Über Geld spricht man nicht! Zumindest nicht offen und direkt. Hinter vorgehaltener Hand ist Geld und Bezahlung ein Thema so groß wie kaum ein anderes. Wer verdient was? Wie gut ist mein Gehalt im Vergleich? Warum bekommt der Kollege mehr als ich? Über nichts lässt sich so schön diskutieren und spekulieren wie über das liebe Geld. Als Vergleichsgröße ist vor allem das Jahresgehalt von Interesse. Dieses wird jedoch nicht nur unter Freunden, Kollegen oder für Stammtischdiskussionen bemüht, sondern hat für jeden Arbeitnehmer große Auswirkungen - nicht nur in Bezug auf die Zahlungen, die jeden Monat auf dem Konto landen. Wir erklären, was es mit dem Jahresgehalt auf sich hat, wie viel die Deutschen im Durchschnitt verdienen und welche Branchen dabei besonders gut abschneiden...

Jahresgehalt Definition Durchschnitt Vergleich Infos

Jahresgehalt Definition: Was versteht man darunter?

Jahresgehalt Definition Weihnachtsgeld inbegriffen Deutschland Durchschnitt VergleichDas Verhältnis zu Geld in Deutschland ist schwierig. Wer von seinem Gehalt berichtet, ist ein Angeber. Wer es nicht tut, hat etwas zu verheimlichen. Verdient man mehr als andere, zieht man ihren Neid auf sich. Verdienen man selbst weniger, fragt man sich unentwegt, wie es nur sein kann, dass der Blindfisch am Nebentisch mehr bekommt...


Die Stimmen, die ein Ende der Heimlichtuerei fordern, mehren sich. Auch das Entgelttransparenzgesetz geht in diese Richtung.

Das Jahresgehalt ist eine gute Größe, mit der eine solche Diskussion angestoßen werden kann. Es bezeichnet die Bruttoeinkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit über den Zeitraum von zwölf Monaten. Auch im Arbeitsvertrag ist, sofern dort nicht die monatliche Bezahlung angegeben wird, das Jahresgehalt fixiert.

Zum Jahresgehalt zählen darüberhinaus auch zusätzliche Zahlungen und Leistungen, die Sie von Ihrem Arbeitgeber erhalten. Ist dieser beispielsweise bereit, Ihnen Urlaubsgeld oder ein 13. Gehalt in Form von Weihnachtsgeld zu zahlen, sind diese Sonderzahlungen im Jahresgehalt inbegriffen.

Ihr persönliches Jahresgehalt ist auch aus rechtlicher Sicht ein wichtiger Faktor. Das Jahreseinkommen dient als Bemessungsgrundlage für Ihre Einkommenssteuer. Wie viel versteuert wird und ob Sie am Ende des Jahres eine Rückzahlung erhalten - oder selbst nachzahlen müssen - hängt unmittelbar damit zusammen.

Zu guter Letzt beeinflusst das Jahresgehalt Ihre Krankenversicherungspflicht. Bei einem hohen Jahresgehalt sind Sie freiwillig gesetzlich versichert oder können zu einer privaten Krankenversicherung wechseln. Hier haben Sie die Wahl.

Jahresgehalt: So setzt es sich zusammen

Jahresgehalt: So setzt es sich zusammenEine Summe, ein Gehalt, fertig. So einfach ist in der Regel nicht. Das Gehalt setzt sich heute oft aus aberwitzig vielen Einzelbestandteilen zusammen. Nämlich aus diesen:

  • Fixgehalt

    Die fixen Gehaltsanteile machen in einigen Branchen einen großen, in anderen nur einen kleinen Teil des Lohns aus. Sofern Sie in einem Betrieb mit Tarifvertrag tätig sind, richtet sich das Fixgehalt danach, in welcher Lohngruppe Sie sich befinden. Je nach Qualifikation und Dauer der Betriebszugehörigkeit kann das Fixgehalt dann sehr unterschiedlich sein.

