Provision: Definition, Arten, Steuer

In vielen Branchen ist eine Provision üblich. Makler oder Autoverkäufer erhalten beispielsweise eine, wenn sie erfolgreich ein Geschäft zwischen Unternehmen (beziehungsweise Auftraggeber) und Kunden vermittelt haben. Mit der Provision erfolgt eine leistungsabhängige Bezahlung. Auf diese Weise kann die Motivation der Mitarbeiter gefördert werden, da sie direkt einen finanziellen Erfolg ihrer Bemühungen spüren. Was Sie zum erfolgsbezogenen Entgelt wissen müssen, wie die rechtliche Grundlage ist und wie Sie eine Provision versteuern müssen, erklären wir Ihnen hier…

Provision: Definition, Arten, Steuer

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Definition: Was ist eine Provision?

Der Begriff Provision stammt vom lateinischen Verb providere und bedeutet soviel wie „vorsorgen“ oder „sorgen für“. Es gibt diesen Begriff auch auf Englisch, wo er die Bedeutung von „Bereitstellung“ hat. Einfach erklärt ist eine Provision ein erfolgsabhängiges Entgelt, das bei Geschäftsvermittlung zustande kommt. Meist bemisst sie sich anhand eines bestimmten Prozentsatzes vom Verkaufspreis. Dieses Geld erhält der Vertreter, sobald das Produkt oder die Dienstleistung verkauft wird. Beteiligt sind immer drei Geschäftsparteien:

➠ Unternehmen/Auftraggeber
➠ Kunde
➠ Vermittler/Handelsvertreter/Vertriebsmitarbeiter

Je nach Branche existieren synonyme Begriffe wie Courtage (in anderer Rechtschreibung auch Kurtage), Aufschlag oder Agio. Dagegen gelten Prämien, Gebühren oder Tantiemen rein rechtlich nicht als Provision. Eine Provision ist nach dem deutschen Handelsrecht (Handelsgesetzbuch) eine Erfolgsprämie. Ihre Zahlung hängt davon ab, ob der Provisionsberechtigte seinem Auftraggeber zu einem Gewinn verhilft.

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Welche Arten von Provision gibt es?

Provision ist nicht gleich Provision. In der Unterteilung gibt es zum Beispiel im Banken- oder Versicherungswesen verschiedene Arten – je nach Leistung und Geschäft. Dabei bemisst sich die Höhe zum einem am Umfang der Finanztransaktion, zum anderen nach dem Beratungsaufwand. So kommt es, dass der Vermittler für den Abschluss einer Lebensversicherung oder anderen Kapitalanlage eine hohe Provision erhält. Nicht so hingegen bei einer simplen Sachversicherung – auch wenn der Umfang des Finanzgeschäftes ähnlich hoch ist. Grundsätzlich unterscheidet man folgende Provisionsarten voneinander:

Abschlussprovision

Beim Abschluss eines Finanzgeschäftes oder dem Verkauf eines Produktes fällt die Abschlussprovision an. Diese Provisionsart ist die häufigste und somit auch meist die höchste.

Bestandsprovision

Wenn ein Vertrag über längere Zeit läuft, so erfordert er auch einen gewissen Betreuungsaufwand vom jeweiligen Vermittler – in der Versicherung zum Beispiel die Schadenregulierung. Diese wird mit der sogenannten Betreuungs- oder Bestandsprovision abgegolten.

Folgeprovision

Erfolgt eine mehrfache Bestellung innerhalb eines Vertragsabschlusses, erhält der Vermittler eine sogenannte Folgeprovision. Verlängert der Kunde den Auftrag, handelt es sich um eine Verlängerungsprovision.

Courtage

Im Bereich einer Maklertätigkeit heißt die Vermittlungsgebühr Courtage. Das gilt für Dienstleistungen, die im Immobilienhandel, diversen Dienstleistungssektoren oder an der Börse stattfinden.

Bearbeitungsprovision

Muss der Vermittler innerhalb einer Geschäftsbeziehung eine besondere Arbeitsleistung leisten, erhält er eine gesonderte Vergütung als Bearbeitungsprovision.

Einmalprovision

Mit dieser Art der Provision ist jede weitere Tätigkeit innerhalb der im Vertrag vereinbarten Leistung abgegolten. Die Einmalprovision beinhaltet also die Abschlussprovision sowie eine Pauschale für Betreuung, Bestand, Folgeaufträge und Bearbeitungsaufwand.

Inkassoprovision

Bei Inkassounternehmen erhalten Mitarbeiter für den erfolgreichen Einzug von Ausständen seitens des Schuldners sogenannte Inkassoprovisionen.

