Arbeitgeber hinhalten? Bedenkzeit für Jobangebote

Um die Erfolgschancen zu steigern, werden bei der Jobsuche zahlreiche Bewerbungen zeitgleich verschickt. Manchmal kommt es besser als erwartet und es folgen die Einladungen zu mehreren Vorstellungsgespräch. Aber können Sie einen Arbeitgeber hinhalten? Wer weiß: Vielleicht bietet das zweite Unternehmen ein besseres Angebot, aber Sie haben bereits eine Zusage erhalten und es wird eine Antwort erwartet. Einen Arbeitgeber hinhalten zu müssen ist ein Luxusproblem, doch muss dennoch gelöst werden. Was also tun? Wir zeigen, welche Optionen Sie haben und was Sie tun können, wenn Sie einen Arbeitgeber hinhalten wollen…

Arbeitgeber hinhalten? Bedenkzeit für Jobangebote

Arbeitgeber hinhalten: Warum ist es notwendig?

Die Bewerbung war erfolgreich, der Arbeitgeber will Sie einstellen und Sie haben eine Zusage! Im Normalfall ist damit das Ziel Ihrer Jobsuche erreicht, Sie können einen neuen Arbeitsvertrag unterschreiben und zeitnah in den Job starten. Allerdings kann es eine Ausnahme geben: Sie bekommen eine Zusage, doch haben noch weitere Termine zu Vorstellungsgesprächen oder warten noch auf die Antwort anderer Arbeitgeber.

Idealerweise können Sie am Ende aus mehreren Jobangeboten wählen und die Stelle annehmen, die für Sie am besten passt und die meisten Vorteile bietet. Das Problem: Das Unternehmen, das Ihnen bereits zugesagt hat, wartet auf Ihre Antwort – also auf Ihre Zu- oder Absage. Verständlich, dass Sie den Arbeitgeber hinhalten wollen, um alle Möglichkeiten zu betrachten.

Allerdings ist das gar nicht so leicht. Wer einen Arbeitgeber hinhalten will und diesen zu lange zappeln lässt, riskiert, dass diese zurück gezogen wird. Worst Case Szenario: Am Ende stehen Sie ganz ohne Job da, weil die erste Zusage wieder weg ist und die zweite erst gar nicht kommt.

Ist es also unmöglich, einen Arbeitgeber hinzuhalten? Nein! Sie haben verschiedene Optionen, um ein wenig mehr Zeit herauszuholen. Die Betonung dabei liegt jedoch auf: ein wenig.

3 Optionen, um Arbeitgeber hinzuhalten

Wer in einer solchen Situation steckt, hat grundsätzlich drei Handlungsalternativen:

  • Zusagen

    Sie sagen der Personalabteilung zu, schinden vielleicht noch etwas Zeit mit dem Unterschreiben des Arbeitsvertrags und falls das nicht reicht, kündigen Sie im Zweifel wieder noch bevor Sie die Stelle antreten. Bevor Sie den schriftlichen Vertrag unterschrieben haben, können Sie eine mündliche Zusage jederzeit widerrufen. Bis alle Unterlagen fertig sind, kann die ein oder andere Woche vergehen, in der Sie den Arbeitgeber hinhalten.

    Sogar in der Probezeit gibt es eine beiderseitige zweiwöchige Kündigungsfrist – ohne Angabe von Gründen. Wer den Arbeitgeber besonders lange hinhalten möchte, kann hier noch kündigen und einen anderen Job antreten. In der Tat sehr unfair und unehrlich, aber eine Option.

    Risiko: Ihr Ruf ist danach dauerhaft beschädigt, hier brauchen Sie sich nie wieder vorstellen. Dumm auch, wenn die Branche klein ist und sich das rumspricht.

  • Offenheit

    Manchmal ist Ehrlichkeit der beste Weg. Wenn Sie einen Arbeitgeber hinhalten wollen, müssen Sie dies nicht hinter dessen Rücken tun. Sie melden sich bei der Personalabteilung, sagen höflich dass Sie weiterhin an der Stelle interessiert sind, aber noch weitere Termine für Bewerbungsgespräche haben. Und weil Sie sich ganz bewusst für die Stelle entscheiden möchten, bitten Sie um etwas Bedenkzeit. Die ehrlichste Variante.

