Zeit-Energie-Paradoxon: Wie Sie Ihre Energie besser nutzen

Das Zeit-Energie-Paradoxon beschreibt das Phänomen, dass Energie und Zeit nie in ausreichendem Maße vorhanden zu sein scheinen. Wäre das zutreffend, würde dies ein unlösbares Problem bedeuten: Wir würden uns ständig abhetzen, wären immer im Stress und Unzufriedenheit ein permanenter Begleiter. Das klingt wenig reizvoll und bei genauerer Betrachtung erkennen wir: Es gibt solche Leute. Und dann gibt es solche, die nicht mit diesem Problem zu kämpfen haben oder falls doch, dann zumindest nicht andauernd. Was ihr Geheimnis ist? Sie haben das Zeit-Energie-Paradoxon ausgehebelt. Wir zeigen Ihnen, wie das geht…

Zeit-Energie-Paradoxon: Wie Sie Ihre Energie besser nutzen

Was ist das Zeit-Energie-Paradoxon?

Ein Spruch bringt es auf den Punkt: Warum ist am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig? Auf Deadlines und Aufgaben angewandt: Warum ist am Ende der Zeit noch so viel Arbeit übrig? Nie scheinen die zu erledigenden Aufgaben und das persönliche Energielevel, geschweige denn die zur Verfügung stehende Zeit, positiv zu korrelieren.

Und das Problem ist beileibe kein singuläres. Der Begriff Zeit-Energie-Paradoxon stammt vom amerikanischen Manager, Autor und Blogger Michael Hyatt. Er hatte unzählige Zeitmanagement-Seminare besucht und stellte fest: Eigentlich geht es nicht um Zeit, sondern um Energie.

Während Zeit eine feste Konstante ist, ist Energie in unterschiedlicher Menge vorhanden: Es gibt Tage, da sind wir voller Energie und können Bäume ausreißen, an anderen Tagen sind wir müde, platt und ausgelaugt. Jeder Tag hat ungeachtet dessen 24 Stunden und das sieben Tage die Woche.

Wie Hyatt anhand eines Vergleichs ausführt, haben viele Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen die Tendenz, Dinge zu unterschätzen.

Viele unterschätzen die Konsequenzen

Eine Studie der britischen Liverpool Victoria Versicherung brachte zutage, dass eine Million aller Motorisierten beim Aufleuchten der Tankanzeige auf dem Weg zur Arbeit sich gnadenlos verschätzte, bevor sie mit dem Wagen liegen blieb. Folgende Probleme tauchten auf:

  • Überschätzung: Viele waren der Ansicht, mit dem verbleibenden Sprit noch 40 Meilen (entspricht etwa 65 Kilometern) fahren zu können.
  • Unpünktlichkeit: Die Hauptsorge einiger war, zu spät zur Arbeit zu erscheinen.
  • Kosten: Andere befürchteten zu hohe Spritpreise – etwa die Hälfte aller Befragten fuhr zuvor an einer Tankstelle vorbei, nur um noch günstigeren Sprit finden zu können.
  • Gewohnheit: Mehr als zwei Drittel aller Versicherungsnehmer tankte aus Prinzip das Auto nie voll.

Zeit-Energie-Paradoxon ein Fehler in der Matrix

Das Zeit-Energie-Paradoxon ist genau genommen kein Paradoxon, mehr ein Fehler in der Matrix, sprich: im eigenen Denken.

Einen Fehler zu machen und zu erkennen, dass bestimmte Vorgehensweisen so nicht funktionieren, ist nur zu menschlich. Dumm ist hingegen, ein und denselben Fehler immer und immer wieder zu machen und gleichzeitig ein anderes Ergebnis zu erwarten.

Dennoch gaben bei besagter Studie zwei Millionen Versicherte an, dass ihre Tankleuchte ständig leuchtet. Mit anderen Worten: Sie denken jedes Mal, dass ihr Sprit dieses Mal weiter reicht, reizen es bis aufs Letzte aus und lassen es darauf ankommen. Bis sie irgendwann tatsächlich liegenbleiben.

Dann ist klar: Jetzt schafft man es keinesfalls mehr pünktlich zur Arbeit.

Neben dem zeitlichen Stress kommen allerdings oft noch weitere Kosten in Form von Schäden am Auto auf die Betroffenen zu.

Unser Sprit, also das was uns vorantreibt, ist Energie und Motivation. Wenn wir viel davon haben, unser persönlicher Tank gewissermaßen voll ist, dann sind wir dazu imstande, Großes zu vollbringen. Wir arbeiten fokussiert und sind produktiv.

Bezogen auf unsere Arbeit und darauf, wie gut wir unsere Aufgaben erledigen können, bedeutet das: Viele halten an schädlichem Verhalten fest, das ihnen die Energie raubt und glauben, sie könnten die gleichen Ergebnisse erzielen wie wenn sie voller Energie wären.

Ungesunde Verhaltensweisen bremsen aus

Die Deadline rückt näher, aber sie arbeiten weiter, obwohl sie schon längst am Limit sind, machen lieber noch einige Überstunden, statt einer Pause. Fast jeder kennt solche Situationen – Schüler, die den Tag vor der Klausur noch lernen, Studierende, die sich die Nächte um die Ohren schlagen, um die Hausarbeit fertig schreiben zu können.

Das mag als Ausnahme und vor allem in jungen Jahren noch ganz gut funktionieren – wird es aber zur Regel, sind wir ständig am Limit. Damit betreiben wir Raubbau mit unserem Körper. Und der verpackt das im Alter immer schlechter. Das Immunsystem wird angegriffen.

Und letztlich fällt das auf Ihre beruflichen Tätigkeiten zurück. Ohne Energie kann die Arbeit nicht ganz so gut erledigt werden, brauchen Sie für vergleichsweise simple Aufgaben länger. Natürlich hat jeder mal einen Hänger. Aber genauso hat jeder auch Hochphasen.

Die zu kennen und zu wissen, woher Sie sich Energie holen können, heißt dem Zeit-Energie-Paradoxon ein Schnippchen zu schlagen.

So nutzen Sie vorhandene Energie besser

Es geht um eine banale, aber häufig ignorierte Erkenntnis: Zeit lässt sich nicht beeinflussen. Was sich hingegen beeinflussen lässt, ist wie wir damit umgehen, wie wir sie nutzen. Denn das Wie entscheidet über eine unserer wichtigsten Ressourcen: Energie. Hyatt spricht daher statt von Zeitmanagement lieber von Energiemanagement.

Wie funktioniert das? Dazu folgende Tipps:

  • Achten Sie auf Ihren Biorhythmus.

    Es gibt die Frühaufsteher, die sogenannten Lerchen und die Morgenmuffel, die sogenannten Eulen. Das hat vergleichsweise wenig mit der tatsächlichen Schlafmenge zu tun, sondern hängt mit Ihrer persönlichen Chronobiologie zusammen. Ist Ihr Chronotyp die Lerche, kommen Sie morgens gut aus dem Bett und können konzentriert in den Tag starten. Zum Abend hin ist Ihr Energielevel ausgeschöpft.

    Gehören Sie hingegen zu den Eulen, können Sie auch am späten Abend noch Topleistungen erbringen – haben allerdings morgens erhebliche Schwierigkeiten, aus dem Bett zu kommen. Wer ständig gegen seine Natur ankämpft, hat erschwerte Bedingungen, seine Arbeit gut zu verrichten.

    Außerdem sollten Sie schauen, welche Aufgaben Sie zu welcher Zeit erledigen: Mails checken und Unterlagen abheften ist im Regelfall nicht besonders herausfordernd. Solche Aufgaben sollten Sie in Zeiten erledigen, in denen Ihnen die Konzentration eher schwerfällt, beispielsweise im typischen Tief nach der Mittagspause, dem Schnitzelkoma.

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  • Schlafen Sie genügend.

    Schlaf ist wichtig für Ihre Regeneration. Wer nicht genügend schläft, schwächt seine Gesundheit, ist anfälliger für Herz- und Blutdruckerkrankungen und erhöht das Unfallrisiko.

    Um den eigenen Biorhythmus nicht unnötig durcheinander zu bringen oder gegebenenfalls erst einmal kennenzulernen, ist es wichtig, sich beim Schlafen feste Zeiten anzugewöhnen. Das gilt besonders für die Werktage, an denen Sie arbeiten. Versuchen Sie, immer zur selben Zeit aufzustehen beziehungsweise ins Bett zu gehen.

    Die exakte Schlafdauer schwankt abhängig vom Lebensalter. Grundsätzlich liegt die ideale Schlafmenge für Arbeitnehmer zwischen sieben und neun Stunden, wobei jüngere Arbeitnehmer meist etwas mehr Schlaf benötigen. Rentner hingegen kommen mit sieben bis acht Stunden aus.

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  • Eignen Sie sich Routinen an.

    Viele Menschen verbinden mit Routinen Langeweile. Wie bei so vielem im Leben kommt es auf die Dosis und in diesem Fall auch auf den Bereich an. Ist Ihre Arbeit eine einzige große Routine, wird es irgendwann langweilig. Für den Flow brauchen Sie immer ein gewisses Maß an Herausforderung.

    Wahr ist ebenso: Alles, was Sie im Schlaf beherrschen, geht schnell von der Hand, raubt keine Energie in Form von langwierigen Entscheidungen und Grübeleien. Der Trick besteht darin, an bestimmten Stellen in Ihrem Leben Routinen einzubauen, die kraft- und zeitraubende Verhaltensweisen ersetzen.

    Steve Jobs griff beispielsweise jeden Tag zu Jeans und schwarzem T-Shirt. Lässt Ihr Dresscode auf der Arbeit es zu, wäre eine Art feste „Uniform“, die Sie jeden Tag wählen, eine gute Gelegenheit, lästige Entscheidungen zu minimieren.

    Eine andere Routine könnte sein, dass Sie jeden Tag 15 Minuten vor Feierabend Ihren Schreibtisch aufräumen. Dabei verschaffen Sie sich bereits einen Überblick für den nächsten Tag, welche Aufgaben anstehen und legen sich benötigte Materialien/Informationen zurecht. Wichtig: Sie sollten für sich entsprechende Routinen entwickeln.

    Nur weil irgendein Topmanager beispielsweise morgens um fünf Uhr aus dem Bett hüpft und um den Block joggt, muss das noch lange nicht für Sie passen. Passt die gewählte Veränderung zu Ihnen und Ihrem Leben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie diese langfristig beibehalten.

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  • Sorgen Sie für Ausgleich.

    Besonders bei geistiger Arbeit treten schnell geistige Ermüdung und Konzentrationsschwäche ein. Die meisten Experten gehen davon aus, dass nach 90 Minuten eine kleine Pause gemacht werden muss. Nach einem 8-Stunden-Tag reicht aber keine kleine Pause, schon gar nicht, wenn Sie noch vier weitere solcher Tage vor sich haben.

    Von Bedeutung ist daher, wie Sie Ihre Freizeit nutzen: Auf der Couch liegen und abhängen? Spazieren gehen oder Freunde treffen? Das alles hat seine Berechtigung. Wichtig ist dabei ein regelmäßiger Wechsel. Wer nur auf der Couch liegt, vernachlässigt seine Freunde. Wer von einer Party zur nächsten hechtet, erliegt womöglich irgendwann dem Freizeitstress.

    Je vielfältiger Ihre Unternehmungen, desto größer die Chance, einen echten Ausgleich zur Arbeit zu haben. Damit fördern Sie die Erholung und erhalten neue Ideen und Motivation.

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  • Achten Sie auf Ihre Ernährung.

    Längst ist bekannt, dass fettige Kost schwerer im Magen liegt. Damit geht sie zulasten der Konzentration. Gleichzeitig besteht das Angebot in Kantinen teilweise aus exakt solchen Lebensmitteln: Gyros, Pommes Frites, dicke Soßen, Hamburger, Bratwürste und dergleichen mehr – fettiges Fast Food.

    Bietet die eigene Kantine keine gesunde Auswahl an, sollten Sie sich Ihr Essen selbst zusammenstellen. Auch das kann im Rahmen von Routinen eingeübt werden – indem Sie beispielsweise abends zuvor schon Vorratsdosen vorbereiten und bestücken, beispielsweise mit gesundem Brainfood.

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  • Treiben Sie Sport.

    Sport fördert gleich mehrere positive Effekte und gehört in den Bereich Regeneration und Ausgleich. Wer Sport treibt, versorgt sein Gehirn mit Sauerstoff, das bringt neue Ideen und hilft bei der Problemlösung. Vor allem hilft Sport dabei, die eigene Leistung zu steigern.

    Wer immer schlapp ist, wird leichter depressiv. Sport kurbelt alles an und versorgt Sie mit körpereigenen Glückshormonen. Das trägt wiederum zu einer verstärkten Motivation bei. Auch hier gilt: Es muss zu Ihnen passen. Die einen lieben den Betriebssport, bei dem sie Leistungen im Team erbringen können.

    Andere nutzen sportliche Aktivitäten wie Yoga, um für sich alleine eine kleine Auszeit zu haben. Die hilft ihnen dabei, sich mental auf den Tag und anstehende Herausforderungen einstellen zu können.

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[Bildnachweis: igorstevanovic by Shutterstock.com]
1. Juli 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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