Benching: Anzeichen, Psychologie, wie reagieren?

Benching ist eine perfide Hinhaltetaktik und ein fieses Spiel mit falschen Hoffnungen. Das Phänomen gibt es nicht nur beim Dating und in der Partnerwahl, sondern auch bei der Jobsuche und Bewerbung. Auch hier kommt es immer wieder vor, dass Arbeitgeber die Kandidaten im Ungewissen zappeln lassen. Keine Absage, aber auch keine Zusage. Die Psychologie dahinter ist purer Opportunismus – und gemein. Was sind typische Benching Anzeichen? Und wie sollten Bewerber auf Benching reagieren? Tipps und Reaktionen…

Benching: Anzeichen, Psychologie, wie reagieren?

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Was ist Benching?

Benching beschreibt das Hinhalten oder Warmhalten einer Person, mit der man vielleicht zusammen sein möchte. Das gibt es beim Dating wie auch bei der Jobsuche. In dem Fall sind es die Arbeitgeber, die nur sporadischen, unverbindlichen Kontakt halten und Bewerber auf die Wartebank schicken – daher auch der englische Begriff: „to bench“ = „auf die Reservebank schicken“.

Der Grund für das Business Benching ist übrigens meist derselbe wie beim Dating: Es gibt eine potenziell bessere Option. Arbeitgeber warten mit der Jobzusage, weil Sie noch ein paar andere Kandidaten im Bewerbungsprozess haben, die sie lieber einstellen würden. Der Rest wird bei der Stange gehalten – oder „gebencht“, wie es neudeutsch heißt.

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Benching Anzeichen: Wie erkennt man Benching?

Manchmal gibt es mehr Bewerber als erwartet. Oder ein wichtiger Entscheider wird krank. Dann kann sich die Bewerberauswahl schon mal ziehen. Hören Sie also nicht sofort nach der Bewerbung oder dem Vorstellungsgespräch etwas von Ihrem Wunscharbeitgeber, muss es sich nicht gleich um Benching handeln. Manche Auswahlprozesse benötigen mehr Zeit und Geduld.

Benching Time To Hire Bewerbung Warten Keine Antwort

Trotzdem gibt es ein paar Benching Anzeichen, die dafür sprechen, dass Sie gerade hingehalten werden, um sich alle Optionen offenzuhalten. Arbeitgeber benchen Bewerber und lassen sie schon mal mit solchen Aussagen und Ausreden zappeln:

  • „Der Bewerbungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.“
  • „Die Bewerbungsfrist wurde verlängert.“
  • „Es fehlt noch die Unterschrift vom obersten Boss.“
  • „Es müssen noch andere Entscheider hinzugezogen werden.“
  • „Wir müssen noch die Termine für die Vorstellungsgespräche abstimmen.“
  • „Das war erst eine Vorauswahl. Bitte schicken Sie uns eine Arbeitsprobe.“

Was ist Breadcrumbing?

Breadcrumbing ist eine perfide Weiterentwicklung des Benching. Bei dieser Taktik werden den Betroffenen immer wieder kleine Lockangebote gemacht, um sie bei Laune zu halten und zu signalisieren, dass sie noch im Rennen sind und Chancen haben. Breadcrumbing ist ein falsches Spiel mit der Hoffnung, die nach jeder Pause neu geschürt wird – solange, bis die endgültige Entscheidung fällt. Der englische Begriff „Breadcrumbing“ bedeutet so viel wie „Brotkrumen hinwerfen“.

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Psychologie: Was macht Benching mit Bewerbern?

Gerade unerfahrene Bewerber trifft Benching überraschend. Sie gehen vom ehrlichen und fairen Miteinander aus. Im Idealfall passt die Bewerbung perfekt zur Stelle – ein echter Traumjob. Wäre es anders, würde der Arbeitgeber direkt absagen. Tut er aber nicht. Doch statt klaren Aussagen: abwarten, vertrösten, verzögern, zappeln lassen.

Das macht natürlich etwas mit einem. Und manchmal ist das sogar beabsichtigt.

