Frühaufsteher: Vorteile und 6 Tipps, wie Sie einer werden

Morgens dynamisch aus dem Bett hüpfen und erst einmal um den Block joggen: Das ist eins der Klischees vom Frühaufsteher. Wer kennt sie nicht, die tollen Sprüche über den frühen Vogel, der den Wurm fängt? Oder „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Frühaufsteher gelten als erfolgreich, dynamisch und produktiv. Nachtschwärmern hingegen haftet das Image des verschlafenen Bummlers an. Frühaufsteher leben gesünder, schaffen mehr und sind deshalb erfolgreicher – zumindest, wenn man einigen Studien glauben darf. Kann man Frühaufsteher werden? Je nach Beruf kann es sinnvoll sein, seinen Schlafrhythmus an die Erfordernisse anzupassen. Wie Ihnen das gelingt…

Frühaufsteher: Vorteile und 6 Tipps, wie Sie einer werden

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Definition: Was ist ein Frühaufsteher?

Per Definition ist ein Frühaufsteher jemand, der regelmäßig seine Nachtruhe in den frühen Morgenstunden beendet. Nur: Wie früh ist früh? Zahlreiche bekannte und vor allem erfolgreiche Geschäftsführer machen es vor: Frühes Aufstehen gehört zum guten Ton – es scheint geradezu ein Überbietungswettbewerb darüber zu entbrennen, wer noch früher aufstehen kann. Während der Vorstandsvorsitzende von Fiat-Chrysler, Sergio Marchionne, bereits um 3.30 Uhr morgens aus dem Bett hüpft, steht der Hersteller von Babynahrung, Claus Hipp, „erst“ um 4.30 Uhr auf. Aber egal, ob sie Rüdiger Grube oder Richard Branson heißen: Sie alle stehen deutlich vor 7 Uhr morgens auf.

Gegenteil vom Frühaufsteher: Langschläfer

Langschläfer gelten als Gegenteil vom Frühaufsteher. Während der Frühaufsteher ein regelrechter Morgenmensch ist, sind Langschläfer Nachtmenschen. Dabei ist der Begriff „Langschläfer“ irreführend: Denn von der Schlafdauer ist nicht die Rede. Es geht vielmehr um die Uhrzeiten, wann jemand zu Bett geht beziehungsweise wieder aufsteht. Korrekterweise müsste der Langschläfer also Spätaufsteher heißen. Synonym bezeichnen ihn viele schlichtweg als Morgenmuffel.

Einschlafrituale Optimale Schlafdauer Schlafmenge

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Lerche oder Eule?

Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, Langschläfer seien faul. Während der Frühaufsteher bereits seit drei Stunden im Büro sitzt, trudelt der Langschläfer vielleicht gerade mal ein. Dass er dafür drei Stunden länger bleibt, wird von den Kollegen gerne übersehen. Alles nur Show? Tatsächlich unterscheidet die Chronobiologie zwischen zwei unterschiedlichen Chronotypen bei den Menschen. Synonym zu Frühaufsteher beziehungsweise Langschläfer haben sich Begriffe aus dem Tierreich eingebürgert. Der Frühaufsteher gilt als Lerche, der Nachtschwärmer als Eule. Die Analogie kommt nicht von ungefähr: Während Eulen nachtaktive Jäger sind, sind die Lerchen diejenigen Vögel, die morgens noch vor allen andern singen.

Wie erwähnt, ist die Schlafdauer völlig unerheblich. Was den Chronotyp allerdings beeinflusst, ist die Tageszeit. Ganz grob: Während die Frühaufsteher schon früh morgens aufstehen und sofort topfit sind, stehen die Eulen später auf – und sind abends noch hellwach und leistungsfähig. Das große Problem ist allerdings unsere Arbeitswelt: In vielen Bereichen gelten Frühaufsteher als Vorbild. Die Arbeitszeiten sind entweder unflexibel oder aber derart flexibel, dass alles möglich ist.

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Welche Rolle spielt der Biorhythmus?

Der Biorhythmus ist unsere innere Uhr. Sie sagt uns, wann es Zeit ist, aufzustehen. Wer im Einklang mit seinem Biorhythmus aufsteht, profitiert von einigen Vorteilen:

  • Sie bringen bessere Leistungen.
  • Sie sind kreativer.
  • Sie sind glücklicher.
  • Sie fühlen sich entspannter.
  • Sie vermeiden unnötige Fehler.
  • Sie leben gesünder.

Das bedeutet aber umgekehrt auch: Wer gegen seinen Rhythmus versucht, sich zum frühen Aufstehen zu zwingen, verursacht Stress. Die Leistungen bleiben hinter dem eigentlichen Können zurück, der Frust steigt. Körperlich betrachtet ist der Effekt für jemanden, der gegen seine Uhr arbeitet, ist der gleiche wie beim Jetlag.

Fruehaufsteher Langschlaefer Chronobiologie Chronotypen Eule Lerche Biorhythmus Grafik

Arbeitswelt begünstigt Frühaufsteher

Der öffentliche Dienst bietet mit seiner Gleitzeit sowohl Frühaufstehern als auch Nachteulen Vorteile. Wer hingegen hingegen in Wechselschicht arbeitet, braucht enorme Anpassungsfähigkeit, sich immer wieder von Nachtschicht auf Tagschicht und Frühschicht umzustellen. Wer hingegen in Branchen wie der Landwirtschaft oder im Baugewerbe arbeitet, hat oft keine Wahl. Tiere müssen gefüttert werden und Handwerker beginnen früh morgens bereits ihr Tagwerk.

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Vorteile der Frühaufsteher

Es zahlt sich aus, Frühaufsteher zu sein. Nicht nur wegen der sozialen Akzeptanz. Wer nicht gerade in der pulsierenden Großstadt lebt, wird bei Behörden und Ärzten schnell auf eingeschränkte Öffnungszeiten stoßen. Diese kollidieren für gewöhnlich mit den eigenen Arbeitszeiten. Wer früh anfängt, kann auch früh aufhören. Was ebenfalls gegen langes Schlafen spricht:

Vor allem in der dunklen Jahreszeit berauben sich Nachteulen den wenigen Stunden mit Tageslicht. Das beugt nicht nur Depressionen vor, sondern hilft dabei, in die Gänge zu kommen. Eine australische Studie kam sogar zu dem Ergebnis, dass frühes Aufstehen schlank macht. In der Studie mit 2.000 Teilnehmern hatten diejenigen, die spät zu Bett gingen und morgens später aufstanden, häufiger Übergewicht als die Frühaufsteher.

Frühaufsteher werden: 6 Tricks

Alle diese Vorteile lassen es attraktiv erscheinen, Frühaufsteher zu werden. Aber ist eine Umstellung des Biorhythmus so einfach möglich? Schließlich empfiehlt die Wissenschaft doch, den Chronotypen zu berücksichtigen. Was aber so eindeutig klingt, ist bei genauerer Betrachtung eher Schubladendenken. Gerade mal 20 Prozent der Bevölkerung lassen sich klar dem einen oder anderen Typus zuordnen. Die restlichen 80 Prozent sind bei genauer Betrachtung irgendetwas dazwischen.

Und wie immer kommt es auf das Maß der Dinge an: Wer bisher morgens bis 11 Uhr ausgeschlafen hat und demnächst um 3 Uhr aufstehen möchte, fällt vom einen Extrem ins nächste. Wissenschaftler wie der britische Schlafforscher Simon Archer sind sich aber auch sicher: Eine Umstellung ist möglich. Viel entscheidender als die Uhrzeit ist vor allem die Schlafmenge. Erwachsene benötigen zwischen 6 und 8 Stunden Schlaf. Daher unsere Tipps, wie Sie zum Frühaufsteher werden können:

Entscheiden Sie sich bewusst

Nehmen Sie sich die Veränderung bewusst vor. Wann wollen Sie am nächsten Tag aufstehen? Rechnen Sie anhand Ihres Schlafbedarfs aus, wann Sie zu Bett gehen müssen. Tasten Sie sich langsam heran: Gehen Sie jeden Abend ein bisschen eher ins Bett und stehen Sie jeden Tag ein bisschen früher auf. Als Zeitspanne können Sie in 15-Minuten-Schritten arbeiten. Die veränderten Schlaf-beziehungsweise Aufstehzeiten sollten Sie für drei Tage beibehalten, bevor Sie erneut an der Zeit drehen. Ebenfalls wichtig: Auch wenn der erste Tag schwergefallen ist, bleiben Sie dran. Bei großer Müdigkeit können Sie zur Not ein Mittagsschläfchen einlegen.

Sorgen Sie für Licht

Jalousien hoch, reißen Sie die Fenster auf, lassen Sie Licht und Luft in die Räume. Das erfrischt automatisch den Geist und verjagt den letzten Nebel. Für die trübe Jahreszeit empfiehlt sich die Anschaffung von Tageslichtlampen. Die helfen dabei, die Stimmung zu heben und gegen das Melatonin im Körper anzukämpfen.

Tricksen Sie sich aus

Widerstehen Sie morgens der Snooze-Taste und stehen Sie sofort auf. Dazu ist es hilfreich, den Wecker zur Not ans andere Ende des Zimmers zu platzieren. Hauptsache, Sie können ihn nicht mit einer Bewegung ausschalten, sondern müssen aufstehen.

Entwickeln Sie eine Routine

Wer von einem auf den anderen Tag eine Umstellung plant, riskiert Enttäuschungen. Wenn Sie sich hingegen vorbereiten und beispielsweise Dinge für den nächsten Tag bereitlegen, erleichtern Sie sich die Mühe. Führen Sie am besten bestimmte Abendroutinen ein, die Sie auf das frühe Einschlafen vorbereiten. Als angehender Frühaufsteher empfiehlt sich ebenfalls eine Morgenroutine: Das können sportliche Übungen wie Joggen oder Yoga sein. Wer es lieber etwas sanfter mag, beginnt den Tag mit einer Meditation.

Ernähren Sie sich entsprechend

Beispielsweise nimmt die Ernährung Einfluss darauf, wie müde oder wach wir am Abend sind. Faustformel: Eiweißhaltige Nahrungsmittel (dazu zählen Eier, Erdbeeren, Magerquark, Hülsenfrüchte, Fisch und Fleisch) halten eher wach. Hingegen fördern kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Nudeln, Vollkornprodukte, Mais, Pistazien oder Bananen eher die Schläfrigkeit.

Bleiben Sie geduldig

Eine Routine zu entwickeln heißt auch, dass Sie sich Zeit für diese Veränderungen geben sollten, bis sie zur Gewohnheit werden. Studien der Psychologin Phillippa Lally vom University College in London zeigen, dass es 66 Tage dauert, eine neue Gewohnheit zu etablieren. Wenigstens zwei Monate sollten Sie sich also Zeit geben, um ein Frühaufsteher zu werden.

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[Bildnachweis: LOVE YOU by Shutterstock.com]
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3. Februar 2021 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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