Lobbyist: Was verbirgt sich dahinter?

Die Arbeit als Lobbyist ist mit regelmäßiger, teils harter Kritik und einem grundsätzlich schlechten Ruf verbunden. Lobbyismus ist ein Bereich, bei dem viele fast schon angewidert die Nase rümpfen, mit Anschuldigungen um sich werfen und alle Beteiligten verteufeln. Keine leichte Branche und wer darin involviert ist, braucht zuweilen ein dickes Fell. Dennoch arbeiten hunderte und tausende Lobbyisten an allen Standorten, wo politische Entscheidungen getroffen werden. Aber was genau macht ein Lobbyist eigentlich, um sich den Hass so vieler Menschen zu verdienen? Oder ist es am Ende nur eine Tätigkeit, die in einem völlig falschen Licht steht? Wir erklären, was ein Lobbyist bei seiner Arbeit macht und woher die vielen negativen Vorurteile kommen…

Lobbyist: Was verbirgt sich dahinter?

Was macht ein Lobbyist?

Der Begriff des Lobbyismus zeigt noch heute, woher die Praxis ursprünglich kommt und wie in etwa diese aussieht. Abgeleitet wird er tatsächlich vom Begriff Lobby, also der Vorhalle von Gebäuden, wie man es etwa aus Hotels oder eben auch aus Parlamentsgebäuden und Kongressen kennt. Genau dort gingen auch die ersten Lobbyisten ihrer Arbeit nach: Sie passten Politiker und Entscheidungsträger ab und versuchen diese dazu zu bewegen, bei der Gesetzgebung die eigenen Interessen (oder die, die der Lobbyist vertrat) nicht zu vergessen.

Auf diesen Anfängen hat sich die Arbeit der Lobbyisten weiterentwickelt, die Grundidee ist allerdings immer noch gleich. Ein Lobbyist ist ein Interessensvertreter, gerne auch als Politikberater genannt. Sie können die unterschiedlichsten Gruppen vertreten und versuchen dabei, deren Anliegen vorzubringen und im besten Fall dafür zu sorgen, dass am Ende bei einem Entschluss – meist in Form einer Rechtsprechung oder eines neuen Gesetzes – eine zufriedenstellende Lösung herauskommt.

In erster Linie setzt ein Lobbyist dabei auf Informationen. Er ist ein Experte in seinem Bereich, verfügt über großes Wissen und kann so als Berater in schwierigen Fragen aktiv werden. Politiker werden zum Beispiel darüber informiert, welche Auswirkungen unterschiedliche Entscheidungen haben könnten und wie diese sich auf Wirtschaftszweige oder Personengruppen auswirken könnten.

Ein Lobbyist arbeitet aber auch in die andere Richtung. Für seine Klienten und Auftraggeber versucht er so früh wie möglich über die Planung neuer Gesetze informiert zu sein. So haben Unternehmen oder andere Interessensgruppen die Möglichkeit, darauf zu reagieren und Ihre Meinungen zum Thema, aber natürlich auch persönliche Interessen einzubringen.

Lobbyist: Wie wird man das?

Lobbyist Defintion Bedeutung Synonym Was macht ein LobbyistLobbyarbeit klingt spannend und Sie können sich vorstellen, selbst als Lobbyist tätig zu werden? Dann lautet die gute Nachricht: Es gibt keine spezielle Ausbildung, kein Studium oder keine offiziellen Vorgaben, um Lobbyist zu werden. Die schlechte Nachricht ist jedoch, dass es alles andere als leicht ist, für eine Lobby tätig zu werden.

Viele Lobbyisten sind selbst ehemalige Politiker oder zum Teil hochrangige Diplomaten, da diese genau das mitbringen, was es als Lobbyist braucht: Ein riesiges Netzwerk mit möglichst wichtigen Persönlichkeiten. Wer mit dem Gedanken spielt, als Lobbyist zu arbeiten, sollte netzwerken, netzwerken und noch einmal netzwerken.

Besonders nützlich sind dabei natürlich gute Beziehungen innerhalb der Branche und auch in die Politik selbst. Mit einem Minister per Du zu sein oder am Wochenende mit Politikern ein Glas Wein zu trinken schadet einem Lobbyisten nicht bei seiner Arbeit – und auch andere Lobbyisten zu kennen kann einen Einstieg ermöglichen.

Wenn es eine Fähigkeit gibt, die Lobbyisten mitbringen sollten, ist es Überzeugungskraft. Politiker sollen schließlich mit passenden Argumenten überzeugt werden, warum die Interessen unbedingt berücksichtigt werden sollten.

