Bewerbung 50+: Tipps zu Jobsuche & Karriere im Alter

Die Gründe, warum Sie eine Bewerbung mit 50+ schreiben wollen (oder müssen), können unterschiedlich sein. Die Herausforderung bleibt dieselbe: Die meisten Arbeitnehmer erreichen zwar zwischen Mitte 30 und Mitte 40 den Höhepunkt ihrer Karriere. Das bedeutet aber nicht, dass Sie sich ab 50 nicht noch einmal beruflichen neuorientieren, verändern und durchstarten könnten. Sie können!

Da Sie neben Ihren Qualifikationen zahlreiche wertvolle Erfahrungen mitbringen, sind Sie auch noch viele Jahre einsetzbar. Ab 50 sind es allein rechnerisch noch 17 Jahre bis zur Rente. In 17 Jahren lässt sich einiges erreichen. Nicht wenige erfinden sich dabei komplett neu. Wir zeigen Ihnen, wie die professionelle Bewerbung mit 50+ optimal funktioniert und was Sie dabei beachten müssen…

Bewerbung 50+: Tipps zu Jobsuche & Karriere im Alter

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Bewerbung im Alter: Vorteile und Vorurteile

Ja, es gibt sie nach wie vor – die Altersdiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt. Den größten Fehler, den Sie bei einem Jobwechsel mit 50 und der Bewerbung mit 50+ machen können, ist aber, zu denken, Sie hätten keine Chancen mehr. Die Bewerbung im Alter wird nicht einfacher, ja. Chancenlos ist sie aber nicht. Zumal immer mehr Unternehmen – aus demografischen oder Diversity-Gründen – auf gemischte Teams aus „Young Professionals“ und „Best Agern“ setzen. Nutzen Sie also Ihre spezifischen Vorteile und spielen Sie Ihre spezifischen Trumpfkarten bei der Bewerbung mit 50+ clever aus.

Vorteile der Bewerbung mit 50+

Schon der demografische Wandel und der Fachkräftemangel sorgen dafür, dass Unternehmen nicht allein auf junge Arbeitskräfte setzen können. Hinzu kommen weitere Vorteile, die Bewerber mit 50+ subtil erwähnen, sich aber mindestens bewusst machen sollten:

  • Erfahrung: Wer älter wird, dem baut der Geist Brücken statt Krücken: Als Best Ager können Sie mit mehr als 50 Jahren auf rund 30 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. Eine stolze Leistung. Das bedeutet schließlich, dass Sie wissen, welche kritischen Probleme im Job auftreten können und wie man sie (nicht) löst. Das macht Sie gelassener und stressresistenter. Überdies sind Sie sich Ihrer Stärken und Schwächen bewusst und brauchen keine Einarbeitung.
  • Menschenkenntnis: Wer schon lange mit Chefs, Kollegen und Kunden zu tun hatte, verfügt über ausgeprägte Soft Skills. Dazu gehören Kompetenzen wie Empathie, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit. Gerade die verträglicheren Sozialkompetenzen haben Ältere vielen Jüngeren voraus.
  • Ausdrucksvielfalt: Wer im Berufsleben schon lange aktiv ist, verfügt in der Regel über einen ausgeprägteren Wortschatz. Sie kennen die Fachbegriffe, haben Zugang zu Synonymen & Antonymen, allgemein nehmen das Sprachvermögen und die Ausdrucksvielfalt zu. Kurz: Sie sind nicht nur wortgewandter als jüngere Bewerber – Sie können sich mit 50+ auch besser verständlich machen oder gar durchsetzen.
  • Konzentration: Zudem nimmt im Alter die Fähigkeit zu, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren und Ablenkungen zu ignorieren. Dies geht Hand in Hand mit der Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
  • Produktivität: Ein Sprichwort sagt: „Neue Besen fegen gut, aber die alten kennen die Ecken.“ Bei Bewerbern mit 50+ ist das nicht anders: Sie kennen sich in Ihrem Job bestens aus, sind routiniert, kennen aber auch die Schleichwege und Abkürzungen. Das macht Ihre Arbeitsweise häufig effektiver, effizienter und produktiver. Überdies übernehmen Sie auch bereitwilliger Verantwortung. Noch so ein Pluspunkt.
  • Kombinatorik: Aufgrund Ihres Erfahrungsschatzes können Arbeitnehmer mit 50+ oft wesentlich schneller Zusammenhänge erkennen sowie komplexe Probleme lösen, indem sie diese aus verschiedenen Blinkwinkeln betrachten. In der Fachsprache wird diese Fähigkeit auch „kristalline Intelligenz“ genannt. Die Fähigkeit gespeichertes Know-how zu kombinieren und auf neue Bereiche zu übertragen, nimmt im Alter sogar zu.
  • Loyalität: Ältere Mitarbeiter müssen sich und anderen nichts mehr beweisen. Das macht sie nicht nur extrem fokussiert, sondern auch überaus loyal. So jemand wechselt nicht gleich und wartet auch nicht auf das nächstbessere Angebot. Das führt obendrein zu höherer Zuverlässigkeit.