  • Variables Gehalt

    Vor allem im Vertrieb ist es üblich, einen Großteil des Gehalts über variable Anteile auszuzahlen. Kommt der Vertrag mit dem Kunden zustande, gibt es eine Provision für den Mitarbeiter - sonst nicht. Das kann zu sehr unterschiedlichen Gehaltern führen - für Mitarbeiter in völlig identischen Positionen. Gerade für Bewerber bieten variable Bestandteile einen guten Ansatzpunkt für die Verhandlung. Nach dem Motto: Ich verzichte zunächst auf ein höheres Fixgehalt, wenn im Gegenzug die variablen Teile höher sind.

  • Sonderzahlungen

    Dazu gehören - die vor allem im Banken- und Finanzsektor verbreiteten - Boni. Auch Weihnachts- und Urlaubsgeld stocken das Gehalt auf. Außerdem Zuschläge für Sonntagsschichten und Spätdienste, Treueprämien oder gar Umzugszuschüsse.

  • Aktien

    Eine beliebte Option, um Führungskräften eine Stelle schmackhaft zu mache, sind Aktienoptionspläne. Dabei kann der Manager die Aktien zu einem bestimmten Kurs kaufen, muss sie aber auch für einen festgelegten Zeitraum halten - oft mehrere Jahre lang. Die Vorteile liegen auf der Hand: Einzel- und Unternehmenserfolg werden miteinander verknüpft. Arbeitet die Führungskraft erfolgreich im Sinne des Unternehmens, steigt der Kurs. Auch langfristige Strategien gewinnen so ein höheres Gewicht. Belegschaftsaktien wiederum richten sich an die Mitarbeiter, auch die aus den mittleren und unteren Ebenen. Werden Sie am Unternehmenserfolg beteiligt, steigen - so die Hoffnung - Identifikation und Leistung.

  • Zusatzleistungen

    Die Möglichkeiten sind schier endlos. In Frage kommen Dienstwagen, Weiterbildungsangebote, Kantinen- oder Essensgutscheine, vermögenswirksame Leistungen, Mitarbeiterrabatte, betriebliche Altersvorsorge.

So hoch ist das Jahresgehalt im Durchschnitt

Die gute Nachricht vorweg: Das durchschnittliche Jahresgehalt in Deutschland (gemessen an Vollzeit-Arbeitnehmern) steigt stetig an. So lag im Jahr 2016 das durchschnittliche Bruttojahresgehalt nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei 44.436 Euro (das entspricht einem monatlichen Gehalt von 3.703 Euro) - ein Anstieg von 91 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Blickt man zehn Jahre zurück, ist das Jahresgehalt im Durchschnitt sogar um fast 700 Euro gestiegen.

Die Entwicklung des Bruttomonatsgehalts in Deutschland:

  • 1991: 1832 Euro
  • 1995: 2281 Euro
  • 2000: 2551 Euro
  • 2005: 2901 Euro
  • 2010: 3227 Euro
  • 2015: 3612 Euro
  • 2016: 3703 Euro
[Durchschnittlicher Bruttomonatsverdienst, Quelle: Destatis]


Einige Wermutstropfen gibt es trotzdem. Zum einen muss auf die Entwicklung des Jahresgehalts natürlich die Inflation angerechnet werden. Soll heißen: Das höhere Gehalt hat nur einen geringeren Nutzen, wenn der Wert des Geldes abnimmt und die Lebenshaltungskosten insgesamt teurer werden. Mehr Jahresgehalt bedeutet bekanntlich nicht automatisch, sich auch mehr leisten zu können.

Auch sieht das durchschnittliche Jahresgehalt zwar gut aus, die Unterschiede aber sind zum Teil enorm. Längst nicht jeder bekommt 3.700 Euro oder auch nur ansatzweise so viel.

Große Unterschiede gibt es etwa in geographischer Hinsicht und zwischen den Geschlechtern. So verdienten Männer laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2016 im Schnitt 3898 Euro im Monat, Frauen mit 3258 Euro deutlich weniger.

