Fachhochschule oder Universität? 6 Tipps als Wahlhilfe

Fachhochschule oder Universität – wo lässt es sich besser studieren? Schließlich kann die Wahl der richtigen Hochschule die Weichen fürs zukünftige Berufsleben stellen. Gerüchten zufolge ist die Fachhochschule (FH) leichter als die Uni. Sind dann die Abschlüsse noch gleichwertig? Und wie wirkt sich das aufs Gehalt aus? Wir werfen einen Blick auf die Klischees. Welche Erfahrungen haben die Studierenden selbst gemacht? Die Antworten dazu und 6 Tipps, wie Sie die richtige Wahl treffen…

Fachhochschule oder Universität? 6 Tipps als Wahlhilfe

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FH und Uni-Abschluss gleichwertig

Für viele ist bei der Frage Fachhochschule oder Universität entscheidend, wie die späteren Berufsaussichten sind. Ist der Bachelor an der Uni mehr wert als an der Fachhochschule? Nein. Dass die Abschlüsse an beiden Hochschulformen gleichwertig sind, ist eine Folge des Bologna-Prozesses. Dieser wurde vor nunmehr gut 20 Jahren initiiert und hat zum Ziel, die Studiengänge und -abschlüsse europaweit zu harmonisieren. Im Zuge dieses Prozesses wurden nahezu alle alten Abschlüsse auf Bachelor und Master an den Universitäten und Fachhochschulen umgestellt.

Früher mussten sich Absolventen der Fachhochschule das Kürzel FH hinter ihren Abschluss schreiben – dies ist Geschichte. Seit an beiden Hochschulformen Bachelor und Master üblich sind, können Studierende beispielsweise ihr Bachelorstudium an der FH und das Masterstudium an der Uni absolvieren. Und nicht nur das: Früher war die Promotion Studierenden der Universitäten vorbehalten. Nun können FH-Absolventen ebenfalls einen Doktor machen – wenngleich das Promotionsrecht bei den Universitäten liegt. Das heißt, in einem sogenannten kooperativen Promotionsverfahren werden die Kandidaten durch einen Fachhochschul- und einen Universitätsprofessor betreut und geprüft.

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Ist die FH leichter als Uni?

Noch immer existieren viele Vorurteile, sowohl den Hochschulen als auch ihren Studierenden gegenüber. Die einen halten ein Studium an der Universität für zu verkopft. Andere halten Fachhochschulstudenten für weniger intelligent. Ist die Uni schwerer als die FH? Die alte Rivalität zwischen den beiden Hochschulformen beruht auf unterschiedlichen Zwecken und Zugangsbedingungen. Die klassische Unterscheidung in Universität und Fachhochschule sieht folgendermaßen aus:

  • Universität
    Zugang zur Uni ist mit Abitur möglich. Die Universität versteht sich vorrangig als Ort der Lehre und Forschung und ist daher theorielastig. Sie vermittelt Grundlagenforschung und bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus. Kein Wunder: Uni-Professoren haben mehr wissenschaftliche Mitarbeiter als ihre FH-Kollegen und geringere Lehrverpflichtungen.
  • Fachhochschule
    Der Zugang zur Fachhochschule erfordert mindestens das Fachabitur. Fachhochschulen sagt man eine höhere Praxisnähe nach. Das entspricht ihrem ursprünglichen Lehrauftrag und der Orientierung auf den Arbeitsmarkt. Dies zeigt sich auch bei den Dozenten: Vor ihrer Lehrtätigkeit müssen sie fünf Jahre Berufserfahrung (drei außerhalb der FH) gesammelt haben.

Diese Unterschiede sind zwar nicht völlig aufgehoben, aber in den letzten Jahren gab es einige Änderungen:

  • Interessenten haben nun die Möglichkeit, ein Studium ohne Abitur oder Fachabi zu absolvieren. Dafür müssen in der Regel eine abgeschlossene Ausbildung und einige Jahre Berufserfahrung vorliegen.
  • Die angeglichenen Studienabschlüsse erleichtern einen Wechsel zwischen FH und Uni. Seit der Umstellung auf Bachelor haben Universitäten einen stärkeren Praxisbezug. Praktika sind nun selbstverständlicher Bestandteil des Studiums. Das zahlt sich vor allem in Orchideenfächern und Geisteswissenschaften wie Germanistik aus.
  • Fachhochschulen bemühen sich verstärkt um einen Ausbau der Forschung. Erkennbar ist das an der Kooperation mit Universitäten und Akademien. Aber auch an einem veränderten Selbstverständnis: Häufig lassen sich nun Bezeichnungen wie „University of Applied Science“ finden – was nichts anderes bedeutet als Hochschule für angewandte Wissenschaften.

