Private Hochschule: Pro und Kontra beim Studium

Das Studium an einer privaten Hochschule kostet – im Schnitt 520 Euro pro Semester. Lebenshaltungskosten nicht inbegriffen. Trotzdem entscheiden sich viele Studierende jedes Jahr für eine Privathochschule. Sogar aus guten Gründen. Zwar gibt es in Deutschland mehr als 400 Hochschulen (die Mehrzahl davon staatlich). Doch die Zahl der privaten Hochschulen wächst stetig. Wir erklären Unterschiede und Besonderheiten der Privathochschulen und nennen Gründe, wann sich die Hochschulart lohnt…

Private Hochschule: Pro und Kontra beim Studium

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Was ist eine private Hochschule?

Eine private Hochschule ist eine Hochschule mit freier Trägerschaft. Demgegenüber stehen staatliche oder kirchliche Hochschulen, bei denen der Staat beziehungsweise die Kirche (evangelische oder katholische) der Träger ist. Sind private Hochschulen staatlich anerkannt, besitzen sie ebenso wie staatliche Hochschulen das Recht, Prüfungen abzunehmen und Abschlüsse zu vergeben.

Einige sind sogar promotionsberechtigt. Das heißt, sie dürfen einem Hochschulabsolventen den akademischen Grad „Doktor“ verleihen. Ob die Möglichkeit zur Promotion besteht, hängt vom Hochschultyp ab.

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Unterschiede: Private Hochschule vs. staatliche Hochschule

Es kreisen einige Vorurteile um den Status der Privathochschulen: Etwa dass eine private Hochschule elitär sei oder Studierende dort keine wirklichen Leistungen erbringen müssten. Aber versammeln sich wirklich nur Sprösslinge aus reichem Elternhaus dort? Was staatliche von privaten Hochschulen im Einzelnen unterscheidet:

Zulassungsvoraussetzungen

Die Zulassungsvoraussetzungen können sich stark von staatlichen Hochschulen unterscheiden. Beispielsweise regelt bei beliebten Studiengängen ein lokaler oder sogar bundesweiter Numerus clausus den Zugang an staatlichen Hochschulen. Mit schlechten Noten sieht es dann düster für ein Medizinstudium aus. Hingegen müssen Studienanfänger an einer privaten Hochschule häufig ein Assessment Center durchlaufen, einen Eignungstest machen oder sich einigen Bewerbungsgesprächen unterziehen.

Ob Sie dort studieren dürfen, hängt also nicht nur von der durchschnittlichen Abiturnote ab. Gleichzeitig haben bei staatlichen Hochschulen in den letzten Jahren Auswahlverfahren ebenfalls zugenommen, so dass der Zugang je nach Hochschulart nicht zwangsläufig leichter oder schwerer ist.

Kosten

Der wohl augenfälligste Unterschied: An staatlichen Hochschulen ist das Studium kostenlos, Sie zahlen lediglich einen Semesterbeitrag. Und der setzt sich überwiegend aus dem Semesterticket für den öffentlichen Personennahverkehr und Verwaltungsgebühren zusammen. Eine private Hochschule hingegen finanziert sich überwiegend durch Studiengebühren. Hier kommen je nach Studium und Abschluss zwischen 550 und 2.000 Euro pro Semester auf Sie zu. Diese Studiengebühren können Sie steuerlich absetzen. Wer über die Mittel nicht verfügt, kann es sich dennoch dank unterschiedlicher Finanzierungsmöglichkeiten leisten:

Neben dem Bafög und zahlreichen Stipendienprogrammen bieten viele private Hochschulen die sogenannten nachlaufenden Studiengebühren an. Sie sind erst fällig, wenn der Absolvent im Job ein bestimmtes Nettoeinkommen erreicht. Studienkredite und Bildungskredit sind weitere Möglichkeiten zur Studienfinanzierung.

Studieninhalte

Grundsätzlich können Sie nahezu alles studieren. Allerdings sind die einzelnen privaten Hochschulen in der Regel spezialisiert. Damit ist ein Studienfachwechsel nicht so einfach – sofern Sie sich umorientieren und für einen völlig anderen Bereich entscheiden sollten.

