Carpe diem: 3 + 5 Tipps, das Lebensmotto umzusetzen

Carpe diem – selbst wer kein Latein kann, weiß, was das auf Deutsch heißt. Unzählige Kalender, Dekorationsgegenstände und sogar das eine oder andere Tattoo ziert dieser Spruch – spätestens seit der Film „Der Club der toten Dichter“ darauf zurück gegriffen hat. Sogar ein Spiel mit dem Titel „Carpe diem“ gibt es. Interpretiert wird das Zitat als Aufforderung, den Tag zu nutzen. Dabei ist die Übersetzung von „carpe diem“ mit „nutze den Tag“ in vielfacher Hinsicht ungenau. Geht es um den Tag im Sinne von tagsüber? Scherzkekse halten berechtigterweise das Gegenteil „carpe noctem!“ entgegen, also: „Nutze die Nacht!“ Überhaupt stellt sich die Frage, wofür der Tag genutzt werden soll? Wir sind der Frage um die wohl populärste Aufforderung einmal nachgegangen…

Carpe diem: 3 + 5 Tipps, das Lebensmotto umzusetzen

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Carpe diem: Bedeutung & Herkunft

Carpe diem stammt aus der Ode „An Leukonoë“ des römischen Dichters Horaz. Wörtlich übersetzt bedeutet carpe diem „Pflücke den Tag!“ oder „Genieße den Tag!“ Dabei ist dieser Ausspruch eine Verkürzung, das komplette Zitat zeigt die Richtung an, die der Dichter intendierte:


Carpe diem, quam minimum credula postero.



Auf Deutsch: „Genieße den Tag, und vertraue möglichst wenig auf den folgenden!“ Diese ursprüngliche Bedeutung wird durch die Verwendung des lateinischen Verbs „carpe“ = „pflücken“ deutlich. Der deutschen Übersetzung in „Nutze den Tag“ wohnt ein viel stärkerer Appell inne, möglichst produktiv zu werden. „Nutzen“ ist immer auf die Zukunft gerichtet, der momentane Augenblick kommt dabei zu kurz.

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Was bedeutet carpe diem für Sie?

Horaz‘ vermittelte Haltung spiegelt sich in zwei moderneren Appellen, die ebenfalls sehr bekannt sind: Das unter Jugendlichen beliebte Akronym YOLO und das afrikanische Sprichwort Hakuna Matata. YOLO steht für den englischen Satz „You only live once“, also: Man lebt nur einmal. Während carpe diem allerdings eher für Bedächtigkeit und Achtsamkeit steht, rückt YOLO den Spaßfaktor in den Vordergrund. Ähnliche Sorglosigkeit soll Hakuna Matata verbreiten: Der Begriff stammt aus der afrikanischen Sprache Swahili und bedeutet „Es gibt keine“ (hakuna) „Probleme/Schwierigkeiten“ (matata).

Im eingangs erwähnten Film „Der Club der toten Dichter“ eröffnet der Lehrer John Keating (gespielt von Robin Williams) seinen Schülern mittels unkonventioneller Methoden den Zugang zur Lyrik. Diese führen im Amerika der fünfziger Jahre ein eher freudloses Dasein in einem streng konservativen Jungeninternat. Keating versucht seine Schüler darin zu bestärken, sich von den Konventionen freizumachen. Wahlspruch seines Handelns ist immer carpe diem. Im Film liegt die Bedeutung dieses Mottos darin, sich zu trauen, seinen eigenen Zielen und Wünschen zu folgen. Die verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten zeigen, was im Vordergrund stehen sollte: Ganz gleich, welche Definition carpe diem offiziell haben mag – es bedeutet das, was Sie daraus machen. Oder anders ausgedrückt: Sie bestimmen, was es für Sie bedeutet.

Carpe diem und Memento Mori

Lange Zeit eng verbunden mit der Bedeutung hinter carpe diem war ein anderer bekannter Ausdruck: Memento mori, was soviel bedeutet wie „Sei dir der Sterblichkeit bewusst“ oder auch etwas umgangssprachlicher formuliert „Denke daran, dass du sterben wirst.“ Das klingt erneut düster, aber die warnenden Worte sollen das genaue Gegenteil bewirken. Sich der eigenen Sterblichkeit bewusst zu sein, soll ermutigen, in der Gegenwart das Beste aus seinem Leben zu machen, die Zeit zu nutzen und glücklich zu sein. Auch wenn der Tod nicht allgegenwärtig ist, bleibt er dennoch unumgänglich. Der Gedanke des Memento mori existiert somit weiter und ergänzt die Bedeutung hinter carpe diem.