Die gefährliche Macht der Lobbyisten

Die Arbeit von Lobbyisten steht immer wieder in der Kritik. Viele glauben sogar, dass verschiedene Lobbys in einigen Bereichen mehr Einfluss haben als die Politiker selbst. Beeindruckendes und gleichzeitig erschreckendes Beispiel dieser Macht ist die Waffenlobby in den USA. Tausende Menschen sterben dort jedes Jahr durch Waffengebrauch und so wird immer wieder der Ruf nach einer Änderung des Waffengesetzes laut.

Das große Problem dabei: Änderungsvorschläge müssen vom durch den Kongress und genau hier scheitern sie jedes Mal an der Mehrheit der Republikaner. Knackpunkt an der Sache ist die Unterstützung der National Rifle Association (NRA), die eben diesen republikanischen Politikern mit Millionenbeträgen im Wahlkampf hilft. Ein simpler Kausalzusammenhang mit enormen Auswirkungen.

Die Waffenlobby macht einen unvorstellbaren Umsatz, weil es jedem US-Bürger erlaubt ist, eine Waffe zu besitzen. Mit einem Teil dieses Geldes finanzieren Sie den Wahlkampf von Politikern. Wer gegen die Interessen der Lobby stimmt, muss nicht nur andere Finanzquellen auftun, sondern steht vor dem Risiko, dass die Lobbyisten mit ihrem Geld und Einfluss jemand anderen in den Kongress bringen wollen.

Zugespitzt formuliert entscheidet somit die Waffenlobby darüber, wer gewählt wird – und nimmt damit ganz direkt Einfluss darauf, dass es in Amerika auf absehbare Zeit wohl keine Änderung des Waffengesetzes geben wird.

Falsch wäre es zu glauben, so etwas würde es in Deutschland nicht geben. Vor wenigen Jahren wurde eine Liste mit Lobbyisten veröffentlicht, die in Bundestag einen Hausausweis besitzen und damit jederzeit Zugang haben. Darunter sind Interessenvertreter von vielen namhaften Unternehmen, etwa Lufthansa, ThyssenKrupp, RWE, Metro, EON sowie direkte Lobbyverbände, beispielsweise der Verband der Automobilindustrie, das deutsche Atomforum, der deutsche Zigarettenverband und der Bundesverband Investment und Asset Management.

Darum sind Lobbyisten so unbeliebt

Es lässt sich kaum drumherum reden, dass Lobbyisten einen schweren Stand in der Gesellschaft haben. Lobbyarbeit folgt einer nachvollziehbaren Idee, an der im Grunde nichts Verwerfliches ist. Immerhin ist es verständlich und auch gutes Recht, dass Interessensgruppen sich vertreten lassen, und einerseits über die eigenen Ansichten zu informieren und andererseits selbst über die Abläufe informiert zu sein, die das eigene Handeln beeinflussen.

Der schlechte Ruf und die weitreichende Ablehnung gegenüber Lobbyisten kommt aber nicht von ungefähr. Die Linie zwischen Interessen vertreten oder Beratung und direkter Beeinflussung von Politikern ist hauchdünn. Oft lässt sich schlichtweg nicht sagen, ob es sich um Information handelt oder die Lobbyarbeit in Entscheidungen eingreift.

Fehlende Transparenz sorgt nicht gerade für mehr Begeisterung und Loblieder auf Lobbyisten. Diese lassen sich nur ungern in die Karten gucken, was den Eindruck, es würde heimliche Absprachen und Beeinflussungen von Politikern geben, noch weiter bestärkt. Hinzu kommt der Generalverdacht der Bestechung, mit dem jeder Lobbyist konfrontiert wird.

Essen in teuren Restaurants, ein Aufenthalt im Hotel, um an einem Meeting teilzunehmen oder wie im amerikanischen Beispiel natürlich völlig uneigennützige Spenden im Wahlkampf. Natürlich arbeitet wenn überhaupt nur ein sehr kleiner Teil der Lobbyisten mit solchen Methoden, der Verdacht weitet sich jedoch auf die gesamte Branche aus.

Zum Schluss sorgen Lobbyisten ganz direkt mit ihrer Arbeit für die Ablehnung, die sie später ernten. Wer die Interessen einer Gruppe vertritt, macht sich damit nicht nur Freunde. Oder anders ausgedrückt: Die Interessen einer kleineren Gruppe steht in vielen Fällen entgegen den Interessen einer anderen, vielleicht deutlich größeren Gruppe. Die Beeinflussung durch Lobbyisten ist also nicht zum Wohle aller, sondern nur einiger.

Am Ende wird so nicht die richtige Entscheidung getroffen, sondern genau die, die vom Lobbyisten und seinen Auftraggebern gewollt ist. Alle anderen fühlen sich betrogen.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
13. Juni 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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