Mahlzeit: Veraltete Floskel oder sinnvoll?

Pünktlich zur Mittagspause hört man oft ein nett gemeintes Mahlzeit durch den Büroflur schallen. Was sich dabei kaum jemand fragt: Ist es überhaupt noch angebracht und sinnvoll, den Kollegen Mahlzeit entgegenzurufen? Und wenn man so etwas vernimmt – wie reagiert man angemessen? In der Kantine ist ein freundliches Mahlzeit noch verständlich, aber wieso sollte man seine Kollegen auch außerhalb so anreden? Nicht für jeden klingt „Mahlzeit!“ modern und zeitgemäß. Hier erfahren Sie, woher der Mittagsgruß Mahlzeit überhaupt kommt und mit welchen Alternativen Sie die Floskel ersetzen können…

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Mahlzeit: Veraltete Floskel oder sinnvoll?

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Was ist mit Mahlzeit gemeint?

Nähern wir uns dem Begriff wortwörtlich, dann war mit Mahlzeit früher der Zeitpunkt gemeint, zu dem Speisen – Essen und Getränke – anlässlich eines Gastmahls eingenommen wurden.

Die Bedeutung hat sich dahin verschoben, das Essen an sich beziehungsweise die Nahrungsaufnahme als Mahlzeit zu bezeichnen – man könnte ebenso gut vom Mahl sprechen. Häufig ist eine bestimmte Uhrzeit mit der Nahrungsaufnahme verknüpft.

Beispielsweise wird zwischen 6 und 8 Uhr morgens das Frühstück als erste Mahlzeit des Tages eingenommen.

Dieses Verständnis von Mahlzeit führt dann auch bei manchen zur Irritation, wenn einem Menschen losgelöst von Essen Mahlzeit entgegenrufen. Das liegt daran, dass der Begriff sich zur Grußformel entwickelt hat. Es geht nicht darum, seinem Gegenüber ernsthaft vorschreiben zu wollen, dass er oder sie jetzt gefälligst etwas essen sollte.

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Ursprung: Warum wünschen wir Mahlzeit?

Manche Floskeln, Grüße und Begriffe sind so sehr im Sprachgebrauch etabliert, dass wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, woher diese kommen oder warum sie verwendet werden. So ist es auch bei Mahlzeit.

Während etwa beim Wunsch Guten Appetit oder Guten Hunger sofort klar ist, was gemeint ist, wünschen Sie dem Empfänger mit einem Mahlzeit schließlich keine wörtliche Mahlzeit im Sinne einer Portion, sondern dass er sein Essen genießen möge.

Schauen wir auf den Ursprung, so war anfangs damit eine religiöse Bedeutung verbunden. Früher war die lange Variante Gesegnete Mahlzeit ein beliebter Gruß, um dem Gegenüber mit Gottes Segen eine gesunde und nahrhafte Speise zu wünschen.

Dieser Gruß wurde nicht nur von Geistlichen verwendet, sondern wurde auch unter anderen gläubigen Menschen geläufig. In der Entwicklung der Umgangssprache wurde zunehmend die abgekürzte Variante Mahlzeit verwendet und der zunächst religiöse Aspekt verschwand.

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Mahlzeit als Grußformel

Oft wird Mahlzeit als Grußwort zum Mittagessen genutzt. Wir wünschen dem Empfänger damit eine angenehme – oder auch dem Ursprung nach gesegnete – Mahlzeit. Es gibt jedoch weitere Situationen, in denen Mahlzeit verwendet wird. Unabhängig vom Essen und sogar in einer völlig anderen Bedeutung.

Teilweise und regional unterschiedlich wird Mahlzeit als allgemeines Grußwort genutzt. Ähnlich wie ein einfaches Hallo oder Guten Tag wird das Gegenüber mit einem freundlichen Mahlzeit begrüßt. Der Gruß ist in diesem Fall eher salopp und nicht förmlich.