Vorurteile gegenüber Bewerbern mit 50+

Viele ältere Arbeitnehmer tun sich auf dem Arbeitsmarkt schwer, weil sie gegen hartnäckige Vorurteile und Stereotype ankämpfen müssen, Motto: zu teuer, nicht mehr so flexibel einsetzbar, weniger belastbar und lernfähig, wird öfter krank… Hinzu kommt, dass jede Einstellung für Unternehmen eine Investition darstellt. Wer theoretisch noch zehn oder gar 20 Jahre im Unternehmen bleibt, für den lohnen sich Schulungen und Weiterbildungen mehr als bei jemandem, der seine berufliche Entwicklungen bereits (gedanklich) abgeschlossen hat. Oder Probleme hat, sich auf moderne Arbeitsweisen und Technik einzulassen.

Wer sich mit 50+ bewirbt, sollte sich diese Nachteile daher unbedingt bewusst machen und muss den Stereotypen in der Bewerbung gezielt entgegenwirken. Vor allem diese Punkte sollten in Ihrer Bewerbung mit 50+ daher deutlich werden:

  • Bewerbungskenntnisse: Auch als Best Ager wissen Sie, wie man sich heute bewirbt. Einschlägige Online-Jobbörsen und Stellenportale kennen Sie. Eine Online-Bewerbung beherrschen Sie ebenso wie die E-Mail-Bewerbung.
  • Flexibilität: Trotz Ihres Alters sind Sie flexibel – sowohl räumlich, zeitlich als auch inhaltlich. Zur Not könnten Sie umziehen. Gelegentliche Überstunden machen Ihnen ebenso wenig Probleme wie neue oder wechselnde Einsatzbereiche. Überdies sind Sie nicht an Ferienzeiten oder kranke Kinder gebunden.
  • Gesundheit: Einem Best Ager wird oft unterstellt, mit zunehmendem Alter öfter krank zu werden. Dabei werden Ältere dank moderner Medizin immer fitter. Die Lebenserwartung steigt. Der Gesundheitszustand ist mit Mitte 50 noch top. Bedenken lassen sich durch einen regelmäßigen Checkup zerstreuen.
  • Gehaltsvorstellungen: Sie haben realistische Gehaltsvorstellungen. Heißt: Sie wollen nicht einfach weiterhin verdienen, was Sie sich wünschen, sondern wissen um den korrekten und aktuellen Marktwert. Im Zweifel verdienen Sie auch weniger als zuvor. Alles eine Frage von Angebot und Nachfrage.
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Jobsuche für Bewerber ab 50

Womöglich ist Ihre letzte Bewerbung schon eine Weile her. Entsprechend sollten Sie sich mit den veränderten Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt, aber auch im Bewerbungsprozess vertraut machen. So findet der Großteil der Jobsuche heute im Internet statt. Stellenausschreibungen in Printmedien genießen heute eher Nostalgiewert. Passende Jobangebote finden Sie entweder in Online-Jobbörsen oder – falls vorhanden – direkt auf den Karriereseiten der Zielunternehmen.

Alternative Wege zum neuen Job sind eigene Profile in Business-Netzwerken wie Linkedin oder Xing sowie die sogenannte passive Bewerbung. All diese Kanäle sollten Sie nutzen, um Ihre Bewerbungschancen zu erhöhen.

