Darum sollten Sie nicht immer vom Schlimmsten ausgehen

Es ist ein weit verbreitetes Phänomen und fast niemand kann sich selbst davon freisprechen: Meist völlig unbewusst macht sich ein Gedanke breit, der gleichzeitig vollkommen unbegründet ist, aber trotzdem für eine Zeit alles andere verdrängt: Das Worst Case Szenario. Sowohl im Privatleben als auch im Beruf neigen viele dazu, grundsätzlich vom Schlimmsten auszugehen. Ein Schutzmechanismus, der jedoch mehr Schaden anrichtet, als Nutzen bringt. Dennoch verfällt man immer wieder in altbekannte Denkmuster, geht vom Schlimmsten aus und fühlt sich in diesem Verhalten auch noch regelmäßig bestätigt. Warum Sie vermutlich auch zu den Teilzeit-Pessimisten gehören, die gerne vom Schlimmsten ausgehen und warum Sie damit aufhören sollten, um sich nicht selbst im Weg zu stehen…

Darum sollten Sie nicht immer vom Schlimmsten ausgehen

Warum wir dazu neigen, immer vom Schlimmsten auszugehen

Der Chef bittet Sie in sein Büro, um mit Ihnen über das letzte Projekt zu sprechen, der Partner sagt, dass er Ihnen etwas mitteilen muss oder ein Freund hat keine Zeit, um mit Ihnen zu telefonieren. Rutscht Ihnen bereits beim Gedanken an eines dieser Szenarien das Herz in die Hose und Sie bekommen schweißnasse Hände? Dann sollten Sie sich fragen: Warum eigentlich?

Bisher ist noch nichts passiert, was Ihnen einen Anlass geben würde, besorgt zu sein. Weder das Verhalten der anderen, noch die Informationen, die Sie erhalten haben, sind an sich negativ. Dennoch macht Ihr Kopf daraus ein ernsthaftes Problem. Die Gedanken kreisen darum, dass Sie vom Chef eine Abmahnung erhalten, weil beim Projekt etwas schief gelaufen ist oder das Ergebnis nicht seinen Erwartungen entspricht, der Partner hat offensichtlich schlechte Nachrichten, die vielleicht sogar die Beziehung gefährden und der Freund will scheinbar nichts mehr mit einem zu tun haben.

Kaum jemand denkt im Vorfeld daran, dass der Chef ein persönliches Lob aussprechen könnte, weil alles so gut geklappt hat oder dass der Freund tatsächlich im Stress war und sich bei nächster Gelegenheit melden wird. Stattdessen geht man vom Schlimmsten aus, um sich selbst zu schützen. Wird die Befürchtung dann wahr, war man darauf schon vorbereitet, kann besser damit umgehen und den eigenen Schock überwinden. Getreu dem Motto Ich hab’s doch gewusst entwickeln die negativen Gedanken eine tröstende Funktion – allerdings nur, wenn der Worst Case wirklich eintritt.

Das ist jedoch die Ausnahme. Die meiste Zeit liegt man mit seinen schlechten Vorahnungen meilenweit daneben und schadet sich damit selbst.

Hören Sie auf, immer vom Schlimmsten auszugehen

In den meisten Köpfen ist dieser zweifelhafte Schutzmechanismus dennoch tief verankert – und wenn man dann doch einmal recht behält, wird man darin auch noch bestätigt. Schlechte Erfahrungen haben daher den unschönen Nebeneffekt, dass sie sich in unseren Gedanken einnisten und bei der nächsten Gelegenheit wieder ans Licht kommen.

Trotzdem – oder gerade deshalb – sollten Sie versuchen, diese schlechte Angewohnheit loszuwerden, da sie mehr Probleme verursacht, als löst. Sie reden sich selbst grundlos schlecht, schaden Ihrem Selbstbewusstsein, Ihrer Karriere oder dem privaten Glück. Anstatt sich auf Ihre Aufgaben zu konzentrieren, sind Sie in Gedanken nur noch damit beschäftigt, alle Möglichkeiten durchzugehen, wie der Chef Ihnen sagen könnte, dass Sie Mist gebaut haben. Oder Sie machen dem Partner Vorwürfe, weil Sie vom Schlimmsten ausgehen – obwohl dies vollkommen grundlos ist und Sie lieber Blumen hätten mitbringen sollen.

Doch wie so oft bei schlechten Angewohnheiten, die sich über einen langen Zeitraum etabliert haben, ist es gar nicht so leicht, sie loszuwerden. In erster Linie hilft eine Selbstreflexion, in der Sie Ihre negativen Gedanken hinterfragen. Gibt es wirklich einen konkreten Grund oder fantasieren Sie sich nur den schlimmsten Ausgang einer Situation zusammen? Je häufiger Sie diese selbstkritischen Fragen anwenden, desto schneller werden diese eine automatische Kontrollfunktion übernehmen.

Es kann auch helfen, sich bewusst zu machen, wie Sie sich selbst schaden, wenn Sie immerzu das Worst Case Szenario vor Augen haben:

  1. Sie nehmen sich die Vorfreude

    Schon im Volksmund heißt es Vorfreude ist die schönste Freude. Dieses Gefühl können Sie leider nie genießen, wenn Sie grundsätzlich vom Schlimmsten ausgehen. Selbst Anlässe zur Freude dreht Ihr Kopf ins Negative und liefert so einen weiteren Grund, sich Sorgen zu machen oder schlecht zu fühlen.

  2. Sie sorgen für immer mehr Stress

    Es kann furchtbar anstrengend sein, immer das Worst Case Szenario im Hinterkopf zu haben und es kann zu einer psychischen wie auch körperlichen Belastung werden. Wer etwa grundsätzlich erwartet, dass der Chef die eigenen Leistungen schlecht findet und kritisiert, setzt sich selbst unter Druck, erzeugt unnötigen Stress, zwingt sich, noch mehr und härter zu arbeiten und landet in einem Teufelskreis, aus dem es nur schwer wieder heraus geht.

  3. Sie schüren Selbstzweifel

    Jedes Mal, wenn Sie vom Schlimmsten ausgehen, zweifeln Sie an sich selbst und Ihren eigenen Fähigkeiten. Bereits nach kurzer Zeit breiten sich diese Selbstzweifel auch auf andere Bereiche aus und können dazu führen, dass Sie tatsächlich scheitern werden, weil der Glaube an den eigenen Erfolg fehlt.

[Bildnachweis: Roman Samborskyi by Shutterstock.com]
25. März 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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