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Ständiges Sitzen ist Gift für den Körper. Forscher und viele Ärzte predigen seit Jahren, dass Arbeiten im Stehen populärer gemacht werden sollte, um die Gesundheit vieler Arbeitnehmer zu schützen. Ein großer Anteil der Menschen arbeitet im Büro, am Schreibtisch, fast ausschließlich sitzend. Pausen und gelegentliches Aufstehen einkalkuliert, bleiben meist immer noch gute fünf oder gar sechs Stunden reines Sitzen - und das allein während der Arbeitszeit. Wer hingegen steht, tut etwas für seine Gesundheit, macht es besser als all die Sitzkranken und arbeitet obendrein auch noch besser. Viele Lobgesänge auf das Arbeiten im Stehen, allerdings kann dies nicht einfach verallgemeinert werden, denn auch richtiges Stehen bei der Arbeit will gelernt sein. Warum die Arbeit im Stehen so sehr im Trend liegt, worauf Sie dabei achten sollten und warum auch Arbeitgeber davon profitieren, wenn Sie ihren Mitarbeitern das Arbeiten im Stehen ermöglichen...

Arbeiten im Stehen: Hören Sie auf nur zu sitzen!

Arbeit macht krank. Ok, das ist zugegeben sehr zugespitzt und auch provokativ formuliert, aber doch ist es nicht allzu weit von der Realität entfernt. Arbeitnehmer melden sich immer häufiger krank und fehlen länger, viele schleppen sich aber auch krank zur Arbeit und nicht wenige gehen gesundheitsbedingt frühzeitig in den Ruhestand.

Längst sind stressbedingte Krankheiten keine Seltenheit mehr, da immer mehr Arbeitnehmer dem Druck und psychischen Belastungen nicht mehr gewachsen sind. Doch nicht nur die Psyche leidet unter den Arbeitsbedingungen, auch der Körper ist einer ständigen Last ausgesetzt. Dabei geht es nicht nur um die klassischen körperlich anstrengenden Berufe, bei denen sehr schwer gehoben werden muss oder in gebückter Haltung gearbeitet wird.

Viele gesundheitliche Beschwerden durch die Arbeit sind Bürokrankheiten, die sich durch alle Branchen und Arbeitgeber ziehen und unter denen fast jeder schon einmal gelitten hat, der viele Stunden am Schreibtisch und vor dem Monitor verbringt.

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Ein Schuldiger für all diese Beschwerden ist auch schon gefunden: Das Sitzen Wer im Job fast den ganzen Tag lang sitzt, tut seinem Körper damit keinen Gefallen. Gekrümmte und starre Haltung sorgen für Verspannungen, Muskelbeschwerden und damit für Rückenschmerzen, die vielleicht am weitesten verbreitete Volkskrankheit.

Der plakative Spruch Sitzen ist das neue Rauchen hat sich seit Jahren mehr und mehr etabliert und immer wieder schlagen Studien in die gleiche Kerbe. So konnten Forscher zeigen, dass zu viel Sitzen zu vermehrten Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt und wer den ganzen Tag nur sitzt erhöht damit sogar das Risiko, an Darm- oder Lungenkrebs zu erkranken. Oder - erneut zugespitzt formuliert - Sitzen kann tödlich sein.

Arbeiten im Stehen ist der Hoffnungsträger und die scheinbare Lösung für viele dieser Probleme. Der Mensch an sich ist einfach nicht dafür geschaffen, reglos und verkrampft über Stunden still zu sitzen. Der Körper will nicht nur bewegt werden und damit Bewegungsfreiheit genießen, sondern in erster Linie auch entlastet werden. Nichts garantiert Rückenschmerzen wie angespanntes Sitzen in einer schlechten Position. Von langfristigen Haltungsschäden oder gar Problemen mit der Bandscheibe ganz zu Schweigen.

Wer bei der Arbeit steht, hilft seinem Kreislauf, entlastet Nacken und Rücken, profitiert bei seiner Arbeit und steigert sogar seine Denkleistungen. Gemeinsam mit dem Körper werden im Stehen die Gedanken und Lösungsansätze flexibler. Wir können uns besser auf neue Situationen einstellen, lösen Probleme effizienter und arbeiten sogar produktiver, wenn wir dem ständigen Sitzen den Rücken kehren und stattdessen öfter Aufstehen.

Genug Gründe, das sowohl Mitarbeiter als auch Arbeitgeber sich für mehr Arbeit im Stehen einsetzen. Allerdings gibt es dabei ein paar Dinge zu beachten, denn Stehen ist kein Allheilmittel. Genauso falsch wäre es, sitzende Tätigkeiten grundsätzlich zu verteufeln. Mit der richtigen Ergonomie am Arbeitsplatz lässt sich auch im Sitzen viel für die Gesundheit tun.

Die Vorteile der Arbeit im Stehen

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  • Sie entlasten Ihren Rücken und können Rückenschmerzen reduzieren.
  • Sie fördern die Durchblutung. Der Kreislauf wird angeregt, was auch die Laune verbessern kann.
  • Im Stehen strecken Sie Ihren Oberkörper, wodurch Sie tiefer einatmen können und mehr Sauerstoff aufnehmen.
  • Die Beine werden entlastet, weil sie nicht den ganzen Tag angewinkelt sind.
  • Sie verbrennen zusätzliche Kalorien - auch wenn dies keinen Sport und eine gesunde Ernährung ersetzen kann.
  • Muskeln werden aufgebaut. Wer hingegen nur sitzt, verliert an Muskelmasse. Ein wichtiger Vorteil, besonders für die Körperhaltung.
  • Forscher konnten zeigen, dass im Stehen effizienter kommuniziert wird.
  • Im Stehen haben Sie einen größeren Bewerungsfreiraum und können während der Arbeit viel aktiver sein.
  • Wer ohnehin steht, ist weniger faul. Statt nur eine Mail zu schreiben, ist es leichter, kurz ins Nachbarbüro zu gehen.
  • Ihre Stimme lässt erkennen, ob Sie sitzen oder stehen. Im Stehen klingen Sie gleich viel dynamischer, selbstbewusster und auch überzeugender.

Arbeiten im Stehen: Nur wenn es richtig gemacht wird

Dann steh' ich bei der Arbeit halt auf... Es klingt ungemein simpel und im Kern ist es das auch, allerdings sollte es trotzdem nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Mit einfach Aufstehen ist es eben nicht getan und wer diesen Ansatz verfolgt, tut damit rein gar nichts für seine Gesundheit.

Wer falsch steht, entlastet den Rücken nicht, sondern verlagert das verkrampfte Sitzen nur in eine stehende Position. Vornübergebeugt mit angespanntem Nacken und schmerzenden Schultern Hinzu kommen Probleme mit den Knien, Füßen und Gelenken, die beim Stehen stärker belastet werden.

Zum Glück geht es aber auch anders und richtiges Arbeiten im Stehen ist gar nicht so schwer, wenn Sie sich an ein paar Grundlagen halten. Diese Tipps können Ihnen dabei helfen:

  • Stehen Sie gerade und aufrecht

    Bei der Arbeit im Stehen sollten Sie unbedingt vermeiden, einen krummen Rücken zu bilden oder nach vorne gelehnt zu stehen. Achten Sie bewusst darauf, aufrecht zu stehen, den Rücken gerade zu halten und Ihren Körper nicht in Richtung Schreibtisch zu beugen.


  • Ziehen Sie die Schultern nicht nach oben

    Auch Ihre Schultern sollten Sie nicht angespannt nach oben ziehen, ansonsten sind ein verspannter Nacken und Schmerzen zwischen den Schulterblättern nur eine Frage der Zeit. Lockern Sie Ihre Schultern und halten Sie diese so entspannt wie möglich.


  • Achten Sie auf die richtigen Schuhe

    Wie wohl Sie sich bei der Arbeit im Stehen fühlen, hängt maßgeblich auch von Ihren Schuhen ab. Dies sollte vor allem bequem sein, damit Sie nicht nach einigen Minuten das Gefühl haben, Ihnen würden die Füße abfallen. Gleichzeitig sollte Ihr Schuhwerk ausreichend Stabilität geben. Frauen sollten im besten Fall auf hohe Absätze verzichten.


  • Wählen Sie einen weicheren Untergrund

    Es kann sehr unangenehm sein, über einen längeren Zeitraum auf sehr hartem Boden zu stehen. Suchen Sie sich eine etwas weichere Unterlage oder polstern Sie den Boden mit einem Teppich.


  • Stehen Sie nicht einfach nur still

    Arbeiten im Stehen sollte nicht bedeuten, dass Sie sich an Ihren Arbeitsplatz stellen und dann reglos vor sich hin arbeiten. Das können Sie genauso gut im Sitzen machen. Nutzen Sie stattdessen die Vorteile des Stehens. Bewegen Sie sich, gehen Sie gelegentlich ein paar Schritte auf und ab, wechseln Sie Ihre Position, verlagern Sie das Gewicht von einem Bein auf das andere.

    Wenn Sie nur starr verharren, werden Ihre Muskeln irgendwann verkrampfen, da Sie zurück in eine sehr monotone Belastung verfallen. Im Stehen lassen sich auch unterschiedliche Übungen ganz einfach und nebenbei machen. Stellen Sie sich auf die Zehenspitzen und senken Sie langsam wieder ab oder schütteln Sie Beine und Arme aus, um diese zu lockern und Verspannungsschmerzen vorzubeugen.


  • Passen Sie Ihren Arbeitsplatz an Ihre Bedürfnisse an

    Bei der Arbeit im Stehen ist die Ergonomie des Arbeitsplatzes sehr wichtig. Nicht jedes Stehpult ist automatisch für Sie persönlich geeignet. Am besten ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch, den Sie individuell für sich anpassen können. Die Höhe ist dabei der wichtigste Faktor, um im Stehen entspannt zu arbeiten.

    Ihre Arme sollten dabei ohne Anstrengung auf der Arbeitsfläche aufliegen können. Ist der Schreibtisch auf eine falsche Höhe eingestellt, müssen Sie sich entweder nach vorne beugen und schaden so Ihrem Rücken oder Sie müssen die gesamte Zeit die Schultern anspannen, um Ihre Arme hoch genug zu halten, was sich auf den Nacken auswirkt.

Arbeiten im Stehen: Jeder muss seine persönliche Mischung finden

Arbeit im Stehen Schreibtisch Stehpult Rückenschmerzen VorteileDer Arbeitgeber ist überzeugt, ein höhenverstellbarer Schreibtisch wird angeschafft und der nächste Arbeitstag kann mit voller Energie im Stehen verbracht werden. So kann es funktionieren, für den Großteil der Arbeitnehmer ist dies allerdings nicht die beste Möglichkeit und dementsprechend auch nicht empfehlenswert. Wie Sie Arbeiten im Stehen für sich persönlich nutzen, hängt ganz von Ihren eigenen Bedürfnissen, Erwartungen und auch Voraussetzungen ab.

Der eine Kollege schwärmt Ihnen vielleicht davon vor, dass er jetzt fast den gesamten Tag stehend verbringt. Das mag für Ihn schön und gut sein, für die meisten Arbeitnehmer reicht es jedoch, die Arbeit im Stehen als Abwechslung zu nutzen. Genauso sollten auch Arbeitgeber das Thema sehen: Es geht darum, die Möglichkeit zu schaffen und es Mitarbeitern frei zu stellen, Ihre Arbeit so zu gestalten, wie es für sie am besten ist.

Gerade am Anfang kann es daher sein, dass Sie nur eine oder vielleicht zwei Stunden die Funktion des neuen höhenverstellbaren Schreibtisches nutzen. Das ist gar nicht weiter schlimm, denn es geht gar nicht darum, überhaupt nicht mehr zu sitzen. Was vielmehr schadet, ist die Bewegungslosigkeit - ganz gleich ob im Sitzen oder im Stehen.

Finden Sie deshalb Ihren individuellen Rhythmus und verbannen Sie den stundenlangen Stillstand aus Ihrer Arbeitszeit. Wechseln Sie zwischen der Arbeit im Stehen und im Sitzen hin und her, bauen Sie immer wieder Bewegung in Ihren Arbeitstag ein.

Wann es Zeit ist, aufzustehen, ein paar Schritte zu gehen oder sich wieder hinzusetzen, zeigt Ihr Körper Ihnen von selbst. Wenn es anfängt in den Muskeln zu zwicken, Sie Kopfschmerzen bekommen oder die Konzentration nachlässt können dies erste Signale sein, dass Sie bereits zu lange angespannt und ohne die nötige Bewegung arbeiten.

[Bildnachweis: Jacob Lund by Shutterstock.com]

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