Eine Karriere als Beamter - ist das nicht ein Widerspruch in sich? Aus privatwirtschaftlicher Sicht betrachtet: Ja. Als Beamter reich und berühmt werden wie ein Zuckerberg, Bezos oder Branson - das ist unmöglich. Aber: Die Beamtenlaufbahn bietet nicht nur Sicherheit und gutes Geld. Sie ist auch vielfältiger als gedacht. Und die Karriere als Beamter wird in Zukunft sogar noch deutlich attraktiver...

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Beamter: Was ist das?

Beamter: Was ist das?Beamte sind Staatsdiener. Das ist die einfache Definition.

Etwas präziser formuliert: Beamte sind Personen, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienst­ver­hält­nis mit dem Bun­d, einem Bundesland, einer Ge­mein­de oder sonstigen Kör­per­schaf­t des öffentlichen Rechts stehen.

Das Bundesbeamtengesetz definiert den Begriff so:

Beamtinnen und Beamte stehen zu ihrem Dienstherrn in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis.

Beamte nehmen hoheitsrechtliche Aufgaben wahr und müssen Gewähr dafür bieten, "jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes einzutreten."

Laut Statischem Bundesamt gibt es derzeit rund 1,8 Millionen Beamte in Deutschland. Dazu zählen etwa Lehrer und Polizisten, auch Beamte im Justizvollzug oder der Finanzverwaltung. Aber: Nicht jeder Angehörige dieser Berufsgruppen ist automatisch ein Beamter. Beispiel Lehrer: Längst nicht jeder wird verbeamtet. Die Rahmenbedingungen - Alter und Bundesland inklusive - entscheiden.

Ohnehin besteht der öffentliche Dienst aus vielen Teilbereichen, in denen vorrangig Angestellte beschäftigt sind, sei es die Wasserversorgung, Krankenhäuser oder die Müllabfuhr.

Karriere als Beamter: Ja oder nein?

Kurze Antwort: Ja! So jedenfalls antworten verblüffend viele Akademiker. Jeder dritte Student würde laut Umfrage von Ernst & Young am liebsten Beamter werden.

Hauptgrund: die große Jobsicherheit. "Sicherheit ist für die Studenten von heute besonders wichtig – und die erwarten sie vor allem bei Vater Staat", sagt Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der Geschäftsführung bei EY. Vor allem Juristen und Geisteswissenschaftler zieht es zum Staat, Frauen noch mehr als Männer.

Und auch die Zukunftsperspektiven sind erstaunlich gut. So werden im Jahr 2030 nach Berechnungen von PricewaterhouseCoopers im öffentlichen Dienst 816.000 Stellen mangels geeigneter Bewerber nicht besetzt werden können. Alleine 194.000 Lehrkräfte werden dann fehlen.

"Damit ist dieser Sektor die Branche mit dem größten absoluten Mangel", sagt Peter Detemple, Partner und Experte für den Bereich Öffentlicher Sektor bei PWC. Grund: "Gerade ambitionierte Studenten und Führungskräfte vermissen Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten und gehen lieber in die freie Wirtschaft." Seiner Meinung nach ist das eine Fehleinschätzung: "Den meisten ist nicht bewusst, wie vielfältig die beruflichen Möglichkeiten sind, die der öffentliche Dienst bietet."

Besonders gut sind die Karrierechancen angesichts des bevorstehenden Nachwuchsmangels laut PWC für...

  • Lehrer
  • Verwaltungsfachkräfte
  • IT-Fachkräfte
  • Ingenieure
  • Mediziner
  • Naturwissenschaftler
  • Leitungs- und Assistenzkräfte

Speziell für studierte Betriebswirte, Sozialwissenschaftler, Lehrkräfte und Juristen sieht PWC gute Perspektiven. Daneben bleibt auch der Bedarf an Nicht-Akademikern im öffentlichen Dienst groß. Zum Beispiel an Polizisten.

Wie werde ich Beamter?

Im digitalen Zeitalter steigen die Anforderungen an die Mitarbeiter. Das gilt grundsätzlich auch für Beamte. Den einfachen Dienst gibt es in seiner ursprünglichen Form auch gar nicht mehr. In diese Kategorie fielen früher Postboten, Schaffner oder Busfahrer.

Für eine Karriere als Beamter im höheren Dienst ist ein Master-Abschluss oder eine vergleichbare Qualifikation notwendig. Für Juristen wäre das das zweite Staatsexamen.

Nach dem Studium bewirbt man sich beispielsweise als Verwaltungsbetriebswirt im Innenministerium eines Bundeslandes und wird zunächst auf Probe verbeamtet. Am Ende winkt der Aufstieg in die attraktive Besoldungsstufe B. Ein Sprungbrett ist die Verwaltungshochschule in Speyer. Hier haben viele Beamte studiert, die heute in den obersten Bundesbehörden Spitzenpositionen bekleiden.

Auch Weiterbildungen spielen im Beamtenleben eine große Rolle. So können sich Beamte im mittleren und gehobenen Dienst für den Höheren Dienst empfehlen - wenn sie die notwendigen Zusatzqualifikationen sammeln.

Auch Quereinstiege sind möglich, aber oft schwierig. Manchmal sind die Kriterien für die Anerkennung von Abschlüssen ein Problem - genauso wie die Altersgrenzen für Verbeamtung.

Karriere als Beamter: Vorteile

  • Versorgung

    Als Beamter erhält man kein Gehalt, sondern eine Besoldung. "Bei einfachen und mittleren Tätigkeiten liegt das Gehaltsniveau derzeit deutlich über dem der Beschäftigten insgesamt", sagt Peter Detemple von PWC. "Doch ausgerechnet Spezialisten und Führungskräfte, die in Zukunft fehlen, sind im Vergleich zur Privatwirtschaft einkommensmäßig heute schon benachteiligt."

