Wer plötzlich arbeitslos wird, steht häufig erst einmal unter Schock: Die wenigsten Arbeitnehmer freuen sich nach dem Motto: Jetzt kann ich endlich mal wieder richtig ausschlafen! Für die meisten geht Arbeitslosigkeit mit Einschränkungen einher. Als Vater oder Mutter bedeutet dies Arbeitslosengeld in Höhe von maximal 67 Prozent des letzten Gehalts, Singlehaushalte ohne Kinder erhalten sogar nur 60 Prozent. Ganz zu schweigen vom sozialen Stigma. Niemand möchte gerne als faul angesehen werden und gerade in einer Leistungsgesellschaft wie der deutschen kann Arbeitslosigkeit zur Ausgrenzung führen. Um das zu vermeiden, sollten Sie bestimmte Dinge tun...

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Arbeitslos Definition: Arbeitslos gleich ohne Arbeit?

arbeitslos deprimiert Arbeitslosigkeit Arten Ursachen Statistik HöheEs sagt sich so schnell dahin, dass jemand arbeitslos ist - genau genommen ist damit aber gemeint, dass jemand temporär erwerbslos ist, obwohl er oder sie arbeiten könnte beziehungsweise will.

Denn Arbeit gibt es fast immer, nur oftmals wird sie nicht bezahlt. Das Gabler-Wirtschaftslexikon definiert Arbeitslose folgendermaßen:

(...) Personen, die vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zu Verfügung stehen und sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.

Arbeitslosigkeit Arten: Arbeitslos ist nicht gleich arbeitslos

Dass jemand arbeitslos wird, kann unterschiedliche Gründe haben, daher wird zwischen vier Arten der Arbeitslosigkeit unterschieden. Diese Unterteilung erfolgt, um Arbeitslosigkeit besser erkennen und damit bekämpfen zu können:

  • Saisonale Arbeitslosigkeit

    Bestimmte Branchen sind saisonalen Schwankungen unterworfen, die vor allem von der Jahreszeit abhängen. Zu beobachten ist dies zum Beispiel in folgenden Branchen: Landwirtschaft, Tourismus, Bauwirtschaft. Ist die Erdbeersaison vorbei, werden keine Erntehelfer mehr benötigt. Volkswirtschaftlich hat diese Form der Arbeitslosigkeit keine gravierenden Auswirkungen, daher werden keine wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Beseitigung ergriffen.

  • Friktionelle Arbeitslosigkeit

    Diese auch als Sucharbeitslosigkeit bezeichnete Form tritt auf, wenn jemand zwischen zwei Anstellungen kurzfristig arbeitslos wird. Sie wird wie die saisonale Arbeitslosigkeit als unvermeidbar betrachtet. Wie lange ein Arbeitnehmer arbeitslos ist, hängt unter anderem davon ab, wie mobil und qualifiziert er ist.

  • Konjunkturelle Arbeitslosigkeit

    Durch Konjunkturschwankungen wird die konjunkturelle Arbeitslosigkeit (auch: Keynesianische Arbeitslosigkeit) ausgelöst. Eine geringere Nachfrage an Konsumgütern führt bei Unternehmen zu Verlusten. Die versuchen ihrerseits diese einzusparen, indem sie Arbeitnehmer entlassen. Umgekehrt werden bei gestiegener Nachfrage neue Arbeitskräfte eingestellt, um diese befriedigen zu können.

  • Strukturelle Arbeitslosigkeit

    Existiert eine Diskrepanz zwischen dem Arbeitsmarkt und dem Arbeitsangebot, spricht man von struktureller Arbeitslosigkeit. Es handelt sich hierbei um einen Sammelbegriff, der regionale, sektorale, technologische oder qualifikationsspezifische Ursachen umschreibt. Es liegt dann ein Mismatch vor, wenn ein Arbeitnehmer durch den Kohleausstieg arbeitslos wird, gleichzeitig dringend im Bereich erneuerbarer Energien Arbeitskräfte gesucht werden, aber der Bergmann nicht dafür qualifiziert ist.