Hohe Leistungsanforderungen abhängig vom Fach

Ist die Uni schwerer als die FH? Immer noch existiert das Klischee, dass Universitäten hohe Ansprüche hätten, während FH-Studierende ihren Abschluss quasi nebenbei machen könnten. Wie bewerten Studierende an Universitäten und Fachhochschule (FH) ihre Hochschule? Alle zwei bis drei Jahre bildet der Studierendensurvey diese Bewertung ab. Dafür vergleicht er die Leistungsanforderungen einerseits mit der Studiengliederung andererseits. Ergebnis: In vielen Bereichen schneiden Fachhochschulen und Universitäten ähnlich ab. Aber es gibt fachspezifische Unterschiede.

Demnach sieht mehr als die Hälfte der befragten Unistudenten hohe Leistungsansprüche als sehr typisch für ihr Fach an. Aber lediglich 33 Prozent bestätigen eine ebenso starke Studiengliederung. Etwas anders an den Fachhochschulen: Hier empfindet zwar auch nur ein Drittel aller Studierenden das Studium stark gegliedert (32 Prozent). Dafür empfinden auch nur 34 Prozent hohe Leistungsanforderungen in ihrem Fach. Über die Jahre haben beide Hochschulformenen sich in vielen Punkten angeglichen, starke Unterschiede lassen sich vor allem in den Uni-Studiengängen Medizin und Rechtswissenschaften ausmachen, die ihren Studierenden hohe Leistungen abverlangen.

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Unterschiede bei Forschungs- und Praxisbezug

Was nützt die Forschung, wenn sie keinen Praxisbezug hat? Immerhin qualifiziert ein starker Praxisbezug die Studierenden für das spätere Berufsleben. Ein etwas plakatives Beispiel zeigt den Unterschied zwischen Universität und Fachhochschule. An der Uni können Sie beispielsweise Soziologie oder Sozialwissenschaften studieren. Sie erhalten damit einen fundierten Überblick über Theorien und Gesellschaft. Wie Sie dieses Wissen aber konkret im Alltag – beispielsweise als Streetworker – umsetzen, vermittelt Ihnen das Studienfach Soziale Arbeit an der Fachhochschule. Universitäten bilden zwar den eigenen Forschungsnachwuchs aus, gleichzeitig haben sie mehr Absolventen, als sie benötigen.

Was ist also daran, dass Fachhochschulen angeblich einen stärkeren Praxisbezug haben? Den befragten Studierenden zufolge viel. Demnach sind Fachhochschulen auch nach der Reform näher an der späteren Berufspraxis als Unis. Diese wiederum fallen durch forschungsnahe Studienangebote auf. Die alten Gegensätze Universität = Forschung, Fachhochschule = Berufsorientierung sind demnach noch nicht verschwunden. Allerdings kommt es auf den Abschluss an: So ist das Masterstudium an Universitäten zwar insgesamt besonders forschungsbezogen, jedoch gleichzeitig praxisbezogener als das Bachelorstudium. Ob man an Fachhochschule oder Universität studiert, zeigt sich auch in anderen Bereichen. Je nach Fach, sitzen Studierende an Universitäten teilweise zu hunderten in Vorlesungen. Fachhochschulen hingegen glänzen durch deutlich kleinere Veranstaltungen. Die wesentlichen Unterschiede im Überblick:

Fachhochschule

  • Praxisnahes Studium
  • Kleinere Studiengruppen
  • Verschultes Studium
  • Intensive Studienbetreuung durch Dozenten

Universität

  • Stärkerer Forschungsbezug
  • Alleiniges Promotionsrecht
  • Freiere Stundenplangestaltung
  • Stärkerer Fokus auf Theorie und Wissenschaft
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Fachhochschule oder Universität? 6 Tipps zur Wahlhilfe