In dieser Verwendung ist das Grußwort nicht an eine bestimmte Tageszeit gebunden und kann auch vormittags oder abends genutzt werden – egal, ob tatsächlich gerade eine Mahlzeit ansteht oder nicht. Das funktioniert nicht in allen Sprachen.

Im Englischen gibt es keine Übersetzung von Mahlzeit mit derselben Bedeutung als Gruß. Das englische Wort meal lässt sich zwar als Mahlzeit übersetzen, meint aber lediglich das Essen.

In anderen Kulturen hingegen lässt sich die Verknüpfung von Essen und Grußformel ebenfalls erkennen.

Beispielsweise in China. In Ermangelung eines exakten Pendants zum deutschen Hallo
wird oft der chinesische Gruß ni hao (你好) genommen. Allerdings ist ni hao deutlich höflicher als ein einfaches Hallo. Viel näher dran ist das gängige chi-fan-le-ma? (吃饭了吗) und das heißt übersetzt wiederum: Hast Du schon gegessen?

Gesellschaftliche Funktion von Mahlzeiten

Die chinesische Gepflogenheit, sich zur Begrüßung (wörtlich übersetzt) nach einer Mahlzeit zu fragen, unterstreicht die Bedeutung von Nahrung in sozialen Kontexten. Betrachtet man Mahlzeiten unter kulturellen Gesichtspunkten, geht es dabei um deutlich mehr als nur die reine Essensaufnahme.

Ein altes Sprichwort verdeutlicht das:

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.

Wenn wir essen, dann sind nahezu alle Sinne beteiligt – wir sehen, riechen, schmecken und fühlen die Mahlzeit. Wir nehmen wahr, wie die Konsistenz ist, ob sie wohlschmeckend, schlecht gewürzt oder gar verdorben ist. Alle diese Komponenten tragen zusammen mit dem Sättigungsaspekt dazu bei, dass wir uns wohlfühlen.

Verstärkt wird das durch die soziale Funktion von Essen. Beispielsweise findet Kindererziehung bei der Aufnahme von Mahlzeiten statt. Frühere Generationen wuchsen noch mit den Geschichten des Frankfurter Arztes und Psychiaters, Heinrich Hoffmann, auf. In seinem Kinderbuch Der Struwwelpeter führt er mit drastischen Geschichten vor wie „Zappel-Philipp“ und „Suppen-Kaspar“ vor, was Kindern blüht, die sich den Erziehungsmaßnahmen verweigern.

Wie wichtig die gemeinsame Mahlzeit ist, lässt sich bereits in der Bibel mit dem Abendmahl erkennen. Bis auf den heutigen Tag gibt es für viele Menschen nichts Schöneres, als gemeinsam zu essen oder essen zu gehen. Nicht zu unterschätzen sind dabei die Tischmanieren. Unvorstellbar ein Geschäftsessen, bei dem der Kollege laut vernehmlich schmatzt oder den Schlips in die Suppe hängen lässt.

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Ironische Verwendung von Mahlzeit

Je nach Situation kann Mahlzeit in der deutschen Umgangssprache auch eine gänzlich andere Bedeutung bekommen, die nichts mehr mit einem Gruß oder dem Essen zu tun hat. Ein ironisches Mahlzeit ist eine Unmutsbekundung und somit ein Zeichen von Frustration und anstehenden Problemen.

Ein Beispiel: Sie haben gerade das letzte ToDo des Tages abgeschlossen, wollen nur noch kurz die Unterlagen sortieren und freuen sich schon auf den Feierabend – da kommt der Chef rein, knallt Ihnen zwei Aktenordner auf den Schreibtisch und sagt, dass diese dringend noch heute bearbeitet werden müssen. Ihr erster Gedanke: Ja, Mahlzeit!

Teilweise wird auch Na, prost Mahlzeit! gesagt, wenn jemand sagen will: Das ist ja eine schöne Bescherung! Oder: Das kann ja heiter werden! Der Ausspruch bedeutet dann dasselbe wie ein ironisches Na super… oder ein aufrichtiges Bitte nicht…

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Mahlzeit als Gruß im Job: Angebracht oder veraltet?

Gerade im Berufsleben erfreut sich Mahlzeit als Gruß weiterhin einer besonderen Beliebtheit. Warum das so ist, lässt sich nicht nachvollziehen, doch wirft es eine Frage auf: Ist es wirklich noch zeitgemäß oder überhaupt angemessen sich im Job Mahlzeit zu wünschen?

Dabei gilt zunächst: Es kommt darauf an, wer der Empfänger ist. Unter Kollegen ist es zunächst kein Problem und Sie leisten sich zumindest keinen größeren Fauxpas, wenn Sie zur Mittagspause ein freundliches Mahlzeit in die Runde rufen. Vorgesetzten gegenüber sollten Sie jedoch daraus verzichten. Hierbei steht nicht einmal im Vordergrund, dass es veraltet ist, sondern es ist schlichtweg zu informell.

Wollen Sie Ihren Chef zum Mittag grüßen, zeigt ein Mahlzeit nur wenig Respekt und kommt bei Führungskräften vermutlich nicht gut an. Selbst bei flachen Hierarchien empfiehlt es sich, andere Möglichkeiten zu wählen die respektvollere Variante der Umgangsformen zu nutzen.

Ohnehin gilt: Mahlzeit als Gruß ist im Job zwar noch verbreitet und in vielen Teams ein alltäglicher Begleiter, doch wirkt es dennoch sehr veraltet. Briefe werden auch nicht mehr mit Hochachtungsvoll, Ihr Max Mustermann unterschrieben. Hinzu kommt, dass „Mahlzeit“ oftmals nur als inhalts- und bedeutungsleere Floskel genutzt wird. Wir wünschen Mahlzeit, weil es im Job eine Gewohnheit ist und sich eingebürgert hat.

Bleibt die Frage: Welche Alternativen zum Mahlzeit gibt es?

Alternativen zu Mahlzeit

Viele bleiben beim Mahlzeit, weil es schlichtweg an einem passenden Ersatz fehlt. Eine vollkommen allgemeine Alternative gibt es leider nicht, vielmehr sollten Sie bei der Wahl Ihres Grußwortes die individuelle Situation berücksichtigen und entsprechend wählen.

Wir haben die häufigsten und sinnvollsten Alternativen zu Mahlzeit aufgelistet und erklären, wann diese genutzt werden können:

  • Guten Appetit

    Ein Guten Appetit ist förmlicher und kann ohne Probleme auch den Vorgesetzten gewünscht werden. Allerdings passt dies nur, wenn Sie bereits beim Essen sind oder ganz eindeutig ist, dass der Gesprächspartner gerade auf dem Weg zum Essen ist. Vielleicht geht Ihr Kollege in der Pause auch eine Runde spazieren – in diesem Fall wäre Guten Appetit natürlich unpassend.

  • Guten Hunger

    Der Wunsch Guten Hunger ist ebenfalls auf den Rahmen des Essens beschränkt. Zudem ist es weniger förmlich und sollte in erster Linie Kollegen vorbehalten, die Sie bereits gut kennen. Neuen Kontakten und auch Führungskräften gegenüber empfiehlt sich eher das oben genannte Guten Appetit.

  • Genieß‘ deine Pause

    Wenn nicht klar ist, wie Ihr Gegenüber die freien Minuten verbringt, können Sie eine allgemeine Alternative zu Mahlzeit wählen. Ein einfaches Genieß‘ deine Pause oder auch Hab eine schöne Pause erfüllt denselben Zweck, wirkt persönlicher und nicht so altmodisch.

  • Hallo / Guten Tag

    Oft wird Mahlzeit lediglich als Begrüßung genutzt, wenn Sie beispielsweise in der Kantine an einen Tisch mit Kollegen kommen, die bereits essen. In dieser Situation funktioniert ein simples Hallo ganz genauso – ohne altmodische Floskel. Gleiches gilt für Guten Tag, wenn es etwas förmlicher sein soll.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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11. Mai 2020 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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