Arbeitslos: Kein gottgegebenes Schicksal

Nachdem Sie den ersten Schock verdaut haben, sollten Sie sich klarmachen: Sie sind dieser Situation nicht hilflos ausgeliefert. Das mag neu sein für Menschen, die in ihrem bisherigen Leben auf wenig Widerstände getroffen sind. Wer sich hingegen Dinge erkämpfen und Krisen meistern musste, geht gestärkt aus ihnen hervor.

Fachleute sprechen von Resilienz. Andersherum gibt es Menschen, die nie gelernt haben zu kämpfen, die gewissermaßen in erlernter Hilflosigkeit verharren. Genau das sollten Sie jedoch nicht tun: Jammern, auf der Stelle treten oder anderen die Schuld für Ihre Situation geben.

Zunächst einmal: Arbeitslos zu sein ist keine Schande. Es kann jeden treffen und im Gegensatz zu anderen Ländern ist das soziale Netz in Deutschland gut ausgebaut. Sie müssen also keine Angst haben, mit nichts auf der Straße zu stehen und unter Brücken nächtigen zu müssen.

Arbeitslos melden: Online Formular für schnellen Ablauf

Hierbei sei einschränkend gesagt, dass es eine Rolle spielt, warum Sie arbeitslos sind: Wer selbst seine Arbeitsstelle kündigt, sollte das wohlweislich erst tun, wenn er bereits eine neue Stelle in petto hat.

Denn in diesem Fall haben Sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld beziehungsweise sind für drei Monate gesperrt. Das tut den meisten Arbeitnehmern finanziell weh und dient natürlich der Abschreckung.

Anders liegt der Fall, wenn Ihnen Ihr Chef eine Kündigung ausgesprochen hat oder Ihr Arbeitsvertrag ausläuft. In beiden Fällen gilt, mindestens drei Monate zuvor, spätestens aber mit Erhalt der Kündigung sich arbeitslos zu melden, um Zahlungsverzögerungen bei ALG I oder ALG II zu vermeiden.

Wenn Sie sich arbeitslos melden wollen, haben Sie dafür drei verschiedene Möglichkeiten:

  • Sie erscheinen persönlich bei der Agentur für Arbeit.
  • Sie rufen bei der Agentur für Arbeit an.
  • Sie füllen online einen Antrag auf Arbeitslosengeld aus.

Um das Online Formular ausfüllen zu können, müssen Sie sich allerdings zuvor registrieren. Wie Sie genau vorgehen müssen, erfahren Sie auf der Seite der Agentur für Arbeit.

Arbeitslos oder nicht: Cleverness und Arbeitsmoral

Natürlich gibt es Umstände, die Arbeitslosigkeit begünstigen. Dennoch ist Roland Jäger, Unternehmensberater und Autor von Sachbüchern wie Ausgekuschelt, der Meinung, dass es zu einem Großteil in der eigenen Macht liegt, ob jemand arbeitslos wird.

Er verurteilt darüber hinaus die mediale Darstellung der Bundesagentur für Arbeit, da suggeriert werde, der Arbeitsmarkt sei das Sammelbecken der Arbeitssuchenden. Stattdessen müsse jeder Arbeitnehmer erkennen, dass der Arbeitsmarkt unterschiedslos für alle Arbeitnehmer sei, egal ob arbeitslos oder nicht.

Jäger unterscheidet zwischen Realisten, die aktiv ihren Marktwert überprüfen und Träumern, die sich mit Boni abspeisen lassen und möglicherweise eines Tages in einem bösen Traum aufwachen. Die Bewerbungsbemühungen der Realisten erläutert er folgendermaßen:

Sie haben jedes Jahr mindestens ein Vorstellungsgespräch, auch ganz ohne die konkrete Absicht, den Job zu kündigen. Denn sie sind neugierig: Vielleicht ist mal was Gutes dabei? Sie erfahren dabei auf jeden Fall ihren Marktwert, bleiben im Training, was Bewerbungsverfahren und Vorstellungsgespräche angeht, halten ihre Unterlagen auf dem neuesten Stand, sprechen regelmäßig mit Headhuntern und halten den überlebensnotwendigen Kontakt zur Außenwelt.

