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Praxisarbeit: Tipps zu Aufbau, Inhalt und Berufseinstieg

Bachelor- und Masterarbeiten müssen nicht rein theoretisch bleiben. Eine Praxisarbeit ist näher an der Wirklichkeit, bringt Absolventen erste Erfahrungen im Betrieb, wertvolle Kontakte und wird sogar bezahlt. Viele Vorteile, die Ihre Karriere beflügeln können. Wir erklären, was eine Praxisarbeit ist und worauf Sie bei Vorbereitung sowie Inhalt achten müssen…



Praxisarbeit: Tipps zu Aufbau, Inhalt und Berufseinstieg

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Definition: Was ist eine Praxisarbeit?

Einer akademische Praxisarbeit ist eine Bachelorarbeit oder Masterarbeit, die Sie in Kooperation mit einem Unternehmen schreiben. Sie erstellen eine wissenschaftliche Thesis, von deren Erkenntnissen das kooperierende Unternehmen profitiert. Die genauen Rahmenbedingungen werden vertraglich geregelt.

Für die Praxisarbeit werden Sie bezahlt und bekommen oft einen Arbeitsplatz vor Ort zur Verfügung gestellt. Es handelt sich immer um eine wissenschaftliche Arbeit mit praktischem Nutzen. Dementsprechend ist eine Praxisarbeit eine anwendungsbezogene Thesis oder eine theoriebasierte Arbeit mit hoher Praxisrelevanz. Es gibt in dieser Phase einen akademischen Betreuer an der Hochschule (Erstbetreuer) und einen Ansprechpartner im Unternehmen (Zweitbetreuer).

Beispiel für eine Praxisarbeit als Bachelorarbeit

Die Möglichkeiten für praktische Bachelor- und Masterarbeiten sind so vielfältig wie die verschiedenen Studienfächer selbst. Folgende Anwendungsbeispiele vermitteln eine bessere Vorstellung vom Konzept der Praxisarbeit:

  • Optimierung bestehender Prozesse
  • Entwicklung von neuen Konzepten, Methoden und (Teil-)Projekten
  • Entwicklung einer Social Media-Strategie
  • Datenerhebungen oder Interpretation vorhandener Daten
  • Programmierung einer App
  • Aufarbeitung von Archivdaten

Im Vordergrund steht die praktische Anwendung und der Nutzen der Ergebnisse. Das kann beispielsweise auch die Lösung eines Problems oder die Verbesserung von vorhandenen Ansätzen sein.

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Vorbereitung: Themenfindung, Bewerbung & Co.

Eine Praxisarbeit benötigt im Vergleich zu rein universitären Bachelor- und Masterarbeiten eine etwas längere Vorbereitungszeit. Deshalb sollten Sie bereits frühzeitig mit der Recherche beginnen. Svenja Kruft vom akademischen Netzwerk Thesius erklärt die drei Schritte einer erfolgreichen Vorbereitung:

1. Praxisarbeit finden & Bewerbung schreiben

Immer mehr Unternehmen schreiben regelmäßig Praxisarbeiten aus. Sie haben die Vorteile erkannt: Sie erhalten qualitativ hochwertige, verwertbare Forschungsarbeiten und lernen potenzielle Arbeitnehmer schon vor ihrem Abschluss kennen. Um eine Stelle für eine Praxisarbeit zu finden, ist es ratsam, gezielt auf den Karriereseiten passender Unternehmen zu suchen. Nutzen Sie für einen besseren Überblick auch spezialisierte Jobbörsen.

Der größte Teil ausgeschriebener Praxisarbeiten stammt aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Doch auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften gibt es Möglichkeiten – zum Beispiel in Archiven oder bei der Konzeption von Bildungsveranstaltungen. Hier ist Eigeninitiative gefragt.

Alternative: Initiativbewerbung

Praxisarbeiten erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Je nach Standort und Fach kann es aber schwer sein, eine passende Ausschreibung zu finden. Wer für ein spezielles Thema brennt und nicht das perfekte Angebot findet, kann eine Initiativbewerbung einreichen. Dabei helfen diese Tipps:

  • Beschreiben Sie Ihre Forschungsidee so, dass sie auch für Fachfremde leicht verständlich ist.
  • Arbeiten Sie deutlich die Vorteile heraus, die das Unternehmen durch die Praxisarbeit hat.
  • Sollte das Unternehmen noch keine Erfahrung mit Praxisarbeiten haben, können Sie kurz skizzieren, wie genau eine Zusammenarbeit aussehen würde. Müssen Sie zum Beispiel vor Ort arbeiten?

