Prokurist: Ausbildung, Gehalt, Karriere, Bewerbung

Als Prokurist unterscheiden Sie sich von anderen Mitarbeitern eines Unternehmens dadurch, dass Sie über eine geschäftliche Vertretungsvollmacht verfügen. Sie sind im Besitz einer sogenannten Prokura. Diese ermächtigt Sie, anstelle des Geschäftsführers für eine Abteilung oder das Unternehmen in Erscheinung zu treten. In dieser verantwortungsvollen Position kann ein Prokurist geschäftliche Vorgänge maßgeblich beeinflussen. Welche Voraussetzungen es braucht, um Prokurist zu werden und welche Aussichten Sie haben…

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Prokurist: Ausbildung, Gehalt, Karriere, Bewerbung

Ausbildung: Wie wird man Prokurist?

Zum Prokuristen werden Sie durch einen Kaufmann ernannt, Basis sind hierfür die Paragraphen 48 bis 53 Handelsgesetzbuch (HGB). Sie bekleiden damit eine besondere Stellvertreterposition nach außen, die nicht übertragbar ist und jederzeit widerrufen werden kann.

Beim Prokuristen handelt es sich um eine Positionsbeschreibung. Es gibt daher keine Ausbildung oder Studium in dem Sinne, genauso wenig wie man „Firmenbesitzer“ studieren kann. Allerdings gibt es klassische Berufsausbildungen, die für diese Tätigkeit qualifizieren.

Grundsätzlich von Vorteil ist eine kaufmännische Ausbildung, beispielsweise als Bürokaufmann oder Bankkauffrau.

Eine klassische Kaminkarriere, bei der sich jemand von der Pike auf bis ganz nach oben hocharbeiten kann, ist bei größeren Unternehmen eher selten geworden. Das sind allerdings diejenigen, die am ehesten einen Prokuristen benötigen.

Hier wird bei einer leitenden Position direkt eine bestimmte Grundausbildung erwartet, weshalb ein abgeschlossenes Studium nebst mehrjähriger Berufserfahrung deutlich wahrscheinlicher ist.

Als typische Studiengänge zu nennen sind:

  • Betriebswirtschaftslehre (BWL)
  • Volkswirtschaftslehre (VWL)
  • Wirtschaftswissenschaften
  • Jura
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Berufsbild: Was macht ein Prokurist?

Je größer das Unternehmen, desto umfangreicher die Aufgaben. Dennoch muss eine gewisse Handlungsfähigkeit gewährleistet sein, ganz gleich, ob die Aufgaben irgendwann Überhand nehmen, die Geschäftsführung abwesend oder durch Krankheit behindert ist.

Daher erteilt der Geschäftsinhaber (oder sein gesetzlicher Vertreter) einer anderen Person – meist einem leitenden Angestellten – eine Prokura, eine Vollmacht.

Diese muss mündlich oder schriftlich, aber vor allem ausdrücklich erteilt und ins Handelsregister eingetragen werden. Die Wirksamkeit ist bereits vor Eintragung ins Handelsregister gegeben. Der Begriff Prokura stammt aus dem Lateinischen von procurare, für etwas Sorge tragen. Und genau das ist die Aufgabe eines Prokuristen:

Er trägt stellvertretend dafür Sorge, dass das Unternehmen gut läuft, das ihn mit den entsprechenden Befugnissen ausstattet. Diese beziehen sich auf sämtliche Bereiche im Unternehmen:

  • Finanzierung
  • Beschaffung
  • Produktion
  • Vertrieb
  • Versicherung

Auch Handlungen, die das Arbeitsrecht und die Organisation betreffen, können Bestandteil der Arbeit eines Prokuristen sein.

Interne Abmachungen zwischen Prokurist und Kaufmann, die den Prokuristen im Innenverhältnis beschränken, sind gemäß § 50 Handelsgesetzbuch (HGB) im Außenverhältnis unwirksam. Das gibt Geschäftspartnern die Sicherheit, dass mit dem Prokuristen geschlossene Vereinbarungen und Verträge Gültigkeit besitzen. Dabei handelt es sich nicht nur um eine einfache Handlungsvollmacht.

Die Prokura berechtigt laut § 49 Absatz 1 Handelsgesetzbuch zu…

allen Arten von gerichtlichen und außergerichtlichen Geschäften und Rechtshandlungen, die der Betrieb eines Handelsgewerbes mit sich bringt.

Ein Prokurist darf somit:

  • Den gesamten Geschäftsverkehr führen,
  • Wechsel zeichnen,
  • Prozesse führen,
  • Verbindlichkeiten eingehen,
  • Vergleiche schließen,
  • Arbeitnehmern Kündigungen aussprechen,
  • Handlungsvollmachten erteilen.

