CHO – schon mal gehört? "C" und "O" stehen für Chief Officer - ein Mitglied aus der Chefetage also. Das "H" dazwischen ist der Platzhalter für Happiness. Richtig gelesen: Glück, Freude, Zufriedenheit. Weltweit gibt es aktuell nur wenige Chief Happiness Officer. Sie sorgen für eine zufriedene Belegschaft. Der Bedarf an "Glücksvorständen" steigt jedoch zunehmend. Denn Mitarbeiter mit einer gesunden Portion "Happiness" sind nachweislich produktiver...

Google brachte den Stein ins Rollen

Bei dem Internetgiganten Google gibt es die Position des Chief Happiness Officers schon seit über zehn Jahren. Bekleidet wird sie von Chade-Meng Tan, der offensichtlich von seinen Job etwas versteht. Nicht umsonst ist seine offizielle Jobbezeichnung "Jolly Good Fellow" - zu deutsch etwa: "Ein klasse Typ".

Tatsächlich gelten Googles Mitarbeiter als glückliches Völkchen. Einerseits, weil der Spaß bei der Arbeit nicht zu kurz kommt. Andererseits, weil der Kreativität und den Bedürfnissen der Mitarbeiter Raum gegeben wird.

So rutschen die Angestellten beispielsweise von Etage zu Etage, anstatt zu laufen, entwickeln ihre Kreativ-Konzepte in zu Sesseln umfunktionierten Schiffen oder schalten in einer so genannten Stresskapsel vom Büro-Trubel ab.

Weltweit gibt es Glücksbeauftragte

Google brachte seinerzeit mit dem Glücksbeauftragten einen Stein ins Rollen. So hat Chade-Meng Tan in den vergangenen Jahren weltweit Kollegen dazu gewonnen. Tony Hsieh etwa, Gründer des Online-Shops Zappos. Der landete 2010 mit dem Buch "Delivering Happiness" - Glück liefern – nicht nur einen Bestseller, sondern legte auch den Grundstein für seinen weiteren Werdegang. Seine Botschaft sorgte, obwohl alles andere als neu, für reichlich Furore:

Je zufriedener die Kunden, umso höher deren Loyalität und umso größer der potenzielle Umsatz.

Und was macht Kunden neben einer 1a-Produktqualität happy? Genau: Gut gelaunte Mitarbeiter, die obendrein statistisch gesehen auch noch seltener krank sind. Und so ist Hsieh heute nicht nur Vorstandschef, sondern auch Chief Happiness Officer seiner Firma.

Alexander Kjerulf bekleidet derweil einen vergleichbaren Posten beim dänischen Start-up Wohoo. Und auch in Deutschland ist die Kunde der glücklichen, umsatzbeflügelnden Mitarbeiter angekommen. Die Goodgame Studios stellten im Sommer 2013 ihre erste Feel-Good-Managerin ein und brachten damit einen Hauch Google ins hanseatische Hamburg.

Die Aufgaben eines Chief Happiness Officers

Andresr/shutterstock.comWas aber muss ein CHO oder Feel-Good-Manager können? Laut Stellenbeschreibung des Google-Glücksbeauftragten stehen eher die - sagen wir mal - großen Ziele im Vordergrund. So soll er den Geist der Mitarbeiter erleuchten und für offene Herzen im Unternehmen sorgen. Das geht ja noch.

Das nächste To-Do dürfte dagegen schwieriger zu bewerkstelligen sein. CHO Chade-Meng Tan hat auch die Aufgabe zum allgemeinen Weltfrieden beizutragen. Kein Witz!

Der Däne Alexander Kjerulf liefert dagegen eine vergleichsweise bodenständige Beschreibung seines Postens. Er sieht sich unter anderem verantwortlich für die Organisation von

  • Feiern
  • Trainings
  • Events
  • und Aktivitäten am Arbeitsplatz, die den Mitarbeitern helfen, gute Arbeit zu leisten.

