Viele Schulabgänger stehen nach dem Abitur vor der Frage: Fachhochschule oder Universität? Schließlich kann die Wahl der richtigen Hochschule die Weichen fürs zukünftige Berufsleben stellen. Noch immer existieren beiden Hochschulen und ihren Studierenden gegenüber viele Vorurteile: Die einen halten ein Studium an der Universität für zu verkopft, die anderen schätzen die intellektuellen Fähigkeiten von Fachhochschulstudenten als geringer ein. Und wie immer bei Vorurteilen können die wenigsten es aus eigener Erfahrung beurteilen, schließlich wäre dafür ein Studium an beiden Hochschulformen notwendig. Wir haben daher einmal die Klischees überprüft und geschaut, welche Erfahrungen die Studierenden selbst gemacht haben und was sie dazu sagen...

Fachhochschule oder Universitaet FH schlechter als Uni leichter

Fachhochschule oder Universität: Der Studierendensurvey

Eine Möglichkeit, sich ein Bild davon zu machen, wie Studierende von Universitäten und Fachhochschulen ihre Hochschulen bewerten, ist der sogenannte Studierendensurvey (PDF).

Seit Anfang der achtziger Jahre wird er alle zwei bis drei Jahre an deutschen Hochschulen erhoben, um die langfristige Entwicklung der Studiensituation von Studenten an Fachhochschulen und Universitäten zu beobachten. Im Mittelpunkt der Studie steht die Bewertung von Studienverhältnissen und Lehrangeboten durch die Studenten.

Der letzte Studierendensurvey wurde Juli 2014 veröffentlicht, im Dezember 2017 erscheint voraussichtlich der 13. Studierendensurvey. Dem aktuellen Studierendensurvey zufolge schneiden die Fachhochschulen und Universitäten in vielen Bereichen ähnlich ab.

Dies dürfte klar auf den Bologna-Prozess zurückzuführen sein, der nunmehr vor knapp 20 Jahren auf den Weg gebracht wurde und die europaweite Harmonisierung von Studiengängen und -abschlüssen zum Ziel hatte. Im Zuge dieses Prozesses wurden nahezu alle alten Abschlüsse auf Bachelor und Master an den Universitäten und Fachhochschulen umgestellt.

Und nicht nur das: Während die Promotion früher nur Studierenden an Universitäten vorbehalten war, können FH-Absolventen nun ebenfalls einen Doktor machen - wenngleich das Promotionsrecht bei den Universitäten liegt. Das heißt, in einem sogenannten kooperativen Promotionsverfahren werden die Kandidaten durch einen Fachhochschul- und einen Universitätsprofessor betreut und geprüft.

Unterschiede bei den Studierenden zwischen Universität und Fachhochschule

Allerdings gibt es auch einige Unterschiede zwischen FH und Uni, die fangen bereits bei den Studierenden selbst an. Misst man die soziale Herkunft am höchsten Bildungsabschluss der Eltern, so überwiegt an Universitäten immer noch die akademische Herkunft.

Das heißt, 58 Prozent aller Uni-Studierenden haben Eltern, die selbst an der Fachhochschule (11 Prozent) oder Universität (47 Prozent) studiert haben. Demgegenüber verzeichnen die Studierenden der Fachhochschulen nur zu 37 Prozent eine akademische Herkunft.

Diese Unterschiede zeichnen sich auch in einzelnen Fächern stark ab, der Studierendensurvey spricht hier von "Bildungsvererbung": Die ist an der Universität am stärksten in der Medizin und den Ingenieurswissenschaften, an der Fachhochschule ebenfalls in den Ingenieurswissenschaften.

Unterschiede gibt es auch bei der Absicht, nach dem Bachelor noch ein Masterstudium anzuschließen: Der Großteil der Studierenden an Universitäten planen den Masterabschluss, beispielsweise 77 Prozent in den Ingenieurswissenschaften. An Fachhochschulen hingegen waren es in den Ingenieurswissenschaften nur 44 Prozent, die sich für einen unmittelbaren Beginn des Masterstudiums nach dem Bachelor entschieden.

Fachhochschule oder Universität: Leistungsanforderungen und Studiengliederung

Immer noch existiert das Klischee, dass Universitäten hohe Ansprüche hätten, während FH-Studierende ihren Abschluss quasi nebenbei machen könnten. Aber wie steht es tatsächlich um die Arbeitskultur an Fachhochschulen und Universitäten?

Insgesamt scheinen die FH-Studierenden mit den Anforderungen ihres Studiums zufriedener zu sein als die Uni-Studierenden.

Fachhochschule oder Universitaet Arbeitskultur Leistungsanforderungen

[Quelle: Studierendensurvey 1983-2013, Universität Konstanz]

Unter den Befragten...

  • sehen sich zunehmend mehr Studierende von Universitäten hohen Leistungsanforderungen ausgesetzt: Die Prozentzahl ist von 39 auf 53 Prozent aller Befragten gestiegen, immerhin 38 Prozent würden dies nur teilweise unterstreichen. Demgegenüber fühlen sich nur 36 Prozent an Fachhochschulen im aktuellen Survey hohen Leistungsforderungen ausgesetzt, sogar mehr als die Hälfte würde dies lediglich teilweise bestätigen.
  • empfinden zunehmend mehr Studierende an beiden Hochschulen die Studiengliederung gut: Die Werte liegen mit 33 Prozent an den Universitäten und 35 Prozent an den Fachhochschulen nah beieinander. Allerdings würde diese Aussage ungefähr die Hälfte aller Studierenden nur teilweise bestätigen, so dass an Universitäten noch ein höherer Bedarf zu bestehen scheint.