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Bewerbungsunterlagen: Umfang bei der Bewerbung mit 50+

Aufbau und Umfang der Bewerbung haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Trends und moderne Bewerbungsformen sind hinzu gekommen. Zu sogenannten „vollständigen“ Bewerbungsunterlagen gehören heute mehrere Dokumente und DIN A4 Seiten, allen voran Anschreiben, tabellarischer Lebenslauf und Arbeitszeugnisse. Sie bilden den Kern jeder Bewerbungsmappe, die nach diesem Schema und in dieser Reihenfolge aufgebaut wird:

Bewerbungsunterlagen Muster Aufbau Inhalt Reihenfolge Pdf

Wie viele Seiten maximal?

Auch wenn Sie zahlreiche Berufserfahrungen vorzuweisen haben, sollten Sie Ihre Bewerbung mit 50+ nicht überladen. Mehr als sieben bis zehn DIN A4 Seiten sollte Ihre Bewerbung nicht umfassen.

Pflicht-Bestandteile

➠ Anschreiben (1 DIN A4-Seite)
➠ Lebenslauf (1-3 DIN A4-Seiten)
➠ Arbeitszeugnis(se) (max. 3 Seiten)

Freiwillige Bestandteile

➠ Deckblatt (1 DIN A4-Seite)
➠ Bewerbungsfoto (empfohlen!)
➠ Motivationsschreiben (1 DIN A4-Seite)
➠ Empfehlungsschreiben (max. 3)
➠ Referenzen (max. 3)
➠ Fortbildungen (nur relevante)
➠ Führerschein, Führungszeugnis
➠ Arbeitsproben (falls verlangt)

Bewerbungsvorlagen: 120+ kostenlose Muster

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Bewerbungsschreiben: Struktur und Inhalt

Dem Bewerbungsschreiben kommt bei der Bewerbung mit 50+ besondere Bedeutung zu, weil Sie hier gegen die schon oben angeführten Vorurteile argumentieren können. Strukturell unterscheidet sich der Aufbau des Anschreibens nicht von den üblichen Standards: Neben Kontaktdaten, Empfängeradresse, Datum, Betreff und Anrede besteht das Kernschreiben aus den 4 Elementen: Einleitung, Hauptteil mit Unternehmensbezug und Schlussformulierungen (siehe Grafik).

Bewerbungsschreiben Aufbau Beispiel Einleitung Hauptteil Schluss Grafik

Wichtig ist, dass Sie bereits den Einleitungssatz originell formulieren (niemals: „hiermit bewerbe ich mich auf…“) und möglichst direkt auf den Punkt kommen. Sagen Sie, was Sie an Job und Unternehmen reizt und welchen Mehrwert Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen leisten können. Bei der Bewerbung 50+ sollte nicht Ihr Alter im Vordergrund stehen, sondern vor allem die Stärken und Vorzüge, die Sie dem Arbeitgeber mitbringen.

Schlechte Formulierungen für die Bewerbung mit 50+

Leider werden bei einer Bewerbung 50+ immer wieder Fehler im Anschreiben gemacht. Zu den typischen Formulierungsfehlern gehören die folgenden Beispiele, die vor allem auf einem falschen Blickwinkel basieren:

  • Alter:

    Mit meinen 51 Lebensjahren möchte ich…“

    Ziele zu haben, ist nicht verkehrt. So formuliert wird aber das Alter betont. Dreifach falsch: Erstens, weil Sie so schlafende Hunde wecken; zweitens, weil das Lebensalter kein Qualitätskriterium darstellt; drittens, weil Arbeitgeber nicht die Wohlfahrt sind. Nicht wie Sie sich verwirklichen möchten interessiert, sondern wie das Unternehmen von Ihnen profitiert.

  • Rückschau:

    Ich kann auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken.“

    Auch der Blickwinkel ist falsch: Sie blicken zurück. Personaler aber blicken nach vorne. Sie suchen die künftige Idealbesetzung für die Stelle. Jemand, der deren Herausforderungen meistern kann. Erfahrungen, die Sie in Jahreszahlen messen, sind kein Argument. Betonen Sie lieber relevante (vergangene) Erfolge, die belegen, dass Sie auch die aktuelle Situation meistern können.