So können Sie Ihr Jahresgehalt beeinflussen

Jahresgehalt Definition Weihnachtsgeld inbegriffen Deutschland Durchschnitt VergleichIhr Jahresgehalt hängt von verschiedenen Faktoren ab, allen voran natürlich vom Job und der Branche, in der Sie arbeiten (mehr dazu weiter unten). Doch auch unter direkten Kollegen kann es Unterschiede geben. Die sind dann vielleicht nicht ganz so groß, doch schon 100 Euro im Monat machen über einen Zeitraum von fünf Jahren, was als Angestelltenverhältnis durchaus realistisch ist, bereits einen Unterschied von 6000 Euro aus - es lohnt sich also, an allen Stellschrauben des eigenen Jahresgehalts zu drehen.

Eine Möglichkeit sind natürlich Gehaltserhöhungen und Gehaltsverhandlungen. Sie bringen gute Leistungen, können den Chef immer wieder überzeugen, ziehen Aufträge an Land und machen Kunden glücklich. Wer sich mit einem solchen Ruf an den Chef wendet, hat viele Trümpfe in der Hand, um das eigene Jahresgehalt aufzubessern. Bis das Gehalt erhöht wird, vergehen jedoch in der Regel mindestens zwölf, wenn nicht sogar 24 Monate.

Wer gleich zu Beginn mehr verdienen möchte, muss sein Jahresgehalt bereits im Vorstellungsgespräch und spätestens bis zur Vertragsunterzeichnung entsprechend verhandeln. Viele Unternehmen bitten darum, bereits in der Bewerbung eine Gehaltsvorstellung zu nennen. Wenn Sie sich hier unter Wert verkaufen, wird es schwer, auf ein zufriedenstellendes Jahresgehalt zu kommen.

Für weitere Gespräche zum Jahresgehalt gilt: Wissen ist Macht. Kennen Sie nicht nur die durchschnittliche Bezahlung, sondern auch Ihren persönlichen Marktwert, können Sie wirksame Argumente anführen. Je höher Sie mit Ihren Forderungen gehen, desto besser sollten Sie vorbereitet sein und Gründe nennen können, die Sie von anderen Mitarbeitern abheben und Ihr höheres Jahresgehalt rechtfertigen.

Jahresgehalt im Vergleich: Hier gibt's am meisten

Der ungefähre Rahmen Ihres späteren Jahresgehalts wird schon relativ früh festgelegt. Oder anders ausgedrückt: Wer in Zukunft viel verdienen möchte, sollte sich bereits bei der Wahl von Studium, Ausbildung und Arbeitgeber darüber Gedanken machen.

Während einige Branchen dafür bekannt sind, nur einen Hungerlohn zu zahlen, werden Arbeitnehmer in anderen Bereichen mit neidischen Blicken bedacht, wenn Gehälter verglichen werden. Im Stepstone Gehaltsreport 2017 (PDF) für Fach- und Führungskräfte zeigt sich eindrucksvoll, wie groß die Unterschiede sind.

Die besten Aussichten gibt es in der Chemie- und Pharmaindustrie. Hier werden durchschnittliche Jahresgehälter (brutto) von 68.214 Euro beziehungsweise 67.675 Euro gezahlt. Nur knapp dahinter liegen Arbeitnehmer in der Luft- und Raumfahrt (67.578 Euro) und im Bereich Automotive (67.401 Euro).

Ganz anders sieht es im Handwerk aus. Mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 37.625 Euro ist diese Branche auf dem letzten Platz. Ähnlich düster sieht es für Gehälter im Hotelgewerbe und der Gastronomie (39.091 Euro) und im Bereich Bildung und Training (40.430 Euro) aus.

Wer wirklich abräumen möchte, kann durch die Wahl des richtigen Studiengangs bereits einiges in die Wege leiten. Mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 79.538 Euro sind Mediziner mit Abstand an der Spitze. Auch Absolventen in juristischen Studiengängen sowie Ingenieure und Wirtschaftsingenieure sehen einer finanziell rosigen Zukunft entgegen.

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