Entbehrung: Wie Verzicht Sie weiterbringt

Entbehrung hat ein Imageproblem. Oft assoziieren wir Entbehrungen mit Mangel, Verzicht, Einschränkung – allesamt negativ behaftete Synonyme, die uns an Hunger und Armut denken lassen. Fortan ist Freudlosigkeit das vorherrschende Gefühl. Dabei kann Entbehrung ein notwendiger und vor allem gewollter Karriereschritt sein. Über die verschiedenen Aspekte von Entbehrungen…

Entbehrung: Wie Verzicht Sie weiterbringt

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Definition: Welche Bedeutung hat Entbehrung?

Der Duden spricht von „schmerzlich empfundenen Mangel“ und „empfindlicher Einschränkung“ bei Entbehrung. Andere Wörterbücher streichen die Not heraus, denn bei Entbehrung liegt Mangel an etwas Wichtigem vor. Daher auch der Gedanke an Hunger und Leid, wenn so etwas Lebensnotwendiges wie Essen fehlt.

Deprivation in der Wissenschaft

In der Psychologie ist von Deprivation die Rede, wenn jemand emotionale Beziehungen und soziale Kontakte entbehren muss. Erfahrungen von Vernachlässigung in der Kindheit können beispielsweise zu Persönlichkeitsstörungen und Depression führen.

Bei sozialer Ausgrenzung unterscheidet die Soziologie noch etwas genauer zwischen objektiver und subjektiver Deprivation. Erstere bezeichnet messbare materielle Benachteiligung, wie sie sich beispielsweise im Gehalt widerspiegelt. Subjektive Deprivation hingegen zeigt sich durch den Vergleich mit einer Bezugsgruppe und kann sich beispielsweise in Diskriminierung äußern.

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Entbehrung formt Charakter

Die negative Sicht auf Entbehrung als Mangel ist aber nur eine Sichtweise. Sieht man von sozialer Deprivation ab, stellten immer wieder große Denker die Vorzüge von Entbehrung im Sinne von Beschränkung und Bescheidenheit heraus. Von Leo Tolstoi stammt das Zitat „Entbehrung braucht die Familie notwendiger als Überfluss.“ Darin spiegelt sich die Überzeugung, dass (ein gewisses Maß) an Entbehrung charakterformend sei. Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft garantiert somit eine gewünschte Richtung. Denn umgekehrt gilt Überfluss leicht als Vorstufe zum Laster – etwa durch Völlerei.

Und Geld verdirbt den Charakter – das belegt sogar eine Studie des Psychologen Anthony Manstead von der Universität von Cardiff (Wales). Er fand heraus, dass die materiellen Bedingungen, unter denen Menschen aufwachsen und leben, ihren Charakter nachhaltig beeinflussen. Wie sozial sich jemand verhält, wie feinfühlig die Person auf andere reagiert, korreliert mit ihren eigenen finanziellen Verhältnissen.

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Einschränkung als selbstgewählter Schritt

Bei allen wünschenswerten und positiven Einflüssen auf den Charakter: Es besteht natürlich ein großer Unterschied zwischen notgedrungener Entbehrung und selbstgewähltem Verzicht. Kaum jemand würde ernsthaft die Vorzüge von chronischem Mangel anpreisen – ganz gleich, ob es um Mangel an Liebe, Essen, Regen oder sonstigen lebensnotwendigen Dingen geht. Und genau hierin besteht der Unterschied: Als selbstgewählter Schritt ist Entbehrung meist nur von vorübergehender Dauer und verfolgt ein größeres Ziel.

Beispielsweise zur Fastenzeit. Die ist ebenfalls mit Entbehrung verbunden. Natürlich nie so drastisch, dass jemand verhungern müsste. Aber die Einschränkungen sind spürbar. Ebenso allerdings auch die (positiven) Effekte: Ganz gleich, ob jemand auf Essen, Alkohol oder Social Media verzichtet. Nach dem Fastenbrechen berichten die meisten einhellig über einen bewussteren Genuss im neu gewonnenen Umgang mit zuvor reduzierten Dingen. Pfunde purzelten beim Verzicht auf Essen und Alkohol. Weniger Social Media führte zu Digital Detox und bescherte mehr Zeit und innere Ruhe. Und wer wirklich Hungergefühle überwinden musste, empfindet anschließend Dankbarkeit dafür, dass in unserer wohlhabenden Gesellschaft niemand wirklich leiden muss.

