Gehaltszettel: Richtig lesen, mehr rausholen

Der Gehaltszettel ist bekanntlich ein wichtiges Dokument, das in den eigenen Unterlagen abgeheftet und aufgehoben wird. Für die meisten Arbeitnehmer endet an dieser Stelle aber auch schon die Auseinandersetzung mit der Gehaltsabrechnung, die einmal im Monat im Briefkasten landet. Sich die Zeit nehmen, noch einmal auf den Gehaltszettel zu schauen, diesen wirklich zu verstehen und zu kontrollieren? Das macht kaum jemand, solange der Endbetrag stimmt und rechtzeitig auf dem Konto eingeht. Wer seinen Gehaltszettel einfach nur beiseite legt, übersieht aber möglicherweise Fehler und damit auch Chancen, mehr Gehalt herauszuholen und vielleicht den ein oder anderen Euro mehr zu bekommen. Wir erklären, worauf Sie bei Ihrem Gehaltszettel achten sollten, welche Angaben Sie regelmäßig prüfen sollten und wo Sie vielleicht mehr Geld rausholen können…

Gehaltszettel: Richtig lesen, mehr rausholen

Gehaltszettel: Warum bleibt er unbeachtet?

Wenn Sie ganz ehrlich zu sich selbst sind: Wie lange nehmen Sie Ihren Gehaltszettel zur Hand, bevor Sie ihn zu den anderen Dokumenten abheften? Vielleicht eine Minute, aber auch nur, weil Sie die DIN A 4 Seite noch lochen müssen? Die Abrechnung wird zur nervigen Standardaufgabe, die schnell nebenbei erledigt wird und an die kein Gedanke verschwendet werden soll.

Eine merkwürdige Einstellung, vor allem vor dem Hintergrund, wie wichtig die Bezahlung ist. Sie sichert den Lebensunterhalt und vor Vertragsabschluss oder bei anstehenden Gehaltserhöhungen scheint es kein Thema zu geben, dem größere Aufmerksamkeit zukommt.

Warum wird der Gehaltszettel dann ignoriert, statt sich damit zu beschäftigen? Es geht immerhin um bares Geld, wenn beispielsweise bei der Berechnung Fehler gemacht wurden oder falsche Daten vorliegen, die zu einem anderen Gehalt führen können. Die Ursache liegt vielmehr darin, dass viele Arbeitnehmer nicht wissen, wie Sie den Gehaltszettel richtig lesen, welche Angaben wichtig sind und was es zu beachten gilt.

Die Daten, Zahlen und Abkürzungen wirken für die meisten Mitarbeiter wie ein Buch mit sieben Siegeln. So bleibt dann nur der Blick auf die letztliche Auszahlung, ein kurzes Ja, das kommt hin… und schon verschwindet der Gehaltszettel in der Ablage.

Wichtige Fragen für Ihren Gehaltszettel

Es gibt gleich zwei gute Nachrichten beim Gehaltszettel, über die Sie sich freuen können: Zum einen können Sie sich häufig auf die Erstellung verlassen, zum anderen brauchen Sie kein Studium oder enormes Vorwissen, um die wichtigsten Angaben zu kontrollieren und sich somit einen besseren Überblick darüber zu verschaffen, ob auf dem Gehaltszettel alles richtig ist.

Schließlich weiß schon der Volksmund, dass Vertrauen zwar gut, Kontrolle aber besser ist. So ist es in jedem Fall ratsam, wenn Sie sich mehr Zeit für die Begutachtung Ihrer Gehaltsabrechnung nehmen. Auch wenn diese von einer Software erstellt werden, stehen dahinter weiterhin Menschen, die Daten einfügen und das Programm bedienen. Und Fehler sind menschlich und können jedem passieren.

Die folgenden Fragen helfen Ihnen dabei, Ihren Gehaltszettel zu kontrollieren und auf die wichtigsten Faktoren zu achten:

  • Ist das Gehalt wie erwartet?

    Der erste Punkt, den Sie auf Ihrem Gehaltszettel immer kontrollieren sollten, ist das letztlich berechnete Gehalt, das Ihnen ausgezahlt wird. Bei einem festen Gehalt sollte dies konstant sein, solange es keine Änderungen in der Höhe des Bruttogehalts oder bei einzelnen Abgaben gibt. Werden Sie hier bereits stutzig, weil der Betrag nicht Ihren Erwartungen entspricht oder sich deutlich geändert hat, sollten Sie nach den genauen Gründen suchen.

