Carpe diem: Bedeutung + 8 Tipps für Leben & Augenblick

Carpe diem! Der lateinische Spruch (Aussprache: „Karpe di-em“) bedeutet auf deutsch soviel wie „Pflücke den Tag!“ oder „Genieße den Augenblick!“. Er ziert bis heute unzählige Kalender, Poesiealben und Deko-Objekte. Sein Urheber ist der römische Dichter Horaz. Der Ausspruch stammt aus seiner Ode „An Leukonoë“, die der Dichter um 23 vor Christus verfasst hat. Eigentlich eine Kurzfassung. Das vollständige Zitat lautet: „Carpe diem, quam minimum credula postero.“ – Übersetzung: „Genieße den Tag, und vertraue möglichst wenig auf den folgenden!“ Ein schönes Lebensmotto und tiefsinniger Appell. Dahinter steckt ein wesentlicher Weg zu Glück und Erfolg…

Carpe diem: Bedeutung + 8 Tipps für Leben & Augenblick

Anzeige

Carpe diem Bedeutung

Carpe diem ist längst mehr als ein geflügeltes Wort. Für viele ist es eine Lebenseinstellung. Dabei ist die deutsche Übersetzung und Bedeutung – „Nutze den Tag“ – nicht unumstritten. Geht es hierbei nur um den „Tag“ im Sinne von „tagsüber“? Schließlich könnte man auch das Gegenteil fordern: carpe noctem – nutze die Nacht! Und wie und wozu sollen wir den Tag nutzen?

Das Wort „nutzen“ bringt hier unnötige Verwirrung. Dem Begriff wohnt ein starker Appell inne, möglichst produktiv zu sein. Der Nutzen ist immer auf die Zukunft gerichtet, der momentane Augenblick kommt dabei zu kurz. Um den ging es Horaz aber. Quintus Horatius Flaccus (wie „Horaz“ richtig heißt) wollte den Tag nicht mit möglichst vielen Aufgaben füllen, sondern ihn genießen.

Die Bedeutung des Augenblicks: Leben im Hier und Jetzt

Der populäre Appell carpe diem ist eine Erinnerung, das Leben in vollen Zügen auszukosten – im Hier und Jetzt. Sie steckt ebenso in modernen Akronymen wie zum Beispiel YOLO („You Only Live Once“ – Man lebt nur einmal) oder dem afrikanischen Sprichwort „Hakuna Matata“. Der Begriff stammt aus der afrikanischen Sprache Swahili und bedeutet: „Es gibt keine“ (hakuna) „Probleme, Schwierigkeiten“ (matata). Alle zusammen fordern zu mehr Achtsamkeit im Alltag, zu Bedächtigkeit und bewusstem Leben auf. YOLO rückt den Spaßfaktor mehr in den Vordergrund, Hakuna Matata vertreibt die Sorgen.

Im Film „Der Club der toten Dichter“ eröffnet der Lehrer John Keating (gespielt von Robin Williams) seinen Schülern mittels unkonventioneller Methoden den Zugang zur Lyrik. Keating versucht seine Schüler darin zu bestärken, sich von Konventionen zu lösen. Sein Wahlspruch: carpe diem! Im Film liegt die Bedeutung des Mottos darin, seinen eigenen Zielen und Wünschen zu folgen. Sich selbst treu zu bleiben, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und jeden Augenblick als Geschenk zu betrachten. Ein Leben in der Gegenwart.

Was „carpe diem“ für Sie bedeutet, das bestimmen Sie letztlich immer selbst. Sie ganz allein.

Carpe diem und Memento Mori

Der Gedanke hinter der Bedeutung von carpe diem spiegelt sich in einem weiteren bekannten Ausdruck: Memento mori. Bedeutet: „Bedenke, dass du sterben musst!“ Das klingt düster. Die warnenden Worte sollen aber das genaue Gegenteil bewirken. Sich der eigenen Sterblichkeit bewusst zu sein, soll ermutigen, in der Gegenwart das Beste aus seinem Leben zu machen.

Die Zeit zu nutzen und glücklich zu sein. Auch wenn der Tod nicht allgegenwärtig ist, bleibt er doch unumgänglich. Der Gedanke des Memento mori ergänzt die Bedeutung hinter carpe diem: Zu wissen und zu akzeptieren, dass die eigene Zeit auf dieser Welt begrenzt ist, kann ein wichtiger Motor sein, aus allem das Beste zu machen.

