Die Beratungsbranche boomt bereits seit Jahren, viele Unternehmen bauen auf die Expertise von Junior bis Senior Consultants, um Probleme zu lösen, Projekte zu betreuen und Erfolge einzufahren. Das große Augenmerk liegt dabei klassischerweise auf den bekannten Unternehmensberatungen wie McKinsey, KPMG, Deloitte oder Accenture. Junge Talente und aufstrebende Unternehmensberater werden dabei vor allem von lukrativen Verdienstmöglichkeiten und namhaften Arbeitgebern angezogen. Weniger Beachtung findet häufig das Inhouse Consulting, obwohl inzwischen ein Großteil der Unternehmen auf die Beratung innerhalb der eigenen Reihen setzt. Wo die Unterschiede zwischen Inhouse Consulting und externen Beratern liegen und wann diese besonders interessant sein kann...

Inhouse Consulting Aufgaben Definition Vorteile Entscheidung

Was ist Inhouse Consulting?

Inhouse Consulting Definition Aufgaben Gehalt UnternehmenDas Inhouse Consulting kann als interne Konkurrenz zu den großen externen Anbietern von Unternehmensberatung gesehen werden. Im Grunde erbringen beide Seiten nämlich sehr ähnliche oder sogar vollständig gleiche Leistungen - der Unterschied besteht lediglich darin, dass das Inhouse Consulting in ein Unternehmen eingegliedert ist und dabei oft als Abteilung geführt wird, die mit den anderen Bereichen zusammenarbeitet. Externe Beratungen kommen hingegen von außerhalb, sind ein eigenständiges Unternehmen und werden für die Zusammenarbeit über einen gewissen Zeitraum engagiert, um mit dem Unternehmen oder einzelnen Abteilungen zu kooperieren.

Sowohl das Inhouse Consulting als auch die externen Berater werden meist dann zur Hilfe gerufen, wenn es zusätzliche Unterstützung braucht, weil eine Unternehmensbereich beispielsweise alleine nicht mehr weiter weiß, ein größeres Know How in bestimmten Feldern benötigt wird oder ein neuer Blickwinkel hinzugefügt werden soll, um die Lage neu zu bewerten und daraus Lösungen abzuleiten.

Bei der Frage, ob das Inhouse Consulting nun besser, gleichwertig oder schlechter ist als andere Beratungsfirmen, wird es ein wenig knifflig. Dies liegt vor allem daran, dass beide Seiten den größten Unterschied als eigenen Vorteil interpretieren. So sehen externe Unternehmensberater es als ihren Pluspunkt, dass sie den Blick von außen haben, unvoreingenommen an die Aufgabe herangehen können und durch diese neutrale Perspektive das bestmögliche Ergebnis erzielen.

Das Inhouse Consulting brüstet sich auf der anderen Seite damit, dass sie näher dran sind, mit den Abläufen, Prozessen, Informationen und Vorstellungen innerhalb des Unternehmens vertraut sind und eine besser angepasste Beratung und damit Lösung liefern können. Darüber kann das Inhouse Consulting noch weitere Vorteile mitbringen:

  • Schnellere Handlungsbereitschaft

    Da beim Inhouse Consulting die Berater direkt im Unternehmen sind, können diese meist schneller tätig werden und bei Problemen eingreifen und helfen.

  • Höhere Akzeptanz

    Im besten Fall trifft das Inhouse Consulting bei den Mitarbeitern auf höhere Akzeptanz, weil die Berater aus den eigenen Reihen stammen und nicht als Außenstehende über eine Abteilung urteilen und Anweisungen geben. Gewissermaßen handelt es sich schließlich um Kollegen aus einer anderen Abteilung.

  • Geringere Kosten

    Natürlich sind auch mit dem Inhouse Consulting einige Kosten verbunden, können diese geringer ausfallen als der wiederholte und ständige Einsatz externer Beratungsunternehmen, wo zum Teil enorme Preise fällig werden.

  • Wachsende Erfahrung

    Das Inhouse Consulting kann von den Erfahrungen profitieren, sich weiterentwickeln und somit mit der Zeit immer besser reagieren und schneller passende Lösungen finden. Je länger die internen Berater tätig sind, desto größer der Nutzen.

Als Berater im Inhouse Consulting?

Die Beratungsbranche lockt mit hohen Gehältern, schreckt gleichzeitig aber auch viele ab, da die Geschichten von endlosen Arbeitstagen, dem dauerhaften Reisen zwischen verschiedenen Unternehmen in unterschiedlichen Ländern und dem Fehlen einer Work-Life-Balance weithin bekannt sind. Mit dem Inhouse Consulting gibt es eine mögliche Alternative, doch sollten dabei keine falschen Hoffnungen oder Erwartungen geweckt werden.

