Heilpraktiker: Ausbildung, Gehalt, Karriere, Bewerbung

Das Berufsbild Heilpraktiker wird häufig als unseriös betrachtet. Völlig zu unrecht. Das Jobprofil gehört zu den geschützten Berufen in Deutschland, das nur von speziell ausgebildeten Personen ausgeübt werden darf, die nach dem Heilpraktikergesetz praktizieren. Und es bietet einen vielseitigen Arbeitsalltag. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen Ergänzungen und Alternativen zur Schulmedizin suchen, besitzen Heilpraktiker zudem exzellente Berufsaussichten.

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Heilpraktiker: Ausbildung, Gehalt, Karriere, Bewerbung

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Ausbildung: Wie wird man Heilpraktiker?

Auf den ersten Blick erscheint die Voraussetzung, um als Heilpraktiker arbeiten zu dürfen, relativ einfach: man muss lediglich eine Heilpraktiker-Erlaubnis erhalten. Diese wird jedoch erst nach einer ausführlichen schriftlichen und mündlichen Prüfung durch das regionale Gesundheitsamt ausgestellt.

Um zur Prüfung zugelassen zu werden, müssen vier Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Antragsteller muss die gesundheitliche und geistige Eignung für die Berufsausübung besitzen, was per ärztlichem Attest nachzuweisen ist.
  • Der Antragsteller muss mindestens 25 Jahre als sein.
  • Der Antragsteller muss mindestens einen Hauptschulabschluss nachweisen.
  • Der Antragsteller muss ein unvorbelastetes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Um die Prüfung zu bestehen, ist es ratsam, sich entsprechend professionell vorzubereiten. Manche versuchen dies per Selbststudium – die Erfolgschancen sind jedoch in diesem Fall relativ gering.

Vielmehr empfiehlt sich der Besuch einer kostenpflichtigen Heilpraktikerschule. Diese bieten verschiedene Möglichkeiten an, die Ausbildung zu absolvieren:

  • Berufsbegleitende Teilzeit-Ausbildungen: Dauer bis zu 16 Monate
  • Fernstudiengänge: Dauer zwischen zwölf und 30 Monate
  • Vollzeit-Lehrgänge: Dauer zwischen vier und acht Monate

Egal, welche Variante die angehenden Heilpraktiker wählen, die Inhalte sind identisch:

  • Allgemeine Krankheitslehre
  • Berufs- und Gesetzeskunde
  • Anwendung, Wirkung, Grenzen, Gefahren von diagnostischen und therapeutischen Naturheilkunde-Maßnahmen
  • Erkennung und Erstversorgung akuter Notfälle sowie lebensbedrohlicher Zustände
  • Klinische Befunderhebung
  • Praxishygiene, Desinfektion, Sterilisation
  • Menschliche Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie
  • Injektion, Blutabnahme
  • Analyse und Deutung von Laborwerten
  • Pathologie, Psychopathologie

Darüber hinaus erlernen die Auszubildenden unterschiedliche Therapiemethoden und deren praktische Anwendung. Diese sind im einzelnen:

  • Traditionelle Chinesische Medizin
  • Chiropraktik
  • Homöopathie
  • Massagen
  • Kinesiologie
  • Osteopathie
  • Akupunktur
  • Hypnose
  • Autogenes Training
  • Phytotherapie
  • Bioenergetik
  • Ayurveda
  • Atemtherapie
  • Ernährungsberatung
  • Aromatherapie
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Berufsbild: Was macht ein Heilpraktiker?

Heilpraktiker sehen sich trotz ihrer fachlich fundierten Ausbildung und ihres breiten Wissensspektrums noch immer etlichen Vorurteilen ausgesetzt. Das Berufsbild wird häufig abschätzig als Quacksalbertum abgetan, das mit Zuckerkügelchen ausschließlich auf den Placebo-Effekt zum Kurieren von ernstzunehmenden Krankheiten setzt.

Dabei macht die Verschreibung dieser Globuli nur einen kleinen Teil der möglichen Behandlungsmethoden von Heilpraktikern aus. Hinter dem Berufsbild steckt deutlich mehr, als gemeinhin vermutet wird.

Zwar wird kein seriöser Heilpraktiker behaupten, einzig durch seine Therapie schwerwiegende Krankheiten, wie zum Beispiel Krebs, heilen zu können, jedoch ist es möglich, Nebenwirkungen von schulmedizinischer Behandlung mitunter deutlich abzumildern. Zudem können die Heilkundeverfahren im Bereich von Allergien oder beispielsweise Rücken- beziehungsweise Gelenkbeschwerden durchaus beachtliche Erfolge vorweisen.

Heilpraktiker verfolgen grundsätzlich einen ganzheitlichen Ansatz. Dies bedeutet, dass sie den Körper und das Mentale als Einheit betrachten. Damit sehen sie sich im Gegensatz zu den meisten Schulmedizinern, die sich in ihrer Behandlung lediglich auf die betroffenen Körperteile konzentrieren.

So sehen Heilpraktiker ihre vornehmliche Aufgabe darin, die Ursachen für die Erkrankungen ihrer Patienten, die sie mit körperlichen oder seelischen Leiden aufsuchen, zu erkennen und zu therapieren.

Daher wird in der Erstanamnese zunächst jeder Patient gründlich befragt. Neben seinen reinen Beschwerden geht es dabei insbesondere um die persönlichen Lebensumstände.

Im Anschluss daran erfolgt eine Erstuntersuchung, bei denen unterschiedliche Diagnoseverfahren angewandt werden, wie zum Beispiel das Abklopfen, das Abhören, die Zungendiagnostik, die Irisbetrachtung, sowie Blut- und Harnuntersuchungen.

