Gehaltsverzicht: Das müssen Sie wissen

Schon bei dem Gedanken an das Thema Gehaltsverzicht werden alle Abwehrmechanismen aktiviert. Geld ist seit jeher ein heikles Thema, geht es dann auch noch darum, das Gehalt zu kürzen und auf einen Teil der Ansprüche zu verzichten, sehen viele Arbeitnehmer rot. Mit einem Gehaltsverzicht möchte sich wohl niemand auseinandersetzen, dennoch kann jeder auch vollkommen unverhofft und unverschuldet damit in Kontakt kommen. Aber eben weil sich keiner damit beschäftigt, herrscht dann erst einmal große Ratlosigkeit und auch Unsicherheit darüber, was zu tun ist und welche Alternativen es gibt. Wir erklären, was mit einem Gehaltsverzicht gemeint ist, welche Gründe es geben kann, einem solchen zuzustimmen oder diesen sogar selbst zu veranlassen und was Sie in steuerlicher Hinsicht beachten müssen, wenn Sie auf einen Teil Ihres Gehalts verzichten…

Gehaltsverzicht: Das müssen Sie wissen

Gehaltsverzicht: Warum sollte jemand auf sein Gehalt verzichten?

Ein Gehaltsverzicht ist auf den ersten Blick leicht erklärt, hat für Arbeitnehmer aber zum Teil immense Auswirkungen: Auf das Gehalt zu verzichten ist dabei sehr wörtlich zu nehmen und bedeutet nichts anderes, als dass Sie einen Teil Ihrer Ansprüche, die Sie gegenüber dem Arbeitgeber haben, erlassen. Oder anders ausgedrückt: Sie bekommen weniger Geld für Ihre Arbeitsleistung. Wurde Ihre Bezahlung im Arbeitsvertrag beispielsweise mit 3000 Euro brutto festgehalten, kann ein Gehaltsverzicht dazu führen, dass Sie nur noch 2000 oder auch 1500 Euro brutto erhalten.

Die erste Frage, die sofort im Raum steht, lautet: Wieso sollte ein Mitarbeiter dies tun, schließlich hat das Ganze scheinbar nur Nachteile für ihn und aus dem Vertrag geht eindeutig hervor, dass eine höhere Bezahlung vereinbart wurde und somit auch geschuldet wird. Die Erklärung: Gerät ein Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, kann ein teilweiser Gehaltsverzicht des Personals als ein Mittel gesehen werden, die Insolvenz abzuwenden da auf diese Weise die Personalkosten schnell und drastisch gesenkt werden können.

Hin und wieder geht ein solcher Gehaltsverzicht von Manager, Aufsichtsratsmitgliedern oder Geschäftsführern durch die Medien, auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bekam schon einmal nur ein symbolisches Gehalt von einem Dollar im Jahr – auch wenn es in seinem Beispiel nicht um eine Bedrohung des Unternehmens ging, sondern eher eine Geste, da er und andere hohe Manager von Facebook aufgrund der Aktienanteile ohnehin ein großes Vermögen erwirtschaftet haben. Dennoch ist es ein Gehaltsverzicht und ein gewaltiger noch dazu, da die Führungsetage auf viele Millionen Dollar verzichtete.

Versucht Ihr Arbeitgeber mit einem Gehaltsverzicht die finanzielle Situation zu verbessern oder das Unternehmen zu retten, stehen Sie vor der Wahl: Wollen – und können – Sie sich auf das reduzierte Gehalt einlassen, um zu versuchen, Ihren Arbeitsplatz doch noch zu erhalten? Eine Garantie kann es dafür nicht geben und so ist es durchaus auch denkbar, dass Sie mit der geringeren Bezahlung leben und am Ende doch Ihren Job aufgrund einer Insolvenz verlieren.

Als Alternative können Sie sich gleich nach einem neuen Job umsehen und versuchen, einen sichereren Arbeitsplatz bei einem anderen Arbeitgeber zu finden. Dies ist auch nicht immer leicht, bietet in der Praxis aber oftmals größere Erfolgsaussichten als die Hoffnung, mit dem halben Gehalt über die Runden zu kommen, während Sie darauf warten, dass Ihr aktueller Arbeitgeber saniert wird.

Sie können auch selbst einen Gehaltsverzicht wollen

Eine andere Form des Gehaltsverzichts ist ebenfalls denkbar, wenn Sie selbst die Idee dazu haben und mit Ihrem Chef besprechen. Dabei geht es allerdings nicht um Großzügigkeit, sondern um eine Neugestaltung des Arbeitsverhältnisses. Soll heißen: In diesem Fall geht der Gehaltsverzicht mit einer kürzeren Arbeitszeit einher.

Die Gestaltungsmöglichkeiten sind dabei fast grenzenlos und richten sich danach, was Sie wollen, wozu Ihr Arbeitgeber bereit ist und was Sie gemeinsam aushandeln. Denkbar ist beispielsweise, dass Sie flexiblere Arbeitszeiten vereinbaren oder auch Ihre Arbeitszeit entsprechend dem Gehaltsverzicht kürzen und anpassen. Wollen Sie Ihre Arbeitsleistung also beispielsweise um die Hälfte reduzieren, geschieht dies auch mit Ihrem Gehalt.