  • Lernwille:

    In meiner Laufbahn habe ich meine Lernfähigkeit bewiesen.“

    Achtung Pferdefuß! Sobald ältere Bewerber glauben, ihr Wissen sei veraltet und ihre Qualifikationen nicht ausreichend, weisen sie auf ihre Lernbereitschaft hin. Motto: „Den Job kann ich zwar nicht, aber ich würde es gerne lernen.“ Mit 50+ sollten Sie allein betonen, was Sie wissen und können. Dass Sie auch Neues lernen, ist eine Selbstverständlichkeit und nicht erwähnenswert.

  • Karriereende:

    Zum Ende meiner beruflichen Laufbahn möchte ich noch einmal…“

    Sie ahnen es längst: Diese Formulierung ist für die Bewerbung mit 50+ denkbar ungeeignet. Indem Sie das „Ende“ schon aussprechen, provozieren Sie Gedanken an den Ruhestand und „entspanntes“ Arbeiten. Nichts davon wollen Personaler lesen oder hören. Sie stecken bitte noch voller Elan.

  • Unzufriedenheit:

    Jetzt möchte ich noch einmal durchstarten…“

    Klingt nach hoch gekrempelten Ärmeln, Top-Motivation und zweitem Frühling… denken Sie. Ein Irrtum. Tatsächlich drückt eine solche Formulierung aus, dass Sie mit der bisherigen Entwicklung unzufrieden waren. Natürlich ist Ihre Motivation im Anschreiben wichtig. Die aber sollte sich darauf konzentrieren, im Job zu brillieren. Lösen Sie die Probleme des Personalers, nicht eigene.

Gute Formulierungen für die Bewerbung mit 50+

Verwenden Sie stattdessen Formulierungen, die Ihre Stärken, Erfahrungen und oben erwähnten Vorteile in den Vordergrund Ihrer Bewerbung stellen. Beispiele dazu sind:


➠ Als Projektleiter und verantwortliche Fachkraft im Bereich _________ konnte ich die Kosten in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich um acht Prozent senken.

➠ Während der vergangene drei Jahre habe ich an zahlreichen Weiterbildungen im Bereich _________ und _________ teilgenommen und das Wissen in meiner Tätigkeit als _________ bei der Muster GmbH sofort umgesetzt, indem ich…

➠ Als versierter Mitarbeiter im Bereich _________ verfüge ich über langjährige Erfahrungen im sicheren Umgang mit _________. Das ermöglicht mir, mich ohne lange Einarbeitung sofort in die komplexen Herausforderungen der Stelle einzufinden und an entsprechenden Lösungen zu arbeiten.

➠ Bei meinem jüngsten Projekt „_________“ konnte ich bereits auf mein umfangreiches Netzwerk zurückgreifen und die komplexe Aufgabenstellung mithilfe meines motivierten und gut organisierten Teams binnen __ Tagen bewältigen. Dabei haben mir auch meine vielfältigen Führungserfahrungen geholfen.

➠ Gerne unterstütze ich Ihr renommiertes Team bei der Herausforderung, _________ zu realisieren. Dabei macht es mir nichts aus, auch mal länger zu arbeiten oder an unterschiedlichen Standorten. In mir finden Sie einen ebenso motivierten wie agilen und flexiblen Mitarbeiter.

Was muss ich bei einer Initiativbewerbung beachten?

Bei der Initiativbewerbung handelt es sich um eine Bewerbung ohne konkretes Stellenangebot. Sie antworten also nicht auf eine Stellenanzeige und schicken Ihre Unterlagen ohne vorherige Aufforderung. Dennoch sollten Sie vorab einen Ansprechpartner recherchieren und im Anschreiben adressieren. Die allgemeine Anrede-Formel „Sehr geehrte Damen und Herren“ ist ungeeignet.

Um in der Initiativbewerbung zu überzeugen, sollten Sie ein fiktives Anforderungsprofil für Ihren Wunschjob entwickeln, das Sie selbst optimal erfüllen. Sie punkten darin vor allem mit Ihrer Persönlichkeit, Ihrem Einsatzwillen und dem Interesse, für dieses Unternehmen arbeiten zu wollen. Selbst wenn die Stelle nicht frei ist, könnte man Sie dennoch einladen und Ihnen einen anderen Job anbieten – einen, der ebenfalls nicht ausgeschrieben ist. Die Initiativbewerbung enthält – wie die Bewerbung 50+ – mindestens ein Bewerbungsschreiben und einen Lebenslauf. Manchmal auch ein Motivationsschreiben und Arbeitszeugnisse.