Erst dann entscheidet der Heilpraktiker gemeinsam mit dem Patienten, welche Behandlung sinnvoll erscheint und letztendlich eingeleitet wird. Dabei kommen vornehmlich alternative Heilkundeverfahren zum Einsatz, die sich stark von denen der Schulmediziner unterscheiden. Folgende Behandlungsmethoden sind dabei möglich:

  • Akupunktur
  • Chiropraktik
  • Physiotherapie
  • Homöopathie
  • Bioresonanztherapie
  • Spagyrik
  • Blutegelbehandlung
  • Kinesiologie
  • Aromatherapie
  • Phytotherapie
  • Ausleitende Verfahren

Da viele Heilpraktiker eine eigene Praxis betreiben, fallen außerdem im Arbeitsalltag organisatorische und verwaltungstechnische Aufgaben an, wie die Dokumentation der Behandlungsabläufe, die Buchhaltung und das Erstellen von Honorarrechnungen. Aus diesem Grund ist die Arbeitsbelastung nur schwer messbar und hängt stark von der Auslastung der Praxis ab.

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Gehalt: Was verdient ein Heilpraktiker?

Eine Angabe des Gehaltsspiegels ist in der Regel relativ schwierig, da die meisten Heilpraktiker selbstständig tätig sind und das Einkommen sowohl je nach Monat als auch je nach Region äußerst unterschiedlich sein kann. Außerdem muss man berücksichtigen, wie lange der jeweilige Heilpraktiker am Markt tätig ist und welchen Ruf beziehungsweise welche Stammkundschaft er sich aufgebaut hat.

Trotz all der breiten Schwankungen lässt sich ein Durchschnittseinkommen errechnen, das bei einer Vollzeit-Tätigkeit bei rund 2.700 Euro brutto monatlich liegt. Dabei gibt es Heilpraktiker, die deutlich über 3.000 Euro brutto verdienen und Berufsanfänger, deren Bruttoeinnahmen bei etwa 2.000 Euro oder sogar weniger liegt.

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Karriere: Chancen und Aussichten als Heilpraktiker?

Für Heilpraktiker stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt in der Regel gut. Die Nachfrage nach ihren Diensten lässt die Eröffnung einer eigenen Praxis vielen von ihnen als reizvoll erscheinen.

In einigen Fällen gründen sich auch Gemeinschaftspraxen, bei denen Heilpraktiker mit unterschiedlichen Schwerpunkten oder sogar Heilpraktiker mit Schulmedizinern zusammenarbeiten und sich gegenseitig in ihren Therapie- und Heilmethoden ergänzen.

Daher verfestigen viele Heilpraktiker ihren Ruf als Experten, in dem sie sich mit einer intensiven Fort- und Weiterbildung auf ein Fachgebiet spezialisieren. Diese sind beispielsweise:

  • Homöopathie
  • Schüßler-Therapie
  • Pflanzenheilkunde
  • Naturheilkunde
  • Bachblüten-Therapie
  • Phytotherapie
  • Traditionelle Chinesische Medizin
  • Shiatsu
  • Fußreflexzonentherapie
  • Akupunktur
  • Akupressur
  • Hypnose
Stellenangebote für Heilpraktiker.
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Bewerbung als Heilpraktiker: Tipps, Formulierungen, Vorlage

Angehende Heilpraktiker, die den Sprung in die Selbstständigkeit zunächst scheuen und an der Seite eines erfahrenen Kollegen Berufspraxis sammeln möchten, sollten bei der Bewerbung vor allem ihre persönlichen Fähigkeiten in den Vordergrund stellen. Zum Beispiel:

Muster-Anschreiben-Heilpraktiker-Bewerbung-Vorlage-kostenlos-pdf-wordUm sich für das Berufsbild Heilpraktiker bewerben zu können, haben wir für Sie zudem ein Musteranschreiben verfasst, das Sie sich hier auch gleich bequem als Word-Dokument oder PDF-Datei kostenlos herunterladen und privat nutzen können. Bitte beachten Sie: Unser Anschreiben dient in erster Linie als Vorlage und Formulierungshilfe. Ihre eigene Bewerbung sollten Sie individuell anpassen.

Insbesondere die Soft Skills sollten im Anschreiben der Bewerbung deutlich gemacht werden. Sie lassen sich zum Beispiel folgendermaßen formulieren:

Mein Einfühlungsvermögen, meine Geduld und meine Fähigkeit, gut zuhören zu können, ermöglichen es mir, für jeden Patienten eine individuelle Therapie zu finden.

Mir ist es wichtig, stets mit den Patienten zu einer einvernehmlichen, ganzheitlichen Therapie zu gelangen. Um dies zu gewährleisten und viel Zeit für die Diagnose und das Gespräch zu haben, hilft mir mein exzellentes Zeitmanagement.

[Bildnachweis: Studio 72 by Shutterstock.com]

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Um Ihnen das Schreiben Ihrer Bewerbung zu erleichtern, haben wir für Sie mehr als 120 kostenlose und professionelle Bewerbungsvorlagen von Profis erstellen lassen, die Sie sich jederzeit gratis als WORD-Datei oder PDF herunterladen und privat nutzen können. Darin: Muster für Anschreiben, Lebenslauf und Deckblatt:

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Wichtig bei all diesen Mustern ist, dass Sie diese bitte nochmal individuell anpassen und etwas umgestalten. So bleibt Ihre Bewerbung einzigartig und erfolgreich.

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20. Januar 2020 Tilman Schulze Redakteur Autor: Tilman Schulze

Tilman Schulze, Jahrgang 1973, arbeitet zudem freiberuflich als Kommunikationstrainer, Coach und Mediator in Freiburg und Umgebung. Als Autor einiger Bücher ist er es gewohnt, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen und mit der Sprache zu spielen.


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