Natürlich gibt es auch diverse Gemeinsamkeiten zwischen Uni und FH. Diese liegen nicht nur in den gleichwertigen Abschlüssen. Naturwissenschaftliche und technische Fächer waren auch an Universitäten schon immer deutlich praktischer ausgerichtet als etwa geisteswissenschaftliche. Die Unterschiede in den Ingenieurswissenschaften dürften vor allem in den jeweiligen Schwerpunkten liegen. Hier kann allerdings keine pauschale Aussage gemacht werden. Interessierte müssen sich einfach an den jeweiligen Hochschulen informieren. Um gut studieren und sich auf den Beruf vorbereiten zu können, sind für die meisten Studierenden diese Faktoren wichtig:

  • Größe/Art der Lehrveranstaltungen
  • Ausstattung mit Materialien/Räumen
  • Arbeitsmarktchancen
  • Studienfinanzierung
  • Betreuung durch Lehrende

Bei der Frage, ob Sie Fachhochschule oder Universität für sich wählen, sollten Sie diese Aspekte also berücksichtigen. Denn es sind Ihre individuellen Bedürfnisse:

1. Voraussetzungen

Was ist für die Studiengänge erforderlich? Erfüllen Sie die Zugangsvoraussetzungen? Zwar ist auch ohne Abitur ein Studium möglich, allerdings müssen Sie dann Leistungsnachweise in anderer Form erbringen. Welche das sind, legt jedes Bundesland und jede Hochschule selbst fest.

2. Lernumgebung

Können Sie sich vorstellen, mit sehr vielen Studierenden in einem Hörsaal zu sitzen? Oder brauchen Sie eher eine intensive Betreuung durch den Dozenten? Viele haben in einem unruhigen Umfeld Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren. Andere befürchten, in der anonymen Masse unterzugehen.

3. Ausrichtung

Sind Sie sprachwissenschaftlich, sozialwissenschaftlich, naturwissenschaftlich oder technisch interessiert? Wer Sprachwissenschaften wie Germanistik, Romanistik oder Sinologie studieren möchte, ist an der Universität richtig. Hier tauchen Sie in die Geschichte und Entstehung der jeweiligen Sprache ein. Konkret auf die Praxis ausgerichtet ist hingegen ein Studiengang wie „Languages and Business Administration“ in Chinesisch oder Französisch an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau.

4. Persönlichkeit

Mit Einführung des Bachelorstudiums ist zwar auch das Universitätsstudium deutlich verschulter, da in Modulen studiert wird. Allerdings sind Studierende dort gegenüber Fachhochschulstudenten immer noch freier in ihrer individuellen Studenplangestaltung. Das erfordert wiederum eine stärkere Selbstorganisation. Es ist letztlich abhängig von Ihrer Persönlichkeit, ob Sie stärkere Vorgaben schätzen oder eine freiere Gestaltung.

5. Zukunftsperspektive

Die Frage ob Fachhochschule oder Universität sollten Sie an Ihren Berufswünschen ausrichten. Streben Sie eine wissenschaftliche Karriere an der Hochschule oder in der Forschung an, liegt die Universität nahe. Eine Hochschulkarriere will allerdings gut geplant sein. Wenige Stellenangebote treffen auf viele Bewerber. Hinzu kommt, dass nur die Besten gute Aussichten haben. Wichtig ist ein gutes Netzwerk und sich frühzeitig in die Hochschule einzubinden, beispielsweise als studentische Hilfskraft. Wer sich für ein Studium an der Fachhochschule entscheidet, vergrößert seine Aussichten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Hier bietet sich eine Tätigkeit als Werkstudent während des Studiums an.

6. Gehalt

Wie Ihr Gehalt nach Abschluss des Studiums ausfällt, hängt weniger davon ab, ob Sie sich für Fachhochschule oder Universität entschieden haben. Entscheidend ist eher, welche Richtung Sie eingeschlagen haben. Absolventen der Geisteswissenschaften kommen beispielsweise an der Hochschule unter. Die Verdienstmöglichkeiten in dem Sektor sind allerdings geringer als in der Wirtschaft. Häufig finden sie nach ihrem Abschluss keine adäquate Beschäftigung – auch dann ist der Verdienst von Geisteswissenschaftlern geringer als von FH-Absolventen.

Die verdienen einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) zufolge vor allem dann mehr, wenn sie ein technisch oder naturwissenschaftlich ausgerichtetes Fach studiert haben. Allerdings gibt es tendenzielle Gehaltsunterschiede vor allem bei ingenieurswissenschaftlichen Fächern. Hier werden die alten Abschlüsse (Diplom) oft noch besser bezahlt.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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