Vigilanz: Definition und 5 Tipps für mehr Aufmerksamkeit

Krankheit, Jetlag oder durchzechte Nächte haben eins gemeinsam: sie führen zu einer beeinträchtigten Vigilanz. Der Fachbegriff steht in der Medizin und Psychologie für Wachheit. Jeder kennt von sich selbst verschiedene Formen der Aufmerksamkeit. In einigen Situationen kann es allerdings gefährlich werden, wenn die Person nicht die erforderliche Aufmerksamkeit zeigt. Eine gestörte Vigilanz begünstigt Fehler. Was Sie dagegen tun können…

Vigilanz: Definition und 5 Tipps für mehr Aufmerksamkeit

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Definition: Was ist Vigilanz?

In einigen Fällen wird Vigilanz im übertragenen Sinn verstanden: Der wache Verstand einer Person wird als überhebliche Art empfunden. Nachfolgend soll es allerdings nicht um ein Persönlichkeitsmerkmal gehen. Vielmehr ist Vigilanz (oder auch Vigilität) ein Teilaspekt des Bewusstseins. Als solcher beschreibt er die Aufmerksamkeit in einer reizarmen Umgebung – beispielsweise den Zustand eines Autofahrers auf einer leeren Autobahn. Demgegenüber steht die Daueraufmerksamkeit. Hierbei ist andauernde Aufmerksamkeit bei hoher Reizfrequenz gegeben. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Sie lesen.

Vigilanz leitet sich vom lateinischen vigilantia ab, zu Deutsch „Wachheit“, synonym auch „Wachsamkeit“. Es handelt sich dabei um einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit und Reaktionsbereitschaft. Das heißt, sofern es die Situation erfordert, kann die Person binnen Sekunden von „Null auf 100“ sein: Beispielsweise, weil plötzlich ein Reh auf die Fahrbahn springt. Dieser Wachzustand ist zwar einerseits überwiegend passiv, gleichzeitig kann die Person schnell auf Umweltreize reagieren (Alertness).

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Formen der Vigilanz

Wenn Vigilanz Wachheit bedeutet, könnte man meinen, dass Schlaf das Gegenteil ist. Tatsächlich handelt es sich dabei aber lediglich um einen bestimmten Wachzustand, eine andere Form der Vigilanz. Denn entscheidend für die Definition ist das Verhalten des Nervensystems, das immer aktiviert ist. Daher kennt die Forschung verschiedene Formen der Vigilanz, in der zwei gegensätzliche Pole in einer Vigilanzreihe auftreten:

  • Erregung
    Das eine Extrem ist die höchstmögliche Erregung. Sie tritt beispielsweise auf, wenn wir uns erschrecken.
  • Schlaf
    Das andere Extrem ist die geringstmögliche Vigilanz. Dieser Pol wird durch den traumlosen Tiefschlaf repräsentiert.

Aber natürlich pendeln wir den Tag über nicht lediglich zwischen diesen beiden Extrempositionen. Das Mittagstief oder Trancezustände während der Meditation sind nur zwei weitere Beispiele für verschiedene Formen der Vigilanz. Diese zeigt sich in verschiedenen Abstufungen, je nach Tageszeit oder körperlicher Verfassung einer Person.

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Wieso ist Vigilität so bedeutend?

Das Beispiel mit dem Autofahrer zeigt es: Vigilanz ist in Alltagssituationen ebenso wie auf der Arbeit unverzichtbar. Wer völlig übermüdet oder angeschlagen ist, kann eben nicht die volle Aufmerksamkeit erbringen. Und eine verminderte Vigilanz ist auch durch langweilige Routinetätigkeiten möglich. Die Folgen:

  • Sie haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren: Selbst wenn Sie sich an die vorgegebenen Abläufe halten, treten durch die verminderte Vigilanz Verzögerungen auf. Sie benötigen länger, bis Sie eine Aufgabe abschließen können.
  • Ihre Einsatzfähigkeit ist gebunden: Verzögerte Abläufe durch geringere Vigilanz bedeutet, dass Ihre Arbeitskraft gerade gebunden ist. Sie könnten vielleicht bereits fertig sein und einen Kollegen unterstützen oder sich an die nächste Aufgabe machen.
  • Ihnen unterlaufen Fehler: Eine gefährliche Konsequenz sind mögliche Fehler. Das gilt vor allem, wenn Menschen schwere Maschinen bedienen müssen oder als Berufskraftfahrer unterwegs sind. Lässt die Vigilanz nach, passieren Unfälle – teilweise mit tödlichen Folgen.

Was ist eine Vigilanzstörung?

Im Falle einer Krankheit kann es zu einer Vigilanzstörung oder zumindest Vigilanzminderung kommen. Auch hier existieren graduelle Abstufungen:

  1. Benommenheit
    Die Person ist bei Bewusstsein, leidet aber unter reduzierter Vigilanz. Das zeigt sich in langwierigen Reaktionen, erschwerter Wahrnehmung und verminderter Gedächtnisleistung.
  2. Somnolenz
    In einem stärkeren Grad einer Vigilanzstörung ist eine Person unnatürlich müde. Sie bleibt allerdings ansprechbar und lässt sich aufwecken.
  3. Sopor
    Der nächst stärkere Grad liegt bei einer Person vor, die sich aus dem Tiefschlaf kaum aufwecken lässt. Lediglich durch äußerst starke Reize – beispielsweise verursacht durch Schmerzen – ist sie aufweckbar.
  4. Koma
    In der letzten Abstufung liegt der schwerste Grad einer Vigilanzstörung vor. Dies ist bei Personen gegeben, die weder ansnprechbar sind noch in irgendeiner Form auf Außenreize reagieren.

Die Vigilanz lässt sich allerdings auch künstlich beeinträchtigen: Wer Drogen oder Alkohol zu sich nimmt, hemmt deutlich seine Reaktionsfähigkeit. Auch Narkosen und Betäubungen (beispielsweise für Operationen) mindern die Vigilanz. Umgekehrt können bestimmte Substanzen wie Kaffee, aber auch Medikamente wie der Neuroenhancer „Ritalin“ aufputschende Wirkung haben.

Ob die Vigilanz gestört ist, lässt sich mithilfe eines Vigilanztests herausfinden. Dann wird die Daueraufmerksamkeitsleistung von Patienten in einem 25- bis 60-minütigen Test überprüft.


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5 Tipps für mehr Vigilanz

Es gibt innere und äußere Faktoren, die den Grad Ihrer Vigilanz beeinflussen. Innere sind in der Person begründet und lassen sich ändern. Das geht bei äußeren Faktoren nicht immer. Wenn Ihr Chef eine spontane Teamsitzung einberuft, werden Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf richten müssen. Ein lautes Umfeld können Sie möglicherweise mit Kopfhörern oder einem Raumwechsel in den Griff bekommen. Außerdem helfen Ihnen diese fünf Tipps:

Schlaf

Am wichtigsten ist ein erholsamer Schlaf. Wer Schlafstörungen hat oder konstant gegen seinen Biorhythmus arbeitet (beispielsweise im Schichtdienst), leidet an einer geringeren Vigilität. Die zeigt sich dann beispielsweise im Sekundenschlaf. Zwar kommen manche Menschen mit weniger Schlaf aus als andere. Aber Schlafforscher empfehlen sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht für Erwachsene.

Selbstmanagement

Wichtig für Ihre Vigilanz ist außerdem ein auf Sie zugeschnittenes Selbstmangement. Sie teilen sich Ihre Aufgaben so ein, wie es Ihre Chronobiologie erfordert. Dazu gehört aber auch die äußeren Faktoren zu erkennen, die konzentriertes Arbeiten erschweren:

Klingelnde Telefone, vibrierende Handys, aufploppende Mails, gesprächige Kollegen und dergleichen mehr. Legen Sie nach Möglichkeit solche Zeitfresser in Phasen, in denen Sie eher weniger produktiv sind, beispielsweise unmittelbar nach der Mittagspause. Verzichten Sie darauf, mehrere Dinge gleichzeitig zu machen – wir können immer nur einmal 100 Prozent geben. Multitasking funktioniert nicht.

Ernährung

Was wir essen, hat ebenfalls einen Einfluss darauf, wie aufmerksam und konzentriert wir arbeiten können. Fettige, üppige Mahlzeiten (Frittiertes, Saucen) liegen schwer im Magen. Wenn Sie so nach der Mittagspause an den Schreibtisch zurückkehren, ist das Schnitzelkoma die natürliche Folge. Sie können Ihre Vigilanz unterstützen, indem Sie kleinere und vor allem leichtere Mahlzeiten zu sich nehmen.

Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit ausreichend Obst, Gemüse und Salat. Vitamine und Ballaststoffe stärken nicht nur das Immunsystem, sondern sind eine deutlich geringere Belastung für Ihren Magen. Sie können diesen Effekt unterstützen, indem Sie genügend und vor allem das Richtige trinken: keine Softdrinks, Säfte oder Shakes. Stattdessen lieber zu Kräuter- oder Früchtetees greifen oder eine Saftschorle mixen.

Entspannung

Stress ist ein weiterer Faktor, der die Vigilanz beeinträchtigt. Oft finden sich Menschen dann in einem Gedankenkarussell wieder. Der Blick für das Wichtige geht verloren, stattdessen verbeißen sich manche sogar noch in eine Aufgabe. Wichtig ist dann, eine Pause einzulegen.

Je nach Arbeitsumfang und Tageszeit reichen fünf Minuten nicht. In solchen Fällen und als sinnvoller Gegenpol zu stressigen Phasen empfehlen sich Entspannungsübungen. Die sollten Sie auch zuhause von Zeit zu Zeit einbauen, um sich wieder zu erden.

Bewegung

Ein unerlässlicher Faktor ist Bewegung. Durch Bewegung fördern Sie die Stressbewältigung, weil Ihre Aufmerksamkeit sich zur Abwechslung auf körperliche Abläufe konzentriert. Gleichzeitig führen Sie Ihrem Gehirn Sauerstoff zu. Beides, sowohl die vorübergehende Ablenkung als auch die Sauerstoffzufuhr helfen Ihnen dabei, mit gestärkter Vigilanz an die Aufgaben zurückzukehren.

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[Bildnachweis: leedsn by Shutterstock.com]
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8. Dezember 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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