Auch interne Berater haben einen anstrengenden Job, müssen mit Stress und Herausforderungen umgehen können - gerade wenn ein Projekt ansteht und dringend bearbeitet werden muss. Wer also nach einem vollkommen entspannten Beruf sucht, bei dem Überstunden ein Fremdwort sind, ist vermutlich in der Beratung - ob nun extern oder im Inhouse Consulting - falsch.

Zusätzlich ist es gar nicht so leicht, einen Job im Inhouse Consulting zu bekommen, da die Anforderungen an Mitarbeiter hoch gesteckt sind, wie Sae-Yun Song - Wirtschaftsingenieurin und Teamleiterin für das Recruiting bei DB Management Consulting, der internen Managementberatung der Deutschen Bahn - berichtet:

Neben einem überdurchschnittlichen Diplom- oder Masterabschluss sind hohe Problemlösungskompetenz, Kommunikationsstärke, ein ausgeprägtes analytisches Denkvermögen, sowie Begeisterungs- und Teamfähigkeit gefragt. Ein sicherer Auftritt gegenüber von Kunden im Top-Management ist ebenso unerlässlich wie sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse und Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen.

Während die großen Strategieberatungen Absolventen aller Fachrichtungen einstellen, achten interne Beratungen stärker auf einen branchenspezifischen Hintergrund. Ihr Interesse an der Beratung sollten Sie idealerweise durch Praktika in renommierten Beratungshäusern oder die Tätigkeit in einer studentischen Unternehmensberatung nachweisen können.

Inhouse Consulting: Lieber in die externe oder interne Beratung?

Wer in die Beratung möchte, hat sich einiges vorgenommen - unabhängig davon, ob es nun das Inhouse Consulting oder ein anderes Beratungsunternehmen sein soll. Umso wichtiger, dass Sie finden, was wirklich zu Ihnen passt, damit Sie den kommenden Herausforderungen gewachsen sind. Wer mit dem Umfeld nicht zurecht kommt, hat es im Berufsleben ohnehin nicht leicht und in einer schwierigen Branche wie dem Consulting noch viel schwieriger.

Sae-Yun Song empfiehlt deshalb eine gründliche Vorbereitung und Recherche: Bei Vergleichen zwischen der externen und internen Beratung ist wichtig zu erwähnen: Ebenso wie zwischen McKinsey, Roland Berger und Co. gibt es auch unter den Inhouse-Beratungen große Unterschiede – von den Beratungsschwerpunkten und Auftraggebern über die Vorstandsnähe und Größe bis hin zum Reiseaufkommen. Probieren Sie sich aus und prüfen Sie schon während Ihres Studiums, welche Unternehmensberatung am besten zu Ihnen und Ihren Interessen passt.

Um bei der richtigen Wahl zu helfen und eine erste Orientierung zu ermöglichen, hat Song ingesamgt sieben Fragen zusammengestellt, die sich auf die grundlegenden Unterschiede zwischen externer Unternehmensberatung und Inhouse Consulting konzentrieren:

  1. Möchte ich verschiedene Firmen und Industrien kennenlernen oder mein eigenes Unternehmen beraten?

    Wer sich zunächst einen breiten Überblick über unterschiedliche Unternehmenskulturen und Industrien verschaffen möchte, ist bei einer externen Beratung gut aufgehoben. Doch suchen Sie sich dann besser eine Unternehmensberatung aus, in der Sie sich nicht auf eine Industrie festlegen müssen und teilen Sie beim Bewerbungsgespräch Ihre Präferenzen klar mit. So haben Sie die Chance, sich ein breiteres Projekt-Portfolio zu erarbeiten. Generell macht sich Erfahrung in der externen Unternehmensberatung gut im Lebenslauf. Stellen Sie irgendwann fest, dass Sie doch lieber im Inhouse Consulting arbeiten möchten, ist der Wechsel leicht – vorausgesetzt, Sie haben extern eine exzellente Leistung erbracht und bringen auch den kulturellen Fit mit.

    Kennen Sie bereits Ihre Lieblingsbranche oder favorisieren Sie ein konkretes Unternehmen, dann kann für Sie der Einstieg im Inhouse Consulting besser sein. Insbesondere, wenn Ihnen wichtig ist, sich mit dem Unternehmen auf der Kundenseite und seinen Produkten identifizieren zu können, sollten Sie diese Option für sich prüfen. Auch wenn Sie als Inhouse Consultant nur ein Unternehmen beraten, bleibt die Arbeit vielseitig – gerade in größeren Unternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsfeldern. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Beratung im eigenen Unternehmen ist das Verhältnis zum Kunden: Sie sind Kollegen, arbeiten gemeinsam für ein Unternehmen und damit partnerschaftlich auf ein gemeinsames Ziel hin - auch nach Projektabschluss.


