Langzeitstudenten: Bewerbung nach dem 20. Semester?

Eine genaue Definition, ab wann jemand ein Langzeitstudent ist, gibt es nicht. Meist gelten jene Studierende als Langzeitstudenten, die überdurchschnittlich lange für das Studium brauchen. Gehören sie aber deswegen zu den schwarzen Schafen unter den Studenten? Statistiken belegen, dass das Langzeitstudium heute eher die Regel als die Ausnahme ist. Personaler verbinden aber weiterhin die lange Studiendauer mit Faulheit und Ziellosigkeit. Wie Sie trotz des Langzeitstudiums die größten Zweifler und skeptische Personaler überzeugen…

Langzeitstudenten: Bewerbung nach dem 20. Semester?

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Definition: Ab wann ist man ein Langzeitstudent?

Langzeitstudenten oder Bummelstudenten sind Studierende, die deutlich über das von den Hochschulen festgelegte Maß der Studiendauer studieren. Insofern sind sie rein äußerlich nicht immer vom Scheinstudenten zu unterscheiden. Wenngleich deren Motivation hauptsächlich darin liegt, die Studentenrabatte und Vergünstigungen als Studierender mitzunehmen.

Es sind daher die Universitäten, die ganz unterschiedlich auf Studierende reagieren, die zu lange ohne Studienabschluss eingeschrieben sind. Oftmals ist es so: Wer mehr als vier Semester über der Regelstudienzeit liegt und keinen Abschluss erlangt hat, fällt in diese Kategorie.

Langzeitstudent Rekord: Eher die Ausnahme

Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wer nun den Rekord im Langzeitstudium hält. Vor etlichen Jahren machte die Nachricht der medizinischen Fakultät der Universität Kiel die Runde, einen Langzeitstudenten nicht zwangsexmatrikulieren zu können geschweige denn zu wollen. Dieser hatte das Motto des lebenslangen Lernens offenbar wörtlich genommen: Bereits seit 108 Semestern, also 54 Jahren, war dieser über 70-jährige Herr eingeschrieben.

Wie auch immer man im Einzelnen „Langzeitstudent“ definieren mag – solche Extreme gehören zur Ausnahme. Laut dem Statistischen Bundesamt erlangen rund 46 Prozent der Studenten einen Bachelor-Abschluss und 34 Prozent einen Master-Abschluss in der Regelstudienzeit. Klingt alarmierend, relativiert sich aber schnell: Legt man zwei Semester auf die Regelstudienzeit drauf, schaffen 85 Prozent beziehungsweise 87 Prozent der Studierenden schaffen in diesem Zeitraum den Bachelor- beziehungsweise den Master-Abschluss. Heißt im Umkehrschluss, dass mindestens 13 Prozent der Studierenden zu Langzeitstudenten gehören.


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Konsequenzen als Langzeitstudent

Mit welchen Konsequenzen muss ein Langzeitstudent rechnen? Zunächst ist da das gesellschaftliche Stigma, dass sich in Begriffen wie „Bummelstudent“ niederschlägt. Viel gravierender sind allerdings finanzielle Konsequenzen, die zusätzlichen Druck ausüben.

  • Bafög
    Das Bafög-Amt streicht Empfängern das Bafög, sofern die erforderlichen Leistungsnachweise ausbleiben.
  • Langzeitstudiengebühren
    An sich ist das Studium in Deutschland an staatlichen Hochschulen kostenlos. Langzeitstudiengebühren können dennoch anfallen. Diese Bestimmung schwankt von Bundesland zu Bundesland: Manche Universitäten nehmen erst ab dem sechsten Semester über der Regelstudienzeit Langzeitstudiengebühren. Andere wie beispielsweise Hessen nehmen gar keine. Ausnahmen sind derzeit aufgrund der Corona-Pandemie möglich.
  • Krankenversicherung
    Bis zum 25. Lebensjahr sind Studierende familienversichert. Danach gibt es einen Studententarif für Studierende, die sich in der gesetzlichen Krankenkasse selbst versichern müssen. Der gilt aber nur bis zum 30. Lebensjahr: Danach zahlen Sie als freiwillig Versicherter leicht das Doppelte. Ausnahmen sind Schwangerschaft, Mitarbeit in Hochschulgremien (zum Beispiel Studentenvertretung) oder Freiwilligendienst.
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Jobaussichten für Langzeitstudenten

