Arbeitslos: Was Sie jetzt tun müssen

Wer droht, seinen Job zu verlieren, ist erst einmal geschockt. Trotzdem sollten Sie jetzt schnell reagieren und sich sofort arbeitslos melden. Dazu sind Sie nicht nur gesetzlich verpflichtet, sondern Sie machen den ersten Schritt, um Leistungen wie Arbeitslosengeld beziehen zu können. Welche Fristen Sie dabei beachten müssen, wie Sie bei der Arbeitssuche vorgehen und wie Sie sich von der Arbeitslosigkeit abmelden…

Arbeitslos: Was Sie jetzt tun müssen

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Warum soll ich mich arbeitslos melden?

Wird ein Arbeitsverhältnis beendet, fällt das Einkommen weg. Für viele Menschen ist das existenzbedrohend, da sie so ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dadurch, dass Sie sich arbeitslos melden, sichern Sie sich Ihre finanziellen Ansprüche. Im Falle von Arbeitslosigkeit gewährt der Staat Unterstützung in Form des Arbeitslosengeldes. Für Singlehaushalte ohne Kinder sind es 60 Prozent des letzten Gehalts, für Arbeitnehmer mit Kindern 67 Prozent.

Definition: Was bedeutet „arbeitslos“?

Arbeitslos zu sein heißt genau genommen, dass jemand temporär erwerbslos ist, obwohl er oder sie arbeiten könnte beziehungsweise will. Zu unterscheiden ist zwischen arbeitslos und arbeitsuchend:

Arbeitsuchend
So wird der Status eines Arbeitnehmers bezeichnet, der eine Beschäftigung sucht und sich deshalb bei der Arbeitsagentur als arbeitsuchend meldet. In der Regel gehen Arbeitsuchende zu dem Zeitpunkt noch einer Tätigkeit nach. Arbeitsuchend melden Sie sich, wenn Sie drei Monate vor Ablauf Ihres Arbeitsverhältnisses (beispielsweise bei einem befristeten Arbeitsvertrag) wissen, dass Ihre Tätigkeit endet. Das Hauptaugenmerk der Arbeitsagentur liegt auf der Hilfe bei der Jobsuche beziehungsweise Vermittlung eines neuen Jobs.

Arbeitslos
Wer sich arbeitslos meldet, ist bereits ohne Beschäftigung und versucht, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Dieser Status folgt, wenn die Kündigungsfrist abgelaufen ist, er vom Arbeitgeber eine fristlose Kündigung erhalten hat oder selbst fristlos gekündigt hat.


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Anspruch auf Arbeitslosengeld

Anspruch auf Arbeitslosengeld haben Sie grundsätzlich dann, wenn innerhalb der vergangenen zwei Jahre mindestens zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt wurde. Unterbrechungen durch Elternzeit oder Freiwilligendienst werden berücksichtigt. Zunächst keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG I) hat, wer seine Stelle selbst kündigt. In diesem Fall sind Arbeitnehmer für drei Monate gesperrt. Das tut den meisten Arbeitnehmern finanziell weh und dient der Abschreckung. Wer selbst seine Arbeitsstelle kündigt, sollte das wohlweislich erst tun, wenn er bereits eine neue Stelle in petto hat.

Wie erhalten Sie Arbeitslosengeld?

Anders liegt der Fall, wenn Ihnen Ihr Chef eine Kündigung ausgesprochen hat oder Ihr Arbeitsvertrag ausläuft. In beiden Fällen gilt, mindestens drei Monate zuvor, spätestens aber mit Erhalt der Kündigung sich arbeitslos zu melden, um Zahlungsverzögerungen bei ALG I oder ALG II zu vermeiden. Wer sich arbeitslos melden will, hat dafür üblicherweise drei verschiedene Möglichkeiten:

➠ Sie erscheinen persönlich bei der Agentur für Arbeit.
➠ Sie rufen bei der Agentur für Arbeit an.
➠ Sie füllen online einen Antrag auf Arbeitslosengeld aus.

Während der aktuellen Coronakrise werden Sie nur mit Termin persönlich empfangen. Bevorzugt können Sie sich telefonisch oder online arbeitslos melden. Über die Suchmaske der Hauptseite können Sie Ihre zuständige Arbeitsagentur finden. Die telefonische Kontaktaufnahme ist unter dieser Telefonnummer kostenlos möglich: 0800 4 55 55 00. Dort machen Sie am besten direkt einen persönlichen Termin für die nächsten Schritte aus. Um sich online arbeitslos melden zu können, müssen Sie sich zuvor registrieren. Wie Sie genau dabei vorgehen, erfahren Sie auf der Seite der Agentur für Arbeit.

