Erfolgsdruck: Wie er entsteht + 5 Tipps zum Umgang damit

Fast jeder spürt zeitweilig Erfolgsdruck auf den Schultern lasten: Die Bemühungen im Job sollen zum besten Ergebnis führen, in Partnerschaft und Beziehung strengen wir uns ebenfalls an. Bereits Schüler leiden unter Erfolgsdruck: Besonders ehrgeizige Eltern erwarten nicht nur gute Schulnoten, sondern auch in der Freizeit Bestleistung. Die Folge: Sie treiben ihre Kinder zum Violin-, Chinesisch- oder Eishockeykurs, auch wenn sie bereits überlastet sind. Wodurch das Gefühl entsteht und was Sie dagegen tun können…

Erfolgsdruck: Wie er entsteht + 5 Tipps zum Umgang damit

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Wie entsteht Erfolgsdruck?

Erfolgsdruck lässt sich als das Gefühl definieren, in bestimmten Situationen oder Phasen unbedingt erfolgreich sein zu müssen. Für denjenigen, der es spürt, ist etwas Existentielles damit verbunden. Die Konsequenzen im Falle des Nichterfolgs fürchtet er.

Es gibt unterschiedliche Ursachen für das Entstehen von Erfolgsdruck. Abhängig davon, wie die Persönlichkeitsstruktur einer Person angelegt ist, aber auch das Umfeld, kann er sich völlig unterschiedlich auswirken. Erfolgsdruck muss so gesehen auch nicht per se etwas Negatives sein. Sowohl wir selbst können dazu beitragen als auch die Erwartungshaltung anderer:

Erfolgsdruck von außen

In Unternehmen mit überwiegend hierarchisch-partriarchalischem Führungsstil steht der Vorgesetzte teilweise mit der imaginären Peitsche hinter seinen Mitarbeitern. Motivation durch Angst (eine Form der extrinsischen Motivation) erzeugt natürlich auch Erfolgsdruck. Synonym lässt sich hier von Leistungsdruck sprechen:

  • „Wenn wir die Zahlen vom Vorjahr nicht erreichen, gibt es kein Weihnachtsgeld.“
  • „Das Projekt muss ein voller Erfolg werden, sonst sehe ich schwarz fürs nächste Jahr.“
  • „Sie müssen sich nur mal ein bisschen zusammenreißen, sonst rollen hier demnächst Köpfe.“

Dabei ist eine derartige Mitarbeitermotivation eher Demotivation: Mit dauerhaftem Arbeiten unter Druck hält niemand seine Mitarbeiter. Besser ist es, durch Begeisterung zu motivieren und den Teamgeist zu stärken.

Erfolgsdruck von innen

Manchmal entsteht Erfolgsdruck, weil jemand bei einem Freund oder Kollegen innerhalb kürzester Zeit deutliche – positive – Veränderungen im Beruf beobachtet. Konkurrenz unter Kollegen ist etwas völlig Natürliches. Jeder Mensch versucht sich zu verorten, will wissen, wo er steht.

Bei anderen sorgt ein sogenannter „innerer Antreiber“ dafür, dass sie allerhöchste Ansprüche an sich stellen und immer alles ganz korrekt machen wollen. Wer sich nur über seinen Erfolg definiert, muss herbe Rückschläge einstecken, wenn der Erfolg ausbleibt. Das steigert schnell den Erfolgsdruck und lässt so jemanden oftmals ungnädig auf seine Umgebung gucken: Wer Fehler macht, wer nicht ständig auf der Überholspur ist, wird aussortiert.

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Unheilige Allianz: Erfolgsdruck und Perfektionismus

Manch einer denkt, dass seine Arbeit nie wirklich gut ist, dass sich immer noch etwas ergänzen, verbessern, optimieren ließe. Häufig sehen diese Leute das, was noch nicht rund läuft – was bereits gut läuft, fällt irgendwie aus der Betrachtung heraus. Hier hängt Erfolgsdruck eng mit Selbstoptimierung, aber auch Defitizorientierung und Perfektionismus zusammen.