  2. Möchte ich dienstlich die Welt bereisen oder in Deutschland arbeiten?

    Die großen externen Unternehmensberatungen haben eine Vielzahl internationaler Niederlassungen, sodass Sie hier gute Chancen haben, sich in ein Büro auf der anderen Seite des Globus versetzen zu lassen. Das ist bei internen Unternehmensberatungen seltener der Fall. Auch wenn internationale Projekte hier zunehmend eine wichtige Rolle spielen, ist das Kerngeschäft hierzulande überwiegend in Deutschland angesiedelt. Das bedeutet jedoch nicht, dass interne Berater nur an einem Standort arbeiten. Je nach Unternehmen können die Projektstandorte deutschlandweit variieren.


  3. Wie wichtig ist mir, die Ergebnisse meiner Arbeit zu sehen?

    Auch wenn die Umsetzungsbegleitung in externen Beratungen immer wichtiger wird: In der internen Beratung sind Sie enger in die Implementierung Ihrer Konzepte eingebunden. Hier begleiten Sie den Kunden solange, bis sichergestellt ist, dass Ihr Konzept erfolgreich realisiert werden kann – schließlich kann sich keine interne Beratung leisten, ihren Ruf im Unternehmen zu verlieren.


  4. Welche Entwicklungsperspektiven möchte ich haben?

    Als externer Berater entwickeln Sie sich entweder bis zum Partner, machen sich selbstständig (zum Beispiel mit einer eigenen Unternehmensberatung oder einem Startup), wechseln in die interne Beratung oder in die Industrie. Im Inhouse Consulting haben Sie neben dem Aufstieg auf der internen Karriereleiter zusätzlich die Möglichkeit, nach wenigen Jahren eine verantwortungsvolle Aufgabe im Unternehmen zu übernehmen. In verschiedenen Projekten können Sie hier ein weitreichendes Netzwerk knüpfen und lernen das Unternehmen aus der Innenperspektive kennen. Wer gute Arbeit auf Projekten macht, rührt die Werbetrommel für sich ganz automatisch. Der Transfer in die Linie wird oft professionell unterstützt, da viele Inhouse-Beratungen einen expliziten Auftrag zur Entwicklung von Führungsnachwuchskräften haben und als unternehmensinterner Talentpool betrachtet werden.


  5. Bin ich bereit für überdurchschnittlich lange Arbeitstage?

    Sowohl in der externen als auch in der internen Unternehmensberatung sind die Erwartungen an den persönlichen Einsatz hoch und die Qualität der Arbeit muss stimmen. Dennoch gibt es Unterschiede im Anspruch an die zeitliche Verfügbarkeit: Im Inhouse Consulting ist das Commitment zu ausgewogeneren Arbeitszeiten weit verbreitet und schlägt sich in der Projekt- und Terminplanung nieder: Es gibt mehr Pufferzeiten, das Wochenende bleibt frei von Schulungen oder Events und Projekteinsätze am Wochenende sind die Ausnahme, nicht die Regel. In großen Beratungen sind hingegen interne Treffen, Schulungen und Projekteinsätze am Wochenende keine Seltenheit und Arbeitstage können durchaus bis Mitternacht dauern.

    Ein Aspekt, der auf die Work Life Balance vieler externer Berater drückt, ist zudem die Kundenakquise: Interne Beratungseinheiten müssen sich bei manchen Ausschreibungen gegen externe Beratungen behaupten, aber die aktive Kundenakquise fällt weg. Dies ist ein großer Pluspunkt und schafft Raum und Zeit sich auf die Projektarbeit zu konzentrieren.


  6. Kann ich mit dem Up-or-out-Prinzip leben oder nicht?

    In vielen externen Unternehmensberatungen gilt dieses Prinzip: Entweder, man entwickelt sich in der vorgesehenen Zeit weiter, oder man ist draußen. Dies geht oft einher mit einer geringen Fehler-Toleranz - wobei das Ausmaß stark von der jeweiligen Unternehmenskultur abhängt. Obwohl auch manche Inhouse-Beratungen dieses Prinzip etabliert haben, geht es dort in der Regel kollegialer zu. Im Bewerbungsgespräch lohnt es sich daher, genau nachzufragen.


  7. Wie wichtig ist mir die Höhe des Gehalts?

    Die Bezahlung ist sowohl in der externen als auch in der internen Unternehmensberatung sehr gut. Wichtig bei der Entscheidung ist das Gesamtpaket, welches zum Beispiel auch die Zahl der Schulungstage und den Wert der angebotenen Schulungen umfasst – nicht zu vergessen den Umfang der verfügbaren Freizeit. Besonders hohe Gehälter sind immer auch als Kompensation zu sehen.

    Wichtig zu wissen: Die internen Unternehmensberatungen können sich nicht immer frei auf dem Gehaltsmarkt bewegen, da sie oft an Unternehmensvorgaben gebunden sind. Dafür kann das Gesamtpaket je nach den persönlichen Präferenzen durchaus attraktiver ausfallen.

[Bildnachweis: Pressmaster by Shutterstock.com]

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