    Das vielleicht noch bessere Argument pro Beamtenlaufbahn ist die "Versorgungszusage", die man von seinem öffentlichen Dienstherrn erhält. Dieser muss den Staatsdienern im Alter eine angemessene Alimentation gewähren. Bedeutet konkret: Die Pension von Beamten liegt deutlich über dem Rentenniveau von Angestellten - Beamte haben maximale Planungssicherheit bis ins hohe Alter. Und Beamte leben sogar länger als Normalsterbliche...

    Und noch ein Punkt, den man zu den Vorteilen zählen darf: Gehaltsverhandlungen entfallen für Beamte komplett (bzw. sie werden auf höherer Ebene ausgetragen). Kein Beamter muss sich eine Strategie für die Vertragsverhandlung zurechtlegen. Gehaltserhöhung vorprogrammiert.


  • Sicherheit

    Ein Beamter hat größtmögliche Sicherheit, muss Wirtschaftskrisen oder die Automatisierung nicht fürchten. Der Volksmund weiß: Beamte sind unkündbar.

    Völlige Narrenfreiheit aber haben auch sie nicht. Zunächst muss ein Beamter die Probezeit von mindestens drei Jahren überstehen, bevor er auf Lebenszeit verbeamtet wird. Auch kann die Ernennung laut Bundesbeamtengesetz nachträglich zurückgenommen werden, wenn sie "durch Zwang, arglistige Täuschung oder Bestechung herbeigeführt wurde." Oder wenn "dem Dienstherrn nicht bekannt war, dass die ernannte Person wegen einer Straftat rechtskräftig verurteilt ist und deswegen für die Berufung in das Beamtenverhältnis als unwürdig erscheint." Und: Bei schweren Verfehlungen können Beamte beurlaubt oder vorzeitig in den Ruhestand geschickt werden.


  • Familienfreundlichkeit

    In einigen Berufen ist die Work-Life-Balance gewissermaßen mit eingebaut. Klassisches Beispiel: der Lehrer, der einen Großteil seiner Zeit zuhause - in Eigenverantwortung - ableistet.

    Zudem erlaubt das Beamtenrecht längere Auszeiten, die nicht automatisch zu beruflichen Nachteilen führen. Und noch ein Bonus: Mit Familie gibt es für Beamte sogar mehr Geld in Form eines Familienzuschlags - in der Privatwirtschaft undenkbar.


  • Relevanz

    Die deutsche Bürokratie bietet viel Angriffsfläche. Sie sei ausufernd und unbeweglich, heißt es oft. Was gerne vergessen wird: Ein funktionierende Bürokratie ist das Wesensmerkmal eines funktionierenden Staates. Bürokratie und Verwaltung gewährleisten - so ihr Auftrag - Sicherheit und Versorgung. Ohne fähige Mitarbeiter unmöglich.

    Beamte haben also eine gesellschaftlich relevante Aufgabe. Sie sind für das Gemeinwohl wichtig. Und dafür sie werden deutlich besser bezahlt als die Mitarbeiter von NGOs und gemeinnützigen Organisationen...


Karriere als Beamter: Nachteile

  • Psychische Belastung

    Beamte fehlen häufiger als Angestellte. Während die Abwesenheitsquote der unmittelbaren Bundesverwaltung im Jahr 2014 bei 6,2 Prozent lag, ermittelte die AOK in ihrem Fehlzeiten-Report für ihre Versicherten einen Schnitt von 5,2 Prozent. Spötter würden sagen: Beamte haben ja auch nichts zu befürchten, wenn sie nicht arbeiten.

    Aber tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, aus psychischen Gründen arbeitsunfähig zu werden, für Beamte erhöht. Sie scheiden deutlich häufiger wegen Dienstunfähigkeit aus dem Dienst aus als andere Berufstätige. Auf Wertschätzung, ein angenehmes Arbeitsklima, eine befriedigende Arbeit und Spaß an der Sache deutet das jedenfalls nicht hin.


  • Fehlerkultur

    Aus Fehlern lernt man. Als Beamter aber versucht man, sie tunlichst zu vermeiden. "Gerade das Thema Fehlerkultur ist in vielen öffentlichen Verwaltungen ausbaufähig", schreibt PWC in seiner Analyse.

    Angst vor Fehlern und möglichen rechtlichen Konsequenzen führe in der Regel zu besonders defensivem und damit wenig innovativem Verhalten. Darunter leiden Eigenschaften, die in anderen Branchen unabdingbar sind: Kreativität und Risikobereitschaft etwa. Auch die starren Hierarchien tragen ihren Teil dazu bei.

    Beamte sind damit das Gegenstück zu Startup-Mitarbeitern. Die einen müssen experimentieren und ausprobieren, die anderen sollten es schön sein lassen. Die einen haben große Sicherheit, die anderen maximale Unsicherheit. Die einen können ganz groß rauskommen, die anderen niemals. Die einen werden gut bezahlt, die anderen weniger. Sie entscheiden, was Ihnen besser gefällt...


  • Image

    In der jährlichen Image-Umfrage des Beamtenbundes DBB landet der Beamte nur auf Rang 23 von 31 untersuchten Berufsgruppen. Er ist relevant, gut bezahlt, hoch gebildet - aber die Mehrheit der Bevölkerung hält dennoch nicht allzu viel von ihm.

    Was die anderen denken, kann Ihnen prinzipiell egal sein. Wenn Sie aber auf der Cocktail-Party mit Ihrem Job prahlen wollen, dann sollten Sie kein Beamter werden...

[Bildnachweis: Micolas by shutterstock.com]

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