Prinzipiell ist es nicht schlecht, einen perfektionistischen Touch zu haben. Nicht umsonst war Perfektionismus lange die meist genannte „Schwäche“ in Vorstellungsgesprächen. Da konnte der Bewerber dem Personaler eine Antwort gegeben und sich gleichzeitig zufrieden zurücklehnen, denn im ersten Moment klingt das natürlich prima: Ah, ein Arbeitnehmer, der mit Feuereifer alles gibt – welcher Chef will das nicht? Und viele verbinden Perfektionismus mit Sorgfalt, Gewissenhaftigkeit und Pflichtbewusstsein – allesamt Tugenden, die sich im Berufsleben auszahlen. Wo immer es auf korrekte Datenübernahme ankommt wie etwa in Behörden oder um exakte Zahlen geht wie in der Buchhaltung, ist sowas gern gesehen. Aber natürlich gibt es auch eine Kehrseite.

Perfektionismus aus geringem Selbstwert heraus

Wer bereits früh gelernt hat, dass er nichts wert ist, außer wenn er Erfolge liefert, entwickelt unter Umständen einen verbissenen Ehrgeiz. Dahinter steckt oftmals ein angeschlagenes Selbstwertgefühl, der Gedanke nur dann liebenswert und akzeptabel zu sein, wenn alles glatt läuft.

Daraus kann sich der unbändige Wunsch nach Zuwendung, Anerkennung und Bestätigung herausbilden. Und das alles ist nur gewährleistet, wenn keine Fehler unterlaufen. Nur dann – so die Annahme der jeweiligen Person – kann sie Ablehnung und Kritik vermeiden. Auf diese Art baut sich ein immer stärkerer Erfolgsdruck auf, der irgendwann in einer Reihe von Stresssymptomen mündet.

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Erfolgsdruck durch Selbständigkeit

Erfolgsdruck durch einen inneren Antreiber kann ebenso die Folge einer Selbständigkeit sein. Gerade wer sich frisch selbständig gemacht hat, ist anfangs hoch motiviert. Gleichzeitig sitzt oftmals auch die Angst im Nacken:

  • Was, wenn ich scheitere?
  • Wie geht es weiter?
  • Wer zahlt meine Miete?

Dieser Erfolgsdruck ist unter anderem die Folge eines Leistungsdenkens hierzulande. Während es in anderen Ländern wie den USA wesentlich leichter ist, sich selbständig zu machen und das Scheitern fast schon dazu gehört, herrscht in Deutschland eine andere Fehlerkultur.

Nur mühsam setzt sich in Unternehmen der Gedanke durch, dass Fehler zum Leben dazu gehören, dass man aus Fehlern lernen kann. Dass nur so eine Kreativität am Leben erhalten bleibt, die für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen überlebenswichtig ist. Und dieses Denken haben auch Einzelpersonen verinnerlicht. Das bedeutet, dass ein Scheitern der eigenen Firma häufig mit einem Gesichtsverlust einhergeht. Was den Erfolgsdruck verstärkt: Wenn nicht nur der eigene, sondern noch andere Arbeitsplätze davon abhängen.

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Stress durch Erfolgsdruck: Krankheiten als Folge

Es ist klar, dass sowas nicht ohne Folgen bleibt. Ganz gleich, ob die Eltern bei einer Durchschnittsnote schimpfen oder der Trainer von der letzten Turnierleistung enttäuscht ist: Baut sich dauerhafter Erfolgsdruck auf, bewirkt er das Gegenteil von dem, was er eigentlich sein soll: eine Art Ansporn. Stattdessen können Menschen unter anderem mit folgenden Symptomen reagieren:

Der Körper empfindet Stress. Unter Stress wird von den Nebennierenrinden das Stresshormon Kortisol produziert. Das führt dazu, dass Zucker ins Blut und an die Muskeln abgegeben wird. Ebenfalls freigesetzt wird Adrenalin, das sich blitzschnell im Körper verteilt und sämtliche Abläufe beschleunigt. Ursprünglich ist Stress eine lebenserhaltende Reaktion des menschlichen Körpers auf eine Gefahrensituation gewesen: Wer einem Säbelzahntiger gegenüberstand, musste eine schnelle Entscheidung treffen und vor allem schnell rennen können.

Mit dem Säbelzahntiger haben wir heute weniger zu kämpfen. Aber dadurch, dass viele Menschen nur wenig sportlichen Ausgleich zur oftmals sitzenden Tätigkeit haben, gibt es kaum noch Mechanismen zur Stressbewältigung. Die Folge des Stresses durch Erfolgsdruck: Es treten körperliche Spannungen auf. Was die Psyche schon länger unbewusst merkt, manifestiert sich in muskulären Spannungen, die wiederum in den oben geschilderten Krankheiten resultieren können.

