Mahlzeit wünschen: So nutzen Sie das Grußwort richtig

Pünktlich zur Mittagspause hallt die Redewendung „Mahlzeit“ durch die Büroflure oder die Betriebskantine. Ein nett gemeintes Grußwort zum Essen und zur Pause. Aber ist die plakative Grußformel heute noch angebracht und zeitgemäß oder eine längst veraltete und überholte Floskel? Wie reagiert man korrekt und angemessen darauf, wenn einem die Kollegen ein freundliches „Mahlzeit!“ zurufen? Höchste Zeit sich mit dem alltäglichen Mittagsgruß und Spruch sowie mit möglichen Alternativen auseinanderzusetzen…

Mahlzeit wünschen: So nutzen Sie das Grußwort richtig

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Was ist mit Mahlzeit gemeint?

Ursprünglich war mit dem Begriff „Mahlzeit“ jener Zeitpunkt gemeint, zu dem Speisen (Essen und Getränke) anlässlich eines Gastmahls gereicht wurden. Die Bedeutung hat sich allerdings gewandelt. Heute findet sich die Formulierung überwiegend im Büro und beruflichen Kontext. Privat nutzt sie kaum jemand. Im Büro wiederum wird darunter entweder der Zeitraum der Nahrungsaufnahme verstanden. Das Frühstück zum Beispiel wird oft als „erste Mahlzeit des Tages“ bezeichnet. Oder der Gruß dient als indirekter Appell an die Kollegen, um ihnen mitzuteilen, dass es Zeit für die Mittagspause wird.

Die mit Abstand gebräuchlichste Form unter Kollegen ist allerdings, sich mittags mit „Mahlzeit“ zu grüßen. In dem Fall ist die Phrase mehr beiläufiges Grußwort und Anrede als Appell oder Wunsch. In der Kantine besitzt der Gruß sogar denselben Stellenwert wie der Wunsch „Guten Appetit!“ oder „Guten Hunger!“ Als Grußwort ist der Spruch nicht einmal an eine bestimmte Tageszeit gebunden. Es kann ebenso vormittags oder abends genutzt werden – egal, ob tatsächlich ein Frühstück, Mittagessen oder Abendessen eingenommen wird.

Ursprung: Warum wünschen wir Mahlzeit?

Manche Floskeln, Grüße und Begriffe sind so sehr im Sprachgebrauch etabliert, dass wir uns keine Gedanken darüber machen, woher sie ursprünglich kommen oder warum sie verwendet werden. So ist es auch hierbei: Tatsächlich geht der Spruch auf eine religiöse Bedeutung zurück. Früher war die lange Variante „Gesegnete Mahlzeit“ ein beliebter Gruß, um dem Gegenüber mit Gottes Segen eine gesunde und nahrhafte Speise zu wünschen. Der Gruß wurde nicht nur von Geistlichen verwendet, sondern war ebenso unter Gläubigen geläufig. Mit dem Eingang in die Umgangssprache wurde zunehmend die abgekürzte Variante „Mahlzeit“ verwendet und der religiöse Aspekt verschwand.

Bemerkenswert: Zum deutschen „Mahlzeit“ gibt es in anderen Sprachen kaum ein Pendant. Das englische Wort „meal“ meint lediglich das Essen und hat keinerlei Bedeutung als Gruß. Im Chinesischen wiederum fragt man eher: „Chi-fan-le-ma?“ (吃饭了吗) heißt übersetzt: „Hast Du schon gegessen?“

Ironische Verwendung des Begriffs

Je nach Situation kann „Mahlzeit“ auch eine völlig andere Bedeutung haben, die nichts mehr mit einem Gruß oder Essen zu tun hat. Stellen Sie sich vor, Sie stehen kurz vor dem Feierabend – da knallt Ihnen der Chef zwei Aktenordner auf den Schreibtisch, die noch heute bearbeitet werden müssen. Der erste Gedanke: „Na, Mahlzeit!“ oder „Prost, Mahlzeit!“ Beide Ausdrücke sind ironisch gemeint, im Sinne von „Danke – für nichts!“ oder „Das ist ja eine schöne Bescherung!“.

Hier mutiert die Redewendung zur (höflichen) Unmutsbekundung und ist somit eher Ausdruck von hoher Frustration und Verdrossenheit. In dieser Form („Na, Mahlzeit“ oder „Prost Mahlzeit“) ist die Redewendung nicht auf die Arbeitswelt beschränkt und kann in allen Lebensbereichen gebraucht werden.

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Alternativen zum Grußwort Mahlzeit

Viele bleiben bei der Redewendung „Mahlzeit“, weil es ihnen an passenden Alternativen fehlt. Zugegeben, vollwertige Synonyme zu dem Ausspruch existieren nicht. Je nach Situation finden sich aber weitere Optionen anstelle des Grußwortes wählen und nutzen. Die häufigsten und sinnvollsten Alternativen stellen wir Ihnen im Folgenden vor:

  • „Guten Appetit!“: Ein „Mahlzeit!“ gegenüber Vorgesetzten gilt als zu salopp und latent respektlos (es sei denn, es ist Usus im Betrieb). Hier bietet sich die förmliche Formel „Guten Appetit“ an. Sie passt allerdings nur am Tisch – kurz vor dem Essen. Als Einladung zur gemeinsamen Pause wäre der Wunsch unpassend.
  • „Guten Hunger!“: Der Wunsch „Guten Hunger“ ist ebenfalls auf den Rahmen des Essens beschränkt. Zudem ist er weniger förmlich und sollte daher Kollegen vorbehalten bleiben, die man gut kennt. Neuen Kontakten und Führungskräften gegenüber ist der Appell unangebracht.
  • „Schöne Pause!“: Wenn nicht klar ist, wie der oder die Kollegin die freien Minuten verbringt, können Sie eine allgemeine Alternative zu Mahlzeit wählen. Ein einfaches „Genieß‘ deine Pause“ oder auch „Schöne Pause!“ erfüllt denselben Zweck, wirkt persönlicher weniger nach Phrase oder Floskel.
  • „Hallo“ / „Guten Tag!“: Falls „Mahlzeit“ lediglich als Begrüßung um die Mittagszeit herum dient, können Sie natürlich ebenso mit einem simplen „Hallo“ grüßen oder Ihrem Gegenüber einen „Guten Tag“ wünschen, wenn es etwas förmlicher sein soll.

Wie richtig auf ein „Mahlzeit“ reagieren?

Wenn es sich um eine einfache Grußformel handelt, wird der Spruch als Antwort wiederholt: Auf „Mahlzeit“ antworten Sie also ebenfalls mit „Mahlzeit“. Hierauf nur mit einem „Hallo“ zu grüßen, könnte als unhöflich aufgefasst werden. Wird der Ausspruch hingegen synonym zu „Guten Appetit“ verwendet, können Sie auch damit oder weiteren Wünschen antworten. Schließlich geht es hier nur darum, eine möglichst leckere Nahrungsaufnahme anzustreben.


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Mahlzeit als Grußwort: Zeitgemäß oder veraltet?

Obwohl sich das Grußwort im Berufsleben besonderer Beliebtheit erfreut, stellen sich viele die Frage, ob „Mahlzeit“ denn überhaupt noch zeitgemäß oder eine nicht längst überholte Floskel sei. Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht – es hängt schlicht von der Situation und Ihrem Gegenüber ab. „Mahlzeit“ ist zwar typisch deutsch, aber keineswegs „aus der Mode“, wie manche unsinnigerweise behaupten. Alternative Begrüßungsformeln sind meist abhängig von der Tageszeit und dem Kontext und damit kein universeller Ersatz.

Unter Kollegen, erst recht bei betrieblicher Übung und entsprechendem Verhaltenskodex, ist es also weiterhin kein Problem, sich zum Beispiel zur Mittagspause Mahlzeit zu wünschen oder zwischen 12 Uhr und halb zwei ein freundliches oder informelles „Mahlzeit!“ in die Runde zu rufen (solange Sie niemanden damit stören). Gegenüber Chefs und Vorgesetzten gilt das Grußwort dagegen eher als Fauxpas. Gute Umgangsformen und mehr Respekt beweist, wer formellere Grußformeln wie „Guten Tag“ oder „Zum Wohl“ wählt.

Generell gilt: Unabhängig davon, wie sie gemeint sind, sollten Grüße nie beiläufig und ohne Blickkontakt ausgesprochen werden. Das entwertet sie und schrumpft einen höflichen Wunsch zur hohlen Phrase. Wünschen Sie Ihren Kollegen also ruhig weiterhin „Mahlzeit“ – aber meinen Sie es auch so und sehen Sie ihnen dabei in die Augen.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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22. September 2020 Jochen Mai Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Der Autor mehrerer Bücher doziert an der TH Köln und ist gefragter Keynote-Speaker, Coach und Berater.


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