Rückgrat: Warum Sie es brauchen

Du hast kein Rückgrat – so etwas möchte wohl niemand gerne hören. Doch was ist Rückgrat eigentlich genau? Benutzt wird diese Formulierung als Vorwurf. Genau genommen, um zu verdeutlichen, dass wir eine Person für eher schwächlich halten. Sie knickt bei der kleinsten Schwierigkeit ein. Das kann niemand brauchen – weder wenn es darum geht, für ein Projektvorhaben zu kämpfen und es zu realisieren, noch bei schwelenden Konflikten. Warum es so wichtig ist, Rückgrat zu haben…

Rückgrat: Warum Sie es brauchen

Rückgrat haben: Synonym und Definition

kein Rückgrat haben Wortherkunft Synonym oder RückradBeim Rückgrat handelt es sich um nichts anderes als die Wirbelsäule. Wie bei allen höher entwickelten Tieren (zu denen der Mensch biologisch gesehen gehört) verbindet sie die Wirbel und die Bandscheiben durch eine Vielzahl an Muskeln und Bändern miteinander.

Das Rückgrat hält unseren Kopf am einen Ende und sorgt für die Stütze des Rumpfes am anderen Ende. Hätten wir kein Rückgrat, könnten wir ebenso gut ein Molch sein, denn das Rückgrat steht für Halt. Dabei ist es durch die Wirbel gleichzeitig biegsam, so dass wir uns im Normalfall bücken, biegen und strecken können.

Da jeder Mensch von Natur aus über eine Wirbelsäule und damit über ein Rückgrat verfügt, handelt es sich lediglich um eine idiomatische Redewendung, wenn man einer Person vorwirft, sie habe kein Rückgrat. Synonym zu Rückgrat könnten folgende Begriffe verwendet werden:

  • Charakterstärke
  • Courage
  • Gradlinigkeit
  • Mumm
  • Mut
  • Prinzipientreue
  • Standhaftigkeit
  • Stehvermögen
  • Zivilcourage

Wer jemandem vorwirft, er habe kein Rückgrat, könnte also ebenso sagen: Du hast keinen Mut, keine Courage.

Rückgrat oder Rückrad?

kein Rückgrat haben Wortherkunft Synonym oder RückradWie heißt es denn nun richtig – Rückgrat oder Rückrad? Ganz klar: In unserem Kontext ist von Rückgrat die Rede. Und das können Sie sich ganz leicht merken, wenn Sie sich die Wortherkunft von Rückgrat vor Augen halten:

Rückgrat ist nämlich verwandt mit Grat im Sinne von schmaler Bergkamm oder Bergrücken. Ebenso leitet sich aber auch Gräte (die Fischgräte) davon ab. Und letztlich sind unsere Knochen nichts anderes als Gräten bei einem Fisch.

Die Unsicherheit entsteht dadurch, dass der Buchstabe G meist lautlos durch das vorhergehende K ist, so dass das Wort oftmals ähnlich wie Rückrad ausgesprochen wird.

Kein Rückgrat: Woran Sie es erkennen

Wenn im oben beschriebenen Sinne von Rückgrat die Rede ist, dann meinen wir ganz häufig eine bestimmte Haltung. Das ist durchaus im übertragenen Sinne als auch wortwörtlich zu verstehen.

Was ist typisch für jemanden, der kein Rückgrat besitzt? Im Arbeitskontext sind verschiedene Szenarien denkbar. Beispielsweise wenn es darum geht, gegenüber einem cholerischen Vorgesetzten für seine Rechte einzustehen. Angenommen, es sind nur zwei Mitarbeiter unmittelbar betroffen.

Damit die Aussagen mehr Gewicht bekommen, ist es notwendig, dass der eine Kollege die Unterstützung des anderen Kollegen erhält. Der jedoch knickt wegen möglicher Konsequenzen ein, zieht sich aus den vorherigen Abmachungen zurück.

Eine solche Haltung ist nicht nur unkollegial, sondern spiegelt die Persönlichkeit wider. Es ist eben mangelnde Charakterstärke.

Ob jemand Rückgrat besitzt, spiegelt sich oftmals äußerlich wieder. Wer von seinen Werten absolut überzeugt ist, nimmt automatisch eine bestimmte Haltung an. Dazu gehört aufrechter Gang oder eine aufrechte Sitzposition, zurückgezogene Schultern.

Umgekehrt wird eine innerlich gebrochene Person wenig Selbstbewusstsein nach außen ausstrahlen. Die Körpersprache verrät bereits die große Unsicherheit.

Gründe für mangelndes Rückgrat

Bleiben wir bei dem obigen Beispiel, dann plagen den Kollegen, der sich aus der Beschwerde zurückgezogen hat, Gefühle wie Angst, Selbstzweifel und ein Bedürfnis nach Sicherheit:

Denn auch wenn die bestehende Situation vielleicht furchtbar ist, so kann sich der Rückgratlose der Illusion der Kontrolle hingeben, die derzeitige Situation kennt er und kann damit umgehen. Was können Gründe dafür sein, dass jemand kein Rückgrat hat?

  • Hilflosigkeit

    Kein Rückgrat zu besitzen kann beispielsweise die Folge jahrelangen Mobbings sein: Wer systematisch ausgegrenzt und niedergemacht wird, dem wird das Rückgrat gebrochen. Das heißt, das Opfer fühlt sich völlig demoralisiert und vernichtet.

