Frugalismus: So können Sie mit 40 in Rente gehen

Frugalisten wollen nicht bis ins hohe Alter arbeiten. Sie leben sparsam, investieren viel und wollen schon früh finanzielle Unabhängigkeit erreichen. Frugalismus erfreut sich wachsender Beliebtheit, aber kann das Konzept wirklich funktionieren? Bereits mit 40 in Rente gehen zu können, ist ein großes Ziel – und erfordert zahlreiche Entbehrungen. Hier erfahren Sie, was Sie zum Frugalismus wissen sollten – inklusive Tipps für Frugalisten…

Frugalismus: So können Sie mit 40 in Rente gehen

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Definition: Was ist Frugalismus?

Frugalismus ist ein Trend aus den USA, der längst auch in Deutschland viele Anhänger begeistert. Ziel ist es, finanziell unabhängig von einem festen Einkommen zu werden. Heißt konkret: Schon früh in Rente gehen zu können, nicht mehr arbeiten zu müssen und vom ersparten Vermögen zu leben. Erreicht werden soll dieser Zustand um das 40. Lebensjahr.

Was für die einen utopisch klingt, ist für Fans des Frugalismus ein vollständiges Lebensmodell. Das gesamte Leben ist auf das Konzept des Frugalismus ausgerichtet, um in möglichst kurzer Zeit die nötigen finanziellen Reserven anzusparen.

Was bedeutet Frugalismus?

Frugalismus leitet sich von dem französischen „frugal“ beziehungsweise dem lateinischen Wort „frugalis“ ab. Es bedeutet einfach, sparsam, genügsam oder auch bescheiden. Der Begriff bringt somit die Grundidee in der ersten Zeit des Frugalismus auf den Punkt.

In den USA ist Frugalismus unter dem Akronym FIRE geläufig: Das steht für „Financial Independence, Retire (early)“ – also finanzielle Unabhängigkeit und frühe Rente.

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Wie funktioniert Frugalismus?

Die Vorstellung, mit 40 nicht mehr arbeiten zu müssen und trotzdem bis ans Lebensende genug Geld zu haben, ist verlockend. Der Weg dahin jedoch hart. Im Fokus stehen das Reduzieren auf ein Minimum und der bewusste Verzicht auf Konsum. Dabei folgt der Frugalismus einigen Grundprinzipien:

  • Ein sehr sparsames Leben mit minimierten Ausgaben.
  • Keine (oder nur sehr geringe) Kosten für Auto, Reisen, Freizeit oder Ähnliches.
  • Großer Anteil des Gehalts wird gespart und investiert.

Heißt: Frugalismus ist gerade zu Beginn mit vielen Entbehrungen verbunden. Statt sich etwas vom eigenen Geld zu gönnen, wird dieses angelegt und vermehrt. Keine Reisen, teure Kleidung oder Einrichtung, sondern Aktien, Fonds und andere Kapitalanlagen. Frugalisten verzichten jetzt, um im Zukunft den eigenen Traum leben zu können. Dabei geht es nicht nur ums Geld – sondern eher darum, das Geld allein nicht glücklich macht.

Frugalisten wünschen sich eine größere Freiheit. Nicht an eine Gewerbstätigkeit und regelmäßiges Gehalt gebunden sein. Ist der Frugalismus erfolgreich, kann die Zeit gänzlich selbst eingeteilt werden: Für eigene Hobbys und Leidenschaften, für die Familie und Kinder oder auch für Arbeit, die Spaß macht – egal ob diese gut bezahlt wird oder nicht.

Unterschied zwischen Frugalismus und Minimalismus

Frugalismus und Minimalismus werden oft in einen Topf geworfen. Beide Konzepte haben einige Überschneidungen, sollten aber nicht gleichgesetzt werden. Minimalisten stehen ebenfalls für einen reduzierten Lebensstil, verzichten auf unnötige Gegenstände.

Allerdings geht es beim Minimalismus nicht um den finanziellen Aspekt. Hier geht es um die Vereinfachung des Lebens und das Besinnen aus das Wesentliche – nicht um das Ziel finanzieller Unabhängigkeit und die Möglichkeit, früher aus dem Arbeitsleben auszutreten.

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Frugalismus: Wie viel Geld muss man ansparen?

Eine zentrale Frage, die Frugalisten beantworten müssen: Wie groß muss das Vermögen sein, um den Ruhestand vorzuziehen und vom Ersparten leben zu können? Entscheidend ist der individuelle Lebensstandard und die damit verbundenen jährlichen Ausgaben. Nach der sogenannten 4-Prozent-Regel ergibt sich eine einfache Formel:

Sie benötigen 25 Mal so viel, wie Sie im Jahr ausgeben.

Wer das gesamte Leben über mit 40.000 Euro jährlich auskommt, muss demnach ein Vermögen von einer Millionen Euro ansparen. Werden hingegen 80.000 Euro im Jahr ausgegeben, braucht es entsprechend zwei Millionen Euro für erfolgreichen Frugalismus.

Wie investieren Frugalisten?

Natürlich muss jeder seine eigene Strategie für Investments finden, beliebt bei Frugalisten sind jedoch Aktienfonds und sogenannte ETFs. Durch eine breite Streuung wird das Risiko minimiert. Eine hohe Rendite hilft, muss aber gegen das Verlustrisiko abgewogen werden. Es soll langfristig vom Ersparten und den resultierenden Kapitalerträgen gelebt werden. Wichtig ist dafür zunächst erfolgreicher Aufbau des angestrebten Vermögens.