Ein solcher Gehaltsverzicht aus eigener Motivation kann aufgrund einer besseren Work-Life-Balance, mehr Freizeit für sich selbst oder die Familie oder auch aus gesundheitlichen Gründen angestrebt werden.

Achten Sie jedoch unbedingt darauf, dass Sie sich darüber im Klaren sind, was der Gehaltsverzicht für Sie bedeutet. Wie wirkt sich die Kürzung des Brutto-Gehalts wirklich auf das aus, was Sie am Ende auf dem Konto haben? Wie viel Geld benötigen Sie, um Ihre Kosten weiterhin zu decken? Gibt es Möglichkeiten, um etwas zu sparen? Die gleichen Fragen sollten Sie sich natürlich auch stellen, wenn der Wunsch nach einem Gehaltsverzicht von Ihrem Arbeitgeber kommt.

Das müssen Sie beim Gehaltsverzicht beachten

Gehaltsverzicht Mitarbeiter freiwillig Sozialversicherung Arbeitgeber Insolvenz Grundsätze Ein Gehaltsverzicht ist alles andere als eine Kleinigkeit, sondern stellt eine wichtige Veränderung in den gegenseitigen Verpflichtungen dar. Aus rechtlicher Sicht handelt es sich dabei um einen sogenannten Erlassvertrag, der zwischen Mitarbeiter und Unternehmen geschlossen wird und alle wichtigen Punkte des Verzichts regelt. Grundsätzliche Punkte sind dabei natürlich die Höhe und die Dauer des Gehaltsverzichts.

Bevor es soweit kommt, muss im ersten Schritt zunächst geprüft werden, ob ein Gehaltsverzicht überhaupt zulässig ist, da einige Faktoren beachtet werden müssen, die im Zweifelsfall zur Unwirksamkeit führen können. So muss beispielsweise weiterhin der Mindestlohn eingehalten werden und Vereinbarungen, die eine geringere Bezahlung festlegen, verlieren ihre Wirksamkeit.

Zu berücksichtigen ist auch, ob es einen Tarifvertrag gibt, der auf das Arbeitsverhältnis angewendet wird. Hier kann es sein, dass ein Gehaltsverzicht unmöglich wird, wenn im Tarifvertrag nichts entsprechendes geregelt wird. Besondere Regelungen können auch bei Teilzeitkräften gelten.

Es empfiehlt sich daher in jedem Fall, den Gehaltsverzicht von einem Experten für Arbeitsrecht prüfen zu lassen und sich umfangreich zu informieren.

Was bedeutet ein Gehaltsverzicht für die Steuern?

Der Gehaltsverzicht reduziert Ihr Einkommen und beeinflusst somit die steuerliche Grundlage, die für die Berechnung Ihrer Lohnsteuer genutzt wird. Heißt im Klartext: Wenn Sie weniger Gehalt beziehen, zahlen Sie auch weniger Steuern darauf, da nur noch das reduzierte Gehalt steuerpflichtig ist. Dahinter steht das für die Lohnsteuer geltende Zuflussprinzip, was nichts anderes bedeutet, als das Sie nur Steuern auf das Geld zahlen, das Ihnen – wie der Begriff bereits sagt – auch wirklich zufließt.

Ein wenig anders kann es jedoch bei der Sozialversicherung sein. Hier entsteht die Steuerlast nicht mit dem Zufluss, sondern bereits durch den Anspruch auf ein Gehalt. Dies ist das sogenannte Entstehungsprinzip. Im schlimmsten Fall müssten Sie also selbst dann Ihren Verpflichtungen aus der Sozialversicherung nachkommen, wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen nicht einen Cent zahlt, obwohl Sie Anspruch auf volles Gehalt hätten.

Doch ein Gehaltsverzicht kann auch für die Sozialversicherung relevant sein und sich auf die Abgaben auswirken, wenn drei wichtige Kriterien erfüllt werden:

  • Der Verzicht auf das Gehalt muss schriftlich festgehalten werden. Dabei muss vor allem die genaue Hohe und die Zusammensetzung des Gehalts – beispielsweise Prämien oder Zuschläge – genau vereinbart werden.
  • Der Gehaltsverzicht muss arbeitsrechtlich zulässig und wirksam sein.
  • Der Gehaltsverzicht gilt nur für zukünftige Gehälter. Es ist nicht möglich, rückwirkend vergangene Beiträge zu verringern. Hier greift das Entstehungsprinzip: Die Steuerlast ist bereits zum Zeitpunkt des ursprünglichen Anspruchs entstanden und bleibt somit von einem späteren Gehaltsverzicht unberührt.
[Bildnachweis: tetxu by Shutterstock.com]
26. Oktober 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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