Corporate Governance: Definition und Aufgaben

Das Thema Corporate Governance stößt seit Jahren auf immer größeres Interesse. Die Globalisierung macht deutlich, dass international immer mehr – und vor allem gleiche – Regelungen gefunden werden müssen. Diese sollten nicht nur reibungslose Geschäftsabläufe ermöglichen, sondern bestimmte Werte in der Gesellschaft widerspiegeln.

Denn vor allem bei Aktiengesellschaften können widerstrebende Interessen zwischen den Eigentümern auf der einen und der der Unternehmensführung auf der anderen Seite existieren. Corporate Governance versucht, diese in einen Einklang zu bringen.

Was unter Corporate Governance im Einzelnen zu verstehen ist und welche Aufgaben und Ziele sie verfolgt…

Corporate Governance: Definition und Aufgaben

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Was bedeutet Corporate Governance?

Die größte Herausforderung besteht bereits darin, eine klare, allgemeingültige Definition von Corporate Governance (CG) zu geben. Nichtmuttersprachler führt der Begriff zunächst in die Irre: Analog zu ähnlich klingenden Anglizismen wie Corporate Design könnte man meinen, dass es um ein gemeinsames Management oder Unternehmensführung geht.

Eine griffige Übersetzung gibt es nicht. Corporate Governance bezeichnet vielmehr einen Ordnungs- und Handlungsrahmen, der vor allem für börsennotierte Unternehmen gilt. Er setzt sich aus unterschiedlichen Gesetzen und Empfehlungen zusammen:

  • Aktiengesetz
  • Kodizes wie der Deutschen Corporate Governance Kodex
  • Festgelegte Verhaltensregeln des jeweiligen Unternehmens



Diese sollen gewährleisten, dass ein Unternehmen gut geführt wird, das heißt, die gesetzten Ziele unter Beachtung dieser Weisungen und Absichtserklärungen erreicht werden. In diesem Zusammenhang ist auch von Good Governance die Rede, wenn Institutionen der öffentlichen Hand verantwortungsvoll und ethisch einwandfrei handeln.

Im Zuge diverser Skandale und Fällen von Missmanagement – so auch in der Finanzkrise – kommt Corporate Governance eine immer stärkere Bedeutung zu. Das Problem ist, dass das Konzept nicht nur aus verpflichtenden Regeln besteht. Absichtserklärungen sind erfreulich, können aber umgangen werden.

Hat ein Unternehmen sich dennoch dazu verpflichtet, bestimmte Grundsätze der Corporate Governance zu beachten, wird es im Zuge von „comply and explain“ ausführen müssen, warum davon abgewichen wurde.


Shareholder- versus Stakeholder-Ansatz

Dem Begriff Corporate Governance liegen unterschiedliche Ansätze zugrunde:
  • Der Shareholder-Ansatz hat bei Corporate Governance vor allem die relevanten Anspruchsgruppen im Blick, als solche werden Management und Aktionäre gesehen.
  • Der Stakeholder-Ansatz hingegen verfolgt das Wohl aller Beteiligten, was die Shareholder miteinschließt. Allerdings wird auch diese Gruppe nicht immer eindeutig definiert. Aktionäre und Management gehören dazu, aber auch solche Gruppen, die in irgendeiner Form Transaktionen mit dem Unternehmen durchführen und dafür eine Gegenleistung erwarten, also auch:
    • Anteilseigner: stellen Eigenkapital gegen Rendite zur Verfügung
    • Fremdkapitalgeber: gewähren Kredite gegen Zinsen
    • Arbeitnehmer: erbringen Arbeitsleistung gegen Gehalt
    • Management: führen Unternehmen gegen Gehalt
    • Lieferanten: liefern Produkte gegen Bezahlung
    • Staat: stellt Infrastruktur gegen Steuern zur Verfügung
    • Kunden: zahlt Geld für ein Produkt

Jeder dieser Stakeholder steht in irgendeiner Form mit dem Unternehmen in Verbindung und verfolgt zum Teil widerstrebende Interessen. Corporate Governance soll ermöglichen, dass möglichst alle Interessen gleichermaßen berücksichtigt werden und gleichzeitig eine ertragreiche Wertschöpfung stattfindet.


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Der theoretische Unterbau: Die Prinzipal-Agenten-Theorie

Die Prinzipal-Agenten-Theorie ist der Vorläufer von Corporate Governance. Die Wirtschaftswissenschaft unterscheidet bei einem Unternehmen zwischen dem Prinzipal auf der einen, und dem Agenten auf der anderen Seite. Der Agent (beispielsweise ein Manager) wird immer vom Prinzipal (beispielsweise der Eigentümer) beauftragt.

In der Rolle des Prinzipals befindet sich beispielsweise ein Eigentümer, der einen Geschäftsführer einstellt, um das Unternehmen zu führen. So eine Wechselbeziehung besteht aber auch, wenn Sie Ihren kaputten Laptop zur Reparatur bringen. In dem Fall sind Sie der Prinzipal und der Reparaturservice übernimmt die Rolle des Agenten.