Was müssen Sie beim Antrag beachten?

Damit Sie Ihr Arbeitslosengeld pünktlich gezahlt bekommen und nicht noch einige Wochen Wartezeit überbrücken müssen, sind von Ihnen zwei Voraussetzungen zu erfüllen:

Fristen einhalten
Die Arbeitsagentur kann Ihnen nur helfen, wenn Sie sich umgehend arbeitssuchend melden. Umgehend heißt, sobald Sie von einer drohenden Kündigung erfahren. Ist das Vertragsende überraschend, muss das innerhalb von drei Tagen geschehen. Ist es wie bei einer Befristung absehbar, innerhalb von drei Monaten. Am ersten Tag ohne Beschäftigung müssen Sie sich spätestens persönlich arbeitslos melden und Arbeitslosengeld beantragen.

Unterlagen vorlegen
Um Arbeitslosengeld zu erhalten, müssen Sie entweder online oder vor Ort einen Antrag ausfüllen. Dafür brauchen Sie folgende Unterlagen:

➠ Personalausweis (Reisepass mit Meldebestätigung, Aufenthaltserlaubnis, Arbeitserlaubnis)
➠ Sozialversicherungsausweis
➠ Kündigungsschreiben / Arbeitsvertrag
Lebenslauf

Halten Sie während der Bezugsdauer immer den Kontakt zur Arbeitsagentur! Fällt beispielsweise ein Umzug in die Zeit, sollten Sie in jedem Fall schriftlich Ihre neue Adresse mitteilen – Nachsendeaufträge sind häufig nicht zuverlässig. Geht an die alte Adresse eine Einladung zum persönlichen Gespräch (zwecks Erörterung Ihrer Situation), erreicht diese Sie nicht. Die Folge: Sie werden für das Arbeitslosengeld gesperrt.

Was bekommt man als Arbeitsloser?

Das Arbeitslosengeld dient der Überbrückung für die Zeit, in der Sie erwerbslos sind. Es richtet sich nach Ihrem letzten Einkommen und beträgt üblicherweise 60 Prozent dessen. Da es eine Lohnersatzleistung ist, geht es nicht um die Sicherung Ihres bisherigen Lebensstandards, sondern lediglich darum, das Nötigste sicherzustellen. Arbeitslose, die trotz Arbeitslosengeld I Schwierigkeiten haben, Miete und Lebensmittel zu finanzieren, können mit ALG II (auch als Hartz 4 bekannt) aufstocken.

Wie lange gibt es Arbeitslosengeld?

Wie lange Sie Arbeitslosengeld erhalten, hängt von zwei Faktoren ab: dem Lebensalter und der versicherungspflichtigen Beschäftigungsdauer in den vergangenen fünf Jahren, bevor Sie sich arbeitslos gemeldet haben. Unabhängig vom Alter haben Arbeitslose einen Anspruch von sechs Monaten, wenn sie in den vergangenen fünf Jahren vor der Arbeitslosigkeit mindestens 12 Monate lang versicherungspflichtig beschäftigt waren. Wer jedoch nur einen Minijob ausgeübt hat und in der Corona-Krise arbeitslos geworden ist, hat keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, da 450-Euro-Jobs nicht der Versicherungspflicht unterliegen.

Beschäftigung
(Monate)
Vollendetes
Lebensjahr
ALG Anspruch
(Monate)
12 6
16 8
20 10
24 12
30 50 15
36 55 18
48 58 24



Der Höchstanspruch steigt mit der Anzahl der Monate in einem versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis. Wer das 50. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, erhält höchstens für 12 Monate Arbeitslosengeld. Bis zu zwei Jahre können 58-Jährige Arbeitslosengeld erhalten, wenn sie 48 Monate vor der Arbeitslosmeldung beschäftigt waren.

Sonderregelung während Corona

Die obigen Regelungen werden vorübergehend durch das Sozialschutzpaket 1 und 2 ergänzt. Demnach gibt es eine einmalige Verlängerung des Arbeitslosengeldes für alle, deren Anspruch zwischen dem 1. Mai und dem 31. Dezember 2020 enden würde. Wer arbeitslos und von der Regelung betroffen ist, erhält automatisch eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes, ohne sich erneut bei der Arbeitsagentur melden zu müssen.

Neu ist auch eine verkürzte Anwartschaftszeit: Bereits ab einer Beschäftigungsdauer von sechs Monaten erwerben Betroffene einen Anspruch von drei Monaten Arbeitslosengeld. Bei acht liegt der Höchstanspruch bei vier Monaten und wer zehn Monate lang versicherungspflichtig gearbeitet hat, erhält fünf Monate Arbeitslosengeld.


