Definition
Höflichkeit bezeichnet ein respektvolles und rücksichtvolles Verhalten gegenüber anderen Menschen. Sie zeigt sich in einem freundlichen Umgangston, angemessener Sprache sowie im Beachten gesellschaftlicher Regeln und Normen. Höfliche Menschen begegnen anderen mit Achtung, hören zu, grüßen, sagen „Bitte“ und „Danke“ und nehmen Rücksicht auf Gefühle und Bedürfnisse ihrer Mitmenschen. Höflichkeit erleichtert das Zusammenleben, fördert ein positives Miteinander und trägt dazu bei, Konflikte zu vermeiden oder zu entschärfen. Sie ist sowohl im privaten Alltag als auch in Schule, Beruf und Öffentlichkeit von großer Bedeutung.
Wortherkunft
Das Wort „Höflichkeit“ stammt vom mittelhochdeutschen Wort „hovelich“ bzw. „hövesch“ ab und bedeutete ursprünglich „dem Hof entsprechend“ oder „fein und gebildet“. Der Begriff entwickelte sich aus dem Wort „Hof“, also dem fürstlichen oder königlichen Hof, an dem bestimmte Umgangsformen und Verhaltensregeln galten. Wer sich dort angemessen verhielt, galt als höflich. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff allgemeiner verwendet und beschreibt heute respektvolles, freundliches und rücksichtsvolles Verhalten im Umgang mit anderen Menschen.
Synonyme
Anstand, Aufmerksamkeit, gutes Benehmen, Etikette, Freundlichkeit, Galanterie (gehoben), gute Kinderstube, Liebenswürdigkeit, Taktgefühl, Respekt, Rücksichtnahme, gute Umgangsformen, Zuvorkommenheit, Wohlerzogenheit. Je nach Zusammenhang können die Bedeutungen leicht unterschiedlich sein.
Englisch: politeness. Je nach Zusammenhang: „courtesy“ (Zuvorkommenheit), „good manners“ (gute Manieren), „respectfulness“ (respektvolles Benehmen), „civility“ (gesellschaftliche Freundlichkeit).
Abgrenzung
Höflichkeit unterscheidet sich von verwandten Begriffen durch die Betonung äußerer Umgangsformen und respektvollem Verhalten im Alltag.
- Während „Freundlichkeit“ eher eine innere Haltung der Sympathie und des Wohlwollens beschreibt, zeigt sich Höflichkeit primär in bestimmten Verhaltensweisen wie Grüßen, Danken oder höflicher Sprache.
- „Respekt“ geht noch tiefer und bedeutet die Anerkennung der Würde und Rechte anderer Menschen. Höflichkeit kann ein Ausdruck von Respekt sein, muss aber nicht immer mit echter Wertschätzung verbunden sein.
- „Anstand“ wiederum bezeichnet allgemein gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten und moralische Regeln, während Höflichkeit stärker auf zwischenmenschliche Kommunikation bezogen ist.
Höflichkeit kann als sichtbare Form guter Umgangsformen verstanden werden, die oft mit Freundlichkeit, Respekt und Anstand verbunden ist, sich jedoch nicht vollständig mit diesen Begriffen deckt.
Beschreibung: Wie zeigt sich Höflichkeit?
Höflichkeit zeigt sich meist im gesamten Auftreten eines Menschen und im respektvollen Umgang mit anderen. Hinter diesem Eindruck stehen viele kleine Verhaltensweisen, die im Alltag oft entscheidend sind. Die wichtigsten Regeln lassen sich gut zusammenfassen:
- Bitte und Danke sagen gehören zu den grundlegenden Formen der Höflichkeit. Wer freundlich bittet und sich bedankt, zeigt Wertschätzung gegenüber anderen.
- Grüßen und Verabschieden sind ebenfalls wichtig. Ein kurzer Gruß oder eine freundliche Verabschiedung signalisieren Respekt und Aufmerksamkeit gegenüber Mitmenschen.
- Entschuldigungen gehören unbedingt zu einem höflichen Verhalten, wenn man einen Fehler gemacht oder jemanden verletzt hat. Wer sich entschuldigen kann, zeigt Größe und Anstand.