In Ausnahmefällen darf ein Prokurist Grundstücke erwerben, vermieten und verpachten. Allerdings hat die Prokura auch bestimmte Grenzen. Folgendes ist dem Prokuristen untersagt:

  • Geschäfte abzuschließen, die darauf ausgerichtet sind, den Betrieb einzustellen,
  • Bilanzen zu unterzeichnen,
  • Gleichberechtigte Prokura zu erteilen,
  • Handelsregistereintragungen zu beantragen,
  • Eide für den Kaufmann zu leisten,
  • Insolvenz zu beantragen,
  • Steuererklärungen für den Kaufmann zu unterzeichnen,
  • Betriebliche Grundstücke zu veräußern oder zu belasten.

Die Tätigkeit als Prokurist endet, wenn…

  • das Unternehmen Insolvenz anmeldet,
  • die Prokura widerrufen wird,
  • der Bevollmächtigte aus dem Unternehmen ausscheidet,
  • der Geschäftsführer oder Geschäftsinhaber wechselt.

Was ist der Unterschied zwischen Prokurist und Geschäftsführer?

Ein Prokurist kann als zwischenzeitlicher Geschäftsführer, quasi als Interim-Manager, betrachtet werden. Das unterscheidet ihn von einem Handlungsbevollmächtigten, dessen Befugnisse sich lediglich aufs eigene Tätigkeitsfeld beschränken.

Welche Voraussetzungen muss ein Prokurist erfüllen? Meist besteht ein Arbeitsverhältnis mit dem Unternehmen, für das der Bevollmächtigte tätig wird. Allerdings ist das nicht zwingend der Fall. Prokurist kann werden, wer eine natürliche Person mit zumindest beschränkter Geschäftsfähigkeit ist. Minderjährige sind also von der Prokura ausgenommen.

Nicht Prokurist werden kann:

  • der Unternehmensträger selbst
  • der Geschäftsführer einer GmbH
  • der vertretende Gesellschafter einer OHG oder KG
  • der Testamentsvollstrecker
  • der Insolvenzverwalter

Im Gegensatz zum Geschäftsführer, der das Unternehmen nach innen vertritt, ist der Prokurist für die Vertretung nach außen zuständig. Das heißt, er regelt den Schriftverkehr und übernimmt Geschäfte, die im Zusammenhang mit dem Gewerbe bestehen.

Im Schriftverkehr spiegelt sich übrigens die Position in der Unterschrift wider: Prokuristen unterschreiben schließlich in Vertretung einer anderen Person. Daher wird der Unterschrift ein „ppa.“ hinzugefügt. Die Abkürzung ppa. oder pp. steht für per procura, auf Deutsch „aufgrund einer erteilten Prokura“.

Gehalt: Was verdient ein Prokurist?

Ein Gehalt ist immer von mehreren Faktoren abhängig:

  • Erfahrung
  • Branche
  • Unternehmensgröße
  • Region

Pauschale Aussagen über Gehälter sind also etwas schwierig. Eine Einstiegsposition kann bei nur 30.000 Euro liegen – allerdings kann sich das Gehalt durch Provisionen erhöhen. Durchschnittlich liegt das Gehalt eines Prokuristen mit Berufserfahrung zwischen 60.000 und 120.000 Euro brutto pro Jahr, je nach Erfahrung und Verantwortung.

Das Versicherungswesen kann mit den höchsten Prokuristengehältern aufwarten. Bis zu 200.000 Euro brutto sind im Jahr möglich. Mit etwa 170.000 Euro brutto sind Sie als Prokurist im Einzelhandel dabei.

Lukrative Gehälter gibt es auch in der Chemie- und Verfahrenstechnik. Hier sind etwa 125.000 Euro pro Jahr zu erwarten. An nächster Stelle liegt die Automobilindustrie mit einem Jahresbruttogehalt von 120.000 Euro.

„Nur noch“ 100.000 Euro Jahresbrutto gibt es für Prokuristen im Maschinenbau, auch der Großhandel liegt in etwa dieser Größenordnung.

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Karriere: Chancen und Aussichten als Prokurist?

Wie Ihr Arbeitsalltag aussieht, hängt unter anderem davon ab, welcher Art Ihre Prokura ist. Es wird zwischen folgenden Formen der Prokura unterschieden:

  • Einzelprokura

    Ein führender Angestellter wird Prokurist.

  • Gesamtprokura

    Zwei oder mehrere Führungspersonen sind (in gemeinsamer Absprache) handlungsberechtigte Prokuristen, ein einzelner Prokurist hingegen ist nicht vertretungsberechtigt.