Einen Schritt weiter gehen die Köpfe von Goodgames. Sie sehen die Stelle auch als eine Anlaufmöglichkeit für Mitarbeiter mit Sorgen, Wünschen, Problemen oder Anregungen. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Management eine Lösung zu finden.

Feel-Good-Management stärkt die Unternehmenskultur

Feel-Good-Management ist also mehr als nur Pausensport zu organisieren und Essens- oder Musikwünsche für die nächste Firmenparty entgegen zu nehmen. Vielmehr geht es darum, die Unternehmenskultur zu stärken, so dass sich die Mitarbeiter verstanden und wahrgenommen fühlen. Dazu gehört auch, zwischenmenschliche Beziehungen zu kitten.

Nehmen wir mal die Zusammenarbeit im multinationalen Team. Hier kann es schon mal zu Missverständnissen kommen. Der Mitarbeiter aus einer westlichen Kultur kommuniziert anders als der aus dem asiatischen Raum. Hier können Workshops oder Einzelcoachings helfen, ein besseres Verständnis füreinander zu bekommen. Manchmal werden solche Gespräche auch am Tischkicker geführt. Dann ist die Atmosphäre ungezwungener und lockerer.

Es gibt keine klassische Ausbildung zum CHO, aber einige Anforderungen

Der Job des Feel-Good-Managers oder Chief Happiness Officers ist kein Standardjob mit einer klassischen Ausbildung, er hat aber Überschneidungen zu anderen Positionen. Schließlich können sich auch Verantwortliche der Human Resource Abteilung darum kümmern, dass Feedback bei der Geschäftsführung ankommt oder Sportangebote geschaffen werden.

Ob das Thema nun auf Vorstandsebene, im Human Resource oder im Marketing angesiedelt wird, ist zweitrangig. Begrüßenswert ist dagegen, dass sich Unternehmen grundsätzlich Gedanken über eine Wohlfühlatmosphäre am Arbeitsplatz machen. Denn tatsächlich belegen Studien, dass es Faktoren gibt, die die Laune am Arbeitsplatz heben:

  • respektvoller Umgang miteinander
  • gutes Betriebsklima
  • faire und offene Unternehmenskultur
  • Anerkennung für die geleistete Arbeit
  • sich selbst treu bleiben dürfen
  • gute Work-Life-Balance
  • gute Beziehung zu den Kollegen
  • gute Arbeitsausstattung
  • gerechte Vergütung

Es kommt also darauf an, die grundlegenden Strukturen eines Arbeitsplatzes so mit zu gestalten, dass Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen. Ein Anfang ist oft, das Arbeitspensum so zu gestalten, dass es auch in den dafür vorgesehenen Arbeitszeiten zu erledigen ist.

Glück verordnen lässt sich dagegen nicht. Glücksbeauftragte, die mit einem Dauerlächeln im Gesicht herumlaufen und den Gute-Laune-Bären mimen, haben ihre Aufgabe definitiv nicht verstanden. Aufgesetztes Glück erzeugt kein Gegenglück. Im Gegenteil.

Mittlerweile gibt es sogar Weiterbildungen zum Feel-Good-Manager. Dennoch müssen die Wohlfühlbeauftragten von Hause aus ein paar Fähigkeiten mitbringen:

  • Kommunikatives Gespür
  • Psychologisches Einfühlungsvermögen
  • Vertrauensvoller Umgang mit den Bedürfnissen der Mitarbeiter
  • Eigene Lebensfreude und Motivation
  • Organisatorisches Talent
  • Gutes Projektmanagement

Und: Der Feel-Good-Manager ist Vertrauensperson und Mediator und muss gleichzeitig auch ein Standing haben, um wichtige Themen der Mitarbeiter auch bei der Geschäftsführung durchzusetzen.

[Bildnachweis: Dean Drobot, Andresr by Shutterstock.com]

Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, erzählen Sie es weiter...