Zu wissen und zu akzeptieren, dass die eigene Zeit auf dieser Welt begrenzt ist, kann daher ein regelrechter Motor für das eigene Handeln sein. Die Erkenntnis ist nicht leicht, aber irgendwann ist es zu spät für all die Dinge, die Sie gerne noch machen und erreichen wollen. Warum warten, wenn niemand wissen kann, wie viel Zeit ihm wirklich noch bleibt?


Wir sollten heute tun, wovon wir uns morgen wünschen, dass wir es gestern getan hätten


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Den Tag einmal anders nutzen

Carpe diem sollte längst nicht nur für Aktivitäten genutzt werden. Nicht nur, dass das der eigentlichen Bedeutung des Gedichts von Horaz zuwiderläuft. Es ist hinlänglich bekannt, dass auf Phasen der Arbeit und Anstrengung Phasen der Entspannung und Regeneration folgen müssen. Nicht umsonst sieht das Arbeitsrecht Pausen für Arbeitnehmer vor. Dabei geht es nicht nur um menschenwürdigeres leben und arbeiten. Wer sich überarbeitet, schadet seiner Gesundheit und der Sache, an der er gerade laboriert. Kreativität und Produktivität lassen merklich nach.


Das Leben ist kurz. Brich die Regeln. Vergib schnell. Küss langsam. Liebe ernsthaft. Lache unkontrollierbar und bereue niemals etwas, das dich zum Lachen gebracht hat. (Mark Twain)



Um die Lebensqualität zu steigern, kann süßes Nichtstun zur Abwechslung sinnvoll sein. Das muss nicht zwangsläufig pure Inaktivität bedeuten. Im Mittelpunkt steht lediglich die Vermeidung dessen, was Stress auslösen kann – zu viel Arbeit, kein Plan und Hektik. Aber carpe diem ist nicht nur ein Zeitfaktor, es geht auch um Qualität. Diese Tipps können dabei helfen:

Entdecken Sie die Langsamkeit

Vieles geht heute unter, weil den Dingen nur noch eine Nebenrolle eingeräumt wird. Der Kaffee wird im Gehen getrunken, statt in Ruhe im Sitzen. Auf Reisen wird von einer Touristenattraktion zur nächsten gejettet, der Augenblick der Schönheit hat keine Chance, stattdessen versuchen wir alles mit einem Schnappschuss festzuhalten. Für mehr Langsamkeit plädieren etliche neue Strömungen der letzten Jahre, da vielen bewusst geworden ist, dass Schnelligkeit oft zu einem Qualitätsverlust führt. Beispiele dafür sind Slow Food, Slow Baking, Slow Travel, Slow Living oder Slow City. Alle diese Trends haben sich der Nachhaltigkeit verschrieben – die Prozesse dauern zwar länger, sind dafür aber auch intensiver.

➠ Mehr dazu: Langsamkeit: Bitte nicht so eilig!

Planen Sie Entspannung ein

Tun Sie aktiv etwas gegen Stress. Ein willkommenes Ventil ist für viele Sport. Der hat zusätzlich den Vorteil, dass Sie sitzende Tätigkeiten ausgleichen können. Wenn der Sport nicht in den Zeitplan passt oder kurzfristige Entspannung gefragt ist, können Entspannungsübungen und Meditation eine gute Ergänzung darstellen. Damit können Sie Schmerzen und Verspannungen im Körper lösen und tragen somit zu Ihrem Wohlbefinden bei.

