Benediktregel: Besser führen lernen

Es gibt viele Grundsätze, Überlegungen und Theorien, die sich mit der Führungsrolle in Unternehmen beschäftigen und die unterschiedlichsten Ratschläge geben oder verschiedene Aspekte in den Mittelpunkt stellen. Durchaus überraschend ist es aber, dass es einen Führungsansatz gibt, dessen Ursprung bereits weit mehr als 1000 Jahre alt ist und auf die Ordensregeln von Mönchen zurückgeht. Doch die Benediktregel ist deshalb nicht veraltet oder angestaubt, sondern lässt sich weiterhin auf die aktuelle Unternehmensführung und Managementproblematik in vielen Betrieben übertragen – und für einige Führungskräfte können dadurch wichtige Erkenntnisse geschaffen werden, denn die Benediktregel sorgt für einen neuen Blickwinkel, der in Positionen mit großer Verantwortung leider viel zu häufig außen vor bleibt…

Benediktregel: Besser führen lernen

Benediktregel: Führen lernen wie im Kloster?

Wer bei der Benediktregel einen prägnanten und in Stein gemeißelten Merksatz erwartet, nach dem man sich einfach richten kann, wird leider enttäuscht. Es gibt keine konkrete Formulierung im Sinne von Tue A und B wird passieren. Im Kern geht es um einige Grundsätze der Ordensregeln, die heutzutage in Führungspositionen wichtig sind, aber häufig vergessen werden.

Moderne Manager sollen sich von Regeln inspirieren lassen, die vor mehr als einem Jahrtausend aufgestellt wurden? Eine anfängliche Skepsis ist dabei wohl durchaus angebracht und auch eine Frage muss erlaubt sein: Ist die Benediktregel trotz ihres Ursprungs noch zeitgemäß? Der ehemalige Benediktinermönch Anselm Bilgri, der nach seiner Zeit als Mönch, in der er als Prior des Klosters Andechs tätig war, damit angefangen hat, Unternehmen zu beraten, ist davon überzeugt und bietet sogar entsprechende Vorträge an, in denen Führungskräfte und Unternehmen lernen können, wie die alten Regeln in der modernen Welt Anwendung finden können.

Dabei gilt: Natürlich lassen sich die Ordensregeln nicht einfach komplett übernehmen, ein heutiges Unternehmen kann nicht gänzlich den gleichen Richtlinien und Regeln folgen, die für ein Kloster im 6. Jahrhundert galten.

Ein wenig Anpassung ist nötig, doch die grundsätzliche Idee bleibt dabei erhalten und so sollten Manager und angehende Führungskräfte die Benediktregel nicht einfach als Relikt der Vergangenheit zu den Akten legen, sondern sich ernsthaft damit auseinandersetzen und herausfinden, ob sie nicht etwas für den eigenen Führungsstil daraus lernen können.

Benediktregel: Die wichtigsten Grundsätze zur besseren Führung

Die vor circa 1500 Jahren von Benedikt von Nursia verfassten Ordensregeln des Benediktinerorden, die regula benedicti, sind sehr umfangreich und erstrecken sich auf insgesamt 73 Kapitel. Einige beschäftigen sich mit dem Leben der Mönche, andere regeln den Ablauf des Gottesdienstes und auch ein Strafenkatalog ist enthalten, sollte gegen die Vorschriften verstoßen werden. Nicht alles ist für Führungskräfte relevant, doch es lassen sich einige wichtige Aspekte herausfiltern, die sowohl im 6. Jahrhundert als auch heute noch ein wichtiges Thema sind. Dabei handelt es sich vor allem um Tugenden, die im Kloster erwartet werden – Manager und Führungskräfte können sich also durchaus einige Punkte von den Mönchen abschauen und von ihnen lernen.

  1. Gehorsam

    Ein für die heutige Zeit eher hartes Wort, das negative Assoziationen auslöst. Man kann daraus deuten, dass Führungskräfte sich ihrer Aufgabe vollends verschreiben sollen. Anselm Bilgri sieht die moderne Interpretation jedoch eher als Loyalität – und zwar nicht nur gegenüber dem Unternehmen, sondern auch den Mitarbeitern gegenüber, denen man als Führungskraft zur Seite gestellt wurde.

    Wer Personalverantwortung hat, sollte diese ernst nehmen und eben nicht nur die Belange des Arbeitgebers vertreten, sondern auch für die Mitarbeiter eintreten.

  2. Demut

    Keine Führungskraft hat die Weisheit für sich gepachtet und auch wenn der Chef beruflich vielleicht höher gestellt ist, sollte dies nicht dazu führen, dass man sich für besser hält und diesen Eindruck auch den Mitarbeitern gegenüber vermittelt. Vielmehr ist Demut angebracht, die Fähigkeit, sich selbst auch mal hintenanzustellen oder eigenen Schwächen zu akzeptieren.

    Demut weckt Sympathien beim Gegenüber und zeigt, dass man bereit ist, die Lorbeeren nicht für sich zu behalten, sondern diese mit anderen zu teilen. Gleichzeitig zeigt Demut, dass man die eigene Position zu schätzen weiß, ohne diese auszunutzen. Man arbeitet gemeinsam auf einen Erfolg hin und sonnt sich nicht in seinem Dasein als Führungskraft.

  3. Schweigen

    Kommunikation ist einer der wichtigsten Faktoren und gerade Führungskräfte sollten ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten besitzen. Schweigen scheint daher nicht zu passen, doch gemeint ist: Viel wichtiger, als immer nur selbst zu reden, ist es für Manager, auch einmal zuzuhören. Nicht nur oberflächlich warten, bis man selbst wieder etwas sagen darf, sondern tatsächlich aktives Zuhören und wirklich verstehen, was dem anderen auf dem Herzen liegt.

    Leider machen Führungskräfte immer wieder den Fehler, von oben herab zu handeln, ohne die Mitarbeiter einzubeziehen, nach deren Meinung zu fragen oder den Input ernst zu nehmen. Daraus resultieren Unzufriedenheit, Missverständnisse und Teammitglieder, die sich vom Chef schlecht behandelt fühlen.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]
4. Juni 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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