Wer länger braucht, muss mit vielen Vorurteilen kämpfen und so mancher Langzeitstudent muss schließlich das Studium abbrechen. Andere kämpfen sich wacker durch und erlangen den begehrten Abschluss. Egal wie Sie sich entscheiden: Wichtig ist, dass Sie sich bewusst und nicht impulsiv entscheiden. Wir werden Sie nicht anlügen: Langzeitstudenten mit oder ohne Abschluss haben es nicht leicht auf dem Arbeitsmarkt.

Wahr ist aber auch, dass der Berufseinstieg sich für Hochschulabgänger häufiger schwierig gestaltet, sofern sie nicht gerade aus heiß begehrten Studiengängen stammen. Wie gut oder schlecht Ihr Einstieg gelingt, hängt letztlich von persönlichen Faktoren wie Flexibilität (Ortswechsel) und gegenseitiger Sympathie ab. Mit der richtigen Strategie können sich Langzeitstudenten erfolgreich bewerben. Im Folgenden erfahren Sie, wie das geht.

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Tipps zur Bewerbung als Langzeitstudent

Ob Personalentscheider die lange Studienzeit bei der Bewerbung positiv oder negativ aufnehmen, hängt von der Selbstdarstellung ab. Brüche im Lebenslauf sind keine Seltenheit mehr. Allerdings sollten Sie sich im Vorfeld Gedanken über die eigenen Stärken und Schwächen gemacht haben. Mit folgenden Tipps vermarkten Sie Ihr Langzeitstudium bei einer Bewerbung erfolgreich:

1. Begründen Sie die Ursachen sinnvoll

Gehen Sie offensiv mit Ihrem Langzeitstudium um, denn es gibt gute Gründe dafür. Gründe, die Sie übrigens durchaus attraktiv für einen Arbeitgeber machen. Denn oftmals können Sie soziale Kompetenzen und jenseits des Studiums erworbene Kenntnisse damit unterstreichen, etwa so:

Durch Praktika belegen Sie praktische Erfahrung, durch ehrenamtliche Tätigkeiten zeigen Sie soziales Engagement, durch Auslandsaufenthalte weisen Sie die Sprachkenntnisse nach, durch Nebenjobs zeigen Sie Belastbarkeit und Verantwortung und so weiter.

Überlassen Sie nichts dem Zufall: Lassen Sie die Ursachen beim Anschreiben außer Acht, macht sich der Personaler eigene Gedanken dazu und Ihre Chancen auf ein Vorstellungsgespräch sinken erheblich.

2. Betonen Sie Ihre Ausdauer

Manch einer sieht in Langzeitstudenten in erster Linie Menschen, die immer mehr prokrastinieren und nicht in die Gänge kommen. Wer jedoch sein Studium beendet, demonstriert genau das Gegenteil: Sie haben sich berappelt, haben erkannt, dass Sie etwas verändern wollen und dementsprechend gehandelt. Hier geht es nicht darum, auf die Tränendrüse zu drücken und dem Personaler zu erklären, wie schwer Sie es aus diesen oder jenen Gründen hatten.

Stehen Sie zu Fehlern und Krisen in der Vergangenheit, betonen Sie jedoch den Lerneffekt: Schließlich haben Sie gelernt, sich selbst zu organisieren und Ihr Selbstmanagement in den Griff zu kriegen. Genau solche Fähigkeiten sind von Interesse. Ebenso das Durchhaltevermögen, wenn Sie einen Nebenjob ausüben mussten. Jedem Personaler ist klar, dass ein Job neben dem Studium Doppelbelastung bedeutet. Trotz dieser Belastung sind Sie am Ball geblieben, haben diese überwunden und Ihren Abschluss gemacht. Das sind gerade die Punkte, die vielen Personalern imponieren und Sie als einen belastbaren Mitarbeiter darstellen.