Die Erkenntnis ist nicht leicht: Irgendwann ist es zu spät für all die Dinge, die Sie gerne noch machen und erreichen wollen. Warum warten? Was haben Sie zu verlieren?

Gratis Jahreskalender: 366 inspirierende Sprüche
Jahreskalender Lebensweisheiten Sprueche Grafiken 365 Tage KostenlosViele Lebensweisheiten zur täglichen Motivation finden Sie in unserem kostenlosen Jahreskalender mit insgesamt 366 inspirierenden Sprüchen, Bildern und Zitaten – für jeden Tag (Achtung, die Datei ist wegen der knapp 400 Seiten rund 115 MB groß!).

Download Jahreskalender


Anzeige

Carpe that fucking diem – von wegen!

Von Mark Twain stammt das schöne Zitat: „Das Leben ist kurz. Brich die Regeln. Vergib schnell. Küsse langsam. Liebe ernsthaft. Lache unkontrollierbar und bereue niemals etwas, das dich zum Lachen gebracht hat.“ Auch er war überzeugt, jeden kostbaren Augenblick zu nutzen und leben, weil er nicht wiederkommen wird. Den Tag zu nutzen, muss jedoch nicht zwangsläufig eine Aktivität sein.

Um die Lebensqualität zu steigern, kann süßes Nichtstun ebenso sinnvoll sein. Mehr noch: Wir brauchen solche (mentalen) Pausen zur Regeneration. Immer nur funktionieren, funktioniert eben auch nicht.

Carpe diem ist nicht nur ein Zeitfaktor. Es geht gleichzeitig um Qualität. Mit diesen Tipps können Sie den Tag einfach mal anders nutzen. Drei Beispiele:

1. Entdecken Sie die Langsamkeit

Für mehr Langsamkeit plädieren etliche neue Strömungen. Vielen ist bewusst geworden, dass Schnelligkeit und Hektik ihr Leben nicht besser machen. Beispiele für die moderne Besinnung auf den Augenblick sind Slow Food, Slow Baking, Slow Travel, Slow Living oder Slow City. Alle diese Trends haben sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Die Prozesse dauern zwar länger, sind dafür umso intensiver.

Lesetipp: Bitte nicht so eilig!

2. Planen Sie Entspannung ein

Gleichen Sie den unvermeidlichen Stress bewusst aus. Mit Sport wie Laufen oder Schwimmen. Oder gehen Sie abends einfach eine Runde spazieren. Die Bewegung gleich sitzende Tätigkeiten aus und schickt den Geist gleich mit auf Wanderschaft. Passt der Sport nicht in den Zeitplan, können Entspannungsübungen und Meditation eine gute Ergänzung sein.

Lesetipp: Warum unser Gehirn so dringend Stille braucht

3. Genießen Sie bewusst

Genuss ist nicht auf eine sinnliche Erfahrung beschränkt. Wir sollten ebenso Dinge schätzen und genießen, die viel zu oft selbstverständlich wirken: ein Dach über dem Kopf, Gesundheit, ein Job, Freunde, Familie, regelmäßigen Urlaub und so weiter. Nicht jeder hat alles davon gleichzeitig. Selbst wenn Sie gerade arbeitslos sind, können Sie doch ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie gut es Ihnen im Vergleich zu anderen geht.

Lesetipp: Wie Dankbarkeit Glück und Erfolg fördert

Anzeige

Carpe diem heißt: Prioritäten setzen

Das Diktat der Zeit nagt heute überall an unserer Lebensqualität. Alles ist messbar. Der Tag wird bis auf die letzte Minute ausgenutzt. Zeit ist Geld. Oft sogar schon ein Luxusgut. Nicht wenige Menschen beklagen sich, dass sie zu wenig Zeit hätten. Ein Trugschluss.

Zeit ist nicht nur relativ. Mit jedem neuen Tag stehen uns neue 24 Stunden zur Verfügung, die wir individuell und persönlich nutzen können. Oder auch nicht. Am Ende ist die Frage nach der verlorenen Zeit keine des Zeitmanagements, sondern der richtigen Prioritäten und des Selbstmanagements.