2. Betreuer überzeugen

Eine Praxisarbeit ist in erster Linie eine akademische Thesis. Der universitäre Betreuer ist dabei von enormer Bedeutung. Bei einer Praxisarbeit gibt es zwei Pole:

  • Die wissenschaftlichen Ansprüche an die Arbeit.
  • Der praktische Nutzen.

Viele Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter sind vom Konzept der Praxisarbeiten begeistert und stimmen einer Kooperation gerne zu. Oft bestehen sogar schon Kooperationen zwischen einem Lehrstuhl und Unternehmen. Hören Sie sich unbedingt schon vor der Recherche am Institut um. Manche Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter zögern aber zuerst, wenn sie eine Praxisarbeit betreuen sollen. In diesem Fall ist es wichtig, herauszustellen, dass die wissenschaftliche Qualität der Arbeit nicht unter den praktischen Ansprüchen leiden wird.

Außerdem sollten Sie mit dem Betreuer genau besprechen, wie die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Unternehmen aussehen soll. Das gilt insbesondere in Bezug auf die inhaltliche Ausrichtung der Arbeit. Ein weiterer Ansprechpartner, den Sie frühzeitig einbeziehen sollten, ist das Prüfungsamt: Viele Prüfungsordnungen umfassen Praxisarbeiten nicht explizit. Klären Sie die Möglichkeiten im Vorfeld, um böse Überraschungen zu vermeiden.

3. Formalia einhalten

Es klingt banal, aber für Praxisarbeiten sind Absprachen das Allerwichtigste. Bevor es ans Eingemachte geht, müssen Sie verschiedene Punkte klären:

  • Welche Wochenarbeitszeit ist vorgesehen?
  • Wer sind die Ansprechpartner?
  • Welche Vertragsform wird gewählt?
  • Wie hoch ist die Vergütung?
  • Wo ist der Arbeitsplatz?
  • Welches Arbeitsmaterial steht dem Absolventen zur Verfügung?

All diese Punkte sollten beide Seiten schriftlich festhalten und unterzeichnen. Ein Vertrag ist auf jeden Fall erforderlich.

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Praxisarbeit schreiben: Darauf kommt es an

Die Vorbereitung ist abgeschlossen, alle Fragen geklärt – nun geht es an die Umsetzung. Bei Aufbau und Gliederung einer Praxisarbeit müssen Sie verschiedene Aspekte berücksichtigen. Außerdem lauern einige Fallstricke, die es zu vermeiden gilt. Expertin Svenja Kruft erklärt, was Sie beachten müssen:

Aufbau und Gliederung der Praxisarbeit

Aufbau und Gliederung einer Praxisarbeit unterscheiden sich kaum von einer klassischen Abschlussarbeit. Wie bei jeder wissenschaftlichen Arbeit hängt die genaue Struktur vor allem vom Thema ab:

Eine empirische Bachelorarbeit sieht anders aus als eine rein theoriebasierte. Die große Frage bei Praxisarbeiten ist die Einbindung der praxisbezogenen Ausführungen. Eine Praxisarbeit muss im Wesentlichen die folgenden Punkte abdecken:

  • Einleitung
    Heranführung an das Thema, präzise Formulierung der Fragestellung und Ziele
  • Theoretische Aspekte
    Beschreibung der theoretischen Grundlagen und der aktuellen Forschungslage
  • Beschreibung der betrieblichen Problemstellung
    Welche Lösung strebt der künftige Hochschulabsolvent mit seiner Arbeit an? Wie sieht die aktuelle Lage aus?
  • Erarbeiten einer Problemlösung
    Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf die Problemstellung
  • Schluss
    Zusammenfassung der Erkenntnisse, Ausblick auf weitere Forschungsfragen

Die genaue Ausgestaltung müssen Sie individuell anpassen. Wer zum Beispiel ein Fahrzeugmodell entwickelt, kann die Arbeit nach den einzelnen Bauteilen gliedern und die jeweiligen theoretischen Aspekte in den Unterkapiteln ausführen.

