Heilpraktiker: Aufgaben, Gehalt, Ausbildung + Bewerbung

Das Berufsbild Heilpraktiker wird häufig als unseriös betrachtet. Völlig zu unrecht. Das Jobprofil gehört zu den geschützten Berufen in Deutschland, das nur von speziell ausgebildeten Personen ausgeübt werden darf, die nach dem Heilpraktikergesetz praktizieren. Und es bietet einen vielseitigen Arbeitsalltag. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen Ergänzungen und Alternativen zur Schulmedizin suchen, besitzen Heilpraktiker zudem exzellente Berufsaussichten. Hier erfahren Sie alles zu Aufgaben, Ausbildung, Gehalt und Bewerbung als Heilpraktiker…

Heilpraktiker: Aufgaben, Gehalt, Ausbildung + Bewerbung

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Heilpraktiker Aufgaben

Mystisches Handauflegen, esoterisches Getue oder andere fragwürdige Praktiken? Solchen Vorurteilen sehen sich Heilpraktiker immer wieder ausgesetzt. Die Arbeit wird sogar abschätzig als Quacksalbertum abgetan, das mit Zuckerkügelchen ausschließlich auf den Placebo-Effekt zum Kurieren von ernstzunehmenden Krankheiten setzt.

Hinter dem Berufsbild Heilpraktiker steckt deutlich mehr. Hauptaufgabe eines Heilpraktikers sind die Analyse von Ursachen einer Erkrankung sowie deren Therapie. Bei einer Erstanamnese werden Patienten befragt, um Symptome und Umstände der Person möglichst genau kennenzulernen. Die anschließende Untersuchung mit – teilweise mit Blut- und Harnuntersuchungen, Abhören, Abklopfen, Zungendiagnostik oder anderen Methoden – hilft bei der Diagnosestellung.

Dabei nutzen Heilpraktiker einen ganzheitlichen Ansatz, der Körper und Seele des Patienten gemeinsam und nicht getrennt voneinander betrachtet. Entsprechend wichtig sind deshalb die Lebensumstände und Einflüsse auf den Patienten. Dies unterscheidet sich grundlegend von den meisten Schulmedizinern. Diese konzentrieren sich bei der Behandlung lediglich auf die betroffenen Körperteile.

Erst nach abschließender Untersuchung und Diagnose entscheidet der Heilpraktiker gemeinsam mit dem Patienten, welche Behandlung sinnvoll ist und letztendlich eingeleitet wird. Dabei kommen alternative Heilkundeverfahren zum Einsatz, die sich stark von denen der Schulmediziner unterscheiden. Folgende Behandlungsmethoden sind dabei möglich und gehören zum Repertoire eines Heilpraktikers:

  • Akupunktur
  • Chiropraktik
  • Physiotherapie
  • Homöopathie
  • Bioresonanztherapie
  • Spagyrik
  • Blutegelbehandlung
  • Kinesiologie
  • Aromatherapie
  • Phytotherapie
  • Ausleitende Verfahren

Zum Arbeitsalltag gehören zudem organisatorische und verwaltungstechnische Aufgaben. Dazu zählen die Dokumentation von Behandlungsabläufen, Buchhaltung oder auch die Erstellung von Honorarrechnungen. Die berufliche Belastung sowie die Work-Life-Balance lassen sich allgemein nur schwer beurteilen. Sie hängen stark von der Auslastung und der Anzahl der Patienten ab.

Die Wirksamkeit von alternativen Verfahren und der Arbeit eines Heilpraktikers sollte dabei nicht klein geredet werden. Es ist zwar nicht nachgewiesen, dass einzig durch die Therapie eines Heilpraktikers schwerwiegende Krankheiten – wie zum Beispiel Krebs – geheilt werden können. Doch ist es möglich, Nebenwirkungen von schulmedizinischer Behandlung mitunter deutlich abzumildern. Zudem können die Heilkundeverfahren im Bereich von Allergien oder beispielsweise Rücken- beziehungsweise Gelenkbeschwerden durchaus beachtliche Erfolge vorweisen.

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Heilpraktiker Ausbildung

Wer in Deutschland als Heilpraktiker arbeiten möchte, braucht eine offizielle Heilpraktiker-Erlaubnis. Diese wird vom regionalen Gesundheitsamt erteilt. Voraussetzung sind ausführliche schriftliche sowie mündliche Prüfungen, die Sie bestehen müssen. Auch um überhaupt zu diesen Prüfungen zugelassen zu werden, müssen bereits einige Punkte erfüllt sein – sonst scheiden Interessenten von Anfang an aus:

  • Der Antragsteller muss die gesundheitliche und geistige Eignung für die Berufsausübung besitzen, was per ärztlichem Attest nachzuweisen ist.
  • Der Antragsteller muss mindestens 25 Jahre als sein.
  • Der Antragsteller muss mindestens einen Hauptschulabschluss nachweisen.
  • Der Antragsteller muss ein unvorbelastetes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Zwar kann unter diesen Bedingungen grundsätzlich jeder die Prüfung ablegen, wollen Sie eine Chance auf den erfolgreichen Abschluss haben, braucht es aber eine gründliche Vorbereitung. Ein Selbststudium ist möglich. Es gibt keine vorgeschriebene Ausbildung oder Kurse, die belegt werden müssen. Die Erfolgschancen sind dabei jedoch deutlich geringer als bei professionell unterstützter Vorbereitung.