➠ Mehr dazu: Entspannungsübungen: 16 Tipps für den Alltag

Genießen Sie bewusst

In einer Welt voller Überfluss muss das Wort „Genuss“ neu definiert werden. Genuss, sinnliche Erfahrung heißt nicht, dass alles zu jeder Zeit verfügbar sein muss. Vielmehr sollten wir auch die Dinge wieder schätzen, die oftmals so selbstverständlich erscheinen: Ein Dach über dem Kopf, Gesundheit, eine Arbeit, Freunde, Familie – vielleicht auch gewisse Annehmlichkeiten, die andere nicht haben: Ein Auto, regelmäßige Urlaubsreisen, eine Eigentumswohnung, gute Restaurantbesuche und so weiter. Sicherlich hat nicht jeder alles davon gleichzeitig. Manch einer vermisst die richtigen Menschen in seinem Leben, ein anderer ist gerade arbeitslos. Manchem fehlt jedoch das Bewusstsein dafür, wie gut es ihm im Vergleich geht.

➠ Mehr dazu: Dankbarkeit: Wie sie Glück und Erfolg fördert

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Carpe diem zeigt Morbidität des Barocks

Den Tag zu genießen und möglichst wenig auf den folgenden zu vertrauen, entspricht auch dem Lebensgefühl der Menschen im Barock. Unter dem Eindruck des Dreißigjährigen Krieges, diverser Seuchen und Nöte, gewann carpe diem als Lebensmaxime Bedeutung. Gewissermaßen ein „Genieße den Tag – denn es könnte dein letzter sein.“ Was heute wie eine versteckte Drohung anmuten mag, war damals bittere, alltägliche Realität: Kriege und Krankheiten, vor allem die Pest, rafften die Menschen weg. Ganze Landstriche wurden entvölkert, die Todesrate durch die Pest war viermal so hoch wie normal.

Der allgegenwärtige Tod bewirkt zweierlei: Er spiegelt sich in Literatur, Glaube und Kunst, beispielsweise durch Darstellungen vom Tod und Totenköpfen (Vanitas-Motiv von lateinisch vanitas = Nichtigkeit, Eitelkeit). Und er führt zu einem umso stärkeren Bedürfnis nach Sinnlichkeit und Zufriedenheit. Jeder überlebte Tag war ein Gewinn und ein Grund, ihn sinnlich zu erleben und das Positive darin zu sehen. Carpe diem im Barock war also ein Appell, unmittelbar, also im Hier und Jetzt, zu leben und zwar mit allen Sinnen.


Führe jede Tat deines Lebens so aus, als ob sie deine letzte sei. (Marc Aurel)


Moderne Bedrohungen der Lebensqualität

In Deutschland sowie in den westlichen Industrienationen insgesamt stellen Kriege und Hungersnöte keine eine Bedrohung mehr dar. Die letzte massive Existenzbedrohung, der Zweite Weltkrieg, ist über 70 Jahre her. Alles in Butter, könnte man meinen. Aber das ist nicht der Fall. Viele moderne „Bedrohungen“ fressen die Lebensqualität. Der Mensch der Moderne ist dem Diktat der Zeit unterworfen, alles ist messbar, Zeit ist Geld. Zunehmend mehr Arbeitnehmer fühlen sich Stress ausgesetzt, erleben mehr Druck, wünschen sich vor allem mehr Zeit.

Zusätzlich wird carpe diem dann noch als Aufforderung missverstanden, dass der Tag bis auf die letzte Minute ausgenutzt werden muss. Das heißt, es wird alles in diesen Tag hineingepresst, was möglich ist: Die Arbeit, der Sport, der Einkauf, das Treffen mit Freunden, der Spanisch-Kurs – und keine freie Minute mehr für Besinnung. Artet der Job in Überlastung aus und der Feierabend in Freizeitstress.


Das Leben ist zu kurz für „irgendwann“! Genieße deine Zeit, denn du lebst jetzt und heute. Morgen kannst du gestern nicht nachholen.


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Zeit sinnvoll nutzen: Carpe diem als Zeitmanagement

Nur 15 Prozent unseres Lebens verbringen wir mit unserer Arbeit. Gar nicht so viel, bedenkt man, dass es doch immer heißt, Arbeit sei das halbe Leben. Dennoch haben psychische Erkrankungen wie Burnout und Depressionen die letzten Jahre zugenommen. Das heißt, irgendwas ist im Argen. Manche Menschen haben das Gefühl, einem sinnlosen Job nachzugehen und finden keinen Ausweg. Andere wiederum wären ganz zufrieden, wenn sie einfach nur mehr Zeit hätten.

Dabei ist die Frage der Zeit und des Zeitmanagements streng genommen eine Frage des Selbstmanagements, denn nur Sie selbst können etwas an Ihrer Zeiteinteilung ändern – die Zeit ist für alle Menschen die gleiche.


