Feelgood-Management: Trend für die Personalbindung

Feelgood-Management – das klingt schon nach Wohlfühlatmosphäre. Die bringen viele allerdings nicht mit ihrem Arbeitsplatz in Verbindung. Noch nicht. Die Zeiten haben sich geändert. Die Mehrheit der Arbeitnehmer ist nicht mehr bereit, sich für ein Unternehmen aufzureiben, das ihnen nicht dabei hilft, die Arbeit gut zu erledigen. Besonders die Generation Y stellt viele kritische Arbeitnehmer, die sich einen Ausgleich zum stressigen Arbeitsalltag wünschen. Hohe Gehälter und eine steile Karriere haben an Bedeutung eingebüßt, Zeit ist hingegen deutlich wichtiger geworden als bei anderen Generationen. Welche Rolle dem Feelgood-Management in Unternehmen zukommt und welche Möglichkeiten sich dahinter verbergen…

Feelgood-Management: Trend für die Personalbindung

Feelgood-Management Definition: Die Wellness-Oase fürs Büro?

Feelgood-Management DefinitionDer Begriff Feelgood-Management, zu deutsch „Wohlfühl-Management“ mag manch einen dazu verleiten, an Wellness-Oasen, Strand und Erholung zu denken. Ganz so simpel ist es dann doch nicht. Und die Arbeit eines Feelgood-Managers ist anspruchsvoll, da er häufig drei Personen in einer verkörpert:

  • Vertrauensperson
  • Eventorganisator
  • Vermittler

Seit Jahren wird vor dem demographischen Wandel gewarnt und so existiert bereits in einigen Branchen ein klarer Fachkräftemangel. Um diesen zu kompensieren, müssen Unternehmen umdenken. Im Wettbewerb mit der Konkurrenz müssen sie attraktiv für Bewerber sein.

Gleichzeitig dürfen die bereits vorhandenen Mitarbeiter nicht vernachlässigt werden. Für viele Arbeitnehmer ist die Arbeit eine Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Sie wollen sich mehr einbringen, suchen einen Job, der die eigenen Fähigkeiten und Interessen besser abdeckt.

Die unterschiedlichen Ansprüche der Mitarbeiter zu erfassen und ihnen gerecht zu werden, ist Aufgabe des Feelgood-Managements. Intensive Feedbackgespräche mit dem Mitarbeiter sind ein geeignetes Instrument, um den Wünschen auf die Spur zu kommen.

Feelgood Management: Vertrauensbildende Maßnahmen für Mitarbeiter

Einer Studie des Statistischen Bundesamts (PDF) zufolge verwenden die Deutschen rund die Hälfte ihrer Zeit auf Arbeit und Freizeitaktivitäten, wenn man Grundbedürfnisse wie Essen und Schlafen abzieht.

Tendenz steigend. Wer also einen Großteil seines Lebens auf der Arbeit mit Kollegen verbringt, möchte sich dort wohlfühlen. Feelgood-Management bedeutet jedoch nicht, dass jetzt Bespaßungs-Maßnahmen wie etwa der Kicker im Pausenraum angeschafft oder wöchentliche Freizeitaktivitäten unternommen werden.

Vielmehr geht es um etwas anderes. Anita Feuchtinger, Beraterin, Mediatorin und Moderatorin, beschreibt Feelgood-Management folgendermaßen:

Es geht darum, die Bedürfnisse und Belange der Mitarbeiter wahrzunehmen, ernst zu nehmen und etwas dafür beziehungsweise nicht länger dagegen zu tun. Entscheidend für die Unternehmen ist, dabei dennoch authentisch zu bleiben: Die Maßnahmen müssen zur Unternehmenskultur passen.

Dabei ist Feelgood-Management nicht nur für die alteingesessene Belegschaft interessant, sondern gerade auch für Neuankömmlinge. Oftmals trauen sie sich nicht, Dinge anzusprechen, sind mit Ideen und Vorschlägen zurückhaltend, schließlich will man als Neuling nicht gleich unsichtbare Teamregeln verletzen.

Andererseits kann ein gutes Feelgood-Management auch Konflikte und Frust vorbeugen, indem der oder die Zuständige den neuen Mitarbeitern als Mentor in der Einarbeitungsphase zur Seite stehen. Das kann vorzeitige Kündigungen und somit den Verlust an Know-how verhindern.

Feelgood-Management ist daher eine Frage der Mitarbeiterbindung. Dazu können Maßnahmen rund um folgende Themen zählen:

Feelgood Manager Aufgaben: Von Vertrauensperson bis Eventmanager

Wer im Bereich des Feelgood-Managements arbeitet, hat ein vielfältiges Aufgabenspektrum. Die große Hauptaufgabe ist es, durch Präsenz und verschiedene Maßnahmen das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu stärken. Je zufriedener die Mitarbeiter sind, desto stärker wirkt sich das auf die Arbeitsatmosphäre aus.

