Schülerstudium: Während der Schule studieren

Für welche Studienrichtung entscheide ich mich nach dem Abi? Diese Frage stellt sich den meisten Schülern klassisch ein Jahr vor dem Schulabschluss. Einigen kommt sie aber deutlich früher in den Sinn. Sie studieren bereits während der Schule. Universitäten in ganz Deutschland bieten spezielle Programme an, die ein sogenanntes Schülerstudium oder Frühstudium ermöglichen. Was dabei zu beachten ist und wer die Chance bekommt, ein solches Studium aufzunehmen, zeigen wir Ihnen im Folgenden…

Schülerstudium: Während der Schule studieren

Schülerstudium: Wer eignet sich dafür?

Um es gleich zu sagen: Ein Schülerstudium kommt nicht für die breite Masse infrage. Die Angebote richten sich explizit an besonders begabte Schüler. Das Prinzip: Schülerstudenten besuchen zusammen mit anderen Studierenden reguläre Seminare, Vorlesungen und Kurse an der Uni. Das Niveau ist also dasselbe wie bei Abiturienten beziehungsweise Erstsemestern.

Wenn sie wollen, schreiben sie sogar Prüfungen mit, halten Referate oder verfassen Hausarbeiten. Das volle Programm also. Und das alles, während sie an ihrem Heimatort ihren schulischen Pflichten nachgehen und am Nachmittag für das Abitur büffeln.

Frühstudium aufnehmen: Wo studieren?

Im gesamten Bundesgebiet bieten Universitäten Jungstudenten die Möglichkeit, Uniluft zu schnuppern. Von der RWTH Aachen über die Technische Universität Braunschweig, die Technische Universität Darmstadt, die Universität Duisburg-Essen bis hin zur Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Universität Mannheim oder die Hochschule für Musik und Theater München. Eine ausführliche Übersicht über die Studiengänge finden Sie hier.

Aber Achtung: Während der Schule studieren – das schafft nicht jeder. Daher müssen die Studienanwärter viele Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie müssen mindestens in der zehnten Klasse sein.
  • Sie müssen außerordentlich gute Noten und Leistungen in der Schule vorweisen.
  • Wer ein bestimmtes Fach studieren möchte, das auch in seiner Schule angeboten wird, sollte insbesondere in diesem überdurchschnittlich gute Leistungen erbracht haben.
  • Die Schulleitung muss über das Studium nicht nur informiert werden, sondern ihm ausdrücklich zustimmen.
  • Schülerstudenten, die ihren 18. Geburtstag noch nicht gefeiert haben, benötigen die Einverständniserklärung von Vater und Mutter.

Sind die formalen Anforderungen erfüllt, ist die Teilnahme an einem Schülerstudium, auch Frühstudium oder Juniorstudium genannt, komplett kostenlos.

Wie läuft ein Schülerstudium ab?

Natürlich ist das Frühstudium nicht wie ein waschechter Bachelorstudiengang ausgelegt und sieht einen extrem abgespeckten Stundenplan vor. Die Frühakademiker nehmen meist maximal an einem Kurs teil und werden für diese Zeit von der Schule beurlaubt. Aus gutem Grund: Hauptaufgabe des Schülers ist und bleibt immer noch das Lernen an der Schule. Das Schülerstudium stillt den darüber hinaus gehenden Wissensdurst.

Auch wenn der Druck im Vergleich zu einem echten Studium damit deutlich abgemildert ist, ist es für die jungen Studenten dennoch herausfordernd mit deutlich älteren Studierenden die Unibank zu drücken und die gleichen Leistungsnachweise zu erbringen. Wobei letztes den Schülern freigestellt bleibt. Sie können sich auch einfach nur in ein Seminar setzen und zuhören.

Studieren während der Schule: Wo liegen die Nachteile eines Schülerstudiums?

Allerdings finden viele Seminare und Kurse parallel zur Schulzeit statt und der Schülerstudent verpasst Schulstoff, während er an der Uni paukt. Dieser muss unter Umständen nachgeholt werden.

Die Konsequenzen eines Schülerstudiums können sein:

  • Weniger Freizeit.
  • Lernen am Wochenende.
  • Zusätzlicher emotionaler und psychischer Stress.

Wer sich mit dem Thema „Studieren während der Schule“ auseinandersetzt, sollte sich über diese Folgen im Klaren sein und genau hinterfragen, ob er bereit ist, solche Opfer zu bringen.

Studieren während der Schule: Wo liegen die Vorteile?