Mögliche Fallstricke

Die größten Fallstricke ergeben sich aus den verschiedenen Ansprüchen an Wissenschaftlichkeit und Praktikabilität. Die Universität will eine Arbeit sehen, die sämtlichen wissenschaftlichen Kriterien genügt. Das Unternehmen möchte verwertbare Ergebnisse. Diese Zielkonflikte können Probleme bringen. Dabei sollte im Vordergrund stehen, dass es sich um eine universitäre Qualifikationsarbeit handelt: Nur saubere wissenschaftliche Arbeit liefert auch saubere Ergebnisse.

Ein weiterer möglicher Fallstrick ist die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen selbst. Wer eine Praxisarbeit schreibt, ist auf Informationen angewiesen. Wenn das Unternehmen jedoch blockiert, wirkt sich das negativ auf die Arbeit aus. Wichtig sind feste Ansprechpartner und Verbündete im Unternehmen. Probleme sollten Sie sofort ansprechen und besser früher als später dem akademischen Betreuer kommunizieren.

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Vor- und Nachteile der Praxisarbeit

Akademiker haben auf dem Arbeitsmarkt die besten Chancen und die geringste Quote bei der Arbeitslosigkeit. Es gibt aber auch Herausforderungen: Der Berufseinstieg fällt vielen schwer. Es mangelt an Berufserfahrung und Klarheit, welche Stellen infrage kommen.

Wer für seinen Universitätsabschluss eine Praxisarbeit verfasst hat, hat ganz entscheidende Vorteile:

  • Übernahmechancen steigern

    Überzeugen Sie das Unternehmen bei der Praxisarbeit, haben Sie gute Chancen auf einen Einstieg nach dem Abschluss. Eine typische Win-win-Situation: Beide Seiten wissen, was der andere kann und erwartet. Bei einer guten Zusammenarbeit sollten Sie Ihren Wunsch an einem Einstieg ins Unternehmen frühzeitig ansprechen.

  • Netzwerke aufbauen

    Während der Praxisarbeit können Sie erste Kontakte aufbauen und an Ihrem beruflichen Netzwerk arbeiten. Im Berufsleben sind gute Kontakte Gold wert. Es ist ein großer Vorteil, die richtigen Leute in verschiedenen Positionen zu kennen. Sie profitieren von Empfehlungen und Informationen.

  • Bewerbung optimieren

    Mangelnde Berufserfahrung ist ein häufiger Grund für die Jobabsage. Mit einer Praxisarbeit konnten Sie sich bereits in einem Unternehmen beweisen. Das demonstriert zudem Engagement und Durchhaltevermögen.

Nachteile der Praxisarbeit

Zu einem vollständigen Bild gehört auch die Gegenseite. Hier sind die möglichen Nachteile einer Praxisarbeit:

  • Betreuer zufriedenstellen

    Eine Praxisarbeit ist meist größerer Aufwand. Sie müssen gleich zwei Betreuer zufriedenstellen und beide Erwartungen erfüllen. Umso schwieriger, weil die Vorstellungen des Unternehmens nicht immer im Einklang mit den wissenschaftlichen Anforderungen sind. Herausfordernd kann aber auch die theoretische Darstellung sein: Zitierregeln und formelle Vorgaben – etwa zur Darstellung von Grafiken oder Tabellen – müssen von Anfang an klar sein.

  • Datenschutz beachten

    Durch Ihre Praxisarbeit machen Sie Firmeninterna öffentlich. Um sensible Daten vor der Konkurrenz zu schützen, verlangen Unternehmen meist einen Sperrvermerk.

  • Mehrarbeit einkalkulieren

    Absprachen und Forschung vor Ort brauchen viel mehr Zeit als eine gewöhnliche Literaturarbeit. Hinzu kommt, dass Unternehmen gerne auf die Arbeitskraft des Bachelor- oder Masterkandidaten zurückgreifen. Auch das kann dazu führen, dass Ihnen weniger Zeit fürs eigentliche Schreiben der Arbeit bleibt.

  • Ziel festlegen

    Es ist ein Unterschied, ob Sie an einer Fachhochschule oder Universität schreiben und ob es eine Bachelor- oder Masterarbeit ist: Renommierte Universitäten haben gegenüber unternehmensinternen Abschlussarbeiten teilweise Vorbehalte. An Fachhochschulen ist es kein Problem. Für eine wissenschaftliche Karriere sollten Sie Ihre Abschlussarbeit lieber an der Hochschule schreiben. Wollen Sie direkt ins Berufsleben starten, hilft die Praxisarbeit beim Einstieg.


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