    Aus so einer Spirale erst einmal wieder herauszukommen, ist für viele schwierig. Gründe für mangelndes Rückgrat können sein, dass eine Person selbst nie die Unterstützung erfahren hat, die manchmal notwendig ist, wenn man allein nicht weiterkommt. Stattdessen breiten sich Ohnmacht und Hilflosigkeit aus.


  • Angst

    Ein ganz ähnliches Phänomen lässt sich beim Stockholm-Syndrom beobachten: So wird bezeichnet, wenn sich Opfer mit Tätern verbrüdern, etwa eine Geisel mit dem Geiselnehmer. Unter normalen Umständen wäre das ein absolutes No-go, aber hier steht die Angst im Vordergrund und der Wunsch, das Gefühl der Ohnmacht zu unterdrücken.

    Insofern lässt sich hier nur bedingt von mangelndem Rückgrat sprechen, da die Motivation für viele Menschen nachvollziehbar sein wird, auch wenn der Betroffene gegen seine Werte handelt. In abgeschwächter Version können auch Arbeitnehmer Angst haben, etwa ihren Job zu verlieren, bei wichtigen Entscheidungen künftig nicht mehr miteinbezogen und stattdessen geschnitten zu werden.

    So können gruppendynamische Prozesse dazu führen, dass sich einzelne Mitarbeiter scheinbar mit anderen Kollegen verbinden, weil sie an wichtigen Stellen aus Angst schweigen.


  • Opportunismus

    Völlig anders sieht die Situation bei jemanden aus, der aus opportunistischen Motiven handelt. Äußerlich mag es zwar zu denselben Verhaltensweisen führen – etwa wenn jemand bei augenscheinlichen Ungerechtigkeiten schweigt. Aber die Motivation ist eine andere.

    Hier steht nicht keine existenzielle Angst im Vordergrund, sondern eher die Befürchtung, dass bei Widerspruch die anstehende Beförderung riskiert werden könnte. Und so wird lieber gebuckelt statt eine eigene Meinung vertreten.

Rückgrat haben: Deshalb ist es wichtig

Jeder hat bestimmte Werte verinnerlicht. Manche sind im Gesetz verankert, andere wurden durch die Familie und Gesellschaft vermittelt. Wer für diese Werte nicht einsteht, wenn es darauf ankommt, setzt ein Signal.

Beispiel

Sie beobachten, wie der Ausbilder in einem cholerischen Anfall den neuen Auszubildenden verbal attackiert, ihn eine Null nennt, behauptet, dass er niemals das erste Ausbildungsjahr überstehen werde und dergleichen mehr. Vielleicht ist der Auszubildende tatsächlich etwas ungeschickt.

Aber was wird vermittelt, wenn niemand dem Ausbilder Einhalt bietet? Wenn Sie Zeuge eines solchen Vorfalls werden und nichts sagen, verbrüdern Sie sich mit dem Ausbilder: Wer schweigt, stimmt zu.

Sie lassen zu, dass einer anderen Person – in diesem Fall jung, in der betrieblichen Hierarchie weit unten stehend und daher unerfahren und vergleichsweise hilflos – der Eindruck vermittelt wird, dass sie wertlos sei.

Dass es in Ordnung sei, ihr mit weniger Respekt zu begegnen, weil sie keinerlei Entscheidungsbefugnis hat und über wenig Fachkenntnisse verfügt. Wer bei eindeutigen Ungerechtigkeiten nicht einschreitet, beweist definitiv kein Rückgrat.

Sich der eigenen Prinzipien bewusst werden

Wer nie gelernt hat, für seine Prinzipien einzustehen, wird kaum von heute auf morgen Rückgrat zeigen. Dazu stellt sich die Frage, inwieweit eine Notwendigkeit besteht:

Wer sich immer irgendwie durchs Leben lavieren konnte und eher den opportunistischen Weg geht, sieht vermutlich keinerlei Ursache darin, sein Verhalten zu ändern.

Solche Gedanken treten meist erst auf, wenn es an die eigene Substanz geht, die eigenen Werte oder gar die eigene Existenz bedroht sind. Das ist dann spätestens der Moment, in dem Sie anfangen sollten zu reflektieren, was Ihnen eigentlich wichtig ist. Wofür wollen Sie stehen?

Ist es Ihnen wichtig, mit jedem lieb Kind zu sein und Ihr Fähnchen im Winde zu drehen? Oder gibt es Dinge, die für Sie nicht verhandelbar sind? Klar ist auch: Als angestellter Arbeitnehmer stehen Sie immer in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis.

Rückgrat zu beweisen soll nicht heißen, dass Sie ungefiltert (und womöglich beleidigend) Ihre Meinung zu jedem Zeitpunkt kundtun sollten. Sicher gibt es Situationen, in denen diplomatisches Geschick gefragt ist.

Umgekehrt bedeutet ein gewisses Maß an Flexibilität nicht zwangsläufig, dass Sie kein Rückgrat haben. So etwa dass Sie als Führungskraft Entscheidungen des Unternehmens nach außen mittragen, obwohl Sie nicht zu 100 Prozent überzeugt sind. Auch unangenehme Aufgaben können zum Job gehören.

[Bildnachweis: elwynn by Shutterstock.com]
15. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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