Gefälschtes Zeugnis: Diese Strafen drohen

Um die eigene Karriere in Schwung zu bringen, greift mancher tief in die Trickkiste: Ein gefälschtes Zeugnis öffnet vermeintlich die Tür zu einem begehrten Job. Das Fälschen oder Schönen von Dokumenten beschäftigt immer wieder die deutschen Arbeitsgerichte. Insbesondere gefälschte Arbeitszeugnisse sind in der Berufswelt weiter verbreitet, als mancher glauben mag. Fliegt der Schwindel auf, drohen ernste Strafen und Konsequenzen. Immerhin handelt es sich um Urkundenfälschung in Reinform. Woran Personaler ein gefälschtes Arbeitszeugnis erkennen, ob es eine Verjährung gibt und worauf Sie sonst noch achten müssen, lesen Sie hier…

Gefälschtes Zeugnis: Diese Strafen drohen

Gefälschtes Arbeitszeugnis erkennen: Darauf achten Personaler

Wenn Personaler ein gefälschtes Arbeitszeugnis erkennen wollen, gibt es vor allem eine Sache, die dem im Wege steht: die Zeit. Im Durchschnitt nur zwei bis drei Minuten Zeit nehmen sich Personalverantwortliche, um eine Bewerbung zu sichten. Bei hunderten von Bewerbungen, wie sie bei Großkonzernen typisch sind, ist das verständlich.

Kein Wunder aber auch, wenn ein gefälschtes Zeugnis dann durch die Lappen geht. Photoshop macht’s möglich und – schwupps – hat der Bewerber auf einmal einen Doktor der Medizin oder ein Juraexamen. Solche Fälle von Hochstaplerei gab es in der Vergangenheit schon häufiger.

Man kann sich teilweise nur wundern, wie lange es dauert, bis solche Scharlatane auffliegen. Andererseits erleichtert moderne Technik das Fälschen:

  • In einigen Betrugsfällen wurden aus Absagen das Firmenlogo eingescannt und für ein gefälschtes Zeugnis bei einer anderen Bewerbung vorgelegt.
  • Teilweise werden Inhalte modifiziert, indem „bessere Abschlussnoten vergeben“ werden.
  • So wie Titel gekauft werden können, können Sie bei einigen Anbietern ein gefälschtes Zeugnis kaufen. Diese berufen sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs, wonach nicht von Urkundenfälschung ausgegangen werden kann, solange das ausgedruckte Exemplar klar als Reproduktion ohne Authentizitätsmerkmale (wie etwa ein Siegel) erkennbar sei.

Dabei kann das für Unternehmen großen Ärger nach sich ziehen – da ist einerseits der konkrete Schaden, den diese Mitarbeiter durch mangelnde Kenntnis anrichten. Auf der anderen Seite leidet natürlich der gute Ruf des Unternehmens, von der Blamage ganz zu schweigen.

Worauf sollten Personaler achten, um ein gefälschtes Zeugnis zu erkennen? Üblicherweise auf diese fünf Dinge:

Arbeitszeugnis Grafik Kriterien

Weichen beispielsweise die Daten und Zeiträume im Lebenslauf von Angaben im Anschreiben oder beigefügten Zeugnissen ab, kann dies ein Anhaltspunkt für ein gefälschtes Zeugnis sein. Eine andere Möglichkeit ist, ehemalige Arbeitgeber oder Referenzgeber zu kontaktieren und Informationen einzuholen.

Gibt es auffällige Lücken im Lebenslauf, die sich nicht plausibel erklären lassen, obwohl der Kandidat phantastische Noten und Bewertungen hat?

Eine beliebte Schummelei ist, statt Monats- und Jahreszahlen nur Jahresangaben in Lebensläufen zu machen. Das mag zunächst den Eindruck erwecken, jemand hätte volle Jahre in einem Job gearbeitet. Bei genauerer Betrachtung fliegen solche Zeitangaben aber auf. Spätestens fürs Vorstellungsgespräch sollte sich der Bewerber eine Begründung zurecht gelegt haben.

Gefälschtes Zeugnis zählt als Urkundenfälschung

gefälschtes Zeugnis Urkundenfälschung strafbarWer jemals erwogen hat, Hand an seine Dokumente zu legen, sollte diesen Gedanken ganz schnell wieder aus seinem Kopf streichen. Hierzulande ist jede noch so kleine Änderung an Zeugnissen strafbar und wird in schlimmen Fällen sogar mit dem Entzug der Freiheit geahndet.