    Unternehmen wissen genau, dass Kandidaten sich auch für andere Stellen bewerben. Einen solch ehrlichen Ansatz schätzen Personaler eher als Geheimhaltetaktiken und zeigen sich durchaus kulant. Allerdings gilt: Übertreiben Sie es nicht! Auch bei Ehrlichkeit sollten Sie den Arbeitgeber höchstens eine oder zwei Wochen hinhalten.

    Risiko: Die Eitelkeit des Arbeitgebers ist verletzt und der sagt ihnen ab, bevor Sie es tun könnten.

  • Verzögerung

    Sie schinden Zeit, wo es nur geht: Sie melden sich stets ein paar Tage später, schieben gesundheitliche Gründe („fiebrige Erkältung“) vor, vielleicht mussten Sie auch erst noch eine wichtige Prüfung vorbereiten oder absolvieren, und so weiter. Oft findet der Austausch per Mail statt, hier können Sie stets einige Verzögerungen einbauen, bevor die Kommunikation weitergeht.

    Den Job mit Lügen beginnen, ist allerdings nicht der beste Einstieg. Und die Taktik funktioniert meist nur eine zeitlang. Danach leidet die Glaubwürdigkeit erheblich. Zudem wundern sich Personaler sicherlich, wenn es stets zwei Tage dauert, bevor Sie auf eine Mail antworten. Ihre Motivation für den Job unterstreichen Sie damit nicht und vielleicht überlegt der hingehaltene Arbeitgeber es sich noch einmal anders.

    Risiko: Die Hinhaltetaktik fällt auf, der potenzielle Arbeitgeber spürt, dass er nur zweite Wahl ist – und sagt ab.

Arbeitgeber hinhalten: So klappt es am besten

Unabhängig von den drei genannten Optionen sollten Ihnen allerdings bewusst sein: Eine mündliche Zusage des Arbeitgebers in spe ist nichts wert. Die lässt sich jederzeit widerrufen. Erst wenn Sie einen unterschriebenen Arbeitsvertrag auf dem Tisch liegen haben, den nur noch Sie unterzeichnen müssen, gilt die Zusage als verbindlich. Solange bleibt Ihnen ohnehin noch Bedenkzeit und Sie können das Einstellungsprocedere seinen – hoffentlich gemächlichen – Lauf nehmen lassen.

Bis dahin müssen Sie sich genau genommen auch nicht offenbaren. Im Gegenteil: Sie sollten die Zeit nutzen, um genau über die Vertragsmodalitäten und Gehaltsoptionen zu verhandeln. Umso besser können Sie hernach entscheiden. Trotzdem sollten Sie dabei stets höflich agieren. So mancher wird in der Situation schnell überheblich – und das könnte dann sehr schnell das Aus für diese Offerte bedeuten.

Optimal ist daher meist ein gesunder Mix aus den Optionen 2 und 3. Anfangs können Sie versuchen, den Prozess unauffällig zu verlangsamen. Das geht – je nach Unternehmen und dessen Bedürftigkeit – mal zwei Wochen, mal einen Monat lang gut. Danach aber sollten Sie aus Fairness-Gründen die Karten auf den Tisch legen. Schließlich sollte das Unternehmen die Chance haben, die freie Stelle zur Not anderweitig zu besetzen.

Es ist ja eigentlich auch keine Schande verschiedene Angebote abzuwägen: Sie sind eine gefragte Arbeitskraft – klasse!

Nur sollte der Arbeitgeber auch nicht das Gefühl haben, Sie spielen ihn gegen andere aus oder er ist eben nur die Notlösung, falls es woanders nicht klappt.

Solange das gelingt, hat die Mehrheit der Unternehmen – so jedenfalls meine Erfahrung – hierfür üblicherweise Verständnis. Jedenfalls die Profis.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]

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18. November 2019 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.


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