Erfolgsdruck: Wie Sie damit umgehen

Nahezu jeder sieht sich von Zeit zu Zeit mit Erfolgsdruck konfrontiert. Wir wollen das Beste im Job geben, denn die nächste Beförderung lockt. Wir wollen ein besonders guter Partner sein und unsere Freunde natürlich auch nicht enttäuschen. Manchmal wird es allerdings zu viel. Bereits Schüler leiden unter Erfolgsdruck: Sie sollen gute Noten nach Hause bringen, damit später einmal etwas aus ihnen wird. Oder aber sie werden in jungen Jahren bereits von ihren ehrgeizigen Eltern zum Violin-, Chinesisch- und Eishockeykurs getrieben. Aber nicht nur die Erwartungshaltung anderer führt zu Erfolgsdruck: Auch wir selbst tragen dazu bei. Was Sie dagegen tun können…

Erfolgsdruck: Wie Sie damit umgehen

Erfolgsdruck: Wie entsteht er?

Die Ursachen dafür, dass Erfolgsdruck entsteht, sind unterschiedlicher Natur. Abhängig davon, wie die Persönlichkeitsstruktur einer Person angelegt ist, aber auch das Umfeld, kann sich Erfolgsdruck völlig unterschiedlich auswirken. Er muss so gesehen auch nicht per se etwas Negatives sein.

Manchmal entsteht Erfolgsdruck, weil jemand bei einem Freund oder Kollegen innerhalb kürzester Zeit deutliche – positive – Veränderungen im Beruf beobachtet. Konkurrenz unter Kollegen ist etwas völlig Natürliches, denn jeder versucht sich zu verorten, will wissen, wo er steht.

In Unternehmen, die eher hierarchisch-partriarchalisch geführt werden, steht der Vorgesetzte teilweise mit der imaginären Peitsche hinter seinen Mitarbeitern. Motivation durch Angst erzeugt natürlich auch Erfolgsdruck:

  • „Wenn wir die Zahlen vom Vorjahr nicht erreichen, gibt es kein Weihnachtsgeld.“
  • „Das Projekt muss ein voller Erfolg werden, sonst sehe ich schwarz fürs nächste Jahr.“
  • „Sie müssen sich nur mal ein bisschen zusammenreißen, sonst rollen hier demnächst Köpfe.“

Dabei ist eine derartige Mitarbeitermotivation eher Demotivation, denn langfristig hält niemand so seine Mitarbeiter. Besser ist es, durch Begeisterung zu motivieren und das Teamgefühl zu stärken.

Anders ist es, wenn ein sogenannter „innerer Antreiber“ dafür sorgt, dass Sie allerhöchste Ansprüche an sich stellen und immer alles ganz korrekt machen wollen. Wer sich nur über seinen Erfolg definiert, muss herbe Rückschläge einstecken, wenn der Erfolg ausbleibt.

Das steigert schnell den Erfolgsdruck und lässt so jemanden oftmals ungnädig auf seine Umgebung gucken: Wer Fehler macht, wer nicht ständig auf der Überholspur ist, wird aussortiert.

Unheilige Allianz: Erfolgsdruck und Perfektionismus

Erfolgsdruck kommt teilweise auch aus einem selbst. Manch einer denkt, dass seine Arbeit nie wirklich gut ist, dass immer noch etwas ergänzt, verbessert, optimiert werden könnte. Häufig wird das gesehen, was noch nicht rund läuft – was bereits gut läuft, fällt irgendwie aus der Betrachtung heraus.

Prinzipiell ist es nicht schlecht, einen perfektionistischen Touch zu haben. Nicht umsonst war Perfektionismus lange die meist genannte „Schwäche“ in Vorstellungsgesprächen. Da hatte der Bewerber dem Arbeitgeber eine Antwort gegeben und konnte sich gleichzeitig zufrieden zurücklehnen, denn im ersten Moment klingt das natürlich prima: Ah, ein Arbeitnehmer, der mit Feuereifer alles gibt – welcher Chef will das nicht?