Denn sowohl aus juristischer als auch aus Sicht der Arbeitgeber handelt es sich bei vorsätzlicher Urkundenfälschung um einen schweren Straftatbestand.

Als Urkundenfälschung definiert ist die Herstellung unechter Urkunden, die Verfälschung echter Urkunden, und der Gebrauch unechter oder verfälschter Urkunden in der Absicht, im Rechtsverkehr zu täuschen.

Das Produkt einer Urkundenfälschung wird als Fälschung oder Falsifikat bezeichnet. Die Urkundenfälschung ist im deutschen Recht nach § 267 StGB strafbar.

Schon der Versuch, Zeugnisse oder anderweitige Urkunden zu fälschen, ist strafbar. Die Urkundenfälschung kann mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bestraft werden. In besonders schweren Fällen reicht der Strafrahmen sogar von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt dann vor, wenn der Täter…

  • mit den gefälschten Dokumenten Geld verdient.
  • als Mitglied einer Bande mit gefälschten Zeugnissen handelt.
  • einen großen Vermögensverlust von mehr als 50.000 Euro herbeiführt.
  • die Sicherheit des Rechtsverkehrs durch eine große Anzahl unechter oder verfälschter Urkunden gefährdet.
  • ein ihm übertragenes Amt missbraucht.

Fallbeispiel: Wenn der Betrug auffliegt

Dass deutsche Arbeitsgerichte bei einem gefälschten Zeugnis keinen Spaß verstehen, hat vor ein paar Jahren auch ein 40-jähriger Dortmunder am eigenen Leib erfahren. Dieser musste tief in die Tasche greifen, nachdem er sich für seine Bewerbung in einem Autohaus ein falsches Zeugnis am Computer gebastelt hatte.

Die 2700 Euro Strafe, die er seinerzeit zu zahlen hatte, dürften jedoch das geringere Problem gewesen sein. Denn der Verurteilte gilt seitdem als vorbestraft.

Der Hintergrund: Für gerade einmal vier Monate hatte der 40-Jährige als kaufmännischer Angestellter in einem großen Autohaus gearbeitet und hernach ein Zeugnis in die Hand gedrückt bekommen, das ihm schlicht einwandfreies Verhalten bescheinigte. Sprich: Er hat nicht geklaut, hat sich nicht auffällig verhalten, das war’s dann aber auch schon.

In dem Zeugnis, das er seiner nächsten Bewerbung beilegte, war hiervon jedoch nichts mehr zu lesen. Demnach hatte er fünf Jahre lang als „verantwortlicher Verkäufer“ gearbeitet, war zudem „mit allen Facetten des Autohauses vertraut“, und hat „alle Aktionen zur vollsten Zufriedenheit“ begleitet.

Der Zeugnisfälscher setzte mit dem Abschlusssatz noch einen drauf: „Wir bedauern das Ausscheiden aus privaten Gründen außerordentlich“, war hier zu lesen. Doch der Personalchef, dem das gefälschte Zeugnis vorlag, witterte die Fälschung, erkundigte sich auf kurzem Dienstweg beim vorherigen Arbeitgeber und der Betrug flog auf.

In seinem Urteil erwies sich der zuständige Richter sogar noch vergleichsweise milde. Denn der Straftatbestand der Urkundenfälschung ist alles andere als ein Kavaliersdelikt.

Was passiert mit der Karriere?

Dem betrogenen Arbeitgeber räumt das Arbeitsrecht einen durchaus großen Spielraum ein. Selbst wenn er den Schwindel erst nach einiger Zeit oder Jahren entdeckt, ist er ohne Wenn und Aber berechtigt, eine außerordentliche fristlose Kündigung auszusprechen.

Eine außerordentliche Kündigung ist eine Kündigung, bei der die für eine ordentliche Kündigung vorgeschriebene Kündigungsfrist nicht oder nicht vollständig eingehalten wird oder bei der ein Arbeitsverhältnis gekündigt wird, das eigentlich nicht kündbar ist.

Eine außerordentliche Kündigung kommt in Betracht, wenn der Arbeitnehmer grob gegen seine Pflichten verstoßen hat. Letztes ist im Falle einer Urkundenfälschung absolut gegeben.