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Lebenslauf mit 50+: Aufbau und Inhalt

Bei älteren Bewerbern kann der Lebenslauf schnell sehr lang und umfangreich werden. Erst recht, wenn Sie in dieser Zeit einige Jobwechsel vollzogen haben. Da der Lebenslauf aber auch bei der Bewerbung 50+ den Umfang von maximal drei (besser zwei) DIN A4 Seiten nicht überschreiten darf, müssen Sie kürzen. Zwar muss der Lebenslauf lückenlos bleiben. Das bedeuten nicht, dass Sie alle Positionen und Abschnitte gleich ausführlich beschreiben müssen.

Der Trick ist, jeden Lebenslauf für die jeweilige Stelle, auf die Sie sich bewerben, individuell anzupassen. Hinein kommt und ausführlich erwähnt wird nur, was für den Job relevant ist. Also nur solche Tätigkeiten und Kenntnisse, die Ihre Eignung und Mehrwert belegen. Werdegang-Stationen, die mehr als 20 Jahre zurückliegen, interessieren keinen Personaler mehr.

Aufgebaut wird der tabellarische Lebenslauf klassisch nach diesem Muster:

Lebenslauf Aufbau Grafik

Das Bewerbungsfoto ist zwar heute kein Pflichtbestandteil im Lebenslauf mehr. Wir empfehlen es aber trotzdem, denn es bietet Ihnen Chancen. Sie sollten das Bewerbungsbild unbedingt von einem professionellen Fotografen machen lassen (keine Passbilder!) und zugleich darauf achten, dass Sie darauf ebenso frisch wie modern aussehen. Kleidung, Hintergrund, Gesichtsausdruck, Lächeln – all das kann auf subtile Weise unterstreichen, dass Sie innerlich wie äußerlich jung geblieben sind.

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Wie weit muss der Lebenslauf zurückgehen?

Der „Berufliche Werdegang“ sollte unbedingt lückenlos sein. Den Abschnitt „Ausbildung“ können Sie dafür kürzer fassen. Nennen Sie dort lediglich den höchsten Bildungsabschluss (Studium oder Ausbildung) mit maximal drei Zeilen. Die Schulbildung interessiert dagegen bei einer Fachkraft oder Führungskraft jenseits der 50 niemanden mehr. Dass Sie Abitur haben, ergibt sich aus dem Studienabschluss. Dass Sie in der Grundschule waren ist ebenso offensichtlich.

Auch Fortbildungen die länger als zehn Jahre zurückreichen sollten nicht mehr erwähnt werden. Es sei denn die Erkenntnisse daraus haben nichts an Aktualität eingebüßt und sind für den avisierten Job von besonderer Relevanz. Ansonsten: weglassen! Unnötiger Leseballast!

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Welche Zeugnisse bei Bewerbung ab 50?

Auch in die Bewerbung 50+ kommen nicht mehr als maximal drei Arbeitszeugnisse, um den Umfang nicht zu sprengen. Und zwar ausschließlich die Zeugnisse der jüngsten drei Positionen, in denen Sie beschäftigt waren. Hierbei interessiert Personaler zum Einen die Bewertung der Leistungen, Erfolge und des Sozialverhaltens im qualifizierten Arbeitszeugnis. Zum Anderen wollen sie sehen, ob es innerhalb der drei letzten Stellen eine (positive) Entwicklung gab und sich zum Beispiel die Benotung verbessert hat.

Falls die Personalentscheider auch die anderen Zeugnisse interessieren, werden sie entweder nachfragen oder Sie bitten, diese zum Vorstellungsgespräch mitzubringen.

Versand: Bewerbungsmappe oder E-Mail-Bewerbung?

Es kommt ein bisschen darauf an, bei wem Sie sich bewerben. Traditionelle und kleine mittelständische Unternehmen bevorzugen noch immer die Bewerbung auf Papier. Diese sollte natürlich auf hochwertigem 100-Gramm-Papier und in einer edlen Mappe aus Karton verschickt werden. Sie dokumentieren so unterschwellig auch den eigenen Wert.

