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Die Vorlesungen öden Sie nur noch an, die Themen Ihres Studiengangs interessieren Sie nicht die Bohne, wie Sie das Semester überstehen sollen ist Ihnen völlig schleierhaft und eine berufliche Zukunft können Sie sich auf der Grundlage dieses Studiums auf keinen Fall vorstellen? Studium abbrechen: Und wenn ja - was dann? Entscheidungen, die Ihre Zukunft betreffen, sollten nicht übers Knie gebrochen werden. Um eine fundierte Entscheidung für oder gegen einen Studienabbruch treffen zu können, müssen Sie Ihre Möglichkeiten kennen - und sich davor einige Fragen stellen.

Studium abbrechen: Und neu beginnen?

Diverse Reformen haben in den vergangenen Jahren zu einem Anstieg der Studienanfänger geführt. Sei es die Umstellung der Gymnasien von neun (G 9) auf acht (G 8) Jahren oder der Wegfall der Wehrpflicht:

Für viele Schülerinnen und Schüler bedeutet dies, noch ein Jahr weniger Zeit zu haben, sich gedanklich mit der beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen als frühere Abgängerklassen. Diese Phase der Orientierung ist allerdings zugleich eine der wichtigsten Stationen im Leben eines jeden Menschen, da sie die Zukunft nachhaltig beeinflussen kann.

Höhere Anfängerzahlen, aber auch mangelnde Auseinandersetzung führen jedoch seit Jahren zu konstant hohen Abbrecherzahlen bei den Universitäten. Viele junge Menschen sind sich der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst und scheuen daher den Richtungswechsel.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Versagensängste

    Nicht jedem liegt es, sich Wissen eigenständig anzueignen. In der Schule waren die Noten noch recht gut, jetzt lassen Leistungsnachweise auf sich warten. Sich einzugestehen, dass man vielleicht für diese Form des Lernens nicht geeignet ist, ist schwer. Schnell kommen Zweifel auf, ob man in anderen Bereichen besser klarkommt oder sich vielleicht genauso schwer tut.

  • Enttäuschung

    Vor allem von Eltern geht nicht selten großer Druck aus. Sei es, dass der Filius später das eigene Unternehmen führen soll oder aber dass die Tochter das studiert, was der Mutter verwehrt blieb. Eltern investieren in die Zukunft ihrer Kinder und übersehen dabei manchmal, dass diese gar nicht glücklich mit dem sind, was sie tun.

  • Orientierungslosigkeit

    Nicht nur bezüglich einer Berufswahl - auch der Formalkram kann einem schnell über den Kopf wachsen. Wie könnte es denn jetzt überhaupt weitergehen? Welche Alternativen habe ich, falls ich mich für einen Abbruch entscheide? Wie könnte es weitergehen, wenn ich dieses Studium abbrechen oder ein anderes beginnen will? Was muss ich beachten: Muss ich mich bei einem Studienabbruch arbeitslos melden?

  • Ansehen

    So doof es auch klingt: Mit dem Status eines Studenten geht auch eine gewisse soziale Stellung einher, erst recht nach einem abgeschlossenen Studium. Man erwirbt einen akademischen Grad, manche liebäugeln gar mit einem akademischen Titel und der macht schon was her. Und jetzt das: Ein Abbruch sieht nie gut aus. Und dann womöglich noch peinliche Fragen oder hämische Kommentare Außenstehender.

Aber vielleicht muss der Einschnitt auch gar nicht so radikal sein, wie Sie im ersten Moment denken. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, sondern ganz viele Möglichkeiten dazwischen. Fragen Sie sich: Ist es vielleicht gar nicht der Studiengang, sondern lediglich das aktuelle Semester, das Sie nervt?

Kann es sein, dass der Druck aktuell einfach zu groß ist und Sie diesem schlicht ausweichen wollen? Reflektieren und analysieren Sie Ihre Situation bitte nüchtern und völlig ehrlich. Die so gewonnenen Erkenntnisse mögen nicht angenehm sein, wichtig sind sie allemal. Denn nur wenn Sie wissen, was Sie konkret stört, können Sie sich auch an die Problembehebung machen.

33 Fragen VOR dem Studienabbruch

Unsere 33 Fragen - die Sie sich bitte vor dem Studienabbruch stellen sollten - zielen daher nur teilweise auf die Konsequenzen und Verhaltensweisen nach dem konkreten Abbruch ab.

Ein Teil der Fragen dient auch dazu, Alternativen und Veränderungsmöglichkeiten abzufragen und bewusst zu machen. Können Sie einzelne Fragen nicht selbst beantworten, empfehlen wir Ihnen, sich dazu mit einem guten Freund oder Mentor zusammen zu tun. Die Entscheidung müssen Sie jedoch selbst treffen.