Und Perfektionismus wird gerne mit Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Pflichtbewusstsein in Verbindung gebracht – allesamt Tugenden, die sich im Berufsleben auszahlen. Wo immer es auf korrekte Datenübernahme ankommt wie etwa in Behörden oder um exakte Zahlen geht wie in der Buchhaltung, ist sowas gern gesehen. Aber natürlich gibt es auch eine Kehrseite.

Wer bereits früh gelernt hat, dass er nichts wert ist, außer wenn er Erfolge liefert, entwickelt unter Umständen einen verbissenen Ehrgeiz. Dahinter steckt oftmals ein angeschlagenes Selbstwertgefühl, der Gedanke nur dann liebenswert und akzeptabel zu sein, wenn alles glatt läuft.

So entwickelt sich daraus der unbändige Wunsch nach Zuwendung, Anerkennung und Bestätigung. Und das ist nur gewährleistet, wenn keine Fehler unterlaufen. Nur dann können Ablehnung und Kritik vermieden werden. So baut sich ein immer stärkerer Erfolgsdruck auf, der irgendwann in einer Reihe von Stresssymptomen mündet.

Erfolgsdruck durch Selbständigkeit

Erfolgsdruck durch einen inneren Antreiber kann ebenso die Folge einer Selbständigkeit sein. Gerade wer sich frisch selbständig gemacht hat, ist anfangs hoch motiviert. Gleichzeitig sitzt oftmals auch die Angst im Nacken:

  • Was, wenn ich scheitere?
  • Wie geht es weiter?
  • Wer zahlt meine Miete?

Dieser Erfolgsdruck ist auch die Folge eines Leistungsdenkens hierzulande. Während es in anderen Ländern wie den USA wesentlich leichter ist, sich selbständig zu machen und das Scheitern fast schon dazu gehört, herrscht in Deutschland eine andere Fehlerkultur.

Nur mühsam setzt sich in Unternehmen der Gedanke durch, dass Fehler zum Leben dazu gehören, dass man aus Fehlern lernen kann. Dass nur so eine Kreativität am Leben erhalten bleibt, die für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen überlebenswichtig ist.

Und dieses Denken haben auch Einzelpersonen verinnerlicht. Das bedeutet, dass ein Scheitern der eigenen Firma häufig mit einem Gesichtsverlust einhergeht. Was den Erfolgsdruck verstärkt: Wenn nicht nur der eigene, sondern noch andere Arbeitsplätze davon abhängen.

Wenn Erfolgsdruck Stress erzeugt: Krankheiten als Folge

Es ist klar, dass sowas nicht ohne Folgen bleibt. Ganz gleich, ob die Eltern bei einer Durchschnittsnote schimpfen oder der Trainer von der letzten Turnierleistung enttäuscht ist: Baut sich dauerhafter Erfolgsdruck auf, bewirkt er das Gegenteil von dem, was er eigentlich sein soll: Eine Art Ansporn.

Stattdessen können Menschen unter anderem mit folgenden Symptomen reagieren:

  • Ängsten
  • Bluthochdruck
  • Depressionen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Leistungsabfall
  • Nackenbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Tinnitus

Der Körper empfindet Stress. Unter Stress wird von den Nebennierenrinden das Stresshormon Kortisol produziert. Das führt dazu, dass Zucker ins Blut und an die Muskeln abgegeben wird.

Ebenfalls freigesetzt wird Adrenalin, das sich blitzschnell im Körper verteilt und dazu führt, dass sämtliche Abläufe beschleunigt werden. Ursprünglich ist Stress eine lebenserhaltende Reaktion des menschlichen Körpers auf eine Gefahrensituation gewesen: Wer einem Säbelzahntiger gegenüberstand, musste eine schnelle Entscheidung treffen und vor allem schnell rennen können.