Moderner ist hingegen die digitale Bewerbung per Online-Formular oder E-Mail. Welchen Weg sie dabei auch wählen: Achten Sie darauf, eine seriöse Absenderadresse zu nennen (gut: Max@mustermann.de; schlecht: deraltefritz@privider.de) und im Betreff deutlich zu machen, dass es sich um eine „Bewerbung“ handelt. Der Text in der E-Mail selbst sollte so knapp und aussagekräftig wie möglich ausfallen. Dafür werden alle angefügten Anlagen zuvor in EINEM PDF-Dokument zusammengefasst.

Häufige Fehler bei der Bewerbung 50+

Das vermeintliche Manko des Alters beginnt im Kopf. Viele ältere Bewerber, die vielleicht auch schon ein paar Absagen kassiert haben, rücken ihr Lebensalter in den Mittelpunkt: Es wird zur Entschuldigung und Rechtfertigung für die stockende Karriere. Effekt: Sie bestätigen die herrschenden Vorurteile statt sie zu entkräften. Weitere Fehler, die bei der Bewerbung 50+ immer wieder gemacht werden:

  • Starre Vorstellungen: Sicher, ein Neustart bei einem anderen Arbeitgeber nach vielen Jahren, ist nicht leicht. Erfahrene Mitarbeiter tun sich schwer damit, die einher gehenden Veränderungen zu akzeptieren. Sie haben zu konkrete Vorstellungen davon, wie der neue Job aussehen muss – und schränken sich dabei selbst ein. Der Tunnelblick aber macht die Jobsuche schwierig.
  • Keine Anpassung: Manch ältere Bewerber ignorieren neue Trends und Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, bilden sich nicht weiter oder versenden Bewerbungsunterlagen, die schlichtweg nicht mehr zeitgemäß sind. Klar, dass diese aussortiert werden.
  • Fehlende Motivation: Bewerber 50+ haben zuweilen das Gefühl, sich durch ihre Fähigkeiten abheben zu müssen. In der Bewerbung wird deshalb lang und breit auf bisherige Hard Skills eingegangen. Diese Qualifikationen sind vielleicht nützlich, aber für den neuen Job weniger relevant. Bei der Bewerbung mit 50+ sollten Sie daher allein darauf konzentrieren, was für die Zielposition wichtig ist. Nur Relevantes (und möglichst Aktuelles) gehört in die Bewerbung.

Kurzum: Bringen Sie nicht nur Ihre Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand, sondern auch sich selbst. Besuchen Sie Seminare und Webinare, bilden Sie sich permanent weiter und thematisieren Sie keinesfalls Ihr Alter. Das ist erst dann ein Handicap, wenn Sie es dazu machen. Rechnen Sie überdies mit Absagen – die bekommen jüngere Bewerber auch zuhauf. Das Wichtigste ist dann: dranbleiben, weitermachen und eine positive Attitüde beibehalten. Erfolg beginnt im Kopf.

Wir wünschen viel Erfolg bei der Bewerbung 50+!

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

Weiterführende Quellen und Ratgeber

Tipps zur Bewerbung
Bewerbungsvorlagen
11 Bewerbungsformen
ABC der Bewerbungstipps
Bewerbungsmappe
Bewerbungsfoto
Deckblatt
Kurzprofil

Tipps zum Lebenslauf
Tabellarischer Lebenslauf
Lebenslauf Vorlagen
Praktika im Lebenslauf
Hobbys im Lebenslauf
Arbeitslosigkeit im Lebenslauf
Lücken im Lebenslauf

Tipps zum Anschreiben
Bewerbungsschreiben
Einleitungssatz im Anschreiben
Schlusssatz im Anschreiben
Interessen im Anschreiben
Stärken im Anschreiben
Anlagenverzeichnis

Tipps zum Arbeitszeugnis
Arbeitszeugnis bewerten
Geheimcodes im Zeugnis
Zwischenzeugnis
Tätigkeitsbeschreibung
Referenzen & Muster

Besondere Bewerbungen
Initiativbewerbung
Interne Bewerbung
Diskrete Bewerbung
E-Mail-Bewerbung
Online-Bewerbung
Bewerbung als Aushilfe
Bewerbung für Minijobs
Bewerbung nach Kündigung

18. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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