Wie lange das dauert, hängt von der individuellen Sparquote ab. Frugalisten legen mindestens 30 Prozent des monatlichen Einkommens in ihre gewählten Investments an. Je nach Lebensstil und Möglichkeiten sind es sogar 50 oder gar 70 Prozent. Von beispielsweise 2.500 Euro netto monatlich werden so jeden Monat mehr als 1.000 Euro angespart.

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Tipps für Frugalisten

Frugalisten wird man nicht von heute auf morgen. Es ist eine grundsätzliche Einstellung und eine Art zu leben – keine Entscheidung, die kurzfristig getroffen werden kann. Wollen Sie der Idee des Frugalismus folgen, haben wir deshalb einige Tipps, die Sie beherzigen sollten:

  • Bereiten Sie sich auf Entbehrungen vor
    Anfangs denken viele nur an die Freiheit und die Möglichkeit, bereits mit 40 Jahren nicht mehr arbeiten zu müssen. Vorher stehen jedoch sehr entbehrungsreiche Jahre, in denen Sie auf viel verzichten und sich selbst einschränken müssen. Fragen Sie sich ehrlich, ob Sie dazu bereit und in der Lage sind.
  • Klären Sie Ihre Prioritäten
    Überprüfen Sie Ihre persönlichen Werte: Was ist Ihnen wichtig? Brauchen Sie Statussymbole? Sind Ihnen Luxus und Wohlstand wichtig? Oder legen Sie den Schwerpunkt auf immaterielle Werte? Wollen Sie mehr Zeit für sich und Ihre Projekte haben?
  • Fragen Sie sich, was Sie brauchen
    In einem nächsten Schritt wird es darum gehen, sich von Überflüssigem zu trennen. Das sind vor allem Dinge, die Geld kosten. Vieles, was monatlich Ausgaben verursacht, ist mehr Luxus als Notwendigkeit. Identifizieren Sie diese Faktoren.
  • Reflektieren Sie Ihr Verhalten
    Nicht selten sind Neuanschaffungen reine Konsumkäufe, impulsgesteuerte Handlungen. Frugalisten widerstehen solchen Versuchungen. Fragen Sie sich vorher: Ist das wirklich wichtig oder wird nur ein anderes Gefühl – wie Unzufriedenheit oder Einsamkeit – durch die Ausgabe überdeckt?
  • Entwickeln Sie eine Anlagestrategie
    Frugalismus funktioniert nur über eine erfolgreiche und gewinnbringende Anlagestrategie. Anfangs müssen Sie Vermögen aufbauen, nach dem frühen Renteneintritt von den Renditen leben. Informieren Sie sich umfassend über verschiedene Möglichkeiten und erwartete Kapitalerträge.

Spartipps für Frugalisten

Zusätzlich haben wir einige Spartipps, mit denen Frugalisten ihre monatlichen Kosten reduzieren können. So bleibt ein Maximum für die Sparquote:

  • Lebensstandard anpassen
  • Mietkosten reduzieren
  • Unnötige Versicherungen kündigen
  • Unnötige Verträge kündigen (Smartphone, Streamingdienst…)
  • Fahrrad fahren oder laufen (statt ein Auto zu haben)
  • Selbst kochen
  • Möbel, Kleidung oder Elektrogeräte reparieren
  • Second Hand einkaufen
  • Alte Dinge weiterverkaufen

Kritik am Frugalismus

Neben den Fans gibt es auch zahlreiche Kritiker, die den Frugalismus hinterfragen. Der vielleicht häufigste Kritikpunkt: Frugalismus ist nicht für wenige Menschen wirklich umsetzbar. Geringverdiener haben kaum eine Chance, die nötige Sparquote umzusetzen. Von einem sehr kleinen Gehalt kann nicht noch die Hälfte gespart werden.

Auch andere Bedingungen können dem Frugalismus im Weg stehen:

  • Sie müssen sich viele Einschränkungen auferlegen. Das kann zu wachsender Unzufriedenheit führen.
  • Um auf das Auto verzichten zu können, muss man städtisch und in Nähe des Arbeitsplatzes wohnen – hier sind die Mieten aber deutlich teuer.
  • Eine kleine, günstige Wohnung wird zum Problem für die Familienplanung und Kinder.
  • Frugalismus ist nicht als Massentrend geeignet – irgendwer muss konsumieren, damit Aktienfonds entsprechende Gewinne abwerfen, Restaurants und Hotels sowie weite Teile des Dienstleistungssektors existieren können.

Das Modell kann aber nur funktionieren, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert: Etwa die Insolvenz des Unternehmens, bei dem man angestellt ist. Oder eine Berufsunfähigkeit. Wie plötzlich das Konzept in Schwierigkeiten geraten kann, zeigt aktuell die Corona-Krise.

Wer einen Kompromiss eingehen will, also nicht gleich den totalen Frugalismus praktizieren, aber sparsamer leben will, kann sich für andere Sparmodelle entscheiden.

Lesetipp: Sparen mit der 50-30-20-Regel

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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4. Dezember 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.

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