Tag und Zeit sinnvoll nutzen

Hand aufs Herz: Was machen Sie aus Ihrem Leben? Heute? Jetzt? Nur 15 Prozent unseres Lebens verbringen wir mit Arbeit. Gar nicht so viel, bedenkt man, dass es doch immer heißt: „Arbeit ist das halbe Leben.“

Dennoch nehmen seit Jahren stress- und arbeitsbedingte, psychische Erkrankungen wie Burnout und Depressionen zu. Warum? Machen die Menschen vor lauter Work-Life-Blending keinen Feierabend mehr? Ist es der Frust in einem sinnlosen Job gefangen zu sein? Alles möglich.

Die Fragen spiegeln aber eine Opferhaltung. Der Leitspruch Carpe diem ist das Gegenteil davon. Er ist eine Ermahnung, dass wir morgen das Gestern nicht nachholen können. Womit Sie Ihre Zeit nutzen – die Verantwortung kann Ihnen niemand abnehmen.

Der österreichische Psychologe Viktor Frankl entdeckte schon vor knapp einem Jahrhundert das „Paradoxon der Sinnsuche„: Wir sollten nicht nach einem abstrakten Sinn des Lebens „suchen“. Das macht nur unglücklich. Der Sinn besteht nicht darin, EIN ganz bestimmtes Ziel wie etwa „das große Glück“ oder „den einen Erfolg“ zu finden und zu erreichen. Erfolg, Zufriedenheit und Glück sind vielmehr die Folgen davon, dass wir Freundschaften pflegen, einer Arbeit nachgehen, die wir lieben, eine Familie gründen, Kinder großziehen… Kurz: Sie sind die Folgen, wenn wir unserem Leben einen Sinn „geben“.

Das ist das ganze Geheimnis von carpe diem. Nutzen Sie IHREN Tag, indem Sie ihm einen Sinn geben. Sie selbst. Niemand anderes kann das für Sie tun.

Anzeige

Tipps für die bessere Zeiteinteilung

Natürlich können Sie das Lebensmotto Carpe diem genauso als Tool verstehen. Es kann Ihnen dabei helfen, die verfügbare Zeit besser zu nutzen oder sie besser zu verbringen. Hier ein paar Anregungen:

  • Vergessen Sie Multitasking

    Niemand kann wirklich 100 Prozent auf mehrere Aufgaben gleichzeitig verwenden – das ist schon rein rechnerisch nicht möglich und auch sonst ist Multitasking ein Mythos. In Wirklichkeit werden die Dinge nacheinander angegangen, allerdings nicht in der notwendigen Zeit, sondern hier ein bisschen, da ein bisschen. Dadurch wird man oftmals aus einer Sache herausgerissen statt konzentriert an ihr zu Ende zu arbeiten. Und das frisst im Endeffekt Zeit.

  • Ignorieren Sie soziale Netzwerke.

    Sie müssen sich natürlich nicht von Instagram, Facebook und anderen sozialen Netzwerken abmelden. Aber widerstehen Sie der Versuchung, ständig dort Ihre Freizeit zu verbringen. Social Media sind nicht nur Zeitfresser. Sie etablieren eine Scheinwelt und machen auf Dauer unglücklich. Reduzieren Sie folglich Ihre Surf-Zeiten und praktizieren Sie etwas Digital Detox.

  • Planen Sie kleinere Einheiten

    Teilen Sie sich den Tag in Häppchen ein. Kleinere Einheiten, für die Sie 15 oder 25 Minuten veranschlagen, verlieren so ihre abschreckende Wirkung. Aufgaben, die nur eine Viertelstunde dauern, wirken gleich machbarer. Wichtig ist, dass sich in dieser Zeit ausschließlich auf diese Aufgabe konzentrieren (siehe: Pomodoro-Technik).

  • Führen Sie To-do-Listen

    To-do-Listen können eine große Motivation sein: Schreiben Sie auf, was Sie am Tag alles erledigen möchten oder müssen. Packen Sie alles auf die Liste und priorisieren Sie diese – zum Beispiel mit der Eisenhower-Methode oder ABC Analyse. Das Abhaken und Durchstreichen macht übrigens enorm glücklich.

Nebeneffekt dieser simplen Tipps: Sie bekommen den Kopf frei und gewinnen mehr Zeit, die Sie für Schöneres nutzen können. Ganz im Sinne von carpe diem!

Was andere Leser dazu gelesen haben

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
★★★★★ Bewertung: 4,96/5 - 6989 Bewertungen.
16. Dezember 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

Weiter zur Startseite