- Aufmerksamkeit bedeutet, sich auf sein Gegenüber zu konzentrieren und Ablenkungen wie das Smartphone beiseitezulegen (siehe: Unsitte Sidebarring). Das zeigt echtes Interesse und Respekt.
- Gute Tischmanieren sind besonders beim gemeinsamen Essen wichtig. Rücksichtsvolles Verhalten am Tisch (z.B. kein lautes Schmatzen) trägt zu einer angenehmen Atmosphäre bei.
- Körpersprache spielt ebenfalls eine große Rolle: Rücksichtsvolle Gesten und eine offene Haltung wirken höflich, während abweisende Signale das Gegenteil vermitteln.
- Rücksichtnahme zeigt sich wiederum darin, andere nicht zu stören und auf ihre Bedürfnisse zu achten – etwa durch leises Verhalten oder Hilfsbereitschaft.
- Eine angemessene Ausdrucksweise rundet Höflichkeit ab: Freundliche Worte und eine angemessene Lautstärke und Sprache (keine Fäkalausdrücke) sind dabei entscheidend.
Insgesamt entsteht Höflichkeit durch das Zusammenspiel vieler kleiner Verhaltensweisen, die den Umgang miteinander angenehmer und respektvoller machen.
Beispiele für höfliches Verhalten
Im Alltag gibt es viele Möglichkeiten und Situationen, in denen Sie höflich sein können. Beispiele:
- Aufmerksam zuhören.
- Anderen die Tür aufhalten.
- Beim Anstehen anderen den Vortritt lassen.
- Zu Terminen pünktlich erscheinen.
- Hilfe anbieten, ohne danach gefragt zu werden.
- Andere nicht anschreien, sondern ruhig und gelassen bleiben.
- Einfühlungsvermögen zeigen.
Bedeutung
Ein höflicher Umgang sollte eigentlich selbstverständlich sein. Da im Alltag jedoch oft Höflichkeit fehlt, wächst ihre Bedeutung zunehmend. Nicht nur hat Höflichkeit den Effekt, dass man selbst dadurch ebenfalls freundlicher behandelt wird und so mit gutem Beispiel vorangeht. Sie erleichtert es überdies, neue Kontakte zu knüpfen und mit anderen ins Gespräch zu kommen, während unhöfliches Verhalten eher zum Ausschluss führt. Im beruflichen Kontext ist Höflichkeit zudem ein wichtiger Erfolgsfaktor, weil sie das Betriebsklima verbessert und sowohl Kolleginnen und Kollegen als auch Kunden positiv beeinflusst.
Waren die Menschen früher höflicher?
Früher war der Umgang durch strengere Etikette und klare soziale Hierarchien geprägt, was oberflächlich disziplinierter wirkte. Diese Formstabilität basierte jedoch auf gesellschaftlichem Zwang und diente der Abgrenzung zwischen den Schichten. Heute erleben wir eine zunehmende Informalisierung, bei der starre Regeln zugunsten einer Kommunikation auf Augenhöhe schwinden. Während klassische Gesten wie das Hutziehen seltener werden, ist an ihre Stelle eine empathischere Form der Wertschätzung getreten. Gleichzeitig sorgt die Anonymität der digitalen Welt heute für eine neue Art der Enthemmung, die als kollektiver Unhöflichkeitsschub wahrgenommen wird.
Hat Höflichkeit Nachteile?
Leider hat auch eine so positive Eigenschaft Nachteile. Das häufigste Problem: Nette und höfliche Menschen werden leichter ausgenutzt. Wer immerzu „Ja“ sagt, wird von anderen leichter übervorteilt und übergangen. Hinzu kommt: Höfliches Verhalten macht verletzlich. Wird so viel Rücksichtnahme und Taktgefühl nicht erwidert, sind viele enttäuscht. Das aber heißt nicht, dass Sie fortan unhöflich sein sollten. Sie sollten aber Ihre Bedürfnisse genauso schätzen und müssen vereinzelt Grenzen setzen.