Beispiele für solche Rollen, in denen eine Partei der Prinzipal und die andere der Agent ist:

Prinzipal Agent
Auftraggeber Auftragnehmer
Aktionäre Manager
Kunden Dienstleister
Unternehmen Agenturen



Die Prinzipal-Agenten-Theorie geht nun davon aus, dass zwischen den beiden eine Informationsasymmetrie herrscht. Der Agent weiß oftmals besser über die konkreten Aufgaben Bescheid, als der Prinzipal. Es besteht die Gefahr, dass der Agent diesen Wissensvorsprung für sich opportunistisch ausnutzt.

Bezogen auf Unternehmen, besteht vor allem bei Aktiengesellschaften ein erhöhtes Kontrollbedürfnis der Eigentümer (beispielsweise Aktionäre) gegenüber dem Agenten. Sie kennen sich selbst mit dem Unternehmen nicht aus, beauftragen daher einen Manager.

Allerdings verfolgt die Unternehmensführung nicht immer dieselben Ziele wie die Eigentümer. Das heißt, es werden zum Beispiel Entscheidungen getroffen, die womöglich die Taschen des Managers mit Geld füllen. Diese tragen aber nicht automatisch zum langfristigen Unternehmenserfolg bei.

Genau der wiederum steht aber im Interesse der Aktionäre – denn nur ein prosperierendes Unternehmen füllt auch die Taschen der Aktionäre. Durch Anreizverträge wird versucht, dieses Problem zu umgehen. Diese enthalten Regelungen, mithilfe derer der Manager langfristig und vernünftig wirtschaftet.

Hier kommt wiederum die Corporate Governance ins Spiel. Sie stellt sicher, dass das Wohl aller Betroffenen berücksichtigt wird.

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Ziele von Corporate Governance

Wie die Corporate Governance Regelungen im Einzelnen verfasst sind, unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Sie können verschriftlicht werden oder als Teil guter Unternehmenskultur einfach gelebt werden. Klar ist nur, dass sie zur Verbindlichkeit beitragen und Zeichen einer guten und ordentlichen Unternehmensführung sind, wenn ein Unternehmen sich daran hält.

Sie ermöglichen somit Stabilität sowohl im Unternehmen als auch einen funktionierenden Markt. Das wiederum trägt dazu bei, dass die Fluktuation in einem Unternehmen gering ist und sich neue Chancen eröffnen.

Die wichtigsten Ziele sind:

  • Kontrolle
  • Transparenz
  • Effizienz
  • Angemessenes Risikomanagement
  • Prozessverbesserungen
  • Reduzierung von Interessenskonflikten
  • Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen

Erreicht werden können diese Ziele beispielsweise mittels Unternehmensüberwachung. Unterschieden wird zwischen:

  • Interner Unternehmensüberwachung, zum Beispiel durch den Aufsichtsrat und das Controlling
  • Externer Unternehmensüberwachung, zum Beispiel durch die Wirtschaftsprüfung oder die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung
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Wie lässt sich gute Unternehmensführung erreichen?

Auch wenn Corporate Governance vor allem börsennotierte Aktiengesellschaften im Blick hat: Von guter Unternehmensführung profitieren alle Unternehmen und alle Stakeholder.

Der Deutsche Corporate Governance Kodex hat sich daher vor rund 20 Jahren zur Aufgabe gemacht, Unternehmen mithilfe von Empfehlungen und Anregungen das Wissen an die Hand zu geben, das Unternehmen dabei hilft.

Kritiker monieren, dass der Kodex eine Corporate Governance Lösung für alle präsentiere, gleichzeitig aber große Familienunternehmen ausgrenze. Auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) werden anders geführt und haben andere Interessensgruppen als Aktiengesellschaften.

Ungeachtet der Größe gibt es aber unternehmensübergreifende Merkmale, die aus der Mitarbeiterperspektive für eine gute Unternehmensführung sprechen:


Werte & Normen Rahmenbedingungen
Fairness Arbeitszeiten
Fehlerkultur Aufgabenbereiche
Reputation Begrüßung
Selbstbestimmung Dresscodes
Status Firmengebäude
Strategien Gehalt
Transparenz Gesundheitsförderung
Teamregeln Kinderbetreuung
Wertschätzung Verabschiedung



Gleichzeitig lässt sich beobachten, dass die Anforderungen an Unternehmen einem ständigen Wandel unterworfen sind. So hat beispielsweise im Laufe der Jahre das Thema Nachhaltigkeit verstärktes Interesse erfahren.

Hier geht es nicht nur um nachhaltiges Wirtschaften, das auf den Erhalt des Unternehmens abzielt. Vielmehr rücken Themen wie Umweltmanagement und Ökologie stärker in den Fokus. Folgende Fragen werden zukünftig stärker berücksichtigt werden:

  • Wie können wir Abfälle besser trennen?
  • Wie lassen sich Emissionen vermeiden?
  • Wie können Ressourcen schonend eingesetzt werden?

Corporate Governance ist daher kein abgeschlossenes Regelwerk, sondern nimmt immer wieder neue Strömungen auf. Es ist somit Zeichen eines Wertewandels, so wie irgendwann viele Staaten sich dazu entschlossen haben, Gesetze und Regelungen zur Arbeitszeit und Erholungsurlaub einzuführen.

[Bildnachweis: Manuel by Shutterstock.com]
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26. Juni 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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