  • Interessiert Sie Ihr Studienthema außerhalb der Vorlesungen noch?
  • Gibt es Vorlesungen, die Sie nach wie vor gerne besuchen?
  • Wie viele Studienarbeiten und Klausuren stehen in der nächsten Zeit an?
  • Können Sie Klausuren- oder Abgabetermine verschieben? Würde das Ihre Motivation neu entfachen?
  • Fallen Ihnen - spontan oder nach reiflicher Überlegung - mögliche Veränderungen ein, die das Studium für Sie wieder attraktiv machen würden?
  • Können Sie sich noch daran erinnern, wann Ihnen das Studium zuletzt Spaß gemacht hat?
  • Gab es in den letzten Wochen gravierende Veränderungen, die sich negativ auf Ihre Motivation ausgewirkt haben?
  • Sind diese Veränderungen von Dauer oder nur temporär?
  • Besteht die Möglichkeit den Studiengang an Ihrer Hochschule zu wechseln?
  • Wissen Sie, welche anderen Studiengänge dort für Sie infrage kommen würden?
  • Können Sie sich irgendeine berufliche Perspektive auf der Grundlage Ihres aktuellen Studiengangs vorstellen?
  • Haben Sie bereits eine Vorstellung Ihrer beruflichen Karriere?
  • Welche Ihrer Stärken können Sie momentan in Ihren Studiengang einbringen?
  • Welche Fähigkeiten und Stärken werden Ihrer Meinung nach vernachlässigt?
  • Wie ließe sich das ohne einen Studienabbruch ändern?
  • Haben Sie mit Kommilitonen gesprochen, die ähnliche Krisen bereits überwunden haben?
  • Langweilt Sie das Studium aktuell lediglich oder empfinden Sie es als spürbare Belastung?
  • Öden Sie der Hochschulbetrieb und die dort geltenden Regeln an oder ist es wirklich das Thema Ihres Studiengangs?
  • Fehlt Ihnen möglicherweise der praktische Nutzen oder die Anwendung des vermittelten Wissens?
  • Können Sie diesen Mangel durch Praxisphasen, Kooperationsprojekte oder Praktika ausgleichen und so Ihr Interesse am Studiengang neu beleben?
  • Welche Alternativen sehen Sie nach einem Studienabbruch?
  • Kennen Sie Ausbildungsgänge, die Sie ansprechend finden und in denen Sie Ihre Stärken besser einbringen können?
  • Können Sie Ihren Wunschberuf auch mit einer Ausbildung ergreifen?
  • Sind Ihre Eltern - oder Geldgeber, je nach dem - bereit, einen Studienabbruch mitzutragen?
  • Können Sie sich auch nach einem Studienabbruch auf die Unterstützung Ihres Umfelds verlassen?
  • Sind Sie bereit, Ihre Gründe für den Studienabbruch auch gegenüber skeptischen Freunden und Familienmitgliedern überzeugend zu vertreten?
  • Fühlt sich der Studienabbruch auch einige Tage und Wochen nach den ersten Gedanken dazu noch intuitiv richtig an?
  • Können Sie den Studienabbruch und Ihre Gründe dafür auch gegenüber potenziellen Ausbildungsträgern und Arbeitgebern vertreten?
  • Haben Sie klare Ziele, die Sie nach dem Studienabbruch erreichen wollen?
  • Sind Sie bereit, den Studienabschluss bei Bedarf später berufsbegleitend nachzuholen?
  • Haben Sie bereits konkrete Unternehmen im Auge, bei denen Sie eine passende Ausbildung absolvieren könnten?
  • Kommen andere Studiengänge an anderen Hochschulen für Sie in Betracht?
  • Kennen Sie Ihre zukünftige - thematische und berufliche - Ausrichtung?

Studium abbrechen: Die Gründe

Wenn Sie diese 33 Fragen beantworten können, sind Sie bereits mitten in der Kompetenzanalyse, die Sie mit diesem Kompetenztest unterstützen können.

Zur Selbstreflexion gehört auch zu erkennen, dass Sie mit dem Problem nicht allein dastehen: Bei einer Abbrecherquote von 25 Prozent, also immerhin jedem vierten Studenten, der das Handtuch wirft, liegt es nahe, sich das System anzuschauen.