Erhöhungs- oder Dynamikprovision

Insbesondere im Bereich von Versicherungen erhöhen sich mitunter regelmäßig die Beiträge. Dem wird auch seitens des Vermittlers Rechnung getragen: Sein Anspruch auf eine Provision erhöht sich ebenfalls. Ihm steht eine Erhöhungsprovision zu.

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Gesetzliche Regelung: Wann bekommt man die Provision?

Das Handelsgesetzbuch (HGB) regelt neben den Details zu Geschäftsbeziehungen grundsätzlich auch die Provision. Der siebte Abschnitt des HGB (§ 87) besagt, dass ein Kaufmann, der für andere einen Dienst ausübt oder ein Geschäfts abschließt, als selbstständiger Handelsvertreter grundsätzlich Anspruch auf eine angemessene Provision besitzt, sofern er im Namen des Auftraggebers handelt. Die Höhe der Provision richtet sich nach der Wertgröße des Vertragsgeschäfts. Dies kann zum Beispiel der Kaufpreis, der monatliche Beitrag beziehungsweise Miete, die Kreditsumme oder ähnliches sein.

Fälligkeit

Anspruch auf die Provision besteht nur bei tatsächlich ausgeführtem Geschäft. Fällig wird die Provision zum letzten Tag des Monats des Vertragsabschlusses. Der Unternehmer muss sie monatlich oder spätestens quartalsweise auszahlen. Kommt der Unternehmer seiner Verpflichtung nicht nach, kann der Handelsvertreter seine Provision bereits im übernächsten Monat nach Geschäftsabschluss juristisch einfordern. Er ist außerdem berechtigt, bei der Abrechnung der Provision einen Buchauszug zu fordern. So kann er überprüfen, ob die Provision vollständig und richtig abrechnet wurde. Verweigert ihm der Unternehmer diesen Buchauszug, kann er einen Wirtschaftsprüfer damit beauftragen, Einsicht in die Geschäftsbücher zu nehmen.

Wegfall

Entfällt die Geschäftsbeziehung oder die rechtsverbindliche Grundlage zwischen Kunde und Unternehmer, so entfällt auch der Anspruch auf Provision für den Handelsvertreter trotz seiner erbrachter Leistung. Das ist beispielsweise der Fall bei Zahlungsunfähigkeit des Kunden, Rücktritt vom Vertrag oder Kündigung.

Provisionsrabatt

Eine Provision kann außerdem wegfallen oder geringer ausfallen, wenn sich die Bewertungsgrundlage ändert. Das ist beispielsweise der Fall, wenn der Vermittler dem Kunden Rabatte gewährt. Bei einigen Geschäftsvermittlungen verzichtet der Vermittler sogar ganz auf die Provision. Nicht immer übernimmt dieser den kompletten Verzicht; in manchen Fällen teilt sich der Provisionsverzicht prozentual auf alle Provisionsbeteiligte auf.

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Wie wird die Provision versteuert?

Grundsätzlich stellt die Provision einen steuerpflichtigen Arbeitslohn dar. Wer sie erhält, muss sie also voll versteuern, so wie jede andere Art von Gehalt oder Einkommen auch. Einmalige Provisionszahlungen, die keinen bestimmten Bezug zu einem Lohnzahlungszeitraum haben, müssen Sie als sonstige Bezüge angeben. Regelmäßige Provisionen sind als steuerpflichtige Einnahmen in Bilanz beziehungsweise Einnahmeüberschussrechnung (EÜR) zu erfassen.

Wird die Provision als Arbeitgeber im Rahmen einer Anstellung bezahlt, so ist dieser verpflichtet, Sozialabgaben und Lohnsteuer entsprechend abzuführen. Für Provisionen gilt zudem grundsätzlich die Umsatzsteuerpflicht. Das Umsatzsteuergesetz (UStG) sieht jedoch gemäß § 4 Absatz 8 einige Ausnahmen vor, die in diesem Zusammenhang steuerfrei sind:

➠ Bankgeschäfte und Kreditvermittlung
➠ Versicherungsleistungen und Bausparverträge
➠ Leistungen von Versicherungsmaklern und -vertretern

Wie kann man Provisionen berechnen?

Je nach Branche berechnen sich die Provisionen unterschiedlich. Grundsätzlich gilt: Je mehr Verträge ein Berater mit den Kunden abschließt beziehungsweise je mehr Kunden er wirbt, umso höher fällt in der Summe seine Provision aus. Eine Provision kann daher die Motivation der Mitarbeiter im Vertrieb deutlich erhöhen. Sie können direkt den Erfolg ihrer Arbeit und Bemühungen an ihren finanziellen Einkünften absehen.