Mit dem Säbelzahntiger haben wir heute weniger zu kämpfen. Und dadurch, dass viele Menschen nur wenig sportlichen Ausgleich zur oftmals sitzenden Tätigkeit haben, gibt es kaum noch Mechanismen zur Stressbewältigung. Die Folge des Stresses durch Erfolgsdruck:

Es treten körperliche Spannungen auf. Was die Psyche schon länger unbewusst merkt, manifestiert sich in muskulären Spannungen, die wiederum in den oben geschilderten Krankheiten resultieren können.

Erfolgsdruck reduzieren: Das können Sie tun

Wer körperliche und seelische Symptome als Antwort auf den Erfolgsdruck entwickelt, verliert Spaß an der Arbeit. Fragen Sie sich daher, was Ihnen wichtig ist. Und schauen Sie genau hin: Die gefühlte Überforderung kann durchaus reale Ursachen haben, wenn etwa durch Krankheitsausfälle oder eine gesteigerte Auftragslage das Arbeitspensum deutlich zugenommen hat.

So wie beispielsweise in Pflege- und Gesundheitsberufen eine Überlastungsanzeige sinnvoll sein kann, müssen Sie überlegen, ob das, was Sie derzeit leisten müssen überhaupt realistisch ist? Manchmal empfiehlt es sich, Kollegen um Hilfe zu bitten oder nötigenfalls den Chef auf das gestiegene Arbeitspensum hinzuweisen.

In jedem Fall sollten Sie sich bewusst machen, dass Ihre Gesundheit ein kostbares Gut ist. Daher empfehlen wir folgende Tipps, um den Erfolgsdruck zu reduzieren:

  • Lernen Sie die Signale zu erkennen.

    Pfeifen im Ohr? Ständig Kopfschmerzen? Steifer Nacken oder verkrampfter Magen? Lernen Sie, auf Ihre Körpersignale zu achten. Klar, auch so kann es Gründe dafür geben, dass jemand mal eine Nacht nicht durchschlägt. Oder witterungsbedingte Kopfschmerzen hat. Wenn allerdings die oben genannten Symptome dauerhaft und/oder gehäuft auftreten, sollten Sie stutzig werden. Fangen Sie an, sensibel für (vor allem belastende) Veränderungen zu werden und leiten Sie Gegenmaßnahmen ein, etwa Entspannungsübungen und Sport.


  • Setzen Sie Dinge in Relation.

    Wer beruflich gerade besonders unter Strom steht, sollte innehalten und einmal zurückschauen: Mit Sicherheit gab es ähnliche Situationen, in denen Sie vor vergleichbaren Herausforderungen standen, die Sie gemeistert haben. Vielleicht haben Sie damals gedacht: Wie soll ich jemals den Führerschein/ das Abitur/ das Studium schaffen? Und dann haben Sie es geschafft. Rufen Sie sich dabei in Erinnerung, welche Dinge oder Personen es waren, die Ihnen dabei geholfen haben.


  • Zerteilen Sie das große Ziel.

    Der Berg, der vor einem liegt, kann oftmals beängstigend sein. Sie können den Erfolgsdruck dadurch reduzieren, indem Sie den Berg in lauter kleine Häppchen schneiden. Setzen Sie sich Etappenziele, so können Sie sich leichter motivieren und können besser nachhalten, was Sie bereits erreicht haben. Machen Sie sich das immer wieder bewusst, dann tragen Sie peu à peu den Berg von selbst ab.


  • Optimieren Sie Ihr Zeitmanagement.

    Vielleicht gibt es noch einige Zeitfresser, die Sie bisher nicht berücksichtigt haben, die Ihnen dabei im Weg stehen, Ihre Arbeit so zu erledigen, wie Sie es eigentlich könnten und gerne würden. Verschiedene Methoden des Selbstmanagements können Ihnen dabei helfen, zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen zu entscheiden und so die vorhandene Zeit sinnvoll einzuteilen.

[Bildnachweis: Stockbakery by Shutterstock.com]
31. Januar 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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