Auch wenn niemand zu Schaden gekommen ist, weil die Aufgaben immer zur Zufriedenheit des Arbeitgebers erledigt wurden, gestaltet sich die Situation schwierig. Es gibt tatsächlich Fälle, in denen der Betrug erst dann zutage tritt, weil der Arbeitnehmer ein schlechtes Gewissen hat.

Das Problem: Selbst wenn er nun die Wahrheit sagt, hat er in der Vergangenheit gelogen – das Vertrauensverhältnis wird also auf die Probe gestellt. Dazu kommt, dass er beim erneuten Gebrauch des gefälschten Zeugnisses (beispielsweise für einen zukünftigen Arbeitsplatz) sich wieder strafbar macht.

Wie das Strafmaß nun ausfällt, ob er bei seinem derzeitigen Arbeitgeber – sofern der das wünscht – weiterarbeiten kann, hängt von vielen Aspekten ab, unter anderem von diesen:

  • Hat der Arbeitnehmer Vorstrafen?
  • Legt er ein Geständnis ab?
  • Zeigt er Reue?
  • Wie groß ist der Schaden?
  • Übernimmt er Verantwortung für sein Handeln?

Gibt es beim gefälschten Zeugnis eine Verjährung?

Arbeitnehmer, die beim Thema Urkundenfälschung auf Zeit spielen, wiegen sich in falscher Sicherheit. Urkundenfälschung umfasst Straftaten wie das…

  • Herstellen einer unechten Urkunde,
  • Fälschen einer echten Urkunde oder
  • Gebrauchen einer unechten oder echten Urkunde.

Nach § 78 Abs. 3 Nr. 4 Strafgesetzbuch (StGB) beträgt die Verjährungsfrist fünf Jahre. Das heißt, dass der Betrüger nach dieser Zeit nicht mehr mit einer Verfolgung durch die Organe der Strafrechtspflege rechnen muss. Aber andere Konsequenzen sind möglich.

Als Studierender kann eine Zwangsexmatrikulation von der Uni aufgrund eines gefälschten Zeugnisses erfolgen – je nach Bundesland und Hochschulgesetz hindert das den Ex-Studenten daran, an einer anderen Uni wieder das Studium mit einem echten Zeugnis oder nachgeholten Abschluss aufnehmen zu können.

Auch eine Kündigung als Arbeitnehmer kann nach Jahren noch ausgesprochen werden. Die deutschen Gerichte haben bezüglich der Fälschung von Arbeitszeugnissen oder anderweitigen beruflichen Dokumenten so manches einschlägige Urteil gefällt. In einem Fall zog ein außerordentlich Gekündigter vor Gericht, der acht Jahre lang für seinen Arbeitgeber gearbeitet hatte – Grundlage seiner Einstellung war seinerzeit ein gefälschtes Zeugnis gewesen.

Die Klage des ehemaligen Arbeitnehmers, die auf dem Argument fußte, dass die bis hierin erfolgreiche Zusammenarbeit ein größeres Gewicht habe als das seinerzeit gefälschte Zeugnis, wurde vom Gericht jedoch abgeschmettert.

Die Begründung liest sich wie folgt: Auch nach acht Jahren der erfolgreichen Beschäftigung kann der Arbeitgeber nicht daran gehindert werden, den Arbeitsvertrag anzufechten, hat er doch ein schutzwürdiges Interesse daran, dass die im Bewerbungsprozess vorgelegten Zeugnisse der Wahrheit entsprechen (LAG Baden-Württemberg, Az 5 Sa 25).

Arbeitgeber kann Schadensersatz verlangen

Der Arbeitgeber kann sogar Schadensersatz verlangen. Immerhin muss dieser nach der Kündigung einen neuen Mitarbeiter suchen, was erhebliche Kosten verursacht. Also: Finger weg von solchen Täuschungsversuchen – die Konsequenzen sind für den Arbeitnehmer nicht kalkulierbar und kosten im Zweifel die Existenz.

Stattdessen empfiehlt es sich, Geld in die Hand zu nehmen und seine Bewerbung durch einen Karrierecoach optimieren zu lassen, falls Zweifel bestehen, dass der gewünschte Job auf eigene Faust an Land gezogen werden kann. Hier lassen sich auf legalem Weg die richtigen Weichen stellen.

[Bildnachweis: Bacho by Shutterstock.com]
2. Juli 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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