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Wie vermeide ich, arbeitslos zu werden?

Nicht wenige Menschen argumentieren, dass sie einen bestimmten Job gelernt haben. Wenn es dann branchenweit zu einem Rückgang kommt, weil neue Technologien etwa diesen Beruf überflüssig machen, versteifen sie sich darauf. Das sei ein Luxus, den sich in einer Industrienation niemand mehr erlauben kann, meint Roland Jäger, Unternehmensberater und Autor von Sachbüchern wie Ausgekuschelt.

Sympathie und Loyalität spielen zwar eine wichtige Rolle am Arbeitsplatz, wichtig sind jedoch die Rahmenbedingungen: Wenn nach einer Fusion beispielsweise Stellen doppelt besetzt sind, reichen Fachwissen und Sympathie womöglich nicht mehr aus. Daher hat es nichts mit mangelnder Loyalität zu tun, wenn Arbeitnehmer sich auf den Ernstfall vorbereiten, sie möchten nur nicht arbeitslos werden. Entscheidend ist langfristige Planung. Zum Beispiel bei:

Weiterbildung

Investieren Sie in Ihre persönliche Weiterbildung. Jäger rät dazu, sie selbst zu finanzieren und dafür bis zu zehn Prozent des Jahreseinkommens beiseite zu legen. Diese Investition wird sich in jedem Fall langfristig auszahlen: Mehr Sicherheit, mehr Zufriedenheit, mehr Einkommen. Altersvorsorge ist im Vergleich dazu ein ganz schlechtes Geschäft.

Selbständigkeit

Eine andere Möglichkeit ist der Weg in die Selbständigkeit. Wer sich selbstständig macht, entflieht zumindest der Gefahr entlassen zu werden. Wichtig ist allerdings, sich zuvor genau über Chancen und Risiken zu informieren, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Nicht jeder ist für die Selbständigkeit gemacht, daher sollte es eine bewusste Entscheidung sein.

10 Leitfragen für die Zukunft

Das Wichtigste ist: nur nicht passiv bleiben! Jäger appelliert an die Eigenverantwortung von Arbeitnehmern: Denn das eigene Engagement ist etwas, auf das sich jeder verlassen kann – ob der Staat hingegen immer einspringen wird, ist fraglich. Daher liegt es zu einem Großteil in der eigenen Macht, ob jemand arbeitslos wird beziehungsweise bleibt. Jäger rät Arbeitnehmern, sich regelmäßig folgende Fragen zu stellen (und zu beantworten), um so ein „persönliches Arbeitssicherheitssystem“ aufzubauen:

  • Bin ich arbeitsfähig, körperlich und geistig topfit?
  • Bin ich flexibel und mobil?
  • Verfüge ich über das aktuelle fachliche Wissen in meinem Metier, für heute, vor allem aber für morgen?
  • Wie lange will ich den Job noch machen und wie wahrscheinlich ist das?
  • Wie unsicher ist mein Arbeitsplatz? In welcher Situation steckt mein Arbeitsbereich, mein Unternehmen, meine Branche, die Wirtschaft?
  • Wohin wird sich mein Tätigkeitsgebiet und meine Branche entwickeln? Kann das, was ich tue, auch ein anderer aus einem Billiglohnland, zum Beispiel ein Chinese machen?
  • Ist das, was ich kann, auch für andere Branchen interessant? Für welche?
  • Was sind meine Stärken und Kompetenzen, sowohl fachlich, methodisch als auch persönlich?
  • Welchen Marktwert hätte ich gerne? Wie realistisch ist das? Was muss ich dafür tun?
  • Welches große Ziel habe ich beruflich? Was will ich künftig täglich von morgens bis abends am liebsten machen? Wie weit bin ich davon weg?

Wer sich regelmäßig mit seiner Situation auseinandersetzt, bekommt ein Gespür dafür, ob der Beruf für ihn oder sie das Richtige ist, ob er eine Zukunft hat oder ob womöglich ein Jobwechsel ansteht. Solche Menschen trifft es nicht völlig unvorbereitet, wenn ihnen ihr Chef verkündet, dass beispielsweise im Zuge einer Fusion Stellen abgebaut werden. Sie werden stattdessen aufmerksam Nachrichten aus der Branche verfolgt und gedeutet haben. Kommt es doch zum Äußersten, haben sie sich zuvor bereits auf vergleichbare Stellen beworben und werden meist gar nicht erst arbeitslos.

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[Bildnachweis: tuaindeed by Shutterstock.com]
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14. Oktober 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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