Eine verbesserte Unternehmenskultur trägt zu einer stärkeren Motivation und Effizienz bei und kommt letztlich dem Unternehmen zugute. Dafür muss ein Feelgood Manager vor allem Möglichkeiten zum Gespräch anbieten – sei es persönlich in der Teeküche oder im Loungebereich, sei es virtuell durch Skype oder Chat.

Gerade wenn ein Unternehmen noch kein Feelgood-Management hat, ist am Anfang teilweise Überzeugungsarbeit zu leisten. Feuchtinger dazu:

Damit Feelgood-Management Erfolg hat, muss die Unternehmensleitung dahinter stehen. Es darf also keine Alibifunktion für eine ansonsten mangelhafte Führungskultur sein, sondern hat eine strategische Aufgabe. Das heißt zugleich: Die einzelnen Maßnahmen müssen zur Unternehmenskultur passen. Unglaubwürdiger Aktionismus schadet dem Image des Unternehmens nachhaltig – nach innen wie außen.

Folgende Fähigkeiten erfordert das Feelgood-Management:

  • Empathie

    Ein Feelgood Manager muss sich in die Angestellten hineinversetzen können. Ohne das nötige Einfühlungsvermögen kann er nicht das Vertrauen seiner Mitarbeiter gewinnen. Das ist aber notwendig, um im geschützten Rahmen kritische Punkte besprechen zu können. Im Feelgood-Management kommt daher dem Zuhören eine wichtige Rolle zu. Denn nur, wenn die Mitarbeiter sich trauen, Dinge zu benennen und wenn ihnen zugehört wird, lassen sich Prozesse oder Abläufe verbessern.

  • Konfliktmanagement

    Neben der Empathie für einzelne Mitarbeiter ist ein Gespür für das vorherrschende Klima von Bedeutung. Insbesondere bei viel Frust und kritischen Stimmen sollte zügig, aber nicht unüberlegt gehandelt werden. Es ist wichtig, die Sorgen und Nöte der Mitarbeiter ernst zu nehmen. Werden Konflikte nicht angegangen, resultiert das in demotivierte Mitarbeiter und Dienst nach Vorschrift. Dann lieber Geld in ein vernünftiges Feelgood-Management investieren als es so durch fehlenden Arbeitseinsatz zu verschenken.

  • Kommunikation

    Und zwar mit den Mitarbeitern. Viele Unternehmen verschenken Potenzial, weil sie ihre Mitarbeiter nicht fragen. Die sitzen an der Basis und haben häufig eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen, weil sie tagtäglich bestimmte Arbeitsabläufe erleben. Aber sie werden ignoriert. Ein Feelgood-Manager ist nicht nur die personifizierte Anlaufstelle für solche Ideen, sondern dient bei gestörter Kommunikation als Mediator zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber.

  • Kreativität

    Feelgood-Management muss sich gemäß den Möglichkeiten praktikable Ideen für die Mitarbeiter einfallen lassen. Nicht jedes Unternehmen kann mal eben ein betriebseigenes Fitness-Studio einrichten. Dennoch ist es möglich, Mitarbeitern Ideen für eine gesündere Ernährung, für Stressabbau und mehr Spaß bei der Arbeit mitzugeben. Das können Angebote wie kostenloses Obst oder auch Mitarbeiter-Events wie Kochkurse oder gemeinsame Ausflüge sein.

Entscheidend für ein gutes Feelgood-Mangement ist, dass der Mensch dabei im Fokus steht. Die Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, dass sie ihrem Arbeitgeber wichtig sind. Diese Wertschätzung kommt im Berufsalltag manchmal zu kurz und ist ein wichtiger Aspekt in der Mitarbeitermotivation.

Feelgood Manager: Gehalt und Ausbildung

Das Berufsbild des Feelgood-Managers entwickelt sich erst seit einigen Jahren in Deutschland, daher gibt es keinen festen Ausbildungsweg. Klassischerweise führt die Laufbahn ins Feelgood-Management vom Personalmanagement dorthin. Wer sich für Feelgood-Management interessiert, hat meist ein abgeschlossenes Studium mit Human Resources Background, also:

  • Wirtschaftswissenschaften
  • Soziologie
  • Psychologie

Nie verkehrt ist natürlich Berufserfahrung im Recruiting. Einige Startups nutzen das Jobprofil des Feelgood-Managers bereits. Mittlerweile werden auch Ausbildungen und zertifizierte Kurse für dieses neue Berufsbild angeboten. Das Jahresgehalt für eine Stelle im Feelgood-Management liegt bei etwa 40.000 Euro.

[Bildnachweis: leungchopan by Shutterstock.com]
19. Dezember 2017 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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