Fällt die Entscheidung positiv aus, bringt ein Schülerstudium aber auch eine ganze Menge Vorteile, wenn es mit dem nötigen Engagement und Spaß betrieben wird:

  • Schülerstudenten lernen den regulären Lehrbetrieb einer Hochschule kennen und müssen sich später nicht mehr mühsam einfinden, wenn das echte Studentenleben losgeht. Umso leichter fällt der Einstieg in den neuen Lebensabschnitt.
  • Die erbrachten Leistungsnachweise können in der Regel für das spätere Studium anerkannt werden, wenn der Student dem Fach treu bleibt.
  • Das verschafft dem Schülerstudenten einen erheblichen Zeitvorsprung und er kann seine berufliche Karriere vielleicht ein, zwei Jahre früher anstoßen.

Hinzu kommt, dass der Schülerstudent während seines Studiums nie allein gelassen, sondern im Gegenteil intensiv betreut wird. Meist stellt die Schule dem Jungakademiker einen Lehrer beiseite, der ihn als Mentor bei allen offenen Fragen berät.

Wie lange dauert ein Frühstudium?

Und noch etwas federt den Druck ab: Der Schülerstudent bewirbt sich immer nur für ein Semester und nicht für ein ganzes Studium. Will er danach wieder an einer Veranstaltung teilnehmen, muss er sich erneut bewerben.

Die Chancen, wieder angenommen zu werden, stehen umso besser, wenn die Leistungen des Jungstudenten in Ordnung waren. Dann kann es sogar sein, dass er, jetzt, da er in einem „höheren Semester“ ist, auch zwei bis drei Vorlesungen parallel belegen darf. Das ist aber kein Muss.

Nun wäre nur noch die Frage zu klären: Welches Fach studieren? Gerade für jüngere Schüler ist das nicht immer leicht zu beantworten. Viele Studienfächer weichen von den Schulfächern ab. Oft haben Unianwärter daher keine klare Vorstellung davon, was sich hinter den einzelnen Angeboten verbirgt.

Studieren während der Schule: Auswahl des richtigen Studienangebots

Tipp: Bevor Sie nach einem Studiengang suchen, sollten Sie sich erst einmal darüber klar werden, welche Interessen, Neigungen und Talente Sie haben. Bei der weiteren Studienorientierung und Studienwahl sollten Sie diese in den Mittelpunkt Ihrer Überlegungen stellen. Bei der Entscheidungsfindung kann auch der Studiums-Interessenstest der Hochschulrektorenkonferenz helfen, den Jungstudenten mit ein paar Klicks ganz einfach online durchführen können.

Doch wie bewirbt sich der Jungakademiker überhaupt bei der Uni? Das Ganze läuft über einen streng formal geregelten Bewerbungsprozess ab, der von Uni zu Uni abweichen kann. Meist stellen die Hochschulen auf ihrer Homepage ein Anmeldeformular zur Verfügung, das der Bewerber herunterlädt und es der Uni ausgefüllt mit seinen vollständigen Bewerbungsunterlagen zusendet.

Studieren während der Schule: Die Bewerbung an der Uni

Neben dem Formular verlangen die meisten Universitäten:

Darüber hinaus sehen manche Universitäten gerne ein Eignungsschreiben des unterrichtenden Lehrers und/oder der Schulleitung. In diesem beschreiben die Verfasser die Leistungen des Unianwärters und gehen auf die psychologische Eignung ein, während der Schule zu studieren zu können.

Was tun, wenn das Studium während der Schule zu viel wird?

Damit aber noch nicht genug. Denn die Hochschulen wissen nur zu gut um ihre Verantwortung, wenn sie einen Schüler den Ansprüchen des Unibetriebs aussetzen. Um ganz sicher zu gehen, dass dieser dem Pensum von Universitätskursen gewachsen ist, laden sie ihn vorab meist zu einem Vorstellungsgespräch ein.

Das ist keine Schikane, sondern dient dem Wohl der Frühstudenten. Danach erhält der Unianwärter den Bescheid, ob er für das Frühstudium zugelassen wurde oder nicht.

Zeigt sich im Verlauf des Semesters, dass der Student trotz sorgfältiger Vorauswahl an der Uni überfordert ist oder die schulischen Leistungen absacken, kann er jederzeit die Reißleine ziehen und abbrechen. Auch die Schule oder die Eltern können veranlassen, dass das Studium ad acta gelegt wird. Doch das ist eher die Ausnahme – meist brennen Jungstudenten für ihr Fach, weil sie sich vorher als Hochbegabte in der Schule allzu oft gelangweilt haben.

[Bildnachweis: Batkova Elena by Shutterstock.com]
13. Juni 2018 Autor: Sonja Dietz

Sonja Dietz arbeitet als freiberufliche Journalistin und Social-Media-Redakteurin. Die studierte Germanistin verfügt über eine vertiefte Expertise im Bereich HR-Management. Ihr besonderes Interesse gilt dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt.

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