchführen.

Methodische Präzision und Ergebnisqualität stehen in unmittelbarem Zusammenhang. Spätestens wenn man den Erkenntnisgewinn in zielführende Maßnahmen umsetzen will, wird sich erweisen, wie wertvoll es war, dass Sie im Anschluss an die Umfrage die Auswertung, Analyse und Ergebnisaufbereitung nach professionellen Standards vorgenommen haben.

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Online-Tools für Umfragen

Im Internet gibt es inzwischen zahlreiche Online-Tools. Mit deren Hilfe können Sie kostengünstig und schnell eine Umfrage gestalten und dann einen Link generieren, den sie zur Beantwortung versenden. Das ist deutlich einfacher, als wenn Sie Fragebögen per Post verschicken. Auch die Beantwortung fällt heute vielen leichter, weil eine mühsame Rücksendung entfällt. Die Tools bieten häufig sogar Möglichkeiten einer Datenauswertung und Datenpräsentation. Nachfolgend daher eine kleine Auswahl mit nützlichen Umfrage-Tools:

  • 2ask
    Umfangreiches Tool mit mehr als 60 Fragetypen zur Gestaltung von Fragebögen, verschiedene Charttypen mit Excel/CSV-Schnittstelle für die Auswertung verfügbar. Unterschiedliche Preismodelle.
  • Findmind
    Solides Schweizer Tool zur Durchführung von Befragungen. Einfach, aber gut gestaltet. Grundlegende Auswertungsmöglichkeiten, die für die meisten Befragungen reichen, sind enthalten. Schöne Charts. Auch in der kostenlosen Version schon gut verwendbar.
  • Q-Set
    Erstellung von kostenlosen Umfragen (mit Werbeeinblendungen, ohne Werbung kostenpflichtig) mit vielfältigen Individualisierungsmöglichkeiten. Chartdarstellungen stark Excel-geprägt. SPSS-Export vorhanden. Im kostenlosen Paket sind Auswertungen von 2000 beantworteten Fragen enthalten.
  • SoSci
    Deutsches Softwarepaket mit deutschen Servern zur Erstellung von Fragebögen auf der Basis von rund 30 Fragetypen. Schnittstelle zu Excel, SPSS und GNU R vorhanden. Nutzung als Cloud-Lösung oder durch lokale Installation der Software möglich. Standardpakete beinhalten bis zu 5000 Teilnehmer. Unterschiedliche Preispakete, für wissenschaftliche Nutzungen kostenlos ohne Einschränkung des Funktionsumfangs.
  • Survio
    Kostenloses Online-Tool zur Gestaltung von Umfragen mit einem Schwerpunkt auf Marktforschung, Kundenzufriedenheit und Mitarbeiterbeurteilung.
  • SurveyMonkey Tool zur Durchführung von Befragungen in den Feldern Kundenzufriedenheit, Marktforschung, Veranstaltungsplanung, Bildung und Schule sowie Mitarbeiter und HR. Pro-Registrierung und kostenlose Registrierung für eine intuitive Umfrage-Plattform verfügbar.
Über den Autor
Robert Grünwald ist Inhaber der Novustat-Statistik-Beratung. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden in allen statistischen Belangen, wenn diese eine Umfrage auswerten möchten. Typische Projekte von Umfrage-Auswertungen sind Mitarbeiterumfragen oder Kundenbefragungen.



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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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