  1. Selbstvertrauen
    Jede weitere Woche, in der man vertröstet wird, nagt am Selbstvertrauen. „Es lief doch so gut?! Warum sagen die nichts? War ich in Wahrheit doch viel schlechter? Ist meine Selbsteinschätzung so falsch?“ Wer in diese Grübel-Falle tappt, kommt sich irgendwann wie ein Bittsteller vor. Solche Selbstzweifel sind sogar noch Gift für weitere Bewerbungen.
  2. Selbstsicherheit
    Aber trügerische und falsche. Es kann ebenso gut sein, dass sich Bewerber entspannt zurücklehnen. Motto: „Läuft bei mir. Ich muss nur warten.“ Wer deshalb aufhört, sich weiter in Jobbörsen umzusehen, reduziert seine eigenen Optionen. Und bekommt am Ende noch ein finanzielles Problem, was mancher Arbeitgeber ausnutzen könnte, um bei der Gehaltsverhandlung den Preis zu drücken.
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Reaktion auf Benching: Was kann ich tun?

Sobald Sie das starke Gefühl haben, in der Warteschleife zu hängen, sollten Sie handeln. Aber nicht gleich beleidigt, wütend oder vorwurfsvoll. Wie gesagt: Manchmal ist es gar kein Benching, sondern nur eine Verkettung ungünstiger Umstände.

Dennoch sollten Sie sich fragen, wieviel Ihnen die Stelle (der Partner) bedeutet. Ist sie es wert, auf die Antwort weiter zu warten? Oder können Sie vielleicht etwas nachlegen, um die Entscheidung zu Ihren Gunsten zu beeinflussen? Vielleicht waren es auch Sie selbst, der den Eindruck hinterlassen hat, noch andere Eisen im Feuer zu haben. Wenn Liebe gefühlt nicht gleich auf Gegenliebe trifft, sinkt sofort das Interesse. Das ist überall so.

Benching – wie reagieren?

Liegt Ihnen die Stelle am Herzen und gibt es keine Veränderung im status quo, sollten Sie nach spätestens zwei bis drei Wochen nachfragen und nachfassen. Viele assoziieren das sogenannte Follow-up mit Aufdringlichkeit – und kippen auf der anderen Seite vom Pferd. Natürlich können und sollen Sie nicht aufdringlich oder nervig sein. Aber wie immer gibt es hierbei nicht nur Schwarz oder Weiß, sondern eine breite Grauzone, die Sie nutzen sollten:

  • Telefonisch nachfragen
    Haben Sie wichtige Unterlagen parat: Stellenanzeige, Kennziffer, Versanddatum Ihrer Unterlagen. Schildern Sie Ihr Anliegen präzise in 1-2 Sätzen: Keine Empfangsbestätigung? Keine Rückmeldung? Bekräftigen Sie nochmal Ihre Interesse – der Grund Ihres Anrufs! Bleiben Sie dabei immer ruhig und freundlich, bauen Sie keinen Druck auf.
  • Fassen Sie schriftlich nach
    Schicken Sie nach einer weiteren Woche eine E-Mail, in der Sie erneut Ihr Interesse bekunden. Machen Sie wieder keine Vorwürfe, aber werden Sie bestimmter: Bitten Sie um Auskunft zum aktuellen Bewerbungstand. Wann können Sie mit einer Entscheidung rechnen? Wie können Sie bei den Prozessschritten helfen, zum Beispiel mit neuen Unterlagen?
  • Bleiben Sie am Ball
    Der wichtigste Tipp hat nichts mit dem Arbeitgeber zu tun. Egal, ob Benching vorliegt oder welche Erfahrungen Sie machen: Solange Sie keinen Arbeitsvertrag unterschrieben haben, sollten Sie sich immer weiter bewerben. Zwar gilt auch eine mündliche Jobzusage. Die ist aber im Zweifelsfall schwer nachweisbar. Daher: Unbedingt weitermachen!

Achso: Bleibt es auch bei wiederholten Nachfragen Ihrerseits beim unverbindlichen Wischiwaschi, sollten Sie Konsequenzen ziehen. Wollen Sie nach diesen Erfahrungen wirklich für einen Laden arbeiten, der so mit Ihnen umgeht? Eben.

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[Bildnachweis: ClassicVector by Shutterstock.com]

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