Es empfiehlt sich vielmehr der Besuch einer kostenpflichtigen Heilpraktikerschule. Hier werden verschiedene Möglichkeiten und Wege geboten, um das Wissen und die Fähigkeiten zu erlernen, die es im Beruf als Heilpraktiker benötigt. Die verschiedenen Angebote sind:

  • Berufsbegleitende Teilzeit-Ausbildungen: Dauer bis zu 16 Monate
  • Fernstudiengänge: Dauer zwischen zwölf und 30 Monate
  • Vollzeit-Lehrgänge: Dauer zwischen vier und acht Monate

Egal, welche Variante die angehenden Heilpraktiker wählen, die Inhalte sind identisch:

  • Allgemeine Krankheitslehre
  • Berufs- und Gesetzeskunde
  • Anwendung, Wirkung, Grenzen, Gefahren von diagnostischen und therapeutischen Naturheilkunde-Maßnahmen
  • Erkennung und Erstversorgung akuter Notfälle sowie lebensbedrohlicher Zustände
  • Klinische Befunderhebung
  • Praxishygiene, Desinfektion, Sterilisation
  • Menschliche Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie
  • Injektion, Blutabnahme
  • Analyse und Deutung von Laborwerten
  • Pathologie, Psychopathologie

Darüber hinaus erlernen die Auszubildenden unterschiedliche Therapiemethoden und deren praktische Anwendung. Diese sind im einzelnen:

  • Traditionelle Chinesische Medizin
  • Chiropraktik
  • Homöopathie
  • Massagen
  • Kinesiologie
  • Osteopathie
  • Akupunktur
  • Hypnose
  • Autogenes Training
  • Phytotherapie
  • Bioenergetik
  • Ayurveda
  • Atemtherapie
  • Ernährungsberatung
  • Aromatherapie
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Heilpraktiker Gehalt

Eine Angabe des Gehaltsspiegels und eines Durchschnittsgehalts für Heilpraktiker ist schwierig. Ein großer Teil arbeitet selbstständig. Das Gehalt richtet sich deshalb vor allem nach der Auftragslage, der Anzahl der Patienten und der angebotenen Leistungen sowie Behandlungsmethoden.

Auch je nach Region fällt die Bezahlung äußerst unterschiedlich aus. Ausschlaggebende Faktoren für den Verdienst sind zudem die Berufserfahrung und auch der Ruf, den ein Heilpraktiker sich erarbeiten konnte. Viel positives Feedback, wiederkehrende Patienten und große Bekanntheit machen sich bezahlt.

Soll trotz der breiten Schwankungen ein Durchschnittseinkommen genannt werden, liegt dies bei rund 2.700 Euro brutto monatlich.. Berufsanfänger dürfen mit rund 2.000 Euro im Monat rechnen – gut verdienende Heilpraktiker mit Berufserfahrung und großem Kundenstamm können 3.500 Euro (oder auch mehr) verdienen.

Heilpraktiker Gehalt Verdienst Einkommen

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Arbeitgeber: Wer sucht Heilpraktiker?

Heilpraktiker arbeiten nur selten in einem Angestelltenverhältnis für einen Arbeitgeber. In der Regel führt der Weg in die Selbstständigkeit mit einer eigenen Praxis.

Möglich sind Gemeinschaftspraktiken, in denen sich Heilpraktiker mit unterschiedlichen Schwerpunkten zusammenschließen. Hier ist durchaus auch eine Kooperation mit Schulmedizinern möglich. Ziel ist es dann, die Therapie- und Heilverfahren ergänzend einzusetzen, um den Patienten die bestmögliche Behandlung zu bieten.

Karrierechancen: Die Aussichten als Heilpraktiker?

Für Heilpraktiker stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt in der Regel gut. Die Nachfrage nach alternativer Medizin und den Methoden von Heilpraktikern steigt – entsprechend kann sich die Eröffnung einer Praxis und der Start in die Selbstständigkeit lohnen.

Viele Heilpraktiker festigen dabei einen Ruf als Experte für ein bestimmtes Gebiet. Dabei helfen intensive Fort- und Weiterbildungen für einen einzelnen Fachbereich. Diese Spezialisierungen sind beispielsweise:

  • Homöopathie
  • Schüßler-Therapie
  • Pflanzenheilkunde
  • Naturheilkunde
  • Bachblüten-Therapie
  • Phytotherapie
  • Traditionelle Chinesische Medizin
  • Shiatsu
  • Fußreflexzonentherapie
  • Akupunktur
  • Akupressur
  • Hypnose

Heilpraktiker Bewerbung: Tipps & Vorlagen

Angehende Heilpraktiker, die den Sprung in die Selbstständigkeit zunächst scheuen und an der Seite eines erfahrenen Kollegen Berufspraxis sammeln möchten, sollten bei der Bewerbung vor allem ihre persönlichen Fähigkeiten in den Vordergrund stellen. Wichtige Beispiele für Soft Skills und Qualifikationen in dem Beruf sind:

Mögliche Formulierungen, um diese Kompetenzen in den Fokus zu rücken, sind:

Mein Einfühlungsvermögen, meine Geduld und meine Fähigkeit, gut zuhören zu können, ermöglichen es mir, für jeden Patienten eine individuelle Therapie zu finden.

Mir ist es wichtig, stets mit den Patienten zu einer einvernehmlichen, ganzheitlichen Therapie zu gelangen. Um dies zu gewährleisten und viel Zeit für die Diagnose und das Gespräch zu haben, hilft mir mein exzellentes Zeitmanagement.

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[Bildnachweis: StudioByTheSea by Shutterstock.com]
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15. Februar 2021 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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