  • Filialprokura

    Der Prokurist erhält lediglich für eine Filiale die Handlungsvollmacht.

  • Generalprokura

    Der Prokurist erhält die Handlungsvollmacht über alle Niederlassungen des Unternehmens.

Wie angesprochen, sind es meist größere Unternehmen, in denen die Arbeit für einen Entscheidungsträger zu viel geworden ist. Gleichzeitig gelingt der Einstieg eher über kleinere Unternehmen, da hier die Voraussetzungen meist geringer sind. Mit den oben genannten Studienfächern sind Sie auf keine Branche festgelegt, Ihnen stehen daher die Türen zu allen Unternehmen offen.

Das gilt vor allem dann, wenn Absolventen nicht nur den Bachelor, sondern noch einen Master gemacht haben. Letzterer vertieft nicht nur Grundkenntnisse, sondern qualifiziert zur Führungsposition.

Mathematische Kenntnisse und analytisches Denken ist für jegliche Unternehmensführung wichtig, die Berufsaussichten sind somit gut. Weiterbildungen sind grundsätzlich empfehlenswert, um vorhandene und benötigte Qualifikationen auszubauen.

Es gibt allerdings keine „Fortbildung als Prokurist“ oder dergleichen, da Sie sich diese vertrauensvolle Position verdienen müssen.

Sollte Ihnen diese Position in Aussicht gestellt werden, ist zu überlegen, ob Sie eine spezielle D&O-Versicherung abschließen beziehungsweise das Unternehmen für Sie eine abgeschlossen hat. Schließlich sollten mögliche finanzielle Vermögensschäden abgedeckt sein, anderenfalls werden Sie in die finanzielle Haftung genommen.

Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Bewerbung als Prokurist: Tipps, Formulierungen, Vorlage

Aufgrund der umfangreichen Befugnisse wird nicht jedem die Vollmacht als Prokurist erteilt. Vielmehr muss sich ein Mitarbeiter über Jahre hinweg als vertrauenswürdig und loyal erwiesen haben. Er kennt die internen Vorgänge, versteht die Unternehmenskultur und kann sich voll und ganz mit dem Unternehmen identifizieren.

Bei so jemanden muss der Geschäftsführer nicht befürchten, dass die Risikofreude hinsichtlich irgendwelcher Entscheidungen größer als die Verbindung zum Unternehmen ist. Zwar kann es auch vorkommen, dass eine Firma sich für einen auswärtigen Bewerber entscheidet und die Stelle als Prokurist offiziell zu besetzen ist.

Allerdings geschieht dies eher über Headhunter. Auch wird es sich weniger um einen Branchenneuling handeln, sondern um eine Personalie, die in der Branche nicht völlig unbekannt ist.

Wer perspektivisch eine Tätigkeit als Prokurist anstrebt, sollte dafür Sorge tragen, dass er sich gut vernetzt. Eine Mitgliedschaft in entsprechenden Berufsorganisationen und auf Präsenz zeigen auf Fachtagungen gehört einfach dazu.

Sollten Sie sich hingegen auf eine internen Stellenausschreibung bewerben, haben Sie den Heimvorteil:

  • Sie wissen (oder können zumindest unkompliziert in Erfahrung bringen), wer der Ansprechpartner ist. Manchmal ist man sogar per Du, kann noch einige Tipps erhalten.
  • Sie verfügen über fundiertes Wissen aus erster Hand, das Sie ins Anschreiben einfließen lassen können.

Bewerbungen sollten zwar immer fehlerfrei und auf den Arbeitgeber zugeschnitten sein. Bei einer Bewerbung als Prokurist sollten Sie allerdings noch größere Sorgfalt walten lassen: Neben Ihrer fachlichen Qualifikation wollen Sie unbedingt Professionalität und Seriosität vermitteln, weshalb im Vorstellungsgespräch und Berufsalltag tadellose Umgangsformen und angemessene Kleidung unverzichtbar sind.

Ihre Vertrauenswürdigkeit können Sie im Anschreiben beispielsweise mit Formulierungen wie diese untermauern:

So habe ich über sechs Jahre eng mit der Geschäftsführung zusammengearbeitet.

Oder auch:

Außerdem zeichnete ich für die gesamte Kostenplanung verantwortlich.

Nachfolgend stellen wir Ihnen außerdem noch eine kostenlose Mustervorlage für eine Bewerbung als Prokurist zur Verfügung. Bedenken Sie bitte, dass dies lediglich zur Inspiration dient und auf Ihre individuelle Situation angepasst werden muss.

Bewerbung Prokurist Anschreiben Muster Vorlage Beispiel Pdf Word

Zum kostenlosen Download geht es hier:

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15. April 2020 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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