Die Gründe für einen Studienabbruch sind vielfältig und wurden in einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegebenen Studie ermittelt. Demnach waren die Gründe für einen Studienabbruch (Reihenfolge nach Häufigkeit):

  • Leistungsprobleme
  • finanzielle Probleme
  • Motivationsprobleme
  • Studienbedingungen
  • Prüfungsversagen
  • berufliche Neuorientierung
  • familiäre Probleme
  • Krankheit

Was auf den ersten Blick deutlich wird: Die Ursachen dafür, dass Studierende sich entscheiden, ihr Studium abzubrechen, liegen nicht nur in persönlichen Voraussetzungen. Zwar hatten 20 Prozent aller Abbrecher Schwierigkeiten, die erforderlichen Leistungen zu erbringen.

Aber fast ebenso viele (19 Prozent) hatten finanzielle Probleme. Das liegt nicht zuletzt daran, dass nicht jeder Student mit reichem Elternhaus gesegnet ist. Auch die Finanzierung durch Bafög ist mit bestimmten Bedingungen verknüpft: Wer diese nicht erfüllt, bekommt den staatlichen Zuschuss gestrichen.

Je nachdem, wie Ihre persönlichen Rahmenbedingungen sind, haben Sie verschiedene Möglichkeiten.

  • Weiterstudieren

    Sie haben gemerkt, dass Ihnen das Fach inhaltlich liegt, leiden aber unter dem großen Druck und sitzen häufig panisch vor dem weißen Blatt Papier? Auch da gibt es Möglichkeiten. Zum einen haben viele Universitäten eine Studienberatung, bei der es neben Beratung und psychologischer Begleitung auch andere Hilfsangebote wie beispielsweise eine Schreibwerkstatt gibt.

    Teilweise gibt es auch Kooperationen mit dem Arbeitsamt, sogenannte Career Services, die Orientierung beim Übergang in die Arbeitswelt bieten. Manche Studierende zögern den Abschluss hinaus, weil sie nicht wissen, in welchen Jobs sie das Gelernte in die Praxis umsetzen können. Aber auch die Finanzierung kann ein Problem sein.

  • Studienfachwechsel

    Angenommen, Sie stellen fest, dass Ihnen das Fach inhaltlich nicht zusagt, merken aber, dass Sie der Betrieb an der Universität fasziniert, Sie sich gut selbst organisieren können. Sie hatten Gelegenheit zum Austausch mit anderen Studierenden und/oder Beratungsstellen und haben nun eine Vorstellung davon, was Sie stattdessen studieren könnten, dann kommt für Sie ein anderes Studienfach in Frage.

Studium abbrechen: Ausbildung

Ihr Entschluss ist entgültig gefallen, Sie können dem Studienbetrieb nichts abgewinnen. Das Leben am Rande des Existenzminimums ist trotz der Studentenrabatte ebenfalls nichts, Sie sehnen sich nach finanzieller Unabhängigkeit.

Bedenken Sie dabei bitte, dass Sie sich unbedingt ordentlich exmatrikulieren, also beim Studierendensekretariat ordnungsgemäß abmelden, statt einfach nur den Semesterbeitrag nicht zu bezahlen. Dies ist aus verschiedenen Gründen wichtig:

Zum einen, weil Sie nur so einen Nachweis über die Dauer und eventuelle Leistungen Ihres Studiums erhalten, welche für die Rentenversicherung von Bedeutung sind. Zum anderen müssen Sie sonst auch selbständig Ihre Krankenkasse darüber informieren, dass Sie nicht mehr studieren.

Man könnte fragen: Studienabbruch - was nun? Viele Arbeitsämter bieten verschiedene Maßnahmen für Studienabbrecher an, beispielsweise können sie in verkürzten Ausbildungen einen kaufmännischen Beruf nachholen.

Oder Sie erwerben in der Lernbörse der Arbeitsagentur Fertigkeiten wie Präsentieren auf Englisch oder schreiben mit dem 10-Finger-System. Nähere Informationen dazu erhalten Sie HIER (PDF).

Nebendem informieren auch die Industrie- und Handelskammern über Möglichkeiten, wenn Sie Ihr Studium abbrechen wollen. In vielen Ausbildungsbereichen - etwa im EDV-Bereich - werden Studienabbrecher gerne genommen. Gleiches gilt für die Handwerkskammern, die beispielsweise eine Ausbildung mit Meisterbrief anbieten.

Sie sehen also, ein vorzeitiges Studienende bedeutet nicht das Ende der Welt. Sehen Sie die Krise als Chance: Auch wenn es sich im Moment nicht so anfühlt, rückblickend werden Sie erkennen, dass Sie an Situationen wie diesen wachsen.

Krisen, die wir meistern, helfen uns bei der Entwicklung geistiger Reife - dabei ist weniger bedeutend, für welchen Weg Sie sich entscheiden als vielmehr, dass Sie sich entscheiden und das Wie.

[Bildnachweis: wavebreakmedia by Shutterstock.com]

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