3. Bleiben Sie bei der Wahrheit

Tappen Sie nicht in die Lügenfalle. Falsche Angaben in der Bewerbung fliegen früher oder später auf – Lügen haben bekanntlich kurze Beine. In Deutschland haben Zertifikate und Zeugnisse einen hohen Stellenwert.

Wer es im Anschreiben nicht so genau nimmt oder seinen Lebenslauf entsprechend ausschmückt, bringt sich selbst nur in Schwierigkeiten, denn spätestens beim Bewerbungsgespräch fliegt das auf. Zeigen Sie dem Personaler stattdessen, inwieweit das Unternehmen von Ihren Erfahrungen aus dem Langzeitstudium profitieren kann. Das gelingt Ihnen, indem Sie die oben genannten Aspekte betonen und Ihre Willensstärke hervorheben.

Musteranschreiben für Langzeitstudenten

Woanders bezahlen Sie viel Geld für exklusives Design – bei uns bekommen Sie professionelle Bewerbungsvorlagen als WORD-Dokument oder PDF absolut kostenlos. Die Muster für Lebenslauf und Anschreiben enthalten zum Teil Beispieltexte, die Ihnen das Formulieren erleichtern sollen, aber natürlich nur zur Inspiration dienen. Bitte nie wortwörtlich übernehmen! Die Word-Dateien sind zudem in Farbe und Schriftart anpassbar.

Als Beispiel haben wir für Sie hier schon einmal ein Musteranschreiben für einen Langzeitstudenten (Ingenieur) für Sie vorformuliert. Einfach auf den Button klicken und den Download starten:

Langzeitstudent Ingenieur: Mustervorlage (WORD)

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Zum Download der Vorlagen


Gründe für Langzeitstudium

Die Ursachen für die längere Studiendauer sind vielfältig und individuell. Untersuchungen zufolge studieren Kinder aus Elternhaus ohne akademischen Hintergrund fast schon automatisch länger. Nicht, weil sie weniger begabt wären: Aber ihnen fehlen die entsprechenden Netzwerke. Auch können sie nicht auf das Wissen der Eltern zurückgreifen – das fängt bereits beim Prozedere der Immatrikulation an und zieht sich durch den gesamten Studienverlauf. Aber es gibt noch andere Gründe:

Vergeigte Prüfungen

Nicht bestandene Prüfungen können lassen sich meist ein weiteres Mal wiederholen. Allerdings oft nicht im selben Semester. So erhöht sich die Semesterzahl. Auch erschwerte Bedingungen wie überfüllte Hörsäle tragen dazu bei, dass jemand Geplantes aufs nächste Semester verschiebt.

Weitere Finanzierung

Viele Langzeitstudenten müssen sich trotz Bafög oder anderweitiger Studienförderung mit Studentenjobs über Wasser halten. Kommen dann noch Langzeitstudiengebühren von circa 500 Euro hinzu, müssen auch die erwirtschaftet werden.

Zeitgleiche Module

Zusätzliche Behinderungen sind möglich, wenn jemand zwei Module belegen muss, die aber gleichzeitig stattfinden. Das Phänomen betrifft besonders diejenigen, die beispielsweise aus dem Semester zuvor eine Klausur oder Ähnliches nachholen müssen.

Berufliche Orientierung

Einige merken erst im Laufe des Studiums, dass das gewählte Fach doch nicht den Erwartungen entspricht. Zum Langzeitstudenten kann auch werden, wer einen Hochschulwechsel oder Studienfachwechsel vollzieht. Fängt das neue Studienfach beispielsweise erst zum nächsten Winter- oder Sommersemester an, verschenken Sie bereits durch den Wechsel ein Halbjahr.

Zusätzliche Aktivitäten

Die Semesterzahl kann sich beispielsweise durch zusätzliche Praktika erhöhen. Oder es sind Sprachnachweise oder Auslandssemester notwendig.

Private Gründe

Krankheit, Depression, aber auch Schwangerschaft oder Pflege von Angehörigen sind kräftezehrend. So kann jemand auch völlig unverschuldet zum Langzeitstudenten werden.

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[Bildnachweis: Illusart by Shutterstock.com]

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