Snoozen-Schlummertaste
Die meisten Menschen hassen ihren Wecker - er bringt sie um den Schlaf. Die Snooze-Taste macht es nicht viel besser, sie genießt einen zweifelhaften Ruf: Einerseits schiebt sie das Aufstehen noch einmal für ein paar Minuten auf; zu oft gedrückt aber, verwandelt sich das Schlummern zur Permafolter aus Dösen, Klingeln, Dösen, Klingeln... Kein guter Morgen. Doch der Alarmaufschub ist besser als gedacht. Außer, dass er uns davon abhält beim ersten Wecken sofort aus dem Bett zu springen, erfüllt er noch einen weiteren Zweck...

Kritik an der Snooze-Taste: Achtung Anwendungsfehler!

Kern der Kritik an der Schlummertaste ist, dass diese die Betroffenen nicht fitter, sondern müder macht. Insbesondere jene, die bis zu dreimal oder öfter hintereinander snoozen.

Tatsächlich besteht unser Schlaf aus fünf unterschiedlichen Phasen (siehe Abbildung):

  1. In Phase 1, also wenn wir zu Bett gehen, fährt der Organismus allmählich runter, Blutdruck und Körpertemperatur sinken ab, wir schlafen ein.
  2. In der Tiefschlafphase (2) setzt der Körper vor allem auf Erholung, wir regenerieren uns – dank Somatotropin.
  3. In Phase 3 verarbeitet das Gehirn die Eindrücke des Tages und lernt, Folge: Wir träumen besonders wild. Die Körpertemperatur erreicht jetzt ihren Tiefststand.
  4. In Phase 4 sind körperliche Erneuerung und Lernprozess abgeschlossen, der Hormonmix verändert sich: Statt Melatonin strömt nun vermehrt das Aufwachhormon Kortisol durch die Blutbahnen. Wir schlafen immer flacher, träumen aber umso wilder, nicht selten auch Erotisches.
  5. Spätestens in Phase 5 kommen noch eine ordentliche Dosis des Sexualhormons Testosteron dazu sowie ein Schuss Ghrelin – das Hormon sorgt für wachsenden Hunger.

Sobald Kortisolspiegel und Hungergefühl ausreichen, wachen wir von alleine auf.

Kritiker der Snooze-Taste werfen nun ein, dass mit deren Betätigen und dem Wunsch weiterzuschlafen nur ein neuer Schlafzyklus eingeleitet würde. Die Folge: Weil wir kurz darauf trotzdem aufstehen müssen, sind wir müder als zuvor.

Was dabei übersehen wird: Das gilt nur, wenn der Anwender nach dem Snoozen tatsächlich in eine neue Tiefschlafphase gerät. Schlummerphasen (bis der Wecker erneut klingelt) sind aber dafür zu kurz. Oder aber es handelt sich hierbei um einen klassischen Anwendungsfehler: Der oder die Betroffene drückt die Schlummertaste mehrfach wiederholt. Das ist dann tatsächlich kontraproduktiv, wie etwa auch Robert S. Rosenberg, Medizinischer Direktor am Schlafstörungszentrum in Flagstaff, Arizona, warnt: "Wer den Snooze-Button wiederholt drückt, schadet sich, weil der Schlaf so fragmentiert wird."

Die Snooze-Taste ist aber nicht dazu gedacht, den fehlenden Schlaf, sondern vielmehr die Aufwachphase zu verlängern.

Piep Piep Piep: Die Schlummertaste ist besser als ihr Ruf

Wie Sie in den Morgen starten, wissen wir natürlich nicht. Die einen springen beim ersten Alarm sofort aus den Federn; andere drücken sanft die Snooze-Taste, strecken und recken sich genüsslich, gähnen und kommen langsam in Schwung; wieder andere hauen auf den Schlummerknopf und drehen sich wieder um... bis der Wecker nach rund 10 Minuten erneut klingelt.

Wozu also überhaupt diese Extra-Minuten?

David Dinges, Schlafforscher an der Universität von Pennsylvania hat das etwas intensiver untersucht und zunächst einmal wenig Überraschendes festgestellt:

Viele Menschen haben keinen gesunden Schlaf, mehr noch: Sie schlafen zu kurz. Dabei sind sich die Wissenschaftler weltweit einig, die optimale Schlafdauer für einen Erwachsenen liegt zwischen 7 und 7,5 Stunden.

Es ist aber auch so: Wer schlecht oder zu wenig schläft, kommt am Morgen schlechter aus dem Bett. Das kann daran liegen, dass der Schlafrhythmus selbst gegen das Aufwachen arbeitet, man also zur Weckzeit eigentlich noch im Tiefschlaf liegt. Oder aber dass der Körper einfach noch nicht ausgeruht genug ist. In dem Fall brauchen Kreislauf und Gehirn einfach noch eine Weile, um - salopp gesagt - in die Puschen zu kommen.

Und genau an der Stelle kommt die Snooze-Taste ins Spiel...

Snooze-Taste: Schöner Schlummern

Der Schlummerknopf verhilft uns nicht zu mehr Schlaf, aber er verlängert das Aufwachen und macht es für unseren Organismus sanfter. Man könnte auch sagen erträglicher. Die Snooze-Taste hilft, den Schlaf-Wach-Rhythmus unseres Körpers der tatsächlichen Weckzeit anzupassen.

Besser ist allerdings, Sie finden mit der Zeit selber heraus, wann Sie beispielsweise einen vollen Schlafzyklus und die Tiefschlafphase abgeschlossen haben - und lassen sich danach wecken. Eventuell ist das ein bisschen früher als sonst, vielleicht auch etwas später. Aber Sie werden sich frischer und erholter fühlen - und die Snooze-Taste womöglich gar nicht mehr brauchen.

[Bildnachweis: Mindscape studio by Shutterstock.com]

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