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3 Aspekte von Entbehrungen

Schon bei den Römern hieß es: „Per aspera ad astra“. Das lässt sich übersetzen mit „Durch das Raue zu den Sternen.“ Oder etwas gefälliger: „Durch Mühsal (oder eben: Entbehrung) gelangt man zu den Sternen.“ Diesen Gedanken finden wir heutzutage in vielen Bereichen wieder. Er umfasst wenigstens diese drei Aspekte:

Anstrengungen unternehmen

Von nix kommt nix. Diese schnöde Weisheit bringt es kurz und knapp auf den Punkt: Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen wir uns Mühe machen. Immer noch existiert der Irrglaube, allein Glück oder Talent reiche aus, um Ziele zu erreichen.

Aber andere Eigenschaften wie Beharrlichkeit oder ein konkreter Karriereplan sind deutlich wichtiger. Allerdings bedeuten sie zusätzliche Arbeit.

Impuls kontrollieren

Zusätzliche Arbeit ist vor allem ein Zeitfaktor. Wer sich beispielsweise beruflich verändern möchte, benötigt Zeit für Selbstreflexion. Er oder sie wird Zeit damit verbringen, die eigenen Stärken auszuloten und genau die Stellenanzeigen zu identifizieren, die infrage kommen.

Möglicherweise müssen Sie sogar Zeit für eine Weiterbildung oder ein Fernstudium investieren. Der Tag hat aber nur 24 Stunden: In jedem Fall kommt es zu Einschnitten – Entbehrungen – an anderen Stellen. Sie werden einen Teil Ihrer Freizeit opfern beziehungsweise neuen Prioritäten unterordnen. Das verlangt die Fähigkeit zur Impulskontrolle: Mit Blick auf zukünftige Ziele stellen Sie kurzfristige Vergnügungen beiseite. Vielleicht nicht vollständig, aber eben nicht mehr im gewohnten Umfang.

Plan erstellen

Wie man sich auf Entbehrungen einstellt, kann je nach Verzicht unterschiedlich sein. Kalter Entzug oder Einschränkung auf Raten? Beim Fasten können Sie beispielsweise mit Intervallfasten eine Mahlzeit am Tag weglassen oder aber sich über einen bestimmten Zeitraum nur von Gemüsesäften ernähren. Entbehrung in Verbindung mit Prüfungsvorbereitung sieht zwei Tage vor Abgabe der Studienarbeit sicherlich anders aus, als beispielsweise im Rahmen einer mehrwöchigen Fortbildung.

Um das gewünschte Ziel zu erreichen, bietet es sich an, Etappenziele zu formulieren. Etwa eine bestimmte Strecke beim Joggen innerhalb einer Zeitvorgabe. Oder die Anzahl der Seiten einer Hausarbeit bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Wie lässt sich mit Entbehrungen umgehen?

Oft nehmen Menschen Entbehrungen freiwillig auf sich, da die Belohnung anschließend umso größer ist: Sie äußert sich in einer bestandenen Prüfung, einer Beförderung, mehr Lebensqualität oder schlicht einem höherem Gehalt.

Nicht selten spielt die Frage nach dem Lebenssinn eine Rolle: Viele Mütter und Väter opfern ihren Schlaf für den Nachwuchs, Frauen häufig sogar ihre Karriere für die Familie. Dem gehen meist veränderte Prioritäten voraus. Was nicht bedeutet, dass der Verzicht nicht wahrgenommen wird. Wie lässt sich also damit umgehen? Dazu zwei Tipps:

  • Ändern Sie Ihre Einstellung

    Vieles ist Einstellungssache. Wenn Sie immerfort mit der Entbehrung hadern, fällt sie Ihnen umso schwerer. Stattdessen sollten Sie sich vergegenwärtigen, wofür Sie sich einschränken, welches übergeordnete Ziel Sie verfolgen. Hier geht es nicht nur um positives Denken, vielmehr sollten Sie auch gleichzeitig durch mentales Kontrastieren die Widerstände erkennen und daran arbeiten, sie zu beseitigen.

  • Erleichtern Sie sich Ihr Vorhaben

    Den eigenen Schweinehund können Sie mit zahlreichen Methoden und Tricks in den Griff bekommen. Im Falle beruflicher Weiterentwicklung sind es beispielsweise Zeitmanagement-Methoden oder Maßnahmen, wie Sie gezielt Ablenkungen ausschalten. Dazu gehört beispielsweise eine geräuscharme Umgebung, das Ausschalten von Zeitfressern oder ein aufgeräumter Schreibtisch. Auch sonst müssen Sie sich keineswegs als Einzelkämpfer durchschlagen. Wenn Sie für persönliche Ziele Unterstützung benötigen, können Sie sich mit einem Freund zum Joggen verabreden oder sich einen Mentor suchen, der neue Impulse für den Job bringt.

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[Bildnachweis: MJgraphics by Shutterstock.com]

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