5 Tipps, wie Sie Erfolgsdruck reduzieren

Wer körperliche und seelische Symptome als Antwort auf den Erfolgsdruck entwickelt, verliert Spaß an der Arbeit. Fragen Sie sich daher, was Ihnen wichtig ist. Und schauen Sie genau hin: Die gefühlte Überforderung kann durchaus reale Ursachen haben, wenn etwa durch Krankheitsausfälle oder eine gesteigerte Auftragslage das Arbeitspensum deutlich zugenommen hat.

So wie beispielsweise in Pflege- und Gesundheitsberufen eine Überlastungsanzeige sinnvoll sein kann, müssen Sie überlegen, ob das, was Sie derzeit leisten müssen überhaupt realistisch ist? Manchmal empfiehlt es sich, Kollegen um Hilfe zu bitten oder nötigenfalls den Chef auf das gestiegene Arbeitspensum hinzuweisen. In jedem Fall sollten Sie sich bewusst machen, dass Ihre Gesundheit ein kostbares Gut ist. Folgende Tipps empfehlen wir, um den Erfolgsdruck zu reduzieren:

Lernen Sie die Signale zu erkennen

Pfeifen im Ohr? Ständig Kopfschmerzen? Steifer Nacken oder verkrampfter Magen? Lernen Sie, auf Ihre Körpersignale zu achten. Natürlich kann es auch andere Gründe beispielsweise für Schlafstörungen geben statt Erfolgsdruck. Oder dass jemand witterungsbedingte Kopfschmerzen hat. Wenn allerdings die oben genannten Symptome dauerhaft und/oder gehäuft auftreten, sollten Sie stutzig werden. Fangen Sie an, sensibel für (vor allem belastende) Veränderungen zu werden und leiten Sie Gegenmaßnahmen ein, etwa Entspannungsübungen und Sport.

Setzen Sie Dinge in Relation

Wer beruflich gerade besonders unter Strom steht, sollte innehalten und einmal zurückschauen: Mit Sicherheit gab es ähnliche Situationen, in denen Sie vor vergleichbaren Herausforderungen standen, die Sie gemeistert haben. Vielleicht haben Sie damals gedacht: Wie soll ich jemals den Führerschein/ das Abitur/ das Studium schaffen? Und dann haben Sie es geschafft. Rufen Sie sich dabei in Erinnerung, welche Dinge oder Personen es waren, die Ihnen dabei geholfen haben.

Zerteilen Sie das große Ziel

Der Berg, der vor einem liegt, kann oftmals beängstigend sein. Sie können den Erfolgsdruck dadurch reduzieren, indem Sie den Berg in lauter kleine Häppchen schneiden. Setzen Sie sich Etappenziele. So können Sie sich leichter motivieren und können besser nachhalten, was Sie bereits erreicht haben. Machen Sie sich das immer wieder bewusst, dann tragen Sie peu à peu den Berg von selbst ab.

Optimieren Sie Ihr Zeitmanagement

Vielleicht gibt es noch einige Zeitfresser, die Sie bisher nicht berücksichtigt haben. Diese stehen Ihnen dabei im Weg, Ihre Arbeit so zu erledigen, wie Sie es eigentlich könnten und gerne würden. Verschiedene Methoden des Selbstmanagements können Ihnen dabei helfen, zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen zu entscheiden und so die vorhandene Zeit sinnvoll einzuteilen.

Nutzen Sie Ventile zum Stressabbau

Ein hohes Stresslevel können Sie durch verschiedene Maßnahmen abbauen. Die obigen Tipps bereiten den Weg über eine bessere Selbstorganisation und eine veränderte Einstellung. Daneben haben Sie noch eine Reihe weiterer, praktischer Möglichkeiten zum Stressabbau. Eine gute Möglichkeit ist Sport wie beispielsweise Joggen. Bewegung versorgt das Hirn wieder mit Sauerstoff und bringt uns auf andere Gedanken. Wer es sanfter mag: Einen ähnlichen Effekt hat Meditation. Mit der Metta-Meditation können Sie beispielsweise gleichzeitig Ihren Ärger über schwierige Menschen loswerden.

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[Bildnachweis: IR Stone by Shutterstock.com]

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