Methoden & Tipps für mehr Höflichkeit
Höflichkeit wird in erster Linie durch die Erziehung beigebracht und in jungen Jahren erlernt. Ebenso spielt eine Rolle, wie im eigenen Umfeld miteinander umgegangen wird. Je mehr Höflichkeit ein Mensch erlebt, desto eher spiegelt er das Verhalten wider. Falls es mit der Höflichkeit noch nicht richtig klappt, sollte der erste Schritt immer sein, die genannten Regeln einzuhalten. Zusätzlich helfen diese Tipps und Übungen:
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Hören Sie aktiv zu
Lassen Sie andere grundsätzlich ausreden und schenken Sie ihnen Ihre volle Aufmerksamkeit. Durch kurzes Nicken, paraphrasieren (in eigenen Worten wiederholen) oder kurze Rückfragen (aktives Zuhören) zeigen Sie, dass Sie das Gesagte wirklich wertschätzen und verstehen wollen.
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Halten Sie Blickkontakt
Grüßen Sie Ihr Gegenüber nicht nur stets freundlich, sondern halten Sie dabei ebenso direkten Blickkontakt. Anderen beim Reden in die Augen zu sehen (aber nicht permanent Starren) signalisiert Interesse und öffnet die Tür für ein positives Gesprächsklima (siehe: Dreiecksmethode).
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Verschenken Sie ein Lächeln
Kaum etwas strahlt von Anfang an so viel Sympathie und Höflichkeit aus, wie ein authentisches und offenes Lächeln. Gewöhnen Sie sich an, anderen Menschen stets mit einem Lächeln auf dem Gesicht zu begegnen – und Sie werden als besonders höflich wahrgenommen.
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Verwenden Sie den Namen Ihres Gegenübers
Sprechen Sie Menschen, sofern bekannt, mit ihrem Namen an. Dies verleiht Ihrer Kommunikation eine persönliche Note und gibt Ihrem Gegenüber das Gefühl, als Individuum wahrgenommen und geschätzt zu werden.
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Beweisen Sie Hilfsbereitschaft im Alltag
„Bitte“ und „Danke“ sagen als Zauberwort öffnet Türen. Die dürfen Sie anderen aber ebenso buchstäblich aufhalten oder Mitmenschen einen Sitzplatz anbieten. Gerade diese uneigennützigen Gesten machen den Alltag angenehmer.
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Verbreiten Sie gute Laune
Wer schlecht gelaunt ist, ist meistens weniger höflich. Höflichkeit ist aber kein Kleidungsstück, was man an- und ausziehen kann, sondern eine generelle Haltung: Bemühen Sie sich, Ihre Stimmungen nicht an anderen auszulassen, sondern versuchen Sie, möglichst gute Laune zu verbreiten.
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Halten Sie sich mit Kritik taktvoll zurück
Üben Sie Kritik niemals vor versammelter Mannschaft, sondern immer in einem diskreten Vier-Augen-Gespräch. Formulieren Sie Ihr Anliegen dabei als Ich-Botschaft und vermeiden Sie persönliche Angriffe oder Vorwürfe. Bauen Sie Ihrem Gegenüber immer eine Brücke, um das Gesicht zu wahren und eine konstruktive Lösung zu finden.
Sprüche & Zitate
- „Im Deutschen lügt man nicht, wenn man höflich ist.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
- „Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige.“ (Ludwig XVIII)
- „Umgangsformen sind Formen, die zunehmend umgangen werden.“ (Oliver Hassencamp)
- „Manchmal kann ich einfach nicht schnell genug lügen, um höflich zu bleiben.“
- „Begegne den Menschen mit der gleichen Höflichkeit, wie du einen teuren Gast empfängst.“ (Konfuzius)
- „Sprich leise und höflich, aber trage stets einen dicken Knüppel bei dir.“ (Theodore Roosevelt)
- „Wer nicht höflich sein kann, ist unfreundlich zu Fremden und beleidigt die Erziehung seiner Eltern.“
- „Sei höflich zu allen, aber freundschaftlich mit wenigen; und diese wenigen sollen sich bewähren, ehe du ihnen Vertrauen schenkst.“ (George Washington)
Weiterführende Artikel & Quellen
- Gute Manieren: Die wichtigsten Regeln & Beispiele
- Business-Knigge: Regeln im Beruf
- Hilfsbereitschaft: Ist der Nette der Dumme?