Sitzhaltung: Du bist, wie du sitzt

Du bist, wie du sitzt. Welche subtilen Botschaften und welch tiefere Symbolik manchen Verhaltensweisen und der Sitzhaltung im Büro innewohnen, versuchen Wissenschaftler, allen voran Psychologen und Verhaltensforscher, schon seit Jahren zu dekodieren. Herausgekommen ist dabei allerlei Heiteres, Nachdenkliches und Nützliches. In Büros lassen sich dabei die unterschiedlichsten Sitzhaltungen beobachten: Oftmals schädlich für den Körper, manchmal lustig anzusehen, immer informativ. Wir stellen Ihnen die häufigsten Sitztypen vor und zeigen, worauf Sie für eine korrekte Sitzhaltung achten sollten…

Sitzhaltung: Du bist, wie du sitzt

Sitzhaltungen: 7 Sitztypen im Büro

Jeder von uns sitzt anders. Im Laufe des Tages sowieso – hoffentlich: Gelegentliche Bewegung und damit ein Wechselspiel aus Be- und Entlastung ist gut für die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur (Stehen aber auch!), dauerhaftes Sitzen ist ein Killer. Aber natürlich hat so mancher auch seine ganz individuelle Lieblingsposition und Sitzhaltung. Ganz typisch sind dabei die folgenden sieben Typen…

Achtung, die folgende Charakterisierung könnte Spuren von Ironie enthalten.

Der Zombie

Sitzhaltung Typologie ZombieEs ist nicht ganz klar, ob dieser Typ zum Inventar gehört oder einfach nur untot ist. Körperliche Regungen sind ihm fremd: Arme streng angelegt, Hände auf der Tastatur, tippend. Mehr ist nicht. Ersetzt spielend jeden Arbeitsroboter und wird nie krank. Gesellig leider auch nicht. Trägt gerne Motivkrawatten und hätte am liebsten eine Affäre mit der Praktikantin aus der Poststelle. Falls die ihn anspricht.

Bester Freund: der Workoholic.

[Bildnachweis: lalilele13 by Shutterstock.com]

Der Glöckner

Sitztypen GloecknerSieht zwar noch nicht so aus – bei der Haltung ist der Buckel aber nur noch eine Frage der Zeit. Rückenschmerzen sind ein ewiges Leiden, über das er gerne klagt. Projekte packt er energisch an. Einige bringt er auch zu Ende. Mag gerne Pasta mit Sahnesoßen und kennt alle Folgen von The Big Bang Theory. Belehrt überdies gerne Kollegen und betont, dass er sich für die Firma krumm macht. Stimmt ja auch. Irgendwie.

Bester Freund: der Zombie.

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Die Rückenschonerin

Sitztypen RueckenschonerBrilliert mit einer Sitzhaltung wie aus dem Ergonomie-Lehrbuch: Gut für den Rücken, aber latent steif. So wie ihre gesamte Haltung, Einstellung und Arbeitsweise. Das Mittagessen mit den Kollegen wird von ihr genauso akribisch über Outlook organisiert wie die Geburtstagsmails für die wenigen Freunde. Hört während der Arbeit oft Radio. Schlager. Oder Bon Jovi. Kennt sich prima auf Mallorca aus. Und mit der Zalando-App.

Beste Freundin: die Artistin.

[Bildnachweis: by Shutterstock.com]

Der Schläfer

Sitztypen SchlaeferDie Prioritäten sind bei ihm klar verteilt: Erst Geld, dann Leben. Am Ende der Job. Dieser Typ ist tiefenentspannt bis in die Haarspitzen und eine Evolutionsstufe weiter als der Glöckner. Allerdings auch weniger produktiv. Wenn er die Augen nicht gleich zu hat, starrt er verständnislos auf den Monitor oder aus dem Fenster. Immerhin: Er macht so auch deutlich weniger Fehler. Feiert nächstes Jahr sein 25-jähriges Betriebsjubiläum und gibt vielleicht dazu einen aus. Vielleicht.

Bester Freund: der Glöckner.

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Der Workaholic

Sitztypen WorkaholicDas Gegenteil vom Schläfer: Dieser Sitztyp ist immer in Bewegung und perfekt zwischen beiden Schreibtischseiten ausbalanciert. Er schuftet, rollt auf dem Stuhl von einer Schublade zur nächsten. Hat grundsätzlich immer viel zu viel zu tun. Erstaunlicherweise wird die Arbeit dennoch nicht weniger. Kollegen versorgt er gerne mit wichtigen Updates und lustigen Mails. Den Chef mit wichtigen Updates und Mails über die Kollegen. Leptosom.

Bester Freund: die Rückenschonerin.

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Die Artistin

Sitztypen ArtistinEs gibt nicht nur eine Art, auf einem Bürostuhl zu sitzen. Diese gelenkige Sitztype kennt alle Alternativen – und probiert auch alle im Laufe des Tages durch. Länger als 15 Minuten in einer Sitzhaltung sind für sie zu langweilig. Was für die Rückenmuskulatur eine wunderbare Abwechslung ist, kann für das Büroklima zur Belastung werden. Spätestens wenn die Haltung zur Pose wird. Interessiert sich privat für Zumba, Yoga, Gala. Möchte seit Jahren Salsa-Tanzen lernen.

Bester Freund: der Boss.

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Der Boss

Sitztypen BossSitzt eigentlich völlig normal. Dafür entwickelt sein Bürostuhl ein eigenes Gravitationszentrum. Manche bekommen auch eine eigene Postleitzahl dafür. Gut so: Man muss schließlich Größe zeigen, wo man kann. Er strahlt trotz scheinbarer Normalität Macht und Autorität aus. Kommt auch schon mal später und geht dafür früher. Grund: Termine, Termine! Connoisseur. Weintrinker. Golfspieler.

Bester Freund: der Workoholic.

[Bildnachweis: Kuvshinova Nadezhda by Shutterstock.com]


Richtige Sitzhaltung: Darauf kommt es an

In der obigen Typlogie erkennen Sie ganz sicher den ein oder anderen Kollegen und auch sich selbst wieder. Kaum jemand hat eine wirklich perfekte Sitzhaltung. Es sind die immer gleichen Sünden, die sich überall beobachten lassen: Krummer Rücken, schlaffe Schultern, unter den Tisch gequetschte Beine.

Eine solche Sitzhaltung ist kurzfristig kein sofortiges Gesundheitsrisiko. Leider sitzen viele Arbeitnehmer jedoch über Stunden, Tage und Wochen ganz genau so. In der Folge sind Rückenschmerzen, Verspannungen und andere körperliche Probleme nur eine Frage der Zeit. Und die schädlichen Konsequenzen einer falschen Sitzhaltung hören da nicht auf. Das gesamte Wohlbefinden leidet, sogar die Produktivität und Motivation am Arbeitsplatz lassen deutlich nach.

Dabei ist eine gute und gesunde Sitzhaltung gar nicht so schwer, wenn Sie sich an die wichtigsten Punkte für Ergonomie im Job halten:

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Mit ein paar einfachen Tipps, die jeder am Arbeitsplatz beherzigen kann, können Sie an Ihrer Sitzhaltung arbeiten, diese langfristig verbessern und Ihrem Rücken damit eine Freude machen:

  • Passen Sie die Höhe Ihres Arbeitsplatzes an

    Oft sind es die äußeren Bedingungen am Arbeitsplatz, die zu einer schlechten Sitzhaltung führen. Ein falsch eingestellter Bürostuhl zwingt regelrecht in eine falsche Position. Sie sollten gemütlich unter dem Schreibtisch sitzen können, wenn Sie die Beine vor sich angewinkelt haben. Die Armlehnen befinden sich dabei auf Höhe der Tischplatte. So können Sie die Arme auf Lehne und Tisch ablegen.

    Um sich nicht vorbeugen oder den Nacken durchstrecken zu müssen, sollte zudem die Höhe des Monitors angepasst werden. Der Blick sollte während der Arbeit minimal nach unten gerichtet sein. Am besten gelingt dies, wenn sich die obere Kante des Bildschirms auf Augenhöhe befindet.

    Wer im Job die Möglichkeit hat, einen höhenverstellbaren Schreibtisch zu nutzen, sollte dies unbedingt tun. So können Sie die Höhe des Arbeitsplatzes individuell an Ihre Bedürfnisse anpassen und Ihre Sitzhaltung gezielt verbessern. Zudem haben Sie die Chance, hin und wieder aufzustehen und trotzdem weiterzuarbeiten. Bei ansonsten acht Stunden sitzender Tätigkeit eine wahre Wohltat für den Körper.

  • Achten Sie auf einen geraden Rücken

    Lässt man den Blick durch ein Büro schweifen, ist er überall zu sehen: der gekrümmte Rücken. Die Schultern fallen nach vorne, der Kopf hängt ein ganzes Stück über dem Schreibtisch. Andere verdrehen die Wirbelsäule zusätzlich noch seitlich und geben ein Bild ab, dass mit einer normalen Sitzhaltung kaum noch etwas zu tun hat. Eine Qual für den Körper, der dies mit Rückenschmerzen und verspannten Muskeln quittiert.

    Der wichtigste Tipp für eine bessere Sitzhaltung lautet deshalb: Achten Sie beim täglichen Sitzen auf einen geraden Rücken. Wenn sich dies falsch und ungewohnt anfühlt, merken Sie erst, wie schlecht Ihre übliche Sitzhaltung ist. Bringen Sie die Schultern wieder nach hinten, strecken Sie die Wirbelsäule durch und machen Sie bei der Arbeit keinen Buckel mehr.

  • Vergessen Sie Ihre Beine nicht

    Bei der Sitzhaltung wird vor allem an Rücken und Schultern gedacht, doch sollten Sie die Beine nicht vergessen. Für eine gute Sitzhaltung sollten diese ungefähr im 90 Grad Winkel unter dem Tisch stehen. Besonders wichtig ist, dass Ihre Beine genügend Platz haben. Wer seine Beine kaum unter dem Tisch unterbringen kann, verdreht meist den gesamten Körper.

  • Vermeiden Sie einseitige Belastungen

    Ein häufiger Fehler bei der Sitzhaltung: Es wird eine Seite des Körpers deutlich mehr belastet, als die andere. Dies führt schnell zu einer Überlastung, Verspannungen und Schmerzen. Versuchen Sie das Gewicht möglichst gleichmäßig auf beide Körperhälften zu verteilen. Eine gerade Sitzhaltung und entspannt positionierte Beine sind dafür eine Voraussetzung.

  • Bewegen Sie sich regelmäßig

    Mit einer guten Sitzhaltung tun Sie Ihrem Körper bereits einen Gefallen, trotzdem sollten Sie nicht acht Stunden täglich in ein und derselben Position verharren. Dabei verkrampfen und verspannen Sie zwangsläufig. Um regelmäßige Bewegung kommen Sie nicht herum. Stehen Sie auf, laufen Sie durchs Büro oder machen Sie in der Pause einen kleinen Spaziergang.

    Ebenso sollten Sie auf dem Schreibtischstuhl selbst für Bewegung sorgen. Sitzen Sie nicht stundenlang steif wie ein Brett. Strecken Sie sich ab und zu, bewegen Sie Arme und Beine, bringen Sie Bewegung in den Körper.

[Bildnachweis: Aleutie by Shutterstock.com]
21. August 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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