Arbeitgeber hinhalten? Bewerbung mit mehreren Jobangeboten

Manchmal kommt es besser als erwartet: Gleich auf mehrere Bewerbungen folgt die Einladung zum Vorstellungsgespräch – und schon nach dem ersten Interview folgt auch schon die Jobzusage. Blöd nur, wenn das eigentlich noch nicht der Wunscharbeitgeber war und man die anderen Gespräche durchaus erst noch anhören möchte. Wer weiß: Vielleicht gibt es ja ein besseres Angebot? Das ist legitim, durchaus opportun und – zugegeben – ein Luxusdilemma, vor dem einige Bewerber nie stehen werden. Trotzdem bleibt es ein Dilemma: Was tun – den potenziellen Arbeitgeber hinhalten, obwohl man dem gesagt hat, dass man den Job unbedingt will? Oder mit der Wahrheit rausrücken?

Arbeitgeber hinhalten? Bewerbung mit mehreren Jobangeboten

In der Zwickmühle: Den potenziellen Arbeitgeber hinhalten – oder zusagen?

Wer in einer solchen Situation steckt, hat grundsätzlich drei Handlungsalternativen:

  1. Zusagen

    Sie sagen der Personalabteilung zu, schinden vielleicht noch etwas Zeit mit dem Unterschreiben des Arbeitsvertrags und falls das nicht reicht, kündigen Sie im Zweifel wieder noch bevor Sie die Stelle antreten. In der Probezeit gibt es ohnehin eine beiderseitige zweiwöchige Kündigungsfrist – ohne Angabe von Gründen. In der Tat sehr unfair und unehrlich, aber eine Option.

    Risiko: Ihr Ruf ist danach dauerhaft beschädigt, hier brauchen Sie sich nie wieder vorstellen. Dumm auch, wenn die Branche klein ist und sich das rumspricht.

  2. Anrufen

    Sie melden sich bei der Personalabteilung, sagen höflich dass Sie weiterhin an der Stelle interessiert sind, aber noch weitere Termine für Bewerbungsgespräche haben. Und weil Sie sich ganz bewusst für die Stelle entscheiden möchten, bitten Sie um etwas Bedenkzeit. Die ehrlichste Variante.

    Risiko: Die Eitelkeit des Arbeitgebers ist verletzt und der sagt ihnen ab, bevor Sie es tun könnten.

  3. Hinhalten

    Sie schinden Zeit, wo es nur geht: Sie melden sich stets ein paar Tage später, schieben gesundheitliche Gründe („fiebrige Erkältung“) vor, vielleicht mussten Sie auch erst noch eine wichtige Prüfung vorbereiten oder absolvieren, und so weiter. Den Job mit Lügen beginnen, ist allerdings nicht der beste Einstieg. Und die Taktik funktioniert meist nur eine zeitlang. Danach leidet die Glaubwürdigkeit erheblich.

    Risiko: Die Hinhaltetaktik fällt auf, der potenzielle Arbeitgeber spürt, dass er nur zweite Wahl ist – und sagt ab.

Strategiemix: Ein bisschen hinhalten und fair bleiben

Unabhängig von den drei genannten Optionen sollten Ihnen allerdings bewusst sein: Eine mündliche Zusage des Arbeitgebers in spe ist nichts wert. Die lässt sich jederzeit widerrufen. Erst wenn Sie einen unterschriebenen Arbeitsvertrag auf dem Tisch liegen haben, den nur noch Sie unterzeichnen müssen, gilt die Zusage als verbindlich. Bis dahin bleibt Ihnen also so oder so noch Bedenkzeit und Sie können das Einstellungsprocedere seinen – hoffentlich gemächlichen – Lauf nehmen lassen.

Bis dahin müssen Sie sich genau genommen auch nicht offenbaren. Im Gegenteil: Sie sollten die Zeit nutzen, um genau über die Vertragsmodalitäten und Gehaltsoptionen zu verhandeln. Umso besser können Sie hernach entscheiden. Trotzdem sollten Sie dabei stets höflich agieren. So mancher wird in der Situation schnell überheblich – und das könnte dann sehr schnell das Aus für diese Offerte bedeuten.

Optimal ist daher meist ein gesunder Mix aus den Optionen 2 und 3. Anfangs können Sie versuchen, den Prozess unauffällig zu verlangsamen. Das geht – je nach Unternehmen und dessen Bedürftigkeit – mal zwei Wochen, mal einen Monat lang gut. Danach aber sollten Sie aus Fairness-Gründen die Karten auf den Tisch legen. Schließlich sollte das Unternehmen die Chance haben, die freie Stelle zur Not anderweitig zu besetzen.

Es ist ja eigentlich auch keine Schande verschiedene Angebote abzuwägen: Sie sind eine gefragte Arbeitskraft – klasse!

Nur sollte der Arbeitgeber auch nicht das Gefühl haben, Sie spielen ihn gegen andere aus oder er ist eben nur die Notlösung, falls es woanders nicht klappt.

Solange das gelingt, hat die Mehrheit der Unternehmen – so jedenfalls meine Erfahrung – hierfür üblicherweise Verständnis. Jedenfalls die Profis.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]

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7. Februar 2014 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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