Das sei natürlich anstrengender, als sich einfach auszuruhen. Andererseits plädiert er für die Eigenverantwortung eines jeden Arbeitnehmers: Denn letztlich ist das eigene Engagement etwas, auf das sich jeder verlassen kann - ob der Staat hingegen immer einspringen wird, ist fraglich:

"Wer darauf vertraut, dass der Staat einen gerechten Anspruch auf Arbeit unterstützt, der vertraut Leuten, die bei mindestens zwei Gelegenheiten lügen: vor der Wahl und nach der Wahl", so Jäger.

Letztlich bietet auch ein unbefristeter Arbeitsvertrag keine absolute Sicherheit: Unternehmen gehen pleite und schneller als einem lieb ist, liegt ein Aufhebungsvertrag auf dem Tisch.

Passivität vermeiden: 10 sinnvolle Arbeitsmarktfragen

Arbeitslos - dann bitte Passivität vermeiden: 10 sinnvolle ArbeitsmarktfragenJäger rät Arbeitnehmern, sich regelmäßig folgende Fragen zu stellen (und zu beantworten), um so ein "persönliches Arbeitssicherheitssystem" aufzubauen:

  • Bin ich arbeitsfähig, körperlich und geistig topfit?
  • Bin ich flexibel und mobil?
  • Verfüge ich über das aktuelle fachliche Wissen in meinem Metier, für heute, vor allem aber für morgen?
  • Wie lange will ich den Job noch machen und wie wahrscheinlich ist das?
  • Wie unsicher ist mein Arbeitsplatz? In welcher Situation steckt mein Arbeitsbereich, mein Unternehmen, meine Branche, die Wirtschaft?
  • Wohin wird sich mein Tätigkeitsgebiet und meine Branche entwickeln? Kann das, was ich tue, auch ein anderer aus einem Billiglohnland, zum Beispiel ein Chinese machen?
  • Ist das, was ich kann, auch für andere Branchen interessant? Für welche?
  • Was sind meine Stärken und Kompetenzen, sowohl fachlich, methodisch als auch persönlich?
  • Welchen Marktwert hätte ich gerne? Wie realistisch ist das? Was muss ich dafür tun?
  • Welches große Ziel habe ich beruflich? Was will ich künftig täglich von morgens bis abends am liebsten machen? Wie weit bin ich davon weg?

Wer sich regelmäßig mit seiner Situation auseinandersetzt, bekommt ein Gespür dafür, ob der Beruf für ihn oder sie das Richtige ist, ob er eine Zukunft hat oder ob womöglich ein Jobwechsel ansteht.

Und solche Menschen wird es eben nicht völlig unvorbereitet treffen, wenn ihnen ihr Chef verkündet, dass beispielsweise im Zuge einer Fusion Stellen abgebaut werden. Sie werden stattdessen aufmerksam Nachrichten aus der Branche verfolgt und gedeutet haben.

Ebenso wenig jammern sie, wenn es zum Äußersten kommt, denn sie haben sich zuvor bereits auf vergleichbare Stellen beworben und werden oftmals gar nicht erst arbeitslos.

Arbeitnehmertypen: Opferlamm oder Macher

Nicht wenige Menschen argumentieren, dass sie einen bestimmten Job gelernt haben. Wenn es dann branchenweit zu einem Rückgang kommt, weil neue Technologien etwa diesen Beruf überflüssig machen, versteifen sie sich darauf. Das ist ein Luxus, den sich in einer Industrienation niemand mehr erlauben kann.

Die Idee des lebenslangen Lernens wurde bereits vor über zwanzig Jahren von den Vertretern der Europäischen Union ausgerufen und ist in die nationale Bildungspolitik geflossen.

Ursprünglich stand die Befähigung von Menschen zu selbstbewussten, intelligenten und kreativen Handeln im Vordergrund. Mittlerweile ist allerdings nicht zu leugnen, dass es nicht allein um eine freizeitorientierte Selbstverwirklichung geht, sondern die Erweiterung des beruflichen Horizonts eine Rolle spielt.