Viele Privathochschulen erhalten Unterstützung von mittelständischen und großen Unternehmen – das wirkt sich auf die Studieninhalte aus. Die Unternehmen investieren das Geld nicht einfach so in die Bildung, sondern erhoffen sich im Gegenzug kompetentere Fachkräfte für die Zukunft. as muss aber kein Nachteil sein: Durch den engen Kontakt zur Wirtschaft entsteht ein gut ausgebautes Netzwerk – die Studenten kommen so leichter an Praktikumsplätze und Jobs.

Lernumfeld

Die hohen Studienbeiträge wirken sich positiv auf die Ausstattung des Lernumfeldes aus: Die Seminar- und Vorlesungsräume sind in der Regel an privaten Hochschulen hochmodern ausgestattet. Der persönliche Kontakt zum Dozenten ist eng, häufig stellen Sponsoren die aktuellsten Arbeitsgeräte. Auch der Service, die Gebäude und die Computerpools sind oft auf höherem Niveau als bei staatlichen Bildungseinrichtungen. Und Digitalisierung ist kein Fremdwort: Nicht erst seit der Corona-Pandemie können Bildungshungrige dort online studieren.

Dozenten

Dozenten an staatlichen Hochschulen sind oft überlastet: Bei Studiengängen mit mehreren hundert Studenten kein Wunder. Einigen fehlt die Zeit, auf ihre Zuhörer einzugehen. Bei Fragen oder Unklarheiten sind die Studenten auf sich allein oder auf Kommilitonen angewiesen. Auch die Sprechstunden sind überfüllt – Wartezeiten von mehreren Wochen sind die Norm. An privaten Hochschulen hingegen haben die Dozenten maximal 30 Studenten pro Studiengang. Dies gewährleistet eine angenehmere Atmosphäre, persönlichen Kontakt und bessere Betreuung.

Berufsaussichten

Die Abschlüsse beider Hochschularten sind formal gesehen gleich wert – sofern Sie an einer staatlich anerkannten Hochschule studieren. Hier sollten Interessenten aufpassen: Nicht jede private Hochschule ist staatlich anerkannt. Ärgerlich wäre, durch Unachtsamkeit ein teures Studium auf sich zu nehmen und am Ende lediglich ein Zertifikat in den Händen zu halten. Einige der nicht anerkannten Anbieter arbeiten immerhin mit staatlichen Hochschulen zusammen. Hier besteht die Möglichkeit, einen Teil der Studienleistungen an der staatlichen Hochschule abzulegen und anschließend einen akademischen Grad zu erhalten.

Die Aussicht auf einen Job nach dem Studium ist bei Absolventen einer privaten Hochschule oft höher. Grund: der engere Kontakt zur Wirtschaft, die Praktika und die Empfehlungen ebnen den Weg bereits während des Studiums. Wie ein Arbeitgeber den einen oder anderen Abschluss bewertet, hängt aber letztlich von dessen Einstellung dazu ab. Eine Garantie auf einen Job haben beide Absolventen nicht.

Verschiedene Hochschularten

Private Hochschulen finden Sie in fast jeder größeren Stadt – ob Göttingen, München, Köln oder Stuttgart. Allerdings ist „Hochschule“ ein Sammelbegriff für verschiedene Hochschularten beziehungsweise Hochschultypen. Um eine solide Studienwahl treffen zu können, sollten angehende Studierende die Unterschiede kennen. Die 125 privaten Hochschulen teilen sich in folgende Hochschultypen:

  • Universitäten
    Universitäten (und ihnen gleichgestellte Hochschulen) besitzen im Gegensatz zu den anderen Hochschulen das Promotionsrecht. Sie sind deutlich forschungsorientierter angelegt und decken ein sehr breites Spektrum an Studiengängen ab. Hier können Studierende zwischen Natur- und Geisteswissenschaften wählen. Hier sind 23 Privatunis zu verzeichnen, darunter die Steinbeis Hochschule in Berlin, die Jacobs University in Bremen oder die Universität Witten/Herdecke in Witten, NRW.
  • Fachhochschulen
    Fachhochschulen (FH) gelten als praxisorientiert. Es finden sich daneben Begriffe wie Hochschule für angewandte Wissenschaft (HAW) oder (am englischen Sprachraum angelehnt) University of Applied Sciences. Knapp 100 private Fachhochschulen existieren in Deutschland. Sie ermöglichen das Studium in überwiegend technisch-ingenieurwissenschaftlichen, wirtschaftswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Bereichen. Dazu zählt auch die Private Hochschule Göttingen (PFH) oder die Rheinische Fachhochschule Köln. Beide bieten gefragte Psychologie-Studiengänge an. Vorsicht allerdings, wer anschließend als psychologischer Psychotherapeut arbeiten will: Dafür ist ein Universitätsstudium mit anschließender Weiterbildung notwendig.
  • Kunst- und Musikhochschulen
    Das Spektrum von privaten Kunst- und Musikhochschulen umfasst Studiengänge in bildenden, gestalterischen und darstellenden Künsten sowie musikalische Studienfächer. Sie sind den Universitäten gleichgestellt und bilden Tänzer, Designer, Bildhauer oder Musiker aus. Zu den drei privaten Kunst- und Musikhochschulen in Deutschland zählen die Alanus Hochschule (NRW), die Barenboim-Said-Akademie (Berlin) und die Hochschule der bildenden Künste (HBK) in Essen, ebenfalls Nordrhein-Westfalen.
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Private Hochschule: Pro und Kontra

Hier die Vor- und Nachteile im Überblick:

Pro

  • Die Zulassung hängt nicht nur vom Numerus clausus ab.
  • Meist ein Abschluss in Regelstudienzeit und geringe Abbruchquote.
  • Persönlicher Kontakt zu den Dozenten.
  • Lernen in kleineren Gruppen.
  • Moderne Ausstattung der Räume und Lernmaterialien.
  • Gute Chancen auf einen Job nach dem Abschluss.

Kontra

  • Hohe Studiengebühren – oder hohe Schulden nach dem Studium.
  • Anerkannte Studienabschlüsse nur bei privaten Hochschulen mit staatlicher Akkreditierung.
  • Stark reguliertes Studium, kaum Blicke über den Tellerrand.
  • Für weitere Forschung und Weg in die Wissenschaft oft ungeeignet.
  • Hoher Einfluss der Privatwirtschaft auf den Lernstoff.
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Uniwahl: Staatliche oder private Hochschule?

Welche Hochschule ist nun die Richtige für Sie? Staatliche oder private Hochschule? Universität oder doch ein anderer Hochschultyp? Wir haben einige Tipps, die Ihnen bei der Uniwahl helfen:

Studienfach prüfen

Bevor Sie sich für eine private Hochschule entscheiden, sollten Sie überlegen, ob dies bei dem gewünschten Studienfach sinnvoll ist. Die Fächer der Wirtschaftswissenschaften eignen sich besonders gut dafür. Auch Informatiker und Maschinenbauer mit einem privaten Abschluss sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt. Geisteswissenschaftliche und medizinische Fachrichtungen sind dagegen an einer staatlichen Universität besser aufgehoben, weil sie stark mit der aktuellen Forschung zusammenhängen.

Studienbedingungen klären

Eine persönliche Atmosphäre ist für die Lernleistung vorteilhaft, aber nicht jeder braucht sie. Haben Sie gelernt, selbstständig und diszipliniert zu lernen, sind Sie auch an einer staatlichen Hochschule gut aufgehoben.

Informationen einholen

Die private Hochschule sollte in jedem Fall auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten sein. Planen Sie ein Präsenz- oder ein Fernstudium? Nutzen Sie unbedingt die sogenannten Schnuppertage an privaten Hochschulen. An staatlichen Hochschulen können Sie sich ebenfalls in eine laufende Vorlesung setzen und sich so einen ersten Eindruck verschaffen.

Schauen Sie sich zudem die Ranglisten an, welche Einrichtung den besseren Ruf in Ihrem Wunschfach hat. Erst dann sollten Sie eine Entscheidung treffen.

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