Fachhochschule oder Universität: Forschungsbezug, Praxisbezug, Berufsvorbereitung

Die Einteilung von Universitäten auf der einen und Fachhochschulen auf der anderen Seite beinhaltete früher vor allem, dass Fachhochschulen eine höhere Praxisnähe zugeschrieben wurde. Demgegenüber stand bei Universitäten die Forschung stärker im Fokus.

Aber was nützt die Forschung, wenn sie keinen Praxisbezug hat? Immerhin ist ein starker Praxisbezug etwas, das für das spätere Berufsleben qualifiziert. Was ist also daran, dass Fachhochschulen angeblich einen stärkeren Praxisbezug haben? Nun, den Befragungen der Studierenden zufolge recht viel:

Fachhochschule oder Universitaet Forschungsbezug Praxisbezug gute Berufsvorbereitung

[Quelle: Studierendensurvey 1983-2013, Universität Konstanz]



Immerhin 88 Prozent aller Fachhochschulstudierenden sehen einen deutlichen Praxisbezug, 63 davon sogar einen starken. Dem stehen nur insgesamt 60 Prozent an Universitäten gegenüber. Es verwundert daher nicht, dass auch die Mehrheit der Studierenden an Fachhochschulen (76 Prozent) sich gut für den Beruf vorbereitet sieht.

Die alten Gegensätze Universität = Forschung, Fachhochschule = Berufsorientierung scheinen demnach noch nicht ganz verschwunden zu sein. Das lässt sich damit erklären, dass Universitäten und Fachhochschulen unterschiedliche Lehraufträge haben:

Das Studium an der Universität dient der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses für die Forschung, es ist daher theorielastiger angelegt. Das Studium an der Fachhochschule orientiert sich demgegenüber stärker an den Anforderungen des Arbeitsmarktes.

Allerdings spielt auch der Abschluss eine Rolle: So ist das Masterstudium an Universitäten zwar insgesamt besonders forschungsbezogen, allerdings auch gleichzeitig praxisbezogener als das Bachelorstudium.

Fachhochschule oder Universität: Verbesserungsbedarf an der Uni

Neben dem bereits genannten Praxisbezug sind vor allem diese Kriterien für Studierende von großer Bedeutung:

  • Kleinere Lehrveranstaltungen
  • Verbesserte Arbeitsmarktchancen
  • Studienfinanzierung
  • Intensivere Betreuung

Immer wieder ist zu beobachten, dass Studierende an Universitäten teilweise zu Hunderten in Vorlesungen sitzen - offenbar ist genau dies auch ein Kritikpunkt:

Fachhochschule oder Universitaet Verbesserungswuensche Studiensituation

[Quelle: Studierendensurvey 1983-2013, Universität Konstanz]



Immerhin 29 Prozent aller Studierenden sehen bei kleineren Veranstaltungen dringenden Verbesserungsbedarf - dem stehen nur 18 Prozent an den Fachhochschulen gegenüber. Der vergleichsweise bessere Personalschlüssel in der persönlichen Betreuung schlägt sich ebenfalls in den Wünschen der Uni-Studierenden nieder.

Hier sehen offenbar 22 Prozent noch Luft nach oben, während ihre Kommilitonen an der Fachhochschule dies nur zu 15 Prozent unterstreichen würden. In nahezu allen Bereichen liegen die Fachhochschulen vorne, einzig bei Angeboten zur Studienfinanzierung, Erweiterung des Bachelorstudiums und Brückenkursen für Erstsemester sehen FH-Studierende größeren Handlungsbedarf.

Diese Beobachtungen decken sich auch mit dem aktuellen Studienqualitätsmonitor (PDF) (Stand 2015), der vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung herausgegeben wird.

Die Gesamtzufriedenheit ist bei beiden Hochschulformen mit Blick auf die Gesamtzufriedenheit hoch: 73 Prozent an der Universität bewerten die fachliche Qualität der Lehrveranstaltungen positiv, 66 Prozent an der Fachhochschule. Geht es jedoch um...

  • Teilnehmerzahlen in den Lehrveranstaltungen
  • sachlich-räumliche Ausstattung
  • Betreuung durch Lehrende,

liegt die Fachhochschule klar vorn. Auch wenn die die Umstellung auf die neuen Abschlüsse an Fachhochschule und Universität die Gemeinsamkeiten stärker hervortreten lässt, bestehen abhängig vom Fach nach wie vor Unterschiede.

An die Fachhochschule sollten Interessierte gehen, wenn sie Wert legen auf...

  • ein praxisnahes Studium,
  • kleinere Studiengruppen und
  • intensive Studienbetreuung durch Dozenten.

An die Universität sollten sollten Interessierte gehen, wenn sie Wert legen auf...

  • einen stärkeren Forschungsbezug,
  • die Möglichkeit zur Promotion und
  • einen stärkeren Fokus auf Theorie und Wissenschaft.
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