Auch Argumente wie dass ein Arbeitnehmer den Ortswechsel aufgrund seiner Familie scheue, kann Jäger nur bedingt nachvollziehen: "Er reiht sich freiwillig unter die Verlorenen ein", und erläutert fünf Stufen der Sicherheit, die er bei Arbeitnehmern beobachtet:

  • Die Verlorenen

    Sie sind total abhängig von ihrem Arbeitgeber, sie vertrauen alleine auf ihren Arbeitsvertrag, ihre gefährliche Lage ist ihnen nicht bewusst und es ist ihnen auch gar nicht wichtig.

  • Die Betrogenen

    Sie wissen, dass sie ihrem Arbeitgeber auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind, aber sie vertrauen ihm. Sie nehmen die Gefahr eines Jobverlusts nicht ernst, kuscheln mit ihrem Chef und genießen die Vorteile ihres Jobs.

  • Die Ängstlichen

    Sie fühlen sich in der Abhängigkeit unwohl und von den Krisenzeichen und Arbeitsmarktdaten bedroht. Sie bekommen mit, dass in ihrem Umfeld Arbeitskräfte entlassen werden. Sie spüren steigenden Druck etwas zu unternehmen, aber sie bleiben untätig, denn sie haben Angst.

  • Die Cleveren

    Sie sind bereit, sich schlau zu machen, wissen jedoch nicht genau wie und sind deshalb überfordert. Sie suchen Rat und sind darauf gefasst, handeln zu müssen – handeln aber noch nicht. Wenn es sein müsste, würden sie re-agieren.

  • Die Freien

    Sie sind jederzeit flexibel und mobil, kennen ihre eigenen Fähigkeiten genau und entscheiden selbst, wann und wo sie sie einsetzen. Sie agieren, handeln also proaktiv, wann immer sich Gelegenheiten bieten. Wenn die Einschläge näher kommen, sind sie schon weg.

Wer droht arbeitslos zu werden, muss sich daher fragen: Bin ich bereit, alles dafür zu tun, um nie mehr Angst davor zu haben, nicht ausreichend Geld für mich, meine Familie und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen zu haben und dabei viel Freude bei meiner Arbeit zu empfinden?

Arbeitslos - aber nicht lange

Arbeitnehmer sollten sich selbstkritisch fragen, in welche Kategorie sie sich ordnen würden. Loyalität zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist eine wichtige Eigenschaft.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Arbeitnehmer völlig naiv davon ausgehen sollten, dass das ein Schutz vor Arbeitslosigkeit ist: Schließlich kommt es nicht nur auf Sympathie an, letztlich müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Und wenn beispielsweise Stellen doppelt besetzt sind, reichen Fachwissen und Sympathie womöglich nicht mehr aus.

Es hat also nichts mit mangelnder Loyalität zu tun, wenn Arbeitnehmer sich auf den Ernstfall vorbereiten, sie möchten nur nicht arbeitslos werden. Um den zu vermeiden, ist langfristige Planung wichtig. Zum Beispiel bei:

  • Weiterbildung

    Investieren Sie in Ihre persönliche Weiterbildung. Jäger rät dazu, sie selbst zu finanzieren und dafür bis zu zehn Prozent Ihres Jahreseinkommens beiseite zu legen. Diese Investition wird sich in jedem Fall langfristig auszahlen: Mehr Sicherheit, mehr Zufriedenheit, mehr Einkommen. Altersvorsorge ist im Vergleich dazu ein ganz schlechtes Geschäft.

  • Selbständigkeit

    Eine andere Möglichkeit ist der Weg in die Selbständigkeit. Wer sich selbstständig macht, entflieht zumindest der Gefahr entlassen zu werden. Wichtig ist allerdings, sich zuvor genau über Chancen und Risiken zu informieren, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Nicht jeder ist für die Selbständigkeit gemacht, daher sollte es eine bewusste Entscheidung sein.

[Bildnachweis: luxorphoto by Shutterstock.com]

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