  • Wurde die richtige Lohnsteuerklasse angegeben?

    Der wichtigste Faktor für die Berechnung Ihres Einkommens ist die Lohnsteuerklasse. Eine andere Steuerklasse kann dabei mehrere hundert Euro im Monat ausmachen, weshalb Sie diese unbedingt kontrollieren sollten.

  • Stimmen die Abgaben der Sozialversicherungen?

    Die Beiträge zu den Sozialversicherungen können sich ändern, es hilft daher, wenn Sie auf dem Laufenden bleiben und wissen, wie hoch die Abgaben aktuell sind. Momentan liegt der Kassensatz für die Krankenversicherung bei 14,6 Prozent und wird je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen. Hinzu können Zusatzbeiträge der Krankenkassen kommen. Der Beitrag zur Rentenversicherung liegt bei 18,6 Prozent, für die Pflegeversicherung werden 2,55 Prozent fällig (plus weitere 0,25 Prozent für kinderlose Arbeitnehmer ab einem Alter von 23 Jahren) und die Arbeitslosenversicherung schlägt mit 3 Prozent zu Buche.

  • Sind alle Gehaltsbestandteile aufgelistet?

    Einige Abrechnungen führen nur den Punkt Gehalt auf, doch oftmals besteht die Bezahlung aus mehreren Gehaltsbestandteilen. Diese können sich aus dem Arbeitsvertrag aber auch aus Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen ergeben. Beispiele sind etwa Prämien, Urlaubsgeld oder besondere Zulagen für Arbeit an Sonn- und Feiertagen.

  • Ist die Kirchensteuer korrekt?

    Gehören Sie einer Religionsgemeinschaft an – die staatlich anerkannt ist – müssen Sie Kirchensteuer zahlen. Genau diese ist für viele aber auch ein Grund, aus der Kirche auszutreten. Deshalb sollten sie prüfen, ob die Kirchensteuer auf Ihrem Gehaltszettel korrekt ist. Falls Sie diese zahlen müssen, wird sie auf Grundlage der Lohnsteuer berechnet und beträgt in Bayern und Baden-Württemberg 8 Prozent, in den anderen Bundesländern 9 Prozent.

Lernen Sie, den Gehaltszettel richtig zu lesen

Wenn Sie sich Ihren Gehaltszettel mit diesem Fragen im Hinterkopf genauer ansehen, reduzieren Sie das Fehlerrisiko bereits deutlich und erkennen, wenn etwas falsch berechnet oder nicht anerkannt wurde und auch, ob Sie an einigen Stellen noch mehr rausholen können.

Um sich wirklich mit dem Inhalt Ihres Gehaltszettels zu beschäftigen und auch besser zu verstehen, welche Informationen Sie dort vor sich haben, lohnt es sich, wenn Sie lernen, den Gehaltszettel richtig zu lesen. Das hilft auch dabei, die oben genannten Fragen zu beantworten, denn diese bringen Sie nicht weiter, wenn Sie keine Ahnung haben, wo die Angaben zu finden sind.

Besonders wichtig sind dabei die vielen Abkürzungen, von denen es auf dem Gehaltszettel nur so wimmelt. Noch recht bekannt sind die Sozialversicherungen, die als KV (Krankenversicherung), RV (Rentenversicherung), AV (Arbeitslosenversicherung) und PV (Pflegeversicherung) abgekürzt werden. Auch andere Abgaben werden durch kurze Buchstabenkombinationen angegeben.

Für die Berechnung der Sozialversicherungen wird wiederum das sogenannte SV-Brutto genutzt. Dieses ist Ihr sozialversicherungspflichtiges Brutto-Einkommen, was vor allem dann relevant ist, wenn Sie steuerfreie Gehaltsbestandteile haben. Die größte Abgabe verbirgt sich hinter der Abkürzung LSt für die zu zahlende Lohnsteuer.

Weitere Abkürzungen, die Ihnen auf dem Gehaltszettel begegnen können, sind ein L, um einen laufenden Bezug – etwa Ihre monatlichen Gehaltszahlungen – zu kennzeichnen oder im Gegensatz ein E, das einen Einmalbezug bedeutet.

Bei Ihren persönlichen Daten sollten Sie vor allem einen Blick auf Ihre Sozialversicherungsnummer (SV-Nr) und die Steueridentifikationsnummer (Steuer-ID) haben.

[Bildnachweis: kan_chana by Shutterstock.com]
19. April 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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