Andererseits kann eine Bezahlung auf Provisionsbasis eine unabhängige Beratung des Kunden verhindern. Schließlich wird sich der Vermittler auf die Produkte konzentrieren, die ihm im Verhältnis zum Arbeitsaufwand die meiste Provision einbringen. Die reine Bezahlung auf Provisionsbasis ist daher mit Risiken für die Mitarbeiter verbunden. Da eine Provision nur im Erfolgsfall fließt, muss der Mitarbeiter zusätzlichen Aufwand für nicht zielführende Beratungsgespräche in seine Kalkulation mit einfließen lassen.

Provisionsanspruch bei Krankheit?

Schwieriger gestaltet sich, den Provisionsanspruch bei Krankheit oder Urlaub zu berechnen. Handelsvertreter haben in der Regel keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle. Anders bei angestellten Vertriebsmitarbeitern. Hier müssen Unternehmen errechnen, welche Provisionen angefallen wären, wenn der Mitarbeiter nicht erkrankt wäre. Der Vormonat oder die letzten drei Monate sind für eine Berechnung zu ungenau. Stattdessen sollten Unternehmen aus den vergangenen zwölf Monaten einen Provisionsdurchschnitt ermitteln.

Sonderfall: Provision bei Kurzarbeit

In unsicheren Zeiten wie der Corona-Krise melden vielerorts Unternehmen Kurzarbeit an. Viele angestellte Mitarbeiter im Vertrieb sind auf Provisionen angewiesen, da diese einen wesentlichen Gehaltsbestandteil darstellen. Die Mitarbeiter müssen weiterhin für ihre Kunden da sein – und sei es nur per Rufbereitschaft am Telefon oder für Anfragen per E-Mail. Wichtig daher die Frage, wie man das Kurzarbeitergeld angesichts schwankender Provisionen berechnen kann?

Sofern es sich nicht anders ermitteln lässt, berechnet man das Kurzarbeitergeld im Falle von Provisionszahlungen nach § 106 im dritten Sozialgesetzbuch (SGB III). Diese sogenannte Nettoentgeltdifferenz bemisst den durchschnittlichen Lohn der letzten drei Monate. Auf dieser Basis lässt sich auch im Falle von Provisionen ein Mittelwert errechnen, der wiederum die Grundlage für das Kurzarbeitergeld darstellt.

Wer jedoch als Handelsvertreter nach § 87 HGB tätig ist, hat als Selbstständiger keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld – er muss also anderweitige Unterstützungen beantragen oder Wege finden, seinen Beruf entsprechend ausüben zu können. Hier ist zunächst ein Gespräch mit dem Unternehmer unerlässlich.

In welchen Berufen wird eine Provision bezahlt?

Ein Gehalt kann aus mehreren Bestandteilen bestehen: einem fest vereinbarten Fixum und je nach nach Erfolg zusätzlichen Provisionen. In anderen Jobs hingegen wird nur rein nach Erfolg bezahlt: Sie laufen ausschließlich auf Provisionsbasis.

Die Provision kommt in erster Linie in Berufen vor, in denen Handelsgeschäfte erledigt werden. Das liegt daran, dass bei einer finanziellen klar messbaren Leistung auch der Begriff eines erfolgreichen Geschäftes beziehungsweise Geschäftsabschlusses unmissverständlich formuliert werden kann.

Meist betrifft dies freie Handelsvertreter oder Makler – zum Beispiel im Finanzwesen oder Immobilienbereich. Gerade für eine erfolgreich vermittelte Wohnung oder ein Haus können erhebliche Provisionen fließen, je nach finanziellem Umfang des abgeschlossenen Geschäfts.

Die Bezahlung von Provisionen ist jedoch nicht zwangsläufig an eine selbstständige Tätigkeit geknüpft. Es gibt auch viele Angestellte, die sich eine Provision verdienen. Insbesondere in diesen Berufen sind Provisionen üblich:

Immobilienmakler
Bankberater und Kreditvermittler
➠ Versicherungskaufmann
➠ Verkäufer bei Ebay oder anderen Plattformen
➠ Arbeitsvermittler

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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11. November 2020 Tilman Schulze Autor: Tilman Schulze

Tilman Schulze arbeitet freiberuflich als Kommunikationstrainer, Coach und Mediator in Freiburg und Umgebung. Er ist Autor verschiedner Bücher.

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