Warte nicht auf außergewöhnliche Möglichkeiten. Ergreife gewöhnliche Gelegenheiten und mache sie zu etwas Großem. (Orison Swett Marden)



Damit carpe diem als Leitspruch für Sie funktioniert, sollten Sie sich die Zeit nehmen zu überlegen, wie eine sinnvolle Nutzung der Zeit für Sie aussieht. Dabei muss sich die sinnvolle Einteilung längst nicht nur auf die Freizeit beziehen – es steigert die Lebensqualität enorm, wenn man das, was man tut, gerne tut. Und wenn man dabei Wege einsparen und sich Arbeitsabläufe erleichtern kann, ist das auch eine sinnvolle Nutzung der Zeit, zumal dann Zeit für etwas anderes frei wird – beispielsweise für Hobbys oder allgemein einen früheren Feierabend.

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Tipps für die bessere Zeiteinteilung

Erinnern wir uns an die Bedeutung des Lebensmottos carpe diem im Barock: Da stand der Genuss mit allen Sinnen im Focus. Um jeden Tag genießen zu können, muss möglicherweise erst einmal Zeit freigeschaufelt werden. Carpe diem soll hier als Tool verstanden werden, um die Zeit, die Sie berufsbedingt mit Aktivität verbringen müssen, besser zu nutzen. Was Sie definitiv ändern können:

Vergessen Sie Multitasking.

Niemand kann wirklich 100 Prozent auf mehrere Aufgaben gleichzeitig verwenden – das ist schon rein rechnerisch nicht möglich und auch sonst ist Multitasking ein Mythos. In Wirklichkeit werden die Dinge nacheinander angegangen, allerdings nicht in der notwendigen Zeit, sondern hier ein bisschen, da ein bisschen. Dadurch wird man oftmals aus einer Sache herausgerissen statt konzentriert an ihr zu Ende zu arbeiten. Und das frisst im Endeffekt Zeit.

Ignorieren Sie soziale Netzwerke.

Nein, Sie müssen sich nicht auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken abmelden. Aber widerstehen Sie der Versuchung, ständig dort vorbeizuschauen, ob es neue Nachrichten oder anderweitige Meldungen gibt. Das sind allesamt üble Zeitfresser! Planen Sie daher feste Zeiten ein – beispielsweise in Ihrer Pause -, in denen Sie dort surfen.

Setzen Sie Prioritäten.

Lernen Sie zu priorisieren, legen Sie fest, welche Aufgaben keinen Aufschub vertragen und welche sofort erledigt werden müssen. Oftmals werden falsche Prioritäten gesetzt, die zu weiteren Verzögerungen führen. Mit dem Eisenhower-Prinzip können Sie hier einen Überblick bekommen.

Planen Sie kleinere Einheiten.

Teilen Sie sich den Tag in Häppchen ein. Kleinere Einheiten, für die Sie 15 oder 25 Minuten veranschlagen, verlieren so ihre abschreckende Wirkung. Aufgaben, die nur eine Viertelstunde dauern, wirken so machbar. Wichtig ist, dass sich in dieser Zeit ausschließlich auf diese Aufgabe konzentrieren. Sie können dafür auch mit der Pomodoro-Technik arbeiten.

Führen Sie To-do-Listen.

Es klingt so banal, aber To-do-Listen können eine große Motivation sein: Schreiben Sie auf, was Sie alles erledigen möchten. Packen Sie alles auf die Liste, denn wenn da nur die großen Monster-Aufgaben stehen, kann das erst recht Druck ausüben. Außerdem vergisst man ganz schnell, was man den ganzen Tag über alles so geschafft hat. Sie werden sehen, das Durchstreichen macht glücklich.

Wenn Ihnen diese Tipps dabei helfen Zeit einzusparen, sind Sie carpe diem als Lebensmotto ein großes Stück näher. Dann haben Sie nämlich Zeit, sich wieder zu besinnen. Den Kopf frei, um Ihre Umgebung wieder bewusst wahrzunehmen und sich zu erfreuen. Oder aber es zeigt Ihnen, was Sie verändern möchten.

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[Bildnachweis: Dmytro Zinkevych by Shutterstock.com]
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23. Oktober 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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