Ein Teilzeit-Studium ist keineswegs ein Schmalspurstudium. Aber man kann es im Hörsaal eine Spur langsamer angehen lassen. Mittlerweile sind 13 Prozent aller Studiengänge in Deutschland auch in Teilzeit belegbar - das bietet sich vor allem für Mütter, Väter und Berufstätige an. Aber das Teilzeit-Studium hat auch gewaltige Nachteile...

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Teilzeitstudium: Was ist das?

Viele Menschen studieren de facto in Teilzeit. Sie schwänzen Vorlesungen, versäumen Klausuren, strecken ihr ganzes Studium. Aber: Formell eingeschrieben sind sie als Vollzeitstudenten. Vollzeitstudium - das ist der Normalfall.

Teilzeit-Studium meint etwas anderes. Es bedeutet, dass man auch offiziell in Teilzeit studiert. Das ist mittlerweile an vielen Hochschulen möglich.

Konkret heißt das: Die Lehrveranstaltungen werden reduziert, dadurch auch der Aufwand für die Studenten. Die Studienzeit insgesamt aber verlängert sich, denn die Inhalte werden in die Länge gezogen. Auch die Regelstudienzeit geht dementsprechend hoch. Das Studium kann so unter Umständen doppelt so lange wie üblich dauern.

Die Zahlen der Teilzeitstudenten jedenfalls steigen. Zum Wintersemester 2015/16 - aktuellere Zahlen liegen nicht vor - waren von rund 2,75 Millionen Studierenden in Deutschland rund 187.000 in Teilzeit an ihrer Hochschule eingeschrieben.

Ihr Anteil an allen Studierenden liegt damit bei immerhin 6,8 Prozent. Zur Jahrtausendwende waren es erst knapp über zwei Prozent.

Teilzeitstudium: An wen richtet es sich?

Die Zulassung für ein Teilzeit-Studium ist oft an eine ausreichende Bedingung geknüpft. Gründe für ein Teilzeitstudium sind vor allem:

  • Erwerbstätigkeit
  • Praktikum
  • Betreuung von kleinen Kindern
  • Betreuung von Pflegebedürftigen
  • Chronische Krankheit oder Behinderung
  • Engagement oder Mitarbeit in Gremien

Für diese Personengruppen bietet sich das Teilzeit-Studium aus naheliegenden Gründen an. Der Zeitaufwand ist geringer, verschiedene Verpflichtungen können miteinander in Einklang gebracht werden, das Pensum bleibt machbar.

Und: Der Abschluss ist selbstverständlich genauso viel wert.

Wo kann man in Teilzeit studieren?

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) hat die Teilzeit-Angebote in Deutschland im September 2017 verglichen.

Das sind die wichtigsten Fakten:

  • Im Wintersemester 2017/18 kann man deutschlandweit 12,8 Prozent aller Studiengänge in Teilzeit studieren.
  • Im Saarland können 64,9 Prozent aller Studiengänge in Teilzeit belegt werden, in Hamburg 54 Prozent und in Brandenburg 35 Prozent. Damit haben diese drei Bundesländer die höchsten Teilzeit-Quoten.
  • Sieben Bundesländer haben eine Teilzeit-Quote von unter zehn Prozent. Hier kann man also nicht einmal jeden zehnten Studiengang in Teilzeit absolvieren. Die niedrigsten Teilzeit-Quoten haben Bremen (2,2 Prozent), Hessen (2,7 Prozent) und Rheinland-Pfalz (3,1 Prozent)
  • An den Universitäten kann man 14,6 Prozent aller Studiengänge in Teilzeit belegen, an den Fachhochschulen 11,1 Prozent. Allerdings ist das von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedlich..
  • Ein Masterstudium ist in Teilzeit häufiger möglich als ein Bachelor-Studium. Während 11,1 Prozent der Bachelor-Fächer teilzeitfähig sind, sind es 15,7 Prozent der Master-Fächer.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Für die staatlichen Hochschulen haben Teilzeit-Studiengänge - aus durchaus nachvollziehbaren Gründen - keine Priorität.

Daneben gibt es aber noch die private Konkurrenz, die das Teilzeit-Studium als Geschäftsmodell entdeckt hat. Vorteil: Kandidaten müssen keinen Grund angeben, wenn Sie in Teilzeit studieren möchten - anders als vielen staatlichen Unis.

An mancher privater Hochschule beträgt der Anteil der Teilzeit-Studierenden schon volle 100 Prozent. Von den staatlichen Institutionen sticht die Fernuni Hagen heraus. Von den 70.000 Immatrikulierten an Deutschlands einziger staatlicher Fernuniversität sind 74 Prozent Teilzeitstudenten.

Noch eine Teilzeit-Oase ist die Fachhochschule Wismar. Hier ist schon jeder Zweite ein Teilzeitstudent. Grund: In Wismar kann man seit einigen Jahren im berufsbegleitenden Teilzeitstudium einen international anerkannten Hochschulabschluss erlangen.

Bundesländer: Diese haben die meisten Teilzeit-Angebote

Auch interessant: Nicht immer sind Angebot und Nachfrage deckungsgleich. Im Gegenteil, das Saarland etwa hält außergewöhnlich viele Teilzeit-Studiengänge vor, die Nachfrage aber ist minimal. Nur 0,4 Prozent der saarländischen Studierenden lernen in Teilzeit.

Anders in Hamburg: Hier trifft ein großes Angebot auf rege Nachfrage - die Teilzeitquote liegt bei 18,1 Prozent. So hoch ist sie sonst nirgends.

So hoch war der Anteil der Teilzeitstudierenden in den einzelnen Bundesländern im Wintersemester 2015/16:

  • Hamburg: 18,1 Prozent
  • Nordrhein-Westfalen: 15,0 Prozent
  • Mecklenburg-Vorpommern: 11,7 Prozent
  • Rheinland-Pfalz: 7,5 Prozent
  • Bremen: 6,8 Prozent
  • Sachsen-Anhalt: 6,1 Prozent
  • Sachsen: 5,9 Prozent
  • Berlin: 3,3 Prozent
  • Thüringen: 2,9 Prozent
  • Brandenburg: 2,6 Prozent
  • Hessen: 2,3 Prozent
  • Niedersachsen: 1,9 Prozent
  • Baden-Württemberg: 1,7 Prozent
  • Bayern: 1,6 Prozent
  • Saarland: 0,4 Prozent
  • Schleswig-Holstein: 0,2 Prozent

Und so viele Studiengänge können in den einzelnen Bundesländern in Teilzeit studiert werden:

  • Saarland: 64,9 Prozent
  • Hamburg: 54 Prozent
  • Brandenburg: 35 Prozent
  • Thüringen: 27,3 Prozent
  • Mecklenburg-Vorpommern: 25,6 Prozent
  • Sachsen-Anhalt: 18,9 Prozent
  • Niedersachsen: 18,9 Prozent
  • Berlin: 17,2 Prozent
  • Bayern: 12 Prozent
  • Sachsen: 7,5 Prozent
  • Nordrhein-Westfalen: 7 Prozent
  • Schleswig-Holstein: 6,4 Prozent
  • Baden-Württemberg: 5,9 Prozent
  • Rheinland-Pfalz: 3,1 Prozent
  • Hessen: 2,7 Prozent
  • Bremen: 2,2 Prozent

Welche Fächer kann man in Teilzeit studieren?

Besonders beliebt ist das Teilzeitstudium bei Gesellschafts- und Sozialwissenschaftlern. 18,6 Prozent von ihnen sind keine Vollzeitstudenten. Noch höher ist die Quote, wenn man nur Masterstudenten berücksichtigt. Dann liegt sie bei 22,3 Prozent.

Auch Sprach- und Kulturwissenschaftler studieren gerne in Teilzeit. Medizin und Gesundheitswissenschaften liegen auf Position drei. Dies hängt vor allem mit dem hohen Anteil berufsbegleitender Studiengänge im Bereich der Pflege- und Gesundheitswissenschaften zusammen.

Kaum Teilzeitstudierende gibt es dagegen unter den Agrarwissenschaftlern und angehenden Künstlern.

Das sind die Teilzeit-Quoten der einzelnen Fächergruppen:

  • Gesellschafts- und Sozialwissenschaften: 18,6 Prozent
  • Sprach- und Kulturwissenschaften: 17,6 Prozent
  • Medizin, Gesundheitswissenschaften: 15,6 Prozent
  • Wirtschafts- und Rechtswissenschaften: 14,9 Prozent
  • Mathematik, Naturwissenschaften: 13,2 Prozent
  • Ingenieurwissenschaften: 11,6 Prozent
  • Lehramt: 10,6 Prozent
  • Agrar- und Forstwissenschaften: 6,4 Prozent
  • Kunst, Musik, Design: 5,8 Prozent

Teilzeit-Studium: Welche Nachteile gibt es?

Nachteil Nummer eins des Teilzeitstudiums: Das Angebot ist eingeschränkt. Nicht jedes Fach kann bzw. darf mit verringertem Aufwand bestritten werden.

Und: Der Zeitaufwand ist trotz allem groß, im Vorbeigehen kommt auch hier niemand zu akademischen Ehren. Das sind aber längst noch nicht alle Minuspunkte.

Weitere Nachteile des Teilzeitstudiums:

  • Bafög: Der Anspruch auf Bafög entfällt für Teilzeitstudenten.
  • Krankenkasse: Hier fallen unter Umständen höhere Beiträge an. Unbedingt vorher bei der jeweiligen Krankenkasse informieren.
  • Konto: Kostenfreie Kontoführung für Studierende? Informieren Sie sich bei Ihrem Kreditinstitut, ob das auch für Teilzeitstudenten gilt.
  • Prozedur: Je nach Hochschule müssen Sie regelmäßig - oft alle zwei Semester - einen neuen Antrag bzw. Verlängerungsantrag aufs Teilzeit-Studium stellen.
  • Bildungskredit: Im Teilzeitstudium sind Sie grundsätzlich nicht förderfähig.
  • Semesterbeitrag: Er muss in voller Höhe gezahlt werden - egal, ob Sie in Voll- oder Teilzeit studieren.
  • Aufenthaltstitel: Gefährdet ein Teilzeit-Studium die Aufenthaltserlaubnis? Sehr gut möglich. Das sollten ausländische Studierende unbedingt vorher abklären.
[Bildnachweis: Damir Khabirov by Shutterstock.com]

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