Multitasking: So schädlich ist der Mythos wirklich!

Multitasking ist ein Mythos und funktioniert nicht. 20 Jahre intensive Forschung in Neurowissenschaften und kognitiver Psychologie zeigen klar: Das menschliche Gehirn kann sich bewusst nur auf eine kognitive Aufgabe gleichzeitig konzentrieren. Der häufige Aufgabenwechsel (Task Switching) führt laut einer MIT-Studie zu einem Produktivitätsverlust von bis zu 40 %. Gleichzeitig erhöhen sich die Fehlerquote und die Bearbeitungszeit um bis zu 50 %. Wie schädlich Multitasking wirklich ist, und wie Sie es in Zukunft vermeiden…

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Definition: Was ist Multitasking?

Multitasking (Deutsch: Mehrfachaufgabenperformanz) ist der Versuch, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen oder schnell zwischen ihnen hin und her zu wechseln, um Zeit zu sparen. Der Begriff stammt ursprünglich aus der IT und beschreibt die Fähigkeit von Betriebssystemen, mehrere Aufträge (= tasks) parallel auszuführen. Typische Beispiele für Multitasking im Alltag sind das Beantworten von E-Mails während eines Telefongesprächs oder das Schreiben von SMS oder Whatsapp beim Autofahren. Extrem gefährlich! Zahlreiche Studien zeigen, dass Multitasking die Fehlerquote steigert und zugleich die Produktivität reduziert. Der IQ sinkt dabei um 10 Punkte.

Was ist das Gegenteil von Multitasking?

Das Gegenteil von Multitasking ist Singletasking (auch: Monotasking). Dabei wird exakt eine Aufgabe nach der anderen erledigt. Betroffene konzentrieren und fokussieren sich hierbei nur auf einen Job. Erst wenn dieser erledigt ist, beginnen Sie die nächste Aufgabe.

Multitasking Singletasking Eine Aufgabe Nach Der Anderen Grafik

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Multitasking-Mythos: Weder Frauen noch Männer können es

Es ist ein gern kolportierter Mythos, dass Frauen multitaskingfähig seien, Männer aber nicht. Ein Irrlaube: Das Gehirn beider Geschlechter ist dazu unfähig. Allenfalls 2,5 % der Bevölkerung können tatsächlich multitasken, ohne Leistungseinbußen. Für die übrigen 97,5 % ist das Gefühl, mehrere Dinge gleichzeitig zu schaffen, eine neurologische und schädliche Illusion.

Schwedische Studien bestätigen: Je komplexer eine Aufgabe, desto langsamer reagiert das Gehirn auf unterschiedliche Reize. Mit allen Sinnen gleichzeitig volle Leistung schaffen? Das gelingt nicht. Muss das Gehirn zwischen mehreren Tasks hin und her wechseln, arbeitet es langsamer.

Neigen Sie zum Multitasking?

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Wie schädlich ist Multitasking?

Auf lange Sicht ist Multitasking geradezu ungesund. Es sorgt für zusätzlichen Stress, der das Immunsystem schwächt. Bei vielen Menschen führt der Versuch zum Gefühl der Überforderung und zu einer schnellen Erschöpfung. Mehr noch: Multitasking schwächt das Gedächtnis. Das belegt eine Studie von Melina R. Uncapher: Jugendliche, die häufig und gleichzeitig das Smartphone und den Fernseher nutzen (Medien-Multitasking), haben anschließend mehr Probleme, sich auf eine Sache zu konzentrieren oder sich Dinge zu merken.

Nachteile: Die negativen Folgen des Multitaskings

Vor allem auf die Gehirnleistung hat Multitasking mehrere negative Auswirkungen:

  • Verringerte Konzentration

    Studien zeigen, dass die Leistungsfähigkeit durch Multitasken teils um mindestens 40 % sinkt.

  • Erhöhte Fehleranfälligkeit

    Wer viele Dinge gleichzeitig macht, macht deutlich mehr Flüchtigkeitsfehler.

  • Langsamere Denkprozesse

    Das ständige Umschalten zwischen Aufgaben verlangsamt sämtliche kognitiven Fähigkeiten.

  • Verringerte Aufmerksamkeit

    Die Fähigkeit zur selektiven Aufmerksamkeit sinkt. Effekt: Es wird schwieriger, relevante von irrelevanten Informationen zu unterscheiden.

  • Reduzierte Problemlösung

    Das Gedächtnis wird geschwächt, die Fähigkeit zum Lösen von Problemen ist beeinträchtigt, der IQ sinkt um bis zu 10 Punkte.

  • Schnellere Erschöpfung

    Multitasking setzt das Stresshormon Cortisol frei, was negative Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit hat und langfristig zu Erschöpfung oder gar Burnout führt.

Es gilt inzwischen als erwiesen, dass Multitasking entgegen der weitverbreiteten Annahme nicht zu einer Steigerung der Effizienz beiträgt, sondern das Gegenteil bewirkt und die Gehirnleistung in vielfältiger Weise beeinträchtigt sowie gesundheitliche Risiken birgt.

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Wie kann ich Multitasking vermeiden?

Obwohl Multitasking schädlich ist, wird es dank Digitalisierung in vielen Jobs eher noch präsenter. Umfragen kommen zum Ergebnis, dass rund 72 % der Arbeitnehmer versuchen, im Beruf zu multitasken. Wollen Sie sich wieder mehr konzentrieren und das Multitasking verhindern, empfehlen wir folgende Schritte und Strategien:

  • Chef ansprechen

    Offenheit und klare Worte helfen, wenn der Chef mehrere Aufgaben auf dem Schreibtisch ablädt. Sagen Sie ihm, dass Sie die neue Aufgabe gern übernehmen – aber eins nach dem anderen, damit die Qualität der Arbeit erhalten bleibt. Fragen Sie gleichzeitig, was Vorrang hat (siehe nächster Punkt).

  • Prioritäten setzen

    Geben Sie Ihren Aufgaben Prioritäten: Machen Sie z.B. eine To-do-Liste für den Tag und sortieren Sie die Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit (siehe Eisenhower-Prinzip). Wenn Sie sich an diese Ordnung halten, werden Sie alles schneller erledigen.

  • Arbeitsweise anpassen

    Gehören Sie zu den Menschen, die mehrere Tabs auf dem Computer offen und das Smartphone stets in Sichtweite haben? Schlechte Angewohnheit! Klüger ist es, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren und Störquellen sowie Ablenkungen auszuschalten. Zur Not mit einem „Bitte nicht stören“-Schild an der Tür.

  • Timeboxing nutzen

    Timeboxing ist eine effektive Methode aus dem Zeitmanagement. Dabei geben Sie bestimmten Aufgaben-Gruppen festgelegte Zeitfenster – zum Beispiel: E-Mails bearbeiten nur zwischen 9-10 Uhr und 16-17 Uhr. Das kann bis zu 43 % produktiver machen. Eine ähnliche Methode ist die Pomodoro-Technik.

  • Batching verwenden

    Eine weitere erfolgreiche Methode, um die Produktivität zu erhöhen, ist das sogenannte Batching. Hierbei werden Aufgaben, die thematisch zusammengehören, zusammengefasst und in einem Rutsch erledigt.

Entscheidend ist, dass Sie sich und Ihre Arbeitsweise immer wieder beobachten und sich bewusst machen, dass Multitasking keine Zeit spart, sondern nur Zeit kostet. Manchen hilft hierbei auch eine Not-to-do-Liste, um sich daran zu erinnern, immer eins nach dem anderen zu erledigen.

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Wichtige Studien zum Multitasking

Multitasking senkt die Produktivität um 40 %

Forschungen der Psychologen Joshua Rubinstein, David Meyer und Jeffrey Evans ergaben, dass das Wechseln zwischen Aufgaben bis zu 40 % der produktiven Arbeitszeit verbrauchen kann. Jeder Wechsel zwingt das Gehirn durch zwei kognitive Phasen – „Zielwechsel“ und „Regelaktivierung“. Obwohl jeder einzelne Wechsel nur Sekundenbruchteile kostet, summiert sich die Belastung über einen gesamten Arbeitstag enorm. Bei einem 8-Stunden-Tag bedeutet das rund 3,2 Stunden verlorene Produktivität allein durch das Neuorientieren zwischen Aufgaben.

Multitasking erhöht die Fehlerquote um 50 %

Untersuchungen am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ergaben, dass Multitasking die Fehlerquote um 50 % erhöht und Aufgaben doppelt so lange dauern lässt. Mehr Fehler plus langsamere Ausführung bedeuten, dass Multitasking deutlich schlechter ist, als Dinge nacheinander zu erledigen. In Bereichen wie Gesundheitswesen, Finanzen oder Ingenieurwesen wird daraus nicht nur ein Produktivitätsproblem, sondern ein echtes Sicherheitsrisiko.

Eine Unterbrechung kostet bis zu 23 Minuten

Eine Studie an der University of California in Irvine zeigte, dass Arbeitnehmer nach nur einer Unterbrechung durchschnittlich 23 Minuten und 15 Sekunden benötigen, um vollständig zu ihrer ursprünglichen Aufgabe zurückzukehren. Zwar erledigen unterbrochene Personen Aufgaben manchmal schneller, kompensieren dies aber durch erhöhten Stress, Frustration und mentale Belastung. Eine Studie im Journal of Experimental Psychology wiederum zeigte, dass Unterbrechungen von durchschnittlich nur 4,4 Sekunden die Fehlerquote verdreifachen. Selbst 2,8 Sekunden lange Unterbrechungen verdoppelten die Fehlerquote.

Multitasking senkt den IQ vorübergehend um 10 Punkte

Eine Studie der University of London zeigte, dass Teilnehmer beim Multitasking IQ-Verluste erlitten, vergleichbar mit den Auswirkungen von Schlafentzug oder Marihuanakonsum. Im Durchschnitt sank der IQ um 10 Punkte; bei Männern sogar um bis zu 15 Punkte – auf das durchschnittliche Niveau eines achtjährigen Kindes.

Medien-Multitasker haben weniger graue Substanz im Gehirn

Eine Studie der University of Sussex aus dem Jahr 2014 analysierte MRT-Scans von 75 Erwachsenen. Menschen, die häufig mehrere Medien gleichzeitig nutzten, hatten deutlich weniger graue Substanz im anterioren cingulären Cortex (ACC) – der Hirnregion für kognitive Kontrolle, Emotionsregulation und Entscheidungsfindung.

73 % der Berufstätigen multitasken während Meetings

Eine Umfrage ergab, dass 73 % der Fachkräfte während Meetings multitasken. Besonders schlimm ist es bei Videokonferenzen: 52 % multitasken dort regelmäßig, verglichen mit 35 % in Präsenzmeetings. Die häufigste Nebenaktivität ist das Lesen und Beantworten von E-Mails.

Das Multitasking-Paradox

Obwohl Psychologie und Neurowissenschaft eindeutig zeigen, dass Multitasking ein Mythos ist, bleibt es weit verbreitet und wird von manchen sogar gefeiert. Warum? Weil es sich produktiv anfühlt! Der Dopaminschub einer schnell beantworteten E-Mail, die Illusion, alles im Griff zu haben, und der soziale Druck, sofort zu reagieren, erzeugen unmittelbare Belohnungen. Die Kosten fragmentierter Aufmerksamkeit dagegen sind schleichend, kumulativ und oft erst am Ende des Tages spürbar. Singletasking